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	<title>Christus-Weg &#187; Martin Luther &#8211; Lukas</title>
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		<title>Lukas 24, 50-53</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:22:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 24, 50-53
Er führte sie aber hinaus gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen, und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an, und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude, und waren allewege im Tempel, preisten und lobten Gott.
1. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 24, 50-53</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Er führte sie aber hinaus gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen, und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an, und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude, und waren allewege im Tempel, preisten und lobten Gott.</em></p>
<p style="text-align: justify;">1. Man begeht heute den Tag der Himmelfahrt unseres Lieben Herrn Christi, um des Artikels willen in unserem Glauben, da wir also sprechen: Ich glaube an Christum, der aufgefahren ist gen Himmel, und sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Dieser Artikel ist eine Ursache, dass wir den heutigen Tag feiern, auf das wir nicht allein lernen, wie solche Himmelfahrt zugegangen ist, sondern auch, was Christus dadurch ausgerichtet und damit anzurichten gemeint hat.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-329"></span>2. Die Geschichte aber beschreibt Lukas eigentlich und fein, dass man den Tag, Ort und Zeit, und danach auch die Personen wissen kann, die dabei gewesen sind, und wie es zugegangen ist. Nämlich, dass der Herr, nachdem er 40 Tage nach seiner Auferstehung um seine Jünger, und besonders in Galiläa gewesen ist, mit ihnen gegessen und ihnen vom Reich Gottes gepredigt hat, hat er sie versammelt an den Ölberg, nahe bei Jerusalem gelegen, und den Befehl gegeben, sie sollten, wie Markus sagt, nach Jerusalem ziehen und auf den Heiligen Geist warten, und danach das Evangelium in aller Welt auspredigen. Nach solchem Befehl, sagt Lukas, sei Christus aufgehoben worden und in die Lüfte hinein gefahren, mit Fleisch und Bein, wie er vor ihnen gestanden ist, bis an die Wolken, dass sie ihn nicht mehr sehen konnten. Als aber die Jünger da so stehen und wundern sich (denn so etwas hat man zuvor nie von einem Menschen gesehen, dass dieser über sich in die Luft wie ein Vogel sich heben konnte), treten zwei Engel zu ihnen, sagen ihnen: Sie sollen wieder nach Haus gehen, es sei nichts mehr zu sehen; der Herr werde von nun an auf Erden nicht mehr in solcher Gestalt kommen, bis er die Toten und Lebendigen werde richten. Da werde er gleich in einer Wolke herunter kommen, wie er jetzt in einer Wolke aufgefahren sei. Dies ist ungefähr die Geschichte, so viel davon in den Evangelisten gemeldet ist.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Da ist einmal das Wunderwerk zu bedenken, dass der Herr in so wunderbarer Weise von seinen Jüngern in die Höhe auffährt, wie ein Vogel, und verschwindet in den Lüften, das ist, er fährt so hoch, dass seine Jünger ihn nicht mehr sehen können. Denn in den Lüften fahren ist den Menschen ein ungewöhnliches, ja, unmögliches Ding. Der Leib eines Menschen hat von Natur die Art, wie ein Stein oder ein anderes schweres Ding, dass er unter sich begehrt. Nun hat aber Christus nach seiner Auferstehung einen Rechten Leib, der Fleisch und Bein hat, wie er selbst sagt, Lukas im 24. Kapitel Vers 39. und sich greifen lässt; und dennoch ist es ein solcher Leib, der der Natur wegen in die Höhe kann und über sich fahren, als auch unter sich.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Das ist ein Zeichen, an dem wir lernen möchten, was für Leiber wir nach diesem Absterben bekommen sollen. Jetzt ist es um unsere Leiber ein schweres, langsames Ding: aber wenn wir von den Toten auferstehen und neue Leiber bekommen werden, das werden wohl rechte Leiber, von Fleisch und Bein und allen Gliedern sein; aber sie werden nicht mehr so schwer und ungelenk sein, sondern gleichwie wir mit Gedanken jetzt schnell da und dort sind, also wird man es dann mit dem Leibe auch tun können. Wie man an Christus nach seiner Auferstehung sieht: den hindert der Stein am Grabe nicht, die verschlossene Tür auch nicht, er wischt in einem Augenblick hindurch, dass wir nicht wissen können, wie er da hindurch kommt. Also, wenn er will, lässt er sich sehen; wenn er will, kann man ihn nicht sehen. In einem Augenblick ist er an dem Ort, in einem Augenblick an einem anderen Ort, und kann sowohl in den Lüften gehen, als auch auf Erden. Diese Herrlichkeit sollen wir an unserem Leibe nach diesem Leben auch erwarten; neben dem, dass es dann unsterbliche Leiber sein sollen, die weder Essen noch Trinken müssen und nie an Gesundheit einen Mangel haben werden.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Nun müssen wir aber auch sehen, was unser lieber Herr Christus mit solcher Himmelfahrt hat ausrichten wollen, und worin wir solcher Himmelfahrt auch hier auf Erden genießen können. Da ist das erste, weil wir sehen, dass Christus über sich in den Himmel fährt, dass wir daraus schließen müssen, Christus wolle mit der Welt und ihrem Reich nichts zu schaffen haben, sonst werde er hier auf Erden bleiben, und das gebrauchen, dass andere weltliche Könige und Fürsten auch brauchen. Aber er lässt solches alles hier unten, und fährt hinauf in den Himmel, wo wir ihn nicht sehen. Will damit uns lehren, das wir sein Reich recht ansehen und erkennen sollen, dass es nicht ein weltliches Reich ist, wie die Jünger dachten, dass er Geld und Gut und große Herrschaften austeilen würde; sondern ein geistliches und ewiges Reich, da er geistliche Gaben denen, so in solchem Reich bei ihm sind, austeilen will.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Denn darum darf und soll niemand ein Christ werden, dass er dadurch zu Geld und Gut, oder großen Ehren kommen wolle. Darum ist die Taufe, das Predigtamt, das Sakrament nicht eingesetzt; Christus ist auch um solches weltlichen, zeitlichen Dinges wegen vom Himmel auf die Erden nicht gekommen, ist auch darum nicht in den Himmel gefahren. Es ist um anderes und Höreres zu tun, nämlich, dass uns geholfen werde mit den ewigen Gütern, als da sind, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben. Solche Gaben sollen wir von unserem Herrn Christus erwarten, der nicht hier unten auf Erden bleiben, sondern in den Himmel fahren, und da ein geistliches, unsichtbares ewiges Reich anrichten will.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Solches ist lange zuvor geweissagt durch den Heiligen Geist, im 68. Psalm Vers 19,welches der Heilige Paulus auch zu den Ephesern im 4. Kapitel Vers 8 schreibt, und auf die Himmelfahrt Christi und sein geistliches Regiment deutet, da steht: &#8221; Du bist in die Höhe gefahren, und hast das Gefängnis gefangen; du hast Gaben empfangen für die Menschen, auch die Abtrünnigen, dass Gott, der Herr, dennoch daselbst wohnen wird &#8220;. Das ist ein kurzer Spruch, aber er fast über die Maßen viel. Darum müssen wir alle Worte fleißig bedenken und ansehen. Und auch Paulus selbst geht meisterlich und fein mit dem ersten Wörtlein um, und spricht: &#8221; Das er aufgefahren ist, was ist es, denn dass er zuvor ist hinunter gefahren in die untersten Örter der Erde? Der hinunter gefahren ist, das ist derselbige, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf das er alles erfülle &#8220;. Was mag wohl Paulus mit solchen Worten meinen? Nichts anderes, dass wir der Himmelfahrt unseres Lieben Herrn Christi so groß genießen sollen, wie wir bald hören werden, dass wir auch die Ursache lernen, wodurch wir zu solcher Gnade und Seligkeit gekommen sind. Denn solches haben nicht unsere guten Werke, heiliges Leben, oder Gehorsam verdient; sondern er selbst, der Herr, der solche Gaben gibt, der hat es verdient damit, dass er vom Himmel hernieder gestiegen, sich seiner Gottheit, wie Paulus an einem anderen Ort sagt, geäußert, und um unsertwillen ist Mensch geworden, und für uns am Kreuz gestorben.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Solch eine Wohltat will Paulus mit diesen Worten anzeigen, dass er daran denkt was es bedeutet das Christus vom Himmelsthron herunter gestiegen ist. Und es reimt sich sehr wohl; denn wer zuvor in der Höhe ist, darf nicht in die Höhe kommen. Das nun der Heilige Geist von Christus sagt: &#8221; Du bist in die Höhe gefahren &#8220;, daraus muss folgen, dass er zuvor herunter gefahren und sich gedemütigt habe. Das ist nun um unsertwillen geschehen. Darum reimt sich solch eine Auslegung von Paulus fein mit den Worten Christi, die wir vor Tagen gehört haben: &#8221; Es ist euch gut, dass ich hingehe; denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster, der Heilige Geist, nicht zu euch. Wenn ich aber hingehe, so will ich ihn zu euch senden &#8220;, Johannes 16,7.; und Johannes 14,3.: &#8221; so ich hingehe, so will ich euch die Stätte bereiten &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Zu solchem reimt sich das andere Wort sehr fein, dass er sagte: &#8221; Du bist in die Höhe gefahren &#8220;; denn damit will er zwischen Christus und anderen, die auch gen Himmel fahren, einen Unterschied machen. Henoch ist aufgenommen zu Gott. Elias ist auf einem feurigem Wagen gen Himmel gefahren. Aber Christus ist nicht so gen Himmel gefahren; sondern er selbst, aus eigener Kraft, ist über sich gefahren, gleich wie er sich selbst von den Toten, aus eigener Kraft und Macht, ohne eines anderen Hilfe erweckt hat. Solches ist ein sehr großer Unterschied. Denn wir werden uns am jüngsten Tage von den Toten nicht auferwecken, sondern Christus wird uns auferwecken, Johannes 6,54. Aber Christus selbst steht aus eigener Kraft von den Toten auf; wie er sagt, Johannes 10,17. 18.: &#8221; Mein Vater liebet mich, dass ich mein Leben lasse, auf das ich wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe es Macht zu lassen, und habe es Macht wieder zu nehmen; und Petrus in seiner ersten Predigt, Apostelgeschichte 2,24.: &#8221; Es war unmöglich, dass er sollte vom Tod gehalten werden &#8220;. So ist der Unterschied auch hier mit seiner und unserer Himmelfahrt. Wir fahren gen Himmel; denn Christus zieht uns zu sich. Er aber ist es, der aus eigener Kraft und Vermögen gen Himmel fährt; wie er spricht, Johannes 3,13.: &#8221; Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herunter gefahren ist &#8220;. Solchen Unterschied hat der Heilige Geist lange zuvor angezeigt, und damit uns lehren wollen, dass wir Christum als einen rechten, allmächtigen, ewigen Gott annehmen sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Das aber der Psalm weiter sagt: &#8221; Du bist aufgefahren in die Höhe &#8220;, solches ist, wie wir oben auch gesagt haben, nichts anderes, denn das Christus vor Pilatus sagt: &#8221; Mein Reich ist nicht von dieser Welt &#8220;. Darum, ob wir wohl hier auf Erden mit der Nahrung, mit Weib, Kind und Gesinde, mit weltlichem Regiment, zu schaffen haben und müssen damit umgehen: doch weil wir auch Christen sind und Christus sein Reich nicht hier unten auf Erden führt, sollen wir unsere Herzen und Gemüt über sich heben, und nach solchem geistlichen Reich hauptsächlich trachten, und mit unserem Herzen und Gedanken damit umgehen.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Aber was geschieht? Die meiste Zeit steckt mit Leib und Seele, mit Händen und Herzen allein in diesem vergänglich in Leben, und trachtet, wie man hier genug habe, und nimmt sich nichts oder wenig an, dass Christus in die Höhe gefahren ist. Da möchte der Heilige Geist gern wehren, und predigt: Christus sei nicht auf Erden geblieben, sondern in die Höhe gefahren, auf das wir, weil wir mit dem Leibe noch hier unten sind, doch uns mit dem Herzen und Gedanken über sich heben, und unserer Herzen mit Sorgen dieses Lebens nicht beschweren. Denn also soll es bei den Christian ausgerichtet sein: der Leib und alte Adam soll mit diesem zeitlichen umgehen und damit beschwert sein; das Herz aber soll sich um das Ewige annehmen, wie Paulus spricht Kolosser 3,1. 2.: &#8221; Suchet, was droben ist, und nicht nach dem, dass auf Erden ist &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Was tut aber Christus oben? oder warum ist der hinauf gefahren, und nicht ihr unten geblieben? Ist er müßig, oder tut er gar etwas? Von solchem meldet der Psalm sehr fein und spricht: &#8221; Du bist in die Höhe gefahren, und hast das Gefängnis gefangen &#8220;. Das ist über die Maßen tröstlich geredet, und wir können sehen, dass Christus eben auf diesen Psalm damals gedacht hat, da er Lukas dem 11. Kapitel das 21 das Gleichnis die von dem starken Gewappneten, der sein Haus in Frieden bewahrt, bis ein Stärkere über ihn kommt und überwindet ihn, der nimmt ihm alsbald den Harnisch, darauf er sich verließ, und teilet den Raub aus.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Denn wir arme Menschen sind darum unter des Teufels und des Todes Tyrannei; die halten uns gefangen, und es ist unmöglich, dass wir uns selbst davon könnten frei machen aus solch einem Gefängnis. Der Teufel treibt und regiert uns, und der Tod würgt uns; da ist keine Rettung, die wir von uns selbst haben könnten. Aber Christus, als der Stärkere, kommt, erstlich in aller Demut gibt er sich hin und lässt sich am Kreuz würgen. Bezahlt also mit seinem eigenen Tod für der ganzen Welt Sünde, als ein armes, unschuldiges Lamm. Da ist keine Kraft noch Macht; denn darum hängt er da, dass er den Tod leiden will.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Als nun die Sünde durch solchen Tod versöhnt und abgetragen ist, und der arme Christus in dem Grabe liegt, und niemand eine Hoffnung noch Trost seinetwegen hat, da macht er sich in aller Macht und Herrlichkeit wieder aus dem Tode hervor, wie wir diesen Ostern gehört haben, und, wie der Heilige Geist hier sagt, nimmt er das Gefängnis gefangen, das ist, er bricht dem Teufel und Tod seine Macht, und nimmt ihnen das Regiment, dass der Teufel nicht mehr den Christen schaden, und der Tod sie nicht mehr würgen noch die Sünde sie anklagen soll.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Darum wird hier ein umgekehrtes Wesen. Die Sünde hat uns zuvor gefangen gehalten und verklagt, der Teufel hat uns in die Sünde nach seinem Mutwillen gejagt, der Tod hat uns gewürgt. Solches soll nie wieder geschehen. Denn dazu ist Christus gen Himmel gefahren, dass er Sünde, Tod und Teufel will gefangen halten, dass sie uns nicht mehr Schaden tun sollen, wie zuvor; sondern wenn sie uns einen Schaden tun, so soll es doch uns zum Besten werden.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Die Sünde lässt es nicht, sie reizt und lockt, ob sie uns wider Gottes willen bewegen könnte und ein böses Gewissen machen. Wir aber sind so schwach, dass wir uns oft bewegen und betrügen lassen. So geschah es dem trefflichen, großen Mann David, der fiel in zwei schwere Sünden. dass er aber in solcher Sünde nicht bleibt, sondern sie ihm vergeben wird und er nicht stirbt, hat die Ursache, dass die Sünde durch Christum ihre Kraft verlieren und gefangen werden sollte. Darum muss die Sünde den David nicht allein schaden, sondern ihn versuchen, dass er darum heftiger und ernster bete. Denn wenn er in solch eine Sünde und Not nicht gefallen wäre, würde er den schönen Psalm, nie gemacht haben.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Also ist es mit dem Tode auch: der kann es nicht lassen, er muss die Zähne gegen uns zeigen, und sich stellen, als wenn er uns fressen wollte. Wiederum können wir es auch nicht lassen, wenn wir solches sehen, müssen wir davor erschrecken und uns fürchten. Wie kommt es denn, dass der Tod nicht ausrichtet, was er gern wollte, und die Christen nicht würgt? Also, dass der Tod ein gefangene Tod ist, und kann so nicht einen Schaden tun und würgen, als wenn ihn Christus nicht gefangen hielte. Darum, wenn er am meisten tobt und wütet, und sich am schrecklichsten stellt, richtet er doch bei den Christen nicht mehr aus, denn dass er sie zu Gottes Wort treibt, dass sie dieses desto fleißiger üben, in sich bilden und damit sich trösten; da sonst, wo die Schrecken des Todes nicht wären, sie das Wort nicht so fleißig annehmen würden.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Eben also geht es mit dem Teufel auch: der ist ein böser Feind, schleicht Tag und Nacht den Christen nach, ob er sie fällen und ihnen den Schatz des ewigen Lebens nehmen könnte. Aber er ist ein Gefangener Geist, und soll nicht allein solches zuwege bringen, sondern je mehr er den Christen nachstellt, je vorsichtiger soll er sie machen, dass sie beten, in Gottes Wort sich üben und sich in Gottes Schutz befehlen. Da sie sonst, wo der Teufel nicht so wüten würde, häufig sicher und nachlässig würden. Weil aber der Feind keinen Frieden gibt noch ruhen kann, müssen sie mutig und vorsichtig sein.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Also dienen den Christen solche Anfechtungen, Schrecken und Gefahr nicht darum, als wäre nichts Schädliches an ihnen. Ihrer Natur und Eigenschaft wegen sind sie sehr schädlich, wie man an der Welt sieht. Aber da ist die Himmelfahrt unseres Herrn Christi in ihrem rechten Brauch und Übung, dass solche Feinde gefangen sind, und an den Christen das nicht ausrichten sollen, dass sie sonst nicht lassen könnten. Die Sünde würde verdammen, der Tod würgen und der Teufel in alle Not und Jammer werfen; aber es sind gefangene Feinde. Darum, ob sie es gleich böse meinen, soll es doch nicht schaden. Das ist nun eine herrliche und große Frucht der Himmelfahrt Christi, dass die großen Feinde Sünde, Tod und Teufel, die uns gefangen hielten, vom Herrn Christus gefangen, und wir der von erlöst sind; denn darum ist er gen Himmel aufgefahren und sitzt zur rechten Gottes, dass er vor solchen Feinden seine Christen schützen will.</p>
<p style="text-align: justify;">20. Bei dem allein will er es aber nicht bleiben lassen; denn der Psalm sagt weiter: &#8221; Du hast Gaben empfangen für die Menschen &#8220;. Das ist, solche Gaben, die du den Menschen mitteilen und ihnen dadurch helfen sollst. Was mögen aber solches für Gaben sein? Christus sagt in Johannes 16,7. 8. Da er spricht: &#8221; So ich hingehe, will ich den Tröster zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, wird er die Welt Strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht &#8220;. Und Petrus, Apostelgeschichte 2,33.: &#8221; nun er durch die Rechte Gottes erhöht ist, und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hat er dies ausgegossen, dass ihr jetzt seht und hört &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Nun aber richtet der Heilige Geist zweierlei aus: erstens bringt der uns durch das Evangelium zur Erkenntnis Christi, dass wir in seinem Namen Vergebung der Sünden glauben: zum anderen, das wir unser Leben bessern, der Sünde widerstehen und sie töten, und uns an einem herzlichen Gehorsam gegen Gott begeben. Das heißt Seele und Leib, Herz und alles an uns fromm machen. Denn wenn wir nie hier auf Erden, um unseres sündigen Fleisches willen, dahin kommen können, dass wir ganz rein und ohne alle Sünde werden; so wird doch solche anklebende Sünde, durch den Glauben an Christum, uns nicht zugerechnet, kann uns auch nicht verdammen. Das ist das erste, dass der Heilige Geist in uns ausrichtet.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Zum anderen braucht der Heilige Geist uns auch dazu, das wir durch das Wort und das Predigtamt andere auch zu solcher Gnade und Erkenntnis bringen. Darum deutet Paulus zu den Epheser an im 4. Kapitel 11-13. diesen Psalm, dass durch die Himmelfahrt Christi uns diese Gabe widerfahre, dass er etliche zu Apostel, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern gesetzt habe, &#8221; das die Heiligen geschickt seien zum Werk des Amtes, dadurch der Leib Christi erbaut werde, bis das wir alle zu einerlei Glauben und Bekenntnis des Sohnes Gottes kommen &#8220;. Denn wir sehen und erfahren, wie feind der Teufel dem Wort ist, und besonders in diesen Zeiten hetzt der Türke und Papst, dass sie das Wort dämpfen, und die Christenheit sollte wüste, oder wenigstens dünn machen. Und denn nach, je mehr Türke und Papst toben, je mehr nimmt Gottes Wort zu; und es ist ihnen und möglich, dass sie Taufe, Sakrament und Wort könnten ausrotten. Das ist nun auch ein Stück, an welchem wir die Himmelfahrt unseres Herrn Christi spüren; denn darum ist er denn Himmel gefahren, dass er den Heiligen Geist herunter senden, und sein Amt auf Erden fördern wolle.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Danach heißen auch das Gaben, dass Gott durchaus seine Kirche regiert und führt, in Anfechtung tröstet, in Verfolgung rettet, in der Wahrheit wieder Irrtum leitet und erhält, und besonders sie zum Gebet erweckt; wie der Herr im nächsten Evangelium sagt: &#8221; Am selben Tage werdet ihr beten in meinem Namen &#8220;; denn solches kann man ohne Hilfe des Heiligen Geistes nicht tun. In der Summe, was wir haben und empfangen, sind lauter Gaben Christi, und die rechte Frucht seiner fröhlichen Himmelfahrt; denn darum ist er aufgefahren, dass er dadurch sein Reich fördern, und sich eine christliche Kirche durch das Wort und den Heiligen Geist erhalten will.</p>
<p style="text-align: justify;">24. Solches zeigt auch sehr schön Lukas in dem Text an, welchen wir am Anfang gehört haben. Denn er sagt: Da Christus habe wollen denn Himmel auffahren, habe er seine Hände aufgehoben und seine Jünger gesegnet. Nicht so gesegnet, wie wir häufig pflegen, dass einer dem anderen eine gute Nacht gibt oder Urlaub nimmt. Sondern er hat ihnen Glück und Heil zum Amt gewünscht, welches er ihnen befohlen hat, dass sie das Evangelium aller Kreatur, das ist, allerlei Ständen in aller Welt, predigen sollen. Denn das Evangelium ist nicht um der Bäume, Steine, Vögel oder Fische willen zu predigen befohlen, sondern um der Menschen willen; wie denn bald folgt: &#8221; Wer glaubt und getauft wird, der wird selig &#8220;. Stein und Holz werden nie glauben können; so hat man auch keinen Befehl, dass man sie taufen soll, wie die Katholiken tun. Darum wie Taufe und Glaube allein den Menschen gehört, also gehört ihnen auch allein die Predigt des Evangelium. Es braucht aber der Herr darum die Weise zu reden, und spricht: &#8221; Predigt allen Kreaturen &#8220;, dass er alle Stände damit fassen will, dass kein Kaiser, kein König auf Erden so mächtig sein soll, er soll diese Lehre des Evangelium hören, annehmen und glauben, oder er soll verdammt sein. Zu solchem Befehl hebt der Herr seine Hände auf und segnet sie, das ist, er wünscht nicht allein, dass sie viel Gutes ausrichten, sondern er hilft auch zu solchem Amt, fördert und gibt das Gedeihen.</p>
<p style="text-align: justify;">25. Wo nun das Heilige Evangelium gepredigt würde, da geht solches aufheben der Hände und Segen des Herrn Christi noch, dass es Frucht schaffen und nicht umsonst gepredigt werden soll. Und ist es in der Wahrheit tröstlich, dass eben jetzt der Herr, da er auffahren will, seine Hände so aufhebt und seine Jünger segnet. Denn damit will er anzeigen, dass wir uns seiner Auffahrt trösten sollen, und dass er solche Auffahrt uns zum Segen und zu unserem Besten brauchen will. Denn was bedürfte es sonst solch einer freundlichen Gebärde so er mit uns zürnen und sich unser in seinem Reich nicht wollte annehmen? dass er nun seine Hände aufhebt, ihnen Glück und Heil zu den neuen befohlen Amt wünscht, das ist ja ein gewisses Zeichen, dass der Herr treu und freundlich uns meint, und wir solches aufheben der Hände und den Segen immer genießen sollen, weil das Evangelium gepredigt wird.</p>
<p style="text-align: justify;">26. Darin sehen wir, was für ein tröstliches und freudenreiches Fest wir an der Himmelfahrt haben, und wie in vielen Wegen wir dieses genießen: das künftig, weil unser Fleisch und Blut, der Sohn Gottes, zur Rechten seines Vaters sitzt, der Sünde, dem Tode und Teufel alle Macht genommen, dass sie uns nicht schaden sollen. Wenn auch sie gleich unsere Todfeinde sind und sich immer wieder gegen uns stellen; so sind es doch gebundene und gefangene Feinde. Dazu schenkt uns Christus seinen Geist, dass derselbe uns in aller Wahrheit leiten, wieder allen Irrtum erhalten, in Anfechtungen trösten, mit uns beten und uns zum Beten ermahnen soll, und danach mit allerlei Gaben und Gnaden zieren. Denn wegen solcher Ursache ist Christus gen Himmel aufgefahren und sitzt zur Rechten Gottes, dass, wie Paulus sagt, er alles erfülle, das ist, uns alles gebe und schenke, dass wir zur Seligkeit und ewigen Leben bedürfen. Darum sollen wir der lieben Apostel Beispiele folgen und, wie Lukas hier sagt, mit ihnen den Herrn Jesum Christum anbeten, fröhlich und guter Dinge sein; und daneben Gott, unserem gnädigen Vater im Himmel, danken, ihn loben und preisen, und beten, dass er uns in solcher Gnade weiter erhalten, und endlich um Christi Jesu, seines Sohnes, willen wolle selig machen. Das verleihe uns Gott allen, Amen.</p>
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		<title>Lukas 24, 36-48</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:21:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 24, 36-48
Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter Sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber, und fürchteten sich, meinten, sie sehen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken? und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Sehet meine Hände, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 24, 36-48</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter Sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber, und fürchteten sich, meinten, sie sehen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken? und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Sehet meine Hände, und meine Füße, ich bin&#8217;s selber; fühlet mich, und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, dass ich habe. Und da er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße. Da sie aber noch nicht glaubten vor Freuden, und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm vor ein Stück von gebratenem Fisch und Honigseims. Und er nahm es und aß es vor ihnen. Er aber sprach zu ihnen: Das sind die Reden, die ich zu euch sagte, da ich noch bei euch war; denn es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben ist im Gesetz Moses, in den Propheten und in Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis dass sie die Schrift verstanden. Und sprach zu ihnen: Also ist`s geschrieben, und also musste Christus leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem. Ihr aber seid des alles Zeugen.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-325"></span>1. Diese Geschichte ist auch am Ostertage geschehen, wie damals, als die zwei Jünger von Emmaus wieder gen Jerusalem kommen, und den Jüngern verkündigen, was ihnen begegnet und wie sie den Herrn gesehen haben. Nun könnte man wohl viele Predigten daraus machen, denn es ist eine reiche und große Geschichte; aber weil wir den Artikel von der Auferstehung gehört haben, wollen wir es bei diesen beiden Stücken, welche die wichtigsten sind, bleiben lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Das erste, dass die Jünger, da der Herr unverhofft durch verschlossene Türen zu ihnen kommt, vor ihm erschrecken, und meinen, es sei ein Geist. Aus diesen Worten haben wir, dass es nicht neu ist, dass man Geister sieht. Denn er selbst, der Herr, leugnet es nicht, als sollten die Geister sich nicht sehen lassen; sondern bekräftigt es mit dem, dass er zwischen den Geistern und sich einen Unterschied macht. Denn so spricht er: &#8221; Warum erschreckt ihr denn und denkt so? Sehet meine Hände und meine Füße. Ein Geist hat nicht Fleisch noch Bein &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Solches ist Nutz und Not, dass man es wisse, dass wir nicht so allein sind, als wäre der Teufel über hundert Kilometer von uns weg. Er ist überall um uns, und zieht häufig eine Larve an; wie ich selbst gesehen habe, dass er sich sehen lässt, als wäre er eine Sau, brennendes Stroh, und dergleichen. Das muss man wissen; denn es dient uns dazu, dass wir keinen Aberglauben daraus machen und solche Geister nicht für Menschenseelen halten; wie es bisher geschieht, und die päpstliche Messe sehr dadurch gefördert und hoch erhoben worden ist. Denn jedermann hält es dafür, wenn der Teufel sich so sehen und führen lässt, es wären Menschenseelen; wie man das Zeugnis hat, nicht allein aus den vielen Schreiben des Papstes, sondern auch andere alte Lehrer, die es nicht für Teufelsgespenst, sondern für gläubige Seelen gehalten haben. Was aber daraus für ein schrecklicher Irrtum und einer Abgötterei gefolgt ist, wissen wir leider zuviel.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Denn damit hat man das Fegefeuer erhalten. Durch das Fegefeuer hat man danach das Verdienst eigener und anderer gute Werke erhalten, als sollten diese den verstorbenen zu Nutz kommen. Wie aber durch solche falsche Lehre das Sterben und Auferstehen Christi verkleinert worden ist und Menschen Werk geehrt worden, kam man leicht bedenken. Zum dritten ist daraus gefolgt der schreckliche Greuel mit der Messe, da durch das Opfer Christi ganz verdunkelt und das Abendmahls des Herrn zum schrecklichen Missbrauch verkehrt worden ist, als wäre es den Toten und nicht den Lebendigen gegeben. Dieser Jammer ist aus dem Aberglauben entstanden, hier hat der Teufel eine Larve angezogen, sich jetzt da so, jetzt am anderen Ort anders hat sehen lassen, dass jedermann geglaubt hat, es sei nicht der Teufel, sondern eine Menschenseele. Sonst, wo man es für den Teufel gehalten hätte, würde man ihm nicht geglaubt; denn man weiß, dass er ein Mörder und ein Lügner ist. Darum hat er Christus und sein Zeugnis auch nicht haben wollen, da er die Wahrheit sagte; wie man sieht bei Markus 1,25. und an anderen Stellen, da ihm Christus das Reden verbietet, und will sein Zeugnis nicht haben, ob er gleicht die Wahrheit sagte.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Es ist darum ein wichtiges Stück, dass wir wissen und Glauben, es sei wahr, dass der Teufel sich häufig sehen lässt, jetzt so, jetzt anders. Wie denn die lieben heiligen Engel auch tun. Denn wir gehen und stehen immer zwischen Engeln und Teufeln. Die Teufel achten und trachten danach, wie sie uns würgen, verführen und Schaden tun können; die guten Engel aber sind um uns, wenn wir fromm und gottesfürchtig sind, dass sie uns vor Schaden behüten und bewahren. Solches dient dazu, dass wir lernen Gott zu fürchten, und uns alle Tage umso fleißiger segnen, und noch ernster Gott um Schutz anrufen gegen die bösen Geister, dass sie uns nicht Schaden, uns mit Pest, oder sonst nicht vergiften, noch einen anderen Jammer anrichten möchten.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Wer vor solchem möchte sicher sein, da ist das Allerbeste und Gewisseste, dass man in Gottesfurcht lebe, fleißig bete, viel und gern von Gottes Wort redet. Solches ist das rechte Kreuz, damit wir uns segnen können und wieder den Feind schützen sollen. Denn da kann er nicht bleiben, wo Gottes Worte im Herzen ist, er muss gehen. In der Kirche bleibt er jetzt auch nicht. Denn also spricht Christus: &#8221; wo zwei oder drei in meinem Namen sind, da will ich mitten unter ihnen sein &#8220;. Wo aber Christus ist, da wird der Teufel nicht lange warten können. Das ist gewisslich wahr. Darum sollen wir Gottes Wort gern hören, oft und viel daran denken und gern davon reden. Wer aber lügt, afterredet, in Sünden und bösen Gewissen lebt, da wird der böse Feind nicht lange warten, Christus aber und seine Engel werden weichen. Darum soll es niemand leugnen, dass der Teufel sich nicht sehen lässt, dass er die Leute nicht erschrecke und verführe, oder ihnen heimlicher Weise Schaden tut. Wenn er aber solches tut, so lerne und mache das heilige Kreuz: nicht allein mit der Hand vor dich; sondern trachte, dass du es in deinem Herzen hast, dass du mit Gottes Wort dich tröstest und betest. Und lasse ihn danach scharren und poltern, so lange er will, sollst dann aber vor ihm sicher bleiben. Sage es ihm nur getrost in die Augen, und sprich: Du bist ein Teufel und bleibst ein Teufel, ich aber bin ein Christ, und habe einen stärkeren Herrn über mir, denn du bist: darum lass mich zufrieden.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Mir ist es selbst so oft geschehen, dass der Teufel mir ein gepolter im Haus angerichtet und mich hat erschrecken wollen. Aber ich habe meinen Beruf vor mich genommen, und gesagt: Ich weiß, dass mich Gott in dieses Haus gesetzt hat, dass ich darin soll ein Herr sein. Hast du einen stärkeren Beruf denn ich und bist hier im Hause ein Herr, so bleibe da. Aber ich weiß, dass du an einen anderen Ort gehörst, nämlich in den Abgrund der Hölle. Bin also wieder eingeschlafen und habe ihnen böse sein lassen; denn ich habe wohl gewusst, dass er mir nichts tun kann. Das ist nun das erste Stück, welches wir nicht auslassen können; besonders weil die Jünger und der Herr selbst von Geistern redet, die da böse Geister sind, und darum erscheinen, dass sie die Leute erschrecken und furchtsam machen.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Das andere Stücke ist, dass Christus sagt: &#8221; also ist es geschrieben, und also musste Christus leiden, und auferstehen von den Toten am dritten Tage, und predigen lassen in seinen Namen und Vergebung der Sünden unter allen Völkern, und anfangen zu Jerusalem.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Zu Jerusalem, spricht er, soll diese Predigt anfangen, und danach in alle Welt hinausgehen, dass Christus habe sterben müssen und von den Toten auferstehen. Wozu? Dazu, dass in seinen Namen Buße und Vergebung der Sünden, und sonst in keinem Namen, gepredigt werde. Das also keine Buße, kein Ablass gelte, weder beim Papst noch in einem anderen Namen, dass ich sollte ein Mönch werden, dies oder jenes Werk machen, um damit Vergebung der Sünden zu verdienen; sondern es heißt: In seinen Namen soll man den Ablass predigen, dass er durch sein Leiden und Auferstehung uns erworben hat. Darum, wer Vergebung der Sünden haben will, der soll Glauben, dass Christus für ihn gelitten und wieder vom Tode auferstanden ist. Das soll die einzige rechte Predigt sein.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Auf das man aber wisse, dass solche Predigt nicht so schnell gefasst und ausgelernt werden kann, wenn man es auch einmal gehört hat, darum setzte Evangelist diese Worte mit Fleiß hinzu und spricht: &#8221; Er &#8220;, der Herr Christus, &#8221; öffnete ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden &#8220;. Solches gehört dazu; sonst gehen die Leute ein und aus der Predigt wie die Kühe. Da ist kein Verstand; und kann auch keiner da sein, Christus sei denn zuvor da und öffne den Verstand.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Was hat es aber für eine Meinung, dass der Herr Buße und Vergebung der Sünden zusammen fasst, und sagt mit ausdrücklichen Worten: Solche Predigt soll zu Jerusalem anfangen? Das ist doch ein ärgerlicher Befehl, dass man zu Jerusalem anfangen und Buße und Vergebung der Sünden predigen soll, da die größten Heiligen, die Leviten, Hohenpriester und das Volk Gottes war. Da sollte doch jedermann meinen, es bedürfte solcher Predigt von der Buße und Vergebung der Sünden nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Aber der Herr will so viel sagen: ihr lieben Leviten und Juden ihr sollt die ersten sein und an euch soll man anfangen die Buße zu predigen, dass ihr euch sollt bessern, oder ihr sollt nie mehr zur Vergebung der Sünden kommen. Denn Buße predigen heißt anderes nicht, denn die Sünden strafen, und lehren, dass es unmöglich ist, selig zu werden, wir bekehren uns denn und Glauben an Christum, dass Gott um seinetwillen uns gnädig sein will.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Solche Bußpredigt, will der Herr, dass sie in alle Welt gehen soll. Darum kann sich kein Mensch entschuldigen, wir müssen uns alle für Sünder beschuldigen und geben. Was wäre es sonst, dass man uns von der Buße predigen sollte? Ja, er will, dass solche Predigt zu Jerusalem, unter dem Volk Gottes und an dem heiligsten Ort, anfangen soll; das man den Pharisäer sagen soll, dass sie sich bessern. Denn sie machen es ärger, denn Huren und Buben; besonders sie sich noch für fromm und heilig achten, so als bedürften sie solcher Bußpredigt nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">14. In der Summe, Christus verdammt mit diesem Befehl die ganze Welt und heißt sie alle Sünder, und will, so wir es anders begehren heilig zu werden, dass ein jeder auf seine Knie falle, seine Hände aufhebe, und sagen soll: Herr, ich bin ein Sünder; mir ist Not, dass ich mich bessere; ich kann es aber nicht; darum Herr, sei gnädig und hilf mir.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Wo solches geschieht, dass wir an all unserem Leben und Tun verzagen, da kommt dann das andere Stück, dass da heißt Vergebung der Sünden. Dieselbe, will der Herr das man sie auch predigen soll. dass es also besonders darum zu tun ist, dass wir es erkennen, dass wir Sünder sind, und danach um Gnade bitten. Denn zu diesem Bau, wo man einen Christen machen will, muss das immer der erste Stein sein, dass man die Sünde erkenne. Denn sonst wird man sich der Vergebung nicht freuen oder trösten können. Also will der Herr hier beides anzeigen, dass alle Welt unter der Sünde ist, und allein durch Christum gerecht und heilig werde.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Die Vernunft hat ihr besonderes Urteil. Einer denkt, er sei fromm, weil er viel fastet und betet; der andere, dass er viel Almosen gibt, usw.. Aber das Evangelium macht alles zu Sünden und spricht: tut Buße. Da fängt der Ärger an. Der Papst will kein Sünder sein, ein Mönch im Kloster auch nicht; und wir selbst wollten auch gern so leben, dass man uns nicht beschuldigen könnte. Aber daraus wird nichts.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Nun, wie wollen wir ihm tun? Wollen wir darum verzweifeln? Denn Sünder sind wir, und wissen, dass Gott der Sünde feind ist. Nein, sondern weil Vergebung der Sünden neben der Buße zu predigen befohlen ist: dass man Vergebung der Sünden allen, die es hören und glauben, im Namen Christie verkündigen soll; solches nimm an und tröste dich darüber, sprich: Herr, ich bin ein Sünder, aber schone mich um deine Sohnes willen. Ich will der bloßen Gnade leben, die mir im Namen deine Sohnes angeboten wird. Denn da steht die Verheißung, dass allen denen, die das Evangelium annehmen, ihre Sünden geschenkt sein sollen. Denn man soll ja im Namen Christi Vergebung der Sünden predigen. Wo aber Christus nicht ist, da kann keine Vergebung der Sünden sein.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Darum ist der Ablass des Papstes eine klare Lüge und ein Betrug, welchen er im Namen und Verdienst der verstorbenen Heiligen verkauft. Denn hier steht&#8217;s: In meinem Namen soll man es predigen, der ich für euch sterben und von den Toten auferstehen musste; sonst ist niemand für euch gestorben.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Diese Predigt nennt der Papst eine Ketzerei, wie ihr wisst, und lästert uns, wir verbieten gute Werke. Aber wie sollen wir ihm recht tun? Haben wir doch diese Worten nicht selbst erfunden oder gemacht, dass man im Namen Jesu soll Buße predigen allen Völkern. Was wäre es aber nötig, Buße predigen, wenn wir gute Werke hätten, oder tun könnten? Die Gerechten bedürfen es ja nicht, dass man ihnen Buße Predigt, sondern die Sünder. Nun aber geht solcher Befehl über die ganze Welt, dass man in aller Welt Buße predigen soll. Da folgt ja, dass in der ganzen Welt nur Sünder und Sünde, und keine guten Werke sind. Wozu bedürfte man sonst der Buße und Vergebung der Sünden?</p>
<p style="text-align: justify;">20. Aber die blinden Leute wollen nicht hören, und lästern immer, man verbiete gute Werke. Darum gehört es dazu, dass Gott den Verstand bei uns auftut, dass wir sprechen: Herr, sei mir gnädig, ich bin ein armer Sünder; aber ich tröste mich deiner Gnade, dass du befohlen hast, man soll Vergebung der Sünden in deinem Namen predigen. Wer sich so erkennt, der preist Gott, und gibt ihm das Lob, dass er in seinem Wort wahrhaftig sei; welches Wort uns alle für Sünder anklagt und zur Buße vermahnt. Zum anderen preist er Gott auch in dem, dass er durch den Namen Christi glaubt Vergebung der Sünden. Dagegen die Unbußfertigen und Ungläubigen Gott lästern, und endlich auch ihre Strafe darum empfangen werden.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Also soll unser Glaube sein vor Gott, und soll auf den Glauben ein christlicher Wandel folgen, dass wir anderen Gutes tun, gern helfen, gehorsam sind und ein jeder seines Berufes warten; so werden wir rechtschaffene Heilige, die vor Gott durch den Glauben heilig, und danach des Lebens wegen vor den Menschen auch unsträflich sind. Sonst, wo die Person nicht vorher durch den Glauben rein und heilig ist, wie kann sie gute Werke tun oder heißen, weil die Quelle böse und unrein ist, da die Werke herkommen? Denn das Herz glaubt nicht, dass Gott wahrhaftig ist, der in aller Welt heißt Buße predigen; und weil du dich für keinen Sünder halten willst, folgt, dass du Vergebung der Sünden nicht begehren noch suchen wirst.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Die nun, die sich für Sünder erkennen, und hoffen, Gott werde ihnen solche Sünde durch Christum vergeben, sind die rechten Christen, bei welchem man Buße und Vergebung der Sünden findet. Über solche Lehre schimpft man uns Ketzer und verdammt uns. Aber wir sollen Gott dafür danken, dass wir zu der Gnade kommen, und uns für Sünder erkennen und der Gnade Gottes uns trösten können; und danach in solchem Glauben rechtschaffene und gute Werke tun, die daher gehen in der Buße und dem Glauben. Denn wo solche Predigt und Lehre ist, da will Christus auch sein; da soll kein Teufel hinkommen, ja, man soll auch weder Teufel noch Tod mehr fürchten, noch vor ihm erschrecken. Denn da ist Vergebung der Sünden und ein fröhliches, friedliches Herz, dass gern alles tut, was es nur soll.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Die anderen aber, die nicht glauben, die tun kein gutes Werk. Und ob das Werk an sich selbst vielleicht nicht böse ist, so ist doch das Herz böse. Denn es sind verdrießliche und unfreundliche Werke, an denen Gott keinen Gefallen haben kann. Nun wird aber das Herz nicht rein, denn nur durch den Glauben an Christum: dass wir uns für Sünder erkennen, aber durch ihn Vergebung der Sünden aus lauter Gnade hoffen.</p>
<p style="text-align: justify;">24. Aus diesem folgt, dass ein Christ zugleich ein Sünder und ein Heiliger ist; er ist zugleich böse und fromm. Denn unserer Person wegen sind wir in Sünden, und in unserem Namen sind wir Sünder. Aber Christus bringt uns einen anderen Namen, in diesem ist Vergebung der Sünden, dass uns um seinetwillen die Sünden nachgelassen und geschenkt werden. Also ist beides wahr: Sünder sind da; denn der alte Adam ist noch nicht ganz gestorben: und sind doch nicht da; Ursache, Gott will sie um Christi willen nicht sehen. Vor meinen Augen sind sie, ich sehe und fühle sie wohl. Aber da ist Christus, er heißt mir predigen, ich soll Buße tun, das ist, für einen Sünder mich bekennen, und danach Vergebung der Sünden glauben in seinem Namen.</p>
<p style="text-align: justify;">25. Denn die Buße, Reue und Erkenntnis der Sünde, ob sie wohl da sein muss, so ist sie doch nicht genügend, es muss dazu kommen, dass man im Namen Christi glaube Vergebung der Sünden. Wo aber solcher Glaube ist, da sieht Gott keine Sünden mehr. Denn da stehst du vor Gott nicht in deinem Namen, sondern in Christus seinem Namen; der schmückt dich mit Gnade und Gerechtigkeit, ob du gleich in deinen Augen und für deinem Person ein armer Sünder bist, und steckst voller Schwachheit und Unglauben. Dieses soll dich aber nicht zu Tode schrecken; denn wie wolltest du sonst diese Predigt von der Buße hören können? Darum sprich so: Ach, Herr, ich bin ein armer Sünder: aber du sagst: es soll nicht so mit mir bleiben; denn du hast ja befohlen, auch Vergebung der Sünden in deinem Namen zu predigen.</p>
<p style="text-align: justify;">26. Das ist nun der rechte Artikel, der Christen macht. Denn ob du dich gleich zu Tode fasten und durch Almosen geben selbst zum Bettler machen wolltest: dadurch ist dir nicht geholfen, du wirst kein Christ damit, du kommst damit nicht in den Himmel, du machst dir damit auch keinen gnädigen Gott. Denn hier steht es: In meinen Namen, sagt Christus, soll man Buße predigen, dass die Leute erschreckt werden, und Vergebung der Sünden, dass sie wieder getröstet werden. Das also unser Herr Christus allein der Gnadenrock ist, der uns angezogen wird, auf das Gott, unser Vater, uns nicht für Sünder ansehen, sondern als gerechte, heilige, fromme Kinder annehmen und das ewige Leben uns geben möchte.</p>
<p style="text-align: justify;">27. Diese Lehre, wisst ihr, dass sie vor dieser Zeit, ehe das liebe Evangelium gekommen, in der Welt sehr heimlich und von wenigen Leuten bekannt gewesen ist. Gesagt hat man es, man soll im Namen Christi Vergebung der Sünden predigen; aber dagegen ist alles Leben und Lehre gegangen, denn wer da wollte selig werden, der sollte es mit guten Werken zuwege bringen, und für seine Sünde selbst bezahlen oder Gutes tun. Das heißt Sünde in seinem eigenen Namen wegtun. Aber dies ist vergebens und unrecht. Denn der Name Christi ist es allein, in welchem man Vergebung der Sünden predigen soll. Mönchsname, Nonnenname, Papstname, Fastenname, Almosenname oder der Jungfrau Maria Name sollen es nicht tun.</p>
<p style="text-align: justify;">28. Daran können wir erkennen was für arme Leuten noch im Papsttum sind und wie jämmerlich sie betrogen werden. Wenn sie beichten und lassen sich am frömmsten nennen, und glauben, man entbinde sie von allen ihren Sünden nach der Beichte, so geschieht solche Absolution nicht allein im Namen Christi, wie es doch sein sollte, sondern in Namen der Mutter Gottes, der heiligen Apostel und aller heiligen Verdienst. Was ist aber das für eine Absolution? Ein schrecklicher Greuel ist es, da man, als vor dem Teufel, vor fliehen sollte; so will man noch die Leute, als zum höchsten Gottesdienst, dazu zwingen und treiben. Wer aber dem Befehl Christi nachkommen will, der hört hier, Vergebung der Sünden soll allein im Namen Christi Jesu gepredigt werden. Ursache, denn er allein ist für uns gestorben. Die anderen Heiligen sind nicht für deine Sünden gestorben; was bedarfst du denn ihres Namen zur Vergebung der Sünden?</p>
<p style="text-align: justify;">29. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium, dass die, so ihre Sünde bekennen, und wissen, dass sie Sünder sind, sollen Vergebung der Sünden haben in den Namen Christi. Das scheint eine leichte Kunst zu sein, wie man zu Vergebung der Sünden kommen soll. Denn man braucht nicht schwere Steine tragen, Kirchen bauen, Messe lesen; sondern man braucht nur Gottes Wort allein hören, Gott die Ehre geben, wenn er uns Buße predigen lässt, dass er recht hat und wir arme Sünder sind; und danach lerne auf Gottes Gnade bauen, und auf den Namen Jesu sehen, in welchen Vergebung der Sünden gepredigt wird. Wer solches glaubt, dem kann die Sünde nicht schaden; denn er hat Christum und seinen Namen und ist gerecht. Nicht darum, als hätte er keine Sünde getan; sondern dass die Sünde durch Christum vergeben, und wir um Christus willen, aus Gnaden, für heilig und gerecht gehalten werden. Wie wir in unserem Glauben beten und bekennen: Ich glaube Ablass oder Vergebung der Sünden. Für solche Gnade sollen wir Gott danken, dass wir zum Reich Christi und seinem Wort gekommen sind, welches ein Gnadenreich ist, darin durch den Namen Jesu alle Sünden sollen vergeben werden.</p>
<p style="text-align: justify;">30. Wir sollen diese Lehre von anderen Lehren sehr unterscheiden, die der Lehren von guten Werken. Nicht darum, als sollten die, so begehren selig zu werden, nicht gute Werke tun, wie es die Katholiken falsch deuten; denn solcher Gehorsam ist uns lange zuvor aufgelegt im Gesetz: sondern darum, dass solche gute Werke niemand zu Vergebung der Sünden dienen könne. Denn Petrus und Paulus und alle Heilige, sie sind ihres Lebens wegen so fromm wie sie wollen, so hilft es sie vor Gott nicht, der nicht bloß mit Werken sich bezahlen lassen will; er will ein reines Herz haben. Das aber hilft alle Christen, dass sie an Christum glauben und durch seinen Tod Vergebung der Sünden und ewiges Leben hoffen. Das also beides sein muss. Gute Werke soll man tun, und dennoch Vergebung der Sünden allein im Namen Christi glauben. Das verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.</p>
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		<title>Lukas 23, 32-43</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:19:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 23, 32-43
Es wurden aber auch hingeführt zwei andere Übeltäter, dass sie mit ihm abgetan würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte; kreuzigten sie ihn da selbst, und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten, und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 23, 32-43</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Es wurden aber auch hingeführt zwei andere Übeltäter, dass sie mit ihm abgetan würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte; kreuzigten sie ihn da selbst, und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten, und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun. Und sie teilten seine Kleider, und warfen das Los darum. Und das Volk stand, und sah zu, und die Obersten samt ihnen spotteten sein und sprachen: Er hat anderen geholfen, er helfe ihn selber, ist er Christ, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm Essig, und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber. Es war auch oben über ihm geschrieben die Überschrift, mit griechischen, und lateinischen, und hebräischen Buchstaben: Dies ist der Juden König. Aber der Übeltäter einer, die da gehängt waren, lästerte ihn und sprach: bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und zwar sind wir billig darinnen; denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und er sprach zur Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-321"></span>1. Der Heilige Evangelist Lukas meldet hier zwei Stücke, die sehr tröstlich sind. Darum, obwohl Matthäus und die anderen solche Stücke ausgelassen haben, wollen wir doch diese betrachten, auf das wir die Geschichte des Leidens Christi ganz haben. Das erste ist, dass Christus, wie er an das Kreuz geschlagen und das Kreuz mit ihm aufgerichtet worden ist, kurz danach anfängt zu beten, und spricht: &#8221; Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun &#8220;. Das andere von dem Schächer, der solches Gebet gehört, und so viel daraus gelernt hat, dass dieser Jesus Gottes Sohn und der rechte Christ sei, begehrt darum, dass er sein nicht vergessen wolle, wenn er in sein Reich komme. Diese zwei Stücke wollen wir jetzt vor uns nehmen; denn sie sind sehr tröstlich, und können nicht von uns genügend bedacht und erklärt werden. Darum ist es nötig, dass wir nicht allein auf die Werke sehen, die dieser Mann tut, und auf sein Leiden, sondern auch seine Worte fleißig hören, die er predigt. Denn damit erklärte er sein Tun und Leiden, warum er da ist und was er macht.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Wir müssen aber vor allen Dingen dies Leiden unterscheiden von aller anderen Menschen Leiden. Nicht allein der Person wegen, dass Jesus Christus ewiger Gott ist, durch welchen Himmel und Erde erschaffen und alles gemacht ist; sondern auch der Ursache wegen seines Leidens, und den Nutzen oder der Frucht wegen, welche aus solchen Leiden, und sonst aus keines Menschen noch Engels, oder anderer Kreatur Leiden folgt. Denn er leidet (wie ihr gehört habt) nicht seinetwegen, sondern unseretwegen, dass wir dadurch von Sünde und Tod befreit werden sollen. Solches hören wir auch hier in seinen Worten, die ein jeder Christ merken, und in sein Herz, als den höchsten Schatz und Trost, einschließen sollte.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Denn dass er da am Kreuze spricht: &#8221; Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun &#8220;; diese Worte zeigen deutlich, dass er ist in seinem rechten priesterlichen Amt, und verbringe sein Werk, darum er auf Erden gekommen ist, nicht allein mit seinem Leiden, dass er sich selbst aufopfert, sondern auch mit dem Gebet. Denn beides sind priesterliche Werke, Opfern und Beten. Das Opfer geht aber eigentlich dahin, das, wie er Johannes 17,19 sagte, er sich selbst für uns hat heiligen wollen, auf das wir in der Wahrheit und recht geheiligt würden; also, Johannes 10,12, dass er sein Leben gebe für seine Schafe. Solche Sprüche findest du viel mehr, die alle bezeugen, dass sein Leiden ein Leiden für uns heißen soll, nicht für sich selbst oder seinetwegen. Dieses Werk des Opfers richtet er mit solchem Ernst aus, dass er auch bittet, der Vater wolle denen, so ihn kreuzigen, vergeben, die Sünde nicht strafen, sondern nachlassen; auf das jedermann sehe, warum er hierher an das Kreuz gekommen sei, und sich darüber tröstet.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Darum sollst du aus solchen Gebet das lernen, dass unser lieber Herr Jesus ein Priester sei, und da am Kreuz sein Priesteramt verrichtet habe. Denn für die Sünder bitten gehört eigentlich zum Priesteramt. Fragst du nun, was er für einen priesterlichen Schmuck oder Kleid habe, oder Altar, so magst du hier an das Kreuz sehen; da hängt er nackend und bloß, voller Wunden, und hat nicht einen Faden an seinem Leibe. Und dennoch richtet er sein Priesteramt auf das beste und fleißigste aus, dass er auch für seine Feinde bittet. Denn es hat mit diesem Priester einer anderer Meinung, denn mit den mit Priestern bei Mose.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Also siehst du, wie über seinem Haupt die Überschrift steht, er sei der Juden König, die er vor Pilatus öffentlich und selbst klar bekannt hat. Dieser Titel reimt sich schlecht mit dem äußerlichen Ansehen. Denn anstatt eines schönen Kleides ist sein ganzer Leib blutig und voll Wunden und Striemen, und anstatt der goldenen Krone trägt er Dornen auf den Kopf geschlagen. Einen solchen Priester und König findest du da am Kreuz, dass die Welt sich schämt, verachtet ihn, will ihn weder für einen König noch für einen Priester halten; wie Jesaja sagt: &#8221; Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, dass wir sein hätten mögen begehren. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn nicht geachtet &#8220;. Nun mag man es mit fleischlichen Augen sehen wie man will, so soll es doch uns der liebste, schönste, beste Schmuck sein, dass dieser Priester seinen Leib selbst und sein Blut da am Kreuz geopfert, an einem verfluchtem Ort. Denn die Ochsen, Kühe, Kälber, die man im Tempel opferte, wurden auf einem geschmückten Altar geopfert. Christus aber opfert sich selbst auf einem ungeweihten und verfluchten Altar. Denn also steht in Mose: &#8221; Verflucht sei, der am Holz stirbt &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Vor der Welt ist solches lästerlich und unehrlich, dass diesem Priester der Ort zu seinem Opfer nicht gegönnt werden soll, welchen Kühe und Kälber hatten. Aber es geschieht alles um unseretwegen und uns zu gut, auf das wir lernen, dass er ein völliges, genügendes Opfer für unsere Sünden getan habe. Denn wie unsere Sünden nicht versöhnt oder bezahlt werden konnten, denn allein durch diesen Priester, der ewiger Sohn Gottes war: also hat dieser Priester um unsere Sünden willen keinen ehrlicheren Altar noch köstlichen Schmuck haben können.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Aber solches hindert sein Amt nicht. Er opfert nicht allein seinen Leib und Leben, sondern bittet auch für die armen, unwissenden Sünder. Darum sollen wir uns über dieses Priesters und seines Amtes herzlich trösten. Denn gleichwie er leidet, also betet er auch, nicht allein für die, die damals dabei waren, und die Hände an ihn legten, und ihn an das Kreuz schlugen (solches wäre das Gebet Christi viel zu eng gedeutet), sondern auch für uns.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Denn jene sind nur unseren Sünden, Knechte und Diener gewesen. Wo deine und meine Sünden Christum nicht hätten an das Kreuz geschlagen, sie hätten ihn wohl müssen zufrieden lassen. Weil aber Christus als der rechte Priester und das Lamm Gottes da ist, für der ganzen Welt Sünde mit seinem Opfer oder Tod zu bezahlen, dass macht, dass Juden und Heiden Gewalt gegen ihn tun. Darum, wenn er für die betet, die ihn kreuzigen, betet er für uns Menschen alle, die wir mit unseren Sünden zu seinem Kreuz und Sterben Ursache geben.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Darum sollen wir den Galgen und das Kreuz, daran Christus gelitten hat, anders nicht sehen, denn einen Altar, da Christus sein Leben opfert, und sein priesterliches Amt auch mit dem Beten ausrichtet, und uns mit Gott versöhnt, dass wir von Sünden frei und von dem ewigen Tode befreit werden. Denn wer die Sünde wegnimmt, der nimmt auch den Tod weg. Ursache, der Tod hat keine Macht mehr, wo die Sünde weg ist; also die Hölle auch. Solches hat Christus, unser einiger und ewiger Priester, ohne unsere Werke, durch sein eigenes Leiden, dass er für uns zum Fluch geworden und um unsere Sünden willen am Kreuz gestorben, und endlich noch für die Sünder gebeten hat. Da bedenke, das du ihm auch von Herzen dafür dankst.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Der Papst predigt solches auch. Aber sie verdrehen den Text, der doch eigentlich so klar und deutlich ist, dass Christus sich selbst am Kreuz opfert und für uns gelitten hat, da predigen sie, wir selbst sollen Priester sein, sollen selbst opfern, und durch eigene Werke das ewige Leben erwerben. Unsere Lehre aber, dass wir lehren, Christus, der einige, rechte Priester, habe uns von Sünden erlöst und das ewige Leben verdient, verfluchen und verdammen sie als Ketzerei.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Ist aber das nicht schrecklich? Ist solches nicht ein schrecklicher Zorn, Blindheit und Strafe über die undankbare Welt, dass die Katholiken predigen, Christus habe sich für uns am Kreuz opfert, und doch toben sie gegen uns, und vergießen unschuldiges Blut, darum das wir solche Lehre treiben und die Leute auf solchen Trost weisen? Das heißt ja (wie Jesaja den Verächtern des Wortes Gottes droht) mit sehenden Augen blind sein und mit offenen Ohren nicht hören, und ein verstocktes, unverständiges Herz haben. Denn wie könnte es sonst möglich sein, dass sie dieses Opfer so wenig achten, und dann Leben ihren Trost auf eigene Werke, auf Ablass, und auf Mönchskappen setzen wollen? Warum tröstet man sich nicht dessen hier, dass Christus sein Leib und Leben opfert, und betet für uns, und spricht: Vater, hier bin ich, ein Mittler zwischen dir und den armen Sünden; ich sterbe für sie, ich opfere mich für sie, sei ihnen gnädig.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Solches hören und sehen unsere Widersacher; und dennoch sollen sie noch dagegen schreien und toben, und uns als Ketzer verdammen. Nun, es ist ein schrecklicher Zorn Gottes, da möchte Gott uns gnädiglich vor behüten. Will er uns aber einmal fallenlassen, so möchte er uns in solch eine Sünde fallen lassen, die wir fühlen und bekennen, und nicht in die, die der Gnade ganz und gar entgegen ist, und dennoch so geschmückt und für eine Heiligkeit gerühmt wird.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Darum lasst uns unsere Herzen auftun, und unseren Priester Christum in seinem rechten Schmuck anschauen. Mit den Augen wirst du keinen Schmuck an ihm finden; denn wie elend und jämmerlich hängt er da, das siehst du wohl. Aber siehe ihm ins Herz, da wirst du einen solchen Schmuck und Schatz finden, für den du in deinem Leben nicht genug danken kannst.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Denn erstens ist er geschmückt mit dem großen, herzlichen Gehorsam gegen seinen Vater, dass der ihm zu ehren sich also läßt geißeln und martern. Diesen Schmuck können wir in diesem Leben unmöglich sehen, aber dennoch, so viel können wir sehen, dass alle Perlen und aller Samt und goldene Stücke nichts dagegen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Der andere Schmuck ist die große Liebe gegen uns, dass der Herr seines Lebens und Leidens so wenig gedenkt, sondern bedenkt nur unsere Sache und Not, bittet zuerst für uns eh er an sich selbst denkt. Wer kann solche Liebe genügend verstehen oder fassen, dass der Herr ein solches Herz gegen uns hat, so voll Feuer, dass er in seinem größten Leiden, Marter und Schmach sich stellt, als sehe oder fühle er nichts; er denkt aber, sieht und sorgt nur auf dein und mein Elend, Not und Herzeleid? Das muss doch eine große, ernste Liebe sein, dass er sich unser so annimmt, dass er seiner Gefahr, Schaden und Leiden ganz und gar vergisst. Das ist gleichwie es sich mit den Kindern verhält, dass Vater und Mutter durch ein Feuer laufen, sie zu erretten. Da ist die Liebe so groß, dass das Herz auf die eigene Not nicht denkt, und allein sich darum annimmt, wie dem Kind geholfen werden kann. Also, sehen wir, brennt unseren lieben Herrn Christus sein Herz auch, dass er durch das Leiden hindurch, wie durch ein Feuer, rennt und fasst uns in aller Liebe und Barmherzigkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Das ist nun der richtige Schmuck, dar unser hoher und ewiger Priester mit geschmückt ist. Äußerlich sieht man solchen Schmuck nicht; aber inwendig sieht man ihn, wie denn seine Worte genügend bezeugen.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Also soll man zuerst in allen Stücken des Leidens auf die Hauptsache sehen, dieselbe fest fassen, und uns nicht nehmen lassen, dass Christus für uns geopfert hat, auf das er uns errette, greift nach uns, und läuft uns nach, durch alles Leiden, wie durch ein Feuer. Dieses bedürfen wir nicht allein, um uns damit zu trösten, sondern auch zu stärken gegen des Teufels Gift, welches der Papst in die Leute gießt, und sie durch eigene Gerechtigkeit, Werke und Verdienst in den Himmel bringen will. Aber wenn wir mit unseren Werken solches ausrichten könnten, warum sollte Christus, der Sohn Gottes, gelitten haben? Nun aber steht er hier, bringt sein Opfer, seinen eigenen Leib und Leben, in allem Gehorsam und Geduld, und bittet noch dazu seinen Vater, dass er wolle gnädig sein und vergeben. Das ist ein Zeichen, dass wir mit unseren Werken nichts ausrichten können; denn Vergebung der Sünden ist ein Handel, der nicht so leicht zugeht, wie die Katholiken meinen. Es ist bald geschehen, dass du eine Kappe anziehst, viel fastest, singst, solches ist alles noch wohl zu tun: aber Vergebung der Sünden bekommen, da gehört weit mehr und größeres dazu, denn deine eigenen Werke; Gott wird dein Fasten, Wachen, Beten wegen langsam erhören; sondern also heißt es, wie Jesaja sagt: &#8221; um unsere Missetat willen ist er verwundet, und um unsere Sünden willen zerschlagen. Er hat unserer aller Krankheit getragen &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Nun müssen ja die Katholiken selbst bekennen, dass des Herrn Christi Leiden und Sterben etwas anderes ist, denn mein Gebet, meine guten Werke, meine Marter, mein Almosen geben, mein Fasten. Wer nun solches anstatt der Sünde setzen will, der wird es nicht ausrichten. Es gehört ein anderer Mann, andere Werke und Verdienst dazu, wie Jesaja klar sagt. Wer aber seine eigenen Verdienste geben und gegen die Sünde gebrauchen will, der lästert der Sterben, Opfer und Gebet Christi; besonders weil er von seinem Opfer und Gebet genauso viel hält, als vom Opfer und Gebet unseres Herrn Jesus Christus. Vor diesem Greuel soll man sich fleißig hüten.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Nun betet aber der Herrn nicht schlecht in den Haufen hin, sondern setzt einen Unterschied derer, für die er bittet, und spricht: &#8221; Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun &#8220;. Will also damit zweierlei Sünder anzeigen. Etliche wissen, dass sie Unrecht tun, und tun es dennoch und aller Scheu. Solches heißt dann wider den Heiligen Geist gesündigt, wenn man in solcher wissentlichen Sünde beharren, sie nicht bekennen, davon nicht ablassen, noch Vergebung derselben bitten will; wie die Katholiken, jetzt tun. Die wissen, dass unsere Lehre recht ist, dass Christus das Sakrament ganz empfangen befohlen hat, die Ehe nicht verboten, und dennoch verdammen sie uns um solcher Stücke willen als Ketzer, und Strafen ihre Untertanen, wo sie wissen, dass sie unsere Lehre und Sakrament brauchen.</p>
<p style="text-align: justify;">20. Diese sündigen nicht unwissend. Darum ist die Natur solcher Sünden so, dass sie nicht vergeben werden kann; denn sie geht gegen die Vergebung der Sünden, besonders weil man nicht davon ablassen und sie nicht bekennen will. Denn Vergebung der Sünden will beides haben, dass man das Unrecht bekennen und davon Abstand nimmt.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Die anderen Sünder sind, die unwissend sündigen. Nicht also, als wüsste David nicht, dass es Sünde wäre, dem Uria sein Weib nehmen und ihn erschlagen lassen. Er weiß es sehr wohl. Aber da treibt und jagt ihn die Sünde und der Teufels so heftig, dass er in solche Sünde fällt, ehe er es denn recht bedenkt, was er tut. Danach aber bekennt er es, lässt es sich leid sein, wollte, er hätte es nicht getan, und begehrt Gnade.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Solche Sünde tragen wir alle am Halse, dass wir leicht und unversehens betört werden, und fallen häufig aus Furcht, wie Petrus, aus Unvorsichtigkeit und Schwachheit, oder aus Vermessenheit. Solche Sünde hat Christus mit sich an das Kreuz getragen und dafür gebeten; denn es sind Sünden die nicht wider die Gnade sind; besonders wenn man sie erkennt und bekennt, und bittet um Vergebung. Also sieht man, dass oft Huren und Buben, Mörder und andere böse Leute zu Gnaden kommen; denn sie wissen, dass sie Unrecht getan haben, und wollen es nicht verantworten. Solche bekannten Sünden haben das Opfer Christi zwischen sich und Gott; darum will Gott diese uns nicht zurechnen. Jene aber, die wissend unwillig nicht wollen anderes tun und ihre Sünden noch verteidigen, die sündigen wider den Heiligen Geist und verleugnen die Gnade Gottes. Für diese bittet Christus hier nicht, sondern für die, die nicht wissen, was sie tun, und aus Schwachheit fallen. Die soll dieses Opfer und Gebet trösten, und wissen, dass ihnen die Sünden vergeben sind. Denn um solches hat Christus hier gebeten, und ist gewiss vom Vater erhört worden; da sollen wir nicht daran zweifeln, sondern uns darüber trösten und freuen.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Dieses sei in Kürze gesagt von dem Gebet Christi am Kreuz, damit er anzeigt, warum er da leide, dass diese Sünder, die unwissend sündigen und lassen es sich leid sein, sollen um des Herrn Christi willen einen gnädigen Gott haben, der ihnen ihre Sünde vergeben will.</p>
<p style="text-align: justify;">24. Nun wollen wir auch ein wenig die Geschichte mit den Schächer zur rechten Hand betrachten. Das ist so ein schönes Beispiel, wie man es sonst nirgends findet. Denn erstens muss man sich darüber wundern, der arme Mensch kann seine Sünden nicht leugnen, er weiß, dass er gesündigt und wegen seiner Sünden den Tod leiden soll. Darum kann er sich gegen Gott keines guten Werkes noch Verdienstes rühmen; wie er zu seinem Gesellen sagt, der mit dem Herrn Jesus Christus übel redet: &#8221; wir &#8220;, spricht er, &#8221; sind billig in solcher Strafe; denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind. Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt &#8220;. Hier hörst du, was er von sich selbst bekennt, dass er diesen Tod wohl verdient habe. Das ist eines, darüber man sich wundern kann, dass er seiner Sünden wegen Ursache hat, sich vor Gott zu fürchten; und dennoch fasst er, wie wir hören werden, den Gedanken, er werde noch in Gottes Reich kommen.</p>
<p style="text-align: justify;">25. Zum anderen ist das auch ein großes Wunder, dass dieser Mensch sich durch das große Ärgernis nicht anfechten lässt, dass der ganze Rat zu Jerusalem, weltliches und geistliches Regiment, des Herrn Christi spottet und ihn lästert. Die Obersten im geistlichen Regiment sprachen: &#8221; Er hat anderen geholfen, er helfe ihm selbst, so er Christus ist, der Auserwählte Gottes &#8220;. Die Kriegsknechte tun auch so: &#8221; bist du der Juden König, so hilf dir &#8220;. Denn das stand die Überschrift über ihm: &#8221; der Juden König &#8220;. Also der eine Mörder, der mit ihm gekreuzigt wurde, sprach auch: &#8221; bist du Christus, so hilf dir und uns auch &#8220;. Dieses redet er nicht nach der Meinung, dass er Hilfe begehrte, sondern dass er Christum spotten wollte. In der Summe, alle Welt ärgert sich an diesem Christus, der am Kreuz hängt, und hält nichts von ihm. Denn die Jünger selbst, ob sie wohl ein Teil bei dem Kreuz standen, hatten sie doch keine Hoffnung mehr.</p>
<p style="text-align: justify;">26. Allein der arme Mörder zur rechten Hand reißt durch das ganze Ärgernis hindurch, und darf Christum, der neben ihm am Kreuz hängt, einen Herrn und König nennen. Dieser straft die ganze Welt lügen, sieht nicht an, was andere Leute von ihm halten oder sagen, und ruft ihn für einen ewigen König aus. Denn so lauten seine Worte: &#8221; Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst &#8220;. Er heißt ihn einen &#8221; Herrn &#8220;, und sagt, er habe ein &#8221; Reich &#8220;; und begehrt, wenn er im selben Reich werde sein, dass er sein gedenken wollen. Nun war es ja um die Zeit, dass von ihnen keiner den Abend mit dem Leben erreichen konnte. Darum glaubt er, Christus sei ein Herr eines anderen und ewigen Lebens. Das nenne ich einen großen, trefflichen Glauben und ein herrliches Bekenntnis, weil sonst alle Welt an Christus verzweifelt und nichts von ihm hält.</p>
<p style="text-align: justify;">27. Hier gedenke bei dir selbst: Wo doch diesem Mörder so einer reichliche und klare Erkenntnis hergekommen ist, dass er Christus für einen Herrn des ewigen Lebens erkennt und ausruft, und vom wem er solches gelernt hat? Aber da ist kein Zweifel, er hat es allein aus dem Gebet, dass der Herr am Kreuz getan hat, gelernt. Im Propheten Jesaja, im 53. Kapitel, ist es beides geschrieben, dass der Messias leiden und den Übeltätern gleich gerechnet werden, und viele Sünden tragen und für die Übeltäter beten werde. Da nun solches am Kreuz geschehen ist, er hängt da, der fromme Herr, der nichts Böses getan hat, zwischen zwei Mördern, und fängt an zu beten und spricht: &#8221; Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun &#8220;: da fasst der eine Schächer das Wort &#8221; Vater &#8220;. Denn auf diese Weise pflegen die Leute mit Gott nicht zu reden; Christus ist es allein, der mit Gott so reden kann, und hat es uns auch so gelehrt. Darum schließt der Schächer, dass er Gottes Sohn sei. Und weil er für die Sünder bittet, erkennt er ihn für den rechten Messias. Und es werden ihm ohne Zweifel diese Sprüche von Jesaja, und andere Prophezeiungen eingefallen sein, die er vielleicht in der Kirche gehört, da aber noch nicht verstanden hat. Diese fasst er nun zusammen, und der Heiligen Geist macht diese Weissagung in seinem Herzen licht und klar, dass er nun nicht mehr an sich halten kann; er muss mit dem Mund bekennen, wie er im Herzen glaubt, und spricht: &#8221; Herr, gedenke mein, wenn du in dein Reich kommst &#8220;. Das ist als wollte er sagen: Du bist Gottes Sohn; hier auf Erden leidest du für unsere Sünde und muss unserer Sünden wegen sterben; aber danach wirst du auferstehen in ein ewiges Reich, und ein Herr sein über alles. Oh Herr, da gedenke mein. Ich will den Tod jetzt gern leiden; denn ich habe ihn wohl verdient: lass mich nur nicht, wenn du in dein Reich kommst. Siehe, so eine reiche Erkenntnis des Herrn Christi schöpft dieser Mensch aus dem kurzen Gebet des Herrn; das ist die Predigt, da er diese Kunst von lernt. Gleichwie nun dieser Mörder am Kreuz Christum erkennt und bekennt: also will Gott auch noch heute seine christliche Kirche erhalten. Wenn auch gleich alles zu Trümmern geht, Kaiser, Könige, Papst, Bischöfe, so will doch Gott einen kleinen Haufen erhalten, die seinen Geist haben und ihn vor der Welt bekennen sollen. Wollen die Jünger, mit anderen, die mit dem Herrn Christus verwandt, nicht bekennen noch glauben, sondern aus Furcht leugnen und davon laufen: so muss ein Mörder kommen, diesen Christus bekennen, von ihm predigen, und andere Leute lehren, was man von ihm halten und warum man sich sein trösten soll; denn unser Herr Gott will Christus nicht ohne Leute lassen, sollte es gleich nur ein Dieb am Galgen, oder ein Mörder sein.</p>
<p style="text-align: justify;">28. Darum ist dies eine tröstliche Geschichte, an der wir sehen können, was Christus für Leute hat, die sich zu ihm finden, und denen er alle Gnade beweisen will, nämlich, die Sünder sind, und ihre Sünde bekennen und um Gnade bitten; diese sollen Gnade und Barmherzigkeit finden. Denn eben wie er vorher gebeten hat, also beweist er es hier mit der Tat, dass er darum da sei und will Sünden vergeben. Und dieses ist nun sein erstes Werk, dass er einen Mörder von Sünden und ewigen Tod erlöst und selig macht, auf das wir ja gewiss werden und nicht zweifeln, weil er sich am Kreuz selbst geopfert, solches geschieht nicht um der Heiligen und Frommen willen, sondern um der Sünder willen. Denn um der Sünder willen ist er gekommen, sie zur Buße zu rufen, und nicht um der Gerechten willen; wie er und selbst sagt, Matthäus 9,13.</p>
<p style="text-align: justify;">29. Darum, wer da denkt, er will in den Himmel kommen als ein Heiliger Mensch und ohne alle Sünde, der wird betrogen. Denn wer nicht ein Sünder sein will, der bedarf des Herrn Christi nicht; denn er ist nicht um sein selbst willen, sondern um der Sünder willen gestorben.</p>
<p style="text-align: justify;">30. Darum soll man diese Geschichte für ein Beispiel halten, in der Christus mit der Tat bewiesen, was er mit seinem Leiden gesucht und erworben hat, besonders weil er einen Mörder am Galgen zum Heiligen macht, und will ihn nicht in Sünden bleiben noch verderben lassen. Dieses aber tut er nicht darum, als hätte er ein Wohlgefallen an den Sünden, oder dass wir in Sünden bleiben und darin fortfahren sollten. Nein, weil er für die Sünder leidet, will er, dass sie nicht mehr so bleiben, sondern fromm und heilig sind und sich bekehren sollen. Wie man hier an dem Schächer sieht: der kehrt um, und beschuldigt sich selbst seiner Sünden wegen; hofft aber, er werde des Herrn Christi genießen, dass seine Sünden am ewigen Lebens ihm nicht schaden sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">31. Also wird ein ganz anderer Menschen aus ihm, und sein Tod, den er verdient hat, wird jetzt ein Gottesdienst, dass er ferner nicht mehr leidet als ein Mörder, sondern als ein rechter Heiliger. Denn er stirbt in rechten Bekenntnis und herzlichen Vertrauen auf die Gnade Gottes durch Christum, und lässt sich seine Sünde von Herzen leid sein; und wo Gott ihn noch länger auf Erden ließe, würde er es nicht wieder tun, was er zuvor getan hat. Dieser Glaube an Christum macht ihn nicht allein zum Heiligen, sondern bringt ihn ins Paradies und zum ewigen Leben; wie der Herr Christus ihm sagt: &#8221; Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du bei mir sein im Paradies &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">32. Diesem Beispiel sollen wir folgen, und nicht denken, wie rohe, gottlose Leute pflegen: Ich will sündigen, auf das mich Christus erlöse, und seine Gnade an mir beweise. Nein, so nicht; sondern denke so: Ich bin in Sünden geboren, ich bin voll böser Lüste, muss nicht zuerst noch anfangen zu sündigen, dass ich mich für einen Sünder rühmen möchte; ich bin schon vorher ein Sünder, ich liege immer in Sünden und dem Tod. Darum will ich mich an den halten, er durch sein Leiden für die Sünder bezahlt, und durch seinen unschuldigen Tod mich vom verdienten und längst verschuldeten Tod erlöst und mit Gott versöhnt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">33. Wer aber solche Gnadenpredigt missbrauchen, von Sünden nicht ablassen, diese nicht bekennen, noch sich dieses wollte leid sein lassen will, der mag mit dem Mörder zur Linken, die Obersten der Juden und die Kriegsknechte besehen, und bedenken, was ihnen geschehen und was sie mit dem unbußfertigen Leben verdient haben. Denn willst du des Herrn Christi und seines Leidens und Gebets genießen, so musst du des anderen Schächers Weise folgen, der seine Sünden bekennt, um Gnade bittet, und den Herrn Christum bekennt, er sei ein Herr und König des ewigen Lebens. Das verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.</p>
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		<title>Lukas 21, 25-36</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:17:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 21, 25-36

Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 21, 25-36<br />
</strong><br />
<em>Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen, und merket, dass jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen; so wisset, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, dass geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-316"></span>1. Diese Weise hat unser Herr Gott allewege gehalten, von Anfang der Welt her, wenn er hat wollen was Neues machen, so hat er sondere große Zeichen lassen vorher gehen. Als, da er Ägypten strafen, und sein Volk daraus führen und sich ein besonderes Volk daraus machen wollte, da gingen allerlei herrliche Zeichen, böse und gute. Denn die Frösche, Heuschrecken Hagel, Pest und dergleichen tat den Ägyptern großen Schaden, bis zuletzt alle erste Geburt in einer Nacht gewürgt und das übrige Volk im Roten Meer ersäuft wurde. Bei den Juden aber waren dies gute Zeichen, dass sie trocken durch das rote Meer führte, ihre Feinde aber darin ersoffen, ihnen aber Himmelbrot gab, und dergleichen. Solches war eine Anzeigung, dass Gott etwas Neues mit diesem Volk anfangen, und ein neues Regiment und Wesen stiften wollte. Dergleichen geschah auch, da er die ungläubigen, verstockten Juden strafen und das neue Gnadenreich durchs Evangelium in aller Welt anrichten wollte. Denn da der Herr Jesus am Kreuz hing, taten sich die Gräber auf, die Toten stiegen heraus und gingen in die Stadt Jerusalem. Es kam eine große ungewöhnliche Finsternis, der Vorhang im Tempel zerriss. Solches alles war ein Anfang eines neuen Wesens und ein Untergang des alten, wie sichs denn im Werk hat auch gefunden dass das Judentum gefallen Christus ein neues Reich angerichtet hat.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Solches wussten die Juden wohl, und hatten es aus eigener Erfahrung gelernt. Deswegen kommen hier die Apostel zum Herrn Christus, und fragen ihn, was für Zeichen vor der Zerstörung Jerusalems und der Welt Ende kommen werden, ehe denn das ewige Reich Christi angehe?</p>
<p style="text-align: justify;">3. Von der Zerstörung Jerusalems nun antwortet ihnen der Herr hier: Wenn sie sehen werden, dass sich ein Heer um Jerusalem lagern werde, so sollen sie wissen, dass Ende sei nicht weit; gibt ihnen deswegen diesen Rat: Sie sollen sich aus dem Land machen und auf das Gebirge fliehen; denn da werde keine Gnade sein, es müsse das Judentum verwüstet werden.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Also lehret er sie vom jüngsten Tag auch und spricht: Wenn ihr Zeichen sehen werdet an der Sonne, am Mond, an den Sternen, am Meer und Wassern, an den Menschen und am Himmel; wenn solches, sagt er, angehe (denn man sollte nicht so lang harren, bis man meinte, es sei nun alles aus, oder man habe dergleichen auch vorher gesehen), dann seid tapfer, und lässt mit solchen Zeichen keinen Scherz sein; denn es ist eine gewisse Anzeigung, dass der jüngste Tag jetzt vor der Tür ist.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Hier ist nun die Frage, ob solche Zeichen alle vor dem jüngsten Tag werden geschehen. Aber nach solchem darf man nicht fragen. Denn der Herr sagt: Wenn solches anfängt zu geschehen, so soll man darauf sehen. Deswegen glaube ich, dass etliche vielleicht die meisten Zeichen hernach geschehen werden, dass der Herr lehret, wo man solche Zeichen sehen und warten soll, nämlich, an den Himmel, Sonne, Mond und Sternen, und an den Menschen und den Meer. Wenn man nun etliche derselben sieht, so sollen man sich auf diese Zukunft schicken, und nicht warten, bis alle geschehen sind. Denn sonst würde uns die Zeit einholen.</p>
<p style="text-align: justify;">6. An der Sonne und Mond geschehen zweierlei Zeichen: erstlich, dass sie ihren Schein verlieren. Solches, ob es wohl nicht seltsam und natürlich ist (denn man kann das aus der Kunst eigentlich zuvor wissen, ehe es geschieht), so ist dennoch ein Zeichen, wie es Christus selbst klar deutet im Evangelium Matthäus. Aber neben diesem können an der Sonne auch solche Zeichen geschehen, die man nicht wissen kann, sondern begeben sich plötzlich und fallen herrein gegen alle Mathematik, wie die Finsternis zur Zeit, da Christus am Kreuz gehangen hat. Denn die Kunst fällt so, dass die Finsternis an der Sonne geschehen muss im Anfang des Mondes, wenn er neu wird. Wenn es aber geschieht im Vollmond, wie damals, oder auf einen anderen Tag im Mond, so ist es nicht natürlich. Darum ist solche Finsternis ein besonderes großes Wunderwerk gewesen. Ob wir nun dergleichen nicht gesehen haben, so kann es sich doch sehr bald zutragen.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Und wir haben über die Jahre viel andere wunderliche Dinge gesehen, welches alles ungewöhnlich und seltsam ist. Als, dass ein Regenbogen um die Sonne gehen soll, dass die Sonne sich gleich teilen und viele Sonnen gesehen werden. So ist es auch nicht unglaublich, dass dergleichen auch etwas kommen wird, welches wir zuvor nicht gesehen haben. Darum haben wir eine Warnung an der Sonne genug, dass wir nicht sicher sein, sondern der seligen Zukunft unseres Herrn Christi warten sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Die anderen Zeichen, davon Christus ihr meldet, sind das große Brausen der Wasser, dass es tobet, als wolle es alles untergehen. Denn gleich wie ein Mensch, wenn er natürlich sterben soll, erst krank wird, bekommt Fieber, Pest oder eine andere Krankheit; solches alles sind Zeichen, dass er davon soll: also wird auch die Welt gleich krank sein, dass Himmel, Sonne, Mond, Sterne, Menschen, Wasser und alles sich regen krümmen und übel sein wird, ehe es ganz zu Boden geht.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Das Zeichen an den Menschen halte ich gänzlich, dass wir es erlebt haben. Denn zu solchem hat der leidige Papst mit seiner Predigt sehr geholfen, das die frommen Herzen sehr erschreckt gewesen sind, darum dass man gepredigt hat, was für eine große Todsünde es sei, nicht recht zu beichten, beten, fasten, Messe hören und dergleichen. In solchem Schrecken wussten niemand, wohin? Denn der rechte Trost, die Vergebung der Sünden durch Christum, war verschwunden. Das fing für die Menschen ein martern an, jetzt mit diesen, jetzt mit anderen Werken; dass ich glaube, solches sei der größte Jammer auf Erden gewesen. Wie ich ihrer denn viel selbst gesehen habe, die solches Herzeleid und Schrecken nicht ertragen konnten, und in Verzweiflung fielen vor großer Furcht und Schrecken, dass sie sich nicht trauten, zu bestehen vor Gottes Gericht.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Denn da trieben uns des Papstes Predigten mit Macht hin, dass wir uns von Christus dem Richter, sollten zu Tode fürchten. Ich bin auch einer gewesen, konnte mich zu Christum, als einem strengen Richter, nichts Gutes hoffen, rief deswegen die Jungfrau Maria an, dass sie mir beistehen und gegen solchen Richter meine Rückhalterin sein sollte. Denn etwas anderes kannten wir nicht. Christum hatten wir verloren und mussten bekennen, dass wir bösen Buben waren. Er konnte man anderes nicht, denn sich fürchten und vor dem Richter erschrecken. Deswegen achte ich, dieses Zeichen sei bereits geschehen. Gleichwie ichs dafür halte, der andere Teil der anderen Zeichen am Himmel sei auch schon geschehen. Ob aber gleich noch mehr kommen sollen, so kann es doch alle Tage sich begeben, dass sie auch kommen. Wir sollen aber darum nicht unterlassen, uns gegen diesen Tag also zu schicken, wie der Herr unten lehren wird.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Am Ende meldet der Herr von einem Schrecken, und sagt: &#8221; die Leute werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die auf Erden kommen sollen &#8220;. Hier redet er von einer anderen Furcht, welches eine sehr große Furcht ist, und sie kommt daher, dass die Menschen vor den Zeichen des jüngsten Tages sich fürchten werden. Solche sind nicht gottlose, ungläubige Leute, sondern fromm und gottesfürchtig. Deswegen nehmen sie die Warnung mit den Zeichen an, welche die Gottlosen frei und sicher verachten, darum der sie denken, diese Zeichen sind zuvor auch viel geschehen, und es sei dennoch der jüngste Tag nicht gekommen. Lassen deswegen heute dieses, morgen an anderes Zeichen und Warnung vorüber rauschen, und bleiben wie sie sind, heute wie gestern, und ohne alle Besserung, und kümmern sich gar nichts, wie es mit dem jüngsten Tage gehen werde.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Solche gottlose, sichere Leute lässt der Herr fahren. Denn weil sie Zeichen sehen und verachten können, so werden sie auch nach dem Wort und der Predigt nichts fragen. Aber die Frommen, die solche Zeichen wahrnehmen, und sich darüber entsetzen, die läßt der Herr sich befohlen sein, und tröstet sie auf das allerfreundlichste, und sagt: Weil sie Christum bekennen, sein Wort lieben, nicht gern von selben abfallen noch leugnen wollten; so sollen sie vor solchen Zeichen, ob sie gleich etwas schrecklich sind, sich nicht entsetzen, noch erschrecken.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Als dann, spricht Christus, werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Das wird eine andere Pracht sein, denn wo Kaiser und König einziehen. Denn da wird die ganze Luft voll Engel und Heilige sein, die werden leuchten, heller denn die Sonne, und der Herr Christus wird mitten unter ihnen schweben, und mit seinen Heiligen das Urteil über die Verdammten sprechen, welche unten auf Erden bei den Teufel stehen, zittern und beben werden.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Wenn nun, spricht Christus, dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, seid fröhlich und guter Dinge, denn es muss also so gehen. Soll die Welt zerbrechen, so muss sie zuvor krachen, sonst kann ein solch großes Gebäude nicht einfallen, es muss sich alles regen und bewegen. Eben wie ein Mensch, der jetzt sterben will, der windet und krümmt sich, verdreht die Augen, krümmt den Mund, wird im Gesicht blass und ungestaltet. Also wird die Welt auch tun.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Aber ich sage euch: Erschrecket nicht davor, richtet euer Haupt auf, als die es von Herzen gern sehen. Denn merkt, eure Erlösung ist nahe. Eure, spricht er, die ihr glaubt; die anderen, die nicht glauben, werden verdammt. Deswegen sollten sie sich wohl fürchten, aber sie tun es nicht. Denn der Herr Jesus würde beides mitbringen: denen, die gläubig und fromm gewesen sind, den Himmel; den anderen aber die Hölle und die Verdammnis.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Solches redet der Herr mit den Frommen. Die werden auch darüber erschrecken, wenn Sonne und Mond die Augen verdrehen und die Welt voll mit Feuer sein wird. Denn die Heiligen sind nicht so stark; es müsste auch St. Peter oder ein anderer Heiliger davor erschrecken, wenn sie lebten. Aber, spricht der Herr, seid getrost; es wird euch wohl jämmerlich und erschrecklich ankommen, aber solches gilt euch nicht, es gilt dem Teufel und den Ungläubigen. Euch aber kommt die Seligkeit und die fröhliche Erlösung, da ihr solange nach geseufzt habt und gebeten, dass mein Reich zu euch komme, euch eure Sünde vergeben und ihr von allem Übel sollt erlöst werden. Was ihr nun so lang mit ganzem Herzen gebeten habt, dass soll dann kommen. Denn es heißt ein Tag eurer Erlösung.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Darum mag man den jüngsten Tag wohl nennen einen Tag der Verdammnis und der Erlösung, einen Tag der Traurigkeit und der Freude, einen Tag der Hölle und des Himmelreichs. Wie der Herr in Matthäus 24,30. Sagt: &#8221; Alsdann werden heulen alle Geschlechter der Erde &#8220;. Da wollen wir, ob Gott will, nicht bei sein, sondern den Papst, die Rottengeister, den bösen Adel, böse Bauern und Bürger dieses lassen, die jetzt allen Mutwillen treiben, das Evangelium verfolgen, und allen Jammer und Unglück anrichten; dieselben werden dann bezahlen müssen. Wir aber, die wir uns jetzt vor ihnen beugen müssen, weinen und bekümmert sind, werden dann lachen und sehen, dass sie mit dem Teufel in den Abgrund der Hölle müssen hinunter fahren.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Deswegen ob sich gleich die Kreatur verstellt, Sonne und Mond schwarz und finster und euch sauer ansehen werden, erschreckt darum nicht; kriecht nicht in den Winkel, wenn solches angeht, sondern richtet euer Haupt auf, und lasset euch nicht anfechten; gedenkt, dass ihr mich haben wolltet. Denn so ich euch erretten soll, so muss ich zuvor die angreifen die euch gefangen halten. Gleich, als wenn du in einem Schoß gefangen lägest, in einem Turm, und hörst, wie man hinein schießt und stürmt du würdest dich vor dem Schießen und Stürmen nicht fürchten, sondern darüber noch froh sein, wenn du wüsstest, dass es um deinetwillen wäre, dich also frei zu machen.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Also ist es hier auch; lässt euch nicht Schrecken, dass die Welt sich so krümmen und winden wird; diese Rute gilt euch nicht, sondern denen, über die ihr geschrien habt. Deswegen nehmet solche Zukunft an, als eine Zukunft eurer Erlösung. Denn ich komme nicht darum, dass ich euch in die Hölle werfen, sondern euch aus der schändlichen, kranken, bösen, heillosen Welt helfen, euch scheiden von dem Teufel und seinen Knechten, und unter die Engel setzen, wo ihr nicht leiden, sondern in ewiger Herrlichkeit leben sollt.</p>
<p style="text-align: justify;">20. So solchem Trost dient nun auch das schöne Gleichnis mit den Bäumen. Im Frühling, spricht er, wenn der Winter jetzt aufhören soll, und die ganze Erde neu werden; wenn die Kälte weichen und die Wärme kommen, und die dürren Bäume ausschlagen und grünen sollen, da sage mir, wie fängt solches an? Ist es nicht wahr, die Bäume knospen erst, danach schlagen sie aus; so spricht denn jedermann, der Winter ist vorüber und geht nun der schöne Sommer an.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Dieses Gleichnis soll euer Doktor und die Bäume auf dem Felde euer Kunstbuch sein, dass ihr lernet, wie ihr des jüngsten Tages warten sollt. Denn gleichwie der Sommer folgt, wenn die Bäume saftig werden und die Blätter gewinnen: also wenn die Erde beben, der Himmel zittern, Sonne und Mond betrübt und sauer aussehen werden, so lässt euch ebenso wenig schrecken, als euch die jungen Blätter, die an den Bäumen ausschlagen, schrecken, wenn es Sommer werden will. Denn solche Zeichen sollen euch sein wie der Saft und Blätter an den Bäumen, dass ihr des ewigen Sommers mit Freuden warten sollt. Denn dies elende Leben auf Erden hier ist wie der schändliche, unfruchtbare Winter, und da alles verdorrt und verdirbt. Mit demselben soll es dann ein Ende haben, und der schöne ewige Sommer kommen, nämlich das Reich Gottes, durch welches des Teufels Reich soll zerstört werden, durch welches ihr hier auf Erden so viel leiden musstet. Denn ihr lebt unter gottlosen, bösen, falschen, geizigen Leuten, die das Evangelium lästern und schänden, und alles Unglück begehren anzurichten. Das müsst ihr sehen und hören, und täglich Schlimmeres erwarten. Von solchem will ich euch durch meine Zukunft erlösen, dass ihr solchen Mutwillen nicht mehr sehen dürft.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Deswegen gilt solch ein schreckliches Wesen nicht euch, sondern euren Feinden, den Gottlosen: die lasset trauern und erschrecken. Hier aber freuet euch, dass eure Erlösung nahe ist. Wie der fromme Lot zu seiner Zeit auch tat, der lebte mitten unter den schändlichen Leuten zu Sodom, die ihm alles Leid taten, mit ihrem unzüchtigen Wandel, und quälten seine gerechte Seele von Tag zu Tag mit ihren ungerechten Werken, wie man nicht erzählen kann, die er sehen und hören musste, bis sie überreif wurden und Gott nicht länger konnte zusehen. Da kamen zwei Engel, die geführten den frommen Lot zur Stadt hinaus. Da wird es ohne Zweifel auch einen schrecklichen Anblick gehabt haben, dass der Himmel schwarz geworden, geblitzt und gedonnert hat, und die Wolken sich aufgetan, Schwefel und Feuer herab geregnet, und die Erde sich aufgetan, und alles versenkt hat. Das nun Lot sich nicht darüber sollte entsetzen, das ist unmöglich. Aber da war dass der Trost, dass er wusste, dieser schreckliche Anblick gilt nicht ihm, sondern den Sodomiten, die böse, verzweifelte Buben gewesen waren und sich nicht bessern wollten. Die mussten sich nicht allein bei solchem feurigen Regen entsetzen, sondern auch darin verderben und in den Abgrund der Hölle fahren. Dem frommen Lot aber war es wie ein schöner Baum, der ausschlägt und jetzt beginnt zu grünen. Denn er spürte dabei Gottes Hilfe und gnädige Rettung wieder die Gottlosen.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Also wird uns, so wir es erleben, am jüngsten Tag auch geschehen. Schrecklich wird es anzusehen sein, wenn Himmel und Erde so anheben zu feuern, und wir in einem Augenblick hinfahren und sterben. Aber ein Christ soll nicht dem Ansehen folgen, sondern hören, wie es Christus deutet, nämlich, dass es sei eine schöne Blüte, ein schöner saftiger Zweig; auf das, obgleich über dem schrecklichen, hässlichen Anblick sich die Vernunft entsetzt, dennoch das Herz am Wort hängt und sich wieder des äußerlichen Ansehens stärke, und spreche: Ei, erschreckt nicht, es ist doch nicht Böses noch Schädliches; ja, es bedeutet, wie Christus selbst sagt, nicht Böses, sondern das mein Erlöser und Erlösung nahe sei. So sei mir nun Gott willkommen, wer nun den Herrn Christum so empfangen kann, der ist in einem Augenblick dahin in die Herrlichkeit, dass er wie die schöne Sonne leuchten wird.</p>
<p style="text-align: justify;">24. Auf diese Weise lehret uns unser lieber Herr Christus den jüngsten Tag recht erkennen, dass wir wissen, was wir an ihm haben, wozu wir seiner Zukunft warten und hoffen sollen. Der Papst Predigt von Christus, er sei ein strenger Richter, gegen den man sich mit Werken recht halten, also, die Heiligen anrufen und ihrer Fürbitte genießen, so man nicht verdammt werden soll. Denn also hat man Christum im Papsttum überall gepredigt, wie er zum Gericht komme, und ein Schwert und Rute im Mund führe, welches beides Zorn bedeutet. Weil aber Maria und Johannes ihm zur Seite stehen, hat man für die beiden und anderer Heiligen Fürbitte gesucht und darauf gehofft. Wie der gute Pater Bernadus sich auch Gedanken gemacht hat und dachte, wenn die Mutter Maria ihrem Sohn die Brüste zeige, so könne er ihr nichts versagen. Das ist ja ein gewisses Zeichen, dass man kein Vertrauen zu Christus hat, sondern geglaubt hat, Christus komme als ein Richter. Aber in diesem Evangelium lehret er uns anders, nämlich, dass er wolle kommen, nicht dass er uns richten und verdammen, sondern erlösen und helfen wolle, und erfüllen, was wir ihn gebeten haben, und sein Reich zu uns bringen. Denen aber, so an ihn nicht geglaubt, seine Christen auf Erden verhöhnt und geplagt haben, für diese will er Richter sein und sie strafen. Solches, spricht er, glaubet fest und zweifelt nicht daran, und freuet euch auf meine Zukunft; denn sie soll euch zum besten geraten, dass ihr von Sünden, Teufel, Tod und Welt erlöset, und durch mich ewig selig werdet. Das heißt ja herrlich und reichlich getröstet.</p>
<p style="text-align: justify;">25. Aber da ist noch ein Stück, über welchem die blöden Gewissen sich hart entsetzen. Denn der Herr sagt, der jüngste Tag werde unversehens herrein fallen, dass den Leuten eben geschehen soll, wie ein Waldvogel, der des Morgens fliegt, ist hungrig und sucht seine Nahrung, hofft, es wolle dieselbe finden, wie bisher, findet sie auch, setzt sich nieder und ist fröhlich und guter Dinge; und plötzlich, ehe es gewahr wird, fällt das Netz über ihn, wird gefangen und erwürgt. Solches nehmen die frommen gottesfürchtigen Menschen zu Herzen, und weil sie es kennen aus täglicher Erfahrung, wie bald es geschehen ist, dass man zu Fall kommt, werden sie blöde und verzagt darüber. Denn sie denken: Wer weiß, wie dieser Tag dich finden wird. Vielleicht wird er zu der Stunde kommen, wenn du am ungeschicktesten bist, und an diesen Tag am wenigsten denkst, oder in dieser oder anderen Sünde liegst; so ist es denn mit dir geschehen, und wird aus diesem Freudentag ein ewiger Trauertag.</p>
<p style="text-align: justify;">26. Hier will der Herr uns auch nicht trostlos lassen, und lehret seine Christen, wie sie dieser Sorge sich abhelfen sollen, und spricht: &#8221; Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, dass geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">27. dass ist nun eine sehr edle und nötige Lehre, die uns nimmermehr sollte aus unseren Herzen kommen. Es verbietet der Herr Essen und Trinken nicht; so heißt er auch nicht, wie der Papst, dass man alles liegen und stehen lassen soll, in ein Kloster gehen um geistlich werden. Nein, esset und trinket, dass gönnt euch Gott wohl; trachtet auch noch eurer Nahrung, denn darum hat Gott die Arbeit befohlen. Aber davor hütet euch, dass eure Herzen mit solchem allen nicht dermaßen beschwert werden, dass ihr meiner Zukunft dabei vergesset; sondern seid wacker, das ist, wartet alle Stunden und Augenblicke und haltet euch deswegen in Gottesfurcht und gutem Gewissen. Das lässt das erste sein.</p>
<p style="text-align: justify;">28. Danach so betet auch, dass ihr aller Anfechtung und Jammer entfliehen, und vor des Menschen Sohn zu stehen mögt würdig werden. Wie denn solches im Vater Unser in den letzten zwei Bitten fein begriffen ist: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern Erlösung uns vom Übel. Wenn ihr solches tut, so soll es nicht Not haben, es finde euch alsdann der jüngste Tag über Tisch, oder im Bette, in der Kirche oder auf dem Markt, wachen oder schlafen, so gilt es alles gleich. Denn er findet euch in Gottes Schutz.</p>
<p style="text-align: justify;">29. Aber hier muss man auch dieses merken, dass man Gott nicht recht anrufen noch beten kann, wo man von wissentlichen Sünden nicht abstehen und sich nicht bessern will. Deswegen gehört zum rechtschaffenem Gebet eine rechtschaffene Buße, und dass man sich vor mutwilligen Sünde hüte, und sich im gutem Gewissen halte, und alsdann auf Gottes Güte im Namen Jesu Christi bitte, dass er in seiner Furcht uns erhalten, durch seinen Heiligen Geist vor Sünden bewahren, und in einem rechten Glauben bis ans Ende erhalten wolle, auf dass wir dieses selbigen Tages mit Freuden erwarten, und unsern Herrn Jesum, als unseren Erlöser, mit herzlicher Zuversicht annehmen mögen. Solch Gebet wird durch Christum erhört, da ist kein Zweifel an. Deswegen sollen wir solchem Rat und Lehre folgen, auf diesen gnädigen Tag der ewigen Erlösung recht schicken. Das verleihe uns allen unser Herr und Erlöser Jesus Christus, Amen.</p>
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		<title>Lukas 19, 41-48</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:15:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 19, 41-48

und als er nahe hinzu kam, sah er die Stadt an, und weinte über sie, und sprach: Wenn du es wüsstest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist&#8217;s vor der einen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, dass deine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 19, 41-48<br />
</strong><br />
<em>und als er nahe hinzu kam, sah er die Stadt an, und weinte über sie, und sprach: Wenn du es wüsstest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist&#8217;s vor der einen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, dass deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen Orten Ängsten, und werden dich schleifen, und keinen Stein auf den anderen lassen, darum, dass du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrte täglich in Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Vornehmsten im Volke trachteten ihm nach, dass sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie ihm tun sollten; denn alles Volke hing ihm an, und hörete ihn.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-312"></span>1. Dies Evangelium sollen die Christen fleißig merken, dass sie daraus lernen Gott fürchten. Denn es ist der schrecklichen Evangelien eins in Lukas; sollte deshalb uns also zu Herzen gehen, dass wir es nie vergessen. Denn hier hören wir, was für ein großer Zorn und Ernst über Jerusalem ergangen ist. Daraus können wir gewiss schließen: Wer in seiner Bosheit sicher fein und in Sünden fortfahren will, der soll sich nicht in den Sinn nehmen, dass er der Strafe entlaufen werde. Denn so Gott der trefflichen, hoch begnadeten Stadt nicht verschonet hat, weil sie Gottes Wort gehabt, und doch sich nicht gebessert hat: so denke nur jedermann, und lasse in Zeiten von Sünden ab und bessere sich; sonst wird gewisslich die Strafe und der Zorn nicht außen bleiben.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Nun ist aber der Zorn und Jammer, so über diese Stadt und Volk ergangen, so groß, dass es dem Herrn Christus selbst zu Herzen geht und er bitterlich darüber weint, dass die schöne Stadt so jämmerlich umkommen und zerrissen werden soll, dass nicht ein Stein auf dem anderen bleiben soll, und wünscht: Ach Jerusalem! Wenn du es wüsstest, und solchen künftigen Jammer glaubtest, der über dich kommen wird, so würdest du gewiss nicht so sicher sein, sondern auch weinen, und bedenken, was zu deinem Frieden dienet, und bitten, dass dir Gott wollte gnädig sein.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Obwohl nun der Herr allein von Jerusalem redet, so will er doch damit gewarnt und gedroht haben allen denen, die Gottes Wort haben, und es doch vergeblich hören und verachten, dass sie nicht sicher sein, noch sich darauf verlassen sollen, als sollte es ihnen Gott schenken. Nein, die Strafe wird sich finden, so wahr Gott lebt. Darum soll nun man sich vor allen Sünden, sonderlich aber vor der hüten, die da heißt, Gottes Wort oder die Zeit der Heimsuchung, verachten, das ist, Predigt hören, und doch sich nicht bessern, sondern in Sünden immerdar fortfahren, man predige und sage, was man wolle. Die Strafe auf solche Sünde bleibt gewiss nicht außen, ob sie gleich eine Zeitlang aufgehalten wird.</p>
<p style="text-align: justify;">4. So wird nun in diesem Evangelium uns vorgehalten ein sonderliches Beispiel des schrecklichen Urteils Gottes über seine liebste und heilige Stadt Jerusalem und sein eigen Volk, welche Stadt unseres lieben Herrn Gottes eigen Haus, und das Volk sein eigen Hausgesinde gewesen ist. Denn Jerusalem ist gleich als ein halber Himmel gewesen, da Gott selbst mit seinen Engeln gewohnt hat, da aller Gottesdienst geordnet, da alle Patriarchen gelebt und ihr Begräbnis gehabt, da endlich Christus, der Sohn Gottes, selbst gewandelt, gestorben, begraben, auferstanden und den Heiligen Geist gegeben hat. Das also diese Stadt mit Heiligkeit dermaßen überschüttet, dass ihresgleichen auf der ganzen Welt nicht gewesen ist, noch sein wird, bis an den jüngsten Tag. Dennoch solches alles unangesehen, da sie Gottes Wort nicht annehmen und demselben nicht folgen wollte, hat unser Herr Gott so fest über seinem Wort gehalten, dass seine liebste Stadt auf das greulichste hat müssen verwüstet werden. Wie viel weniger wird er es anderen Städten schenken, die Jerusalem das Wasser nicht reichen können, und andern Völkern, die ihm nicht so nahe zugehören, als die Juden, die seine Blutsfreunde waren.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Darum sollen man bei diesem Beispiel Gottes Zorn merken, und sich vor Verachtung des Wortes hüten, dass man nicht sage, wie wir häufig tun: Ei, Gott wird nicht so zornig sein, er wird nicht so hart strafen. Denn so er die heilige Stadt Jerusalem, sein höchstes Kleinod auf Erden, also zerreißen lassen hat, dass kein Stein auf dem anderen geblieben ist, darum dass die Juden das Evangelium hörten und sich nicht besserten: so darfst du nicht denken, dass er es uns schenken werde, wenn wir in dergleichen Sünde auch liegen. Denn Jerusalem wurde so verwüstet, dass man nicht sagen könnte, dass dort je ein Haus gestanden hätte.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Es hat aber Gott diese greuliche Strafe eben dazumal gehen lassen, da das jüdische Volk sich mit Haufen gen Jerusalem auf das Osterfest versammelt hatte und fast in die hunderttausend Menschen (wie es die Historien Zeugen) da gewesen sind. Denn Gott gedachte ein groß Feuer anzuzünden, darum brachte er die Brände all zu Haufen. Da er sie nun wie einen großen Scheiterhaufen, ja, wie einen Wald, hatte zusammen gerafft, führte er die Römer über sie, dass sie es ansteckten und verbrannten. Josephus sagt, dass von der Zeit der Belagerung an, bis die Stadt erobert, in die zehnmal hunderttausend erschlagen und an der Pest gestorben, und 97000 gefangen worden sind. Die sind so verachtet und unwert gewesen, dass man 30 Menschen für einen Schilling verkauft hat. Also mußte Christus gerächt werden, den sie um 30 Silberlinge verkauft hatten.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Dies ist nun die klägliche jämmerliche Strafe, welche Gott über sein Volk verhängt und damit ein Ende gemacht hat, welches er doch mit so großer Herrlichkeit und Wunderzeichen aus Ägypten geführt, in das Land Kanaan gesetzt, ihr Vater gewesen, so freundlich mit ihnen geredet und umgegangen ist. Da sie aber sein Wort verachteten und ihm nicht folgen wollten, hat er solchen Zorn und greuliche Strafe über sie gehen lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Solchen Jammer sieht der Herr, dass er nicht weit sei, weint deswegen und spricht: &#8221; Wenn du es wüsstest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden diente. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen &#8220;. Darum gehst du sicher hin, als hätte es nicht Not mit dir. Aber es wird nicht lange so bleiben, es wird müssen brechen; und ist schon vor der Hand, ohne dass es noch verborgen ist und du es nicht siehst.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Hier möchte einem einfallen, warum doch unser Herr Gott die Strafe verbirgt? Warum lässt er sie nicht alsbald gehen? Antwort: Er tut es darum, dass er seine Geduld damit beweisen, und sehen will, ob wir uns bessern und Gnade suchen wollen. Denn wenn er sobald sollte mit dem Donner und Blitzen dazwischen schlagen, so könnte keiner von uns sieben Jahre alt werden. Darum hält er mit der Strafe an sich, uns Zeit und Raum zu lassen, dass wir uns bessern. Solches steht Gott wohl an, der preiset damit seine Barmherzigkeit gegen uns. Der Teufel aber ist ein zorniger Geist, der tut es nicht; wenn er einen könnte mit einem Strohhalm totschlagen, er täte es, und würde sich nicht lange aufhalten lassen. Aber Gott ist gnädig, darum will er die Strafe aufhalten, aber nicht nachlassen.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Das macht die Leute sicher, dass sie sich nicht allein bessern, sondern je länger je ärger werden. Wie man sieht: Ein Ehebrecher, Wucherer, Dieb, weil die Strafe nicht sobald kommt, läßt sich denken, es habe noch lange nicht Not. Aber hüte dich, lass dich nicht verführen noch betrügen. Denn hier hörst du, dass Gott die Strafe wohl aufhalte und verberge; aber ist sie nicht aufgehoben. Darum kehre beizeiten um, tu Buße und bessere dich. Das meint hier Christus, da er spricht: &#8221; Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen &#8220;; als sollte er sagen: Laß dich nicht betrügen, dass die Strafe verborgen ist. Du wirst mich töten und mein Blut vergießen, wie du mit anderen Propheten vor mir auch getan hast. Ich schweige still dazu, lasse es geschehen und leide es. Solches macht, dass du denkst, es werde immer so gehen und ungestraft bleiben. Deswegen tut niemand mit Ernst dazu, dass er frömmer würde und sich besserte. Aber sieh dich vor, du bist vor der Strafe nicht sicher. Wenn du zu überreden wärest, dass du es glauben könntest, so würdest du danach denken, wie du vor der Strafe fliehen kannst. Aber du glaubst es nicht; darum gehst du so sicher hin, lässt die Zeit deiner Heimsuchung, darin du gewarnt wirst und wieder zu Gnaden kommen könntest, vorüber rauschen, bist sicher und besserst dich nicht. Das ist eben die Sünde, darum Gottes Zorn dich überfallen und übereilen wird.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Hier lerne mit Fleiß und merke, was Gott für die größte Sünde achtet, die er am wenigsten dulden und leiden kann, nämlich, dass sein Volk die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt hatte. Denn der Herr schweigt hier aller anderen Sünden, und gedenkt allein dieses, dass sie sicher dahin gegangen und sich nicht allein an der Propheten Ermahnung und Drohung gekehrt, sondern sie auch verfolgt, und viel unschuldiges Blut vergossen haben, bis dass, wie die Schrift sagt, Jerusalem hier und da voll Blut ward (gleich wie heutigen Tages Deutschland sich versündigt mit viel Verfolgung des Wortes und seiner Diener). Neben dieser Sünde gingen mit Macht Ehebruch, Hurerei, Wucher, Geiz, Stehlen, Schwelgen, Saufen und was da noch ist.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Solche Untugend, sagt Christus hier, wollte ich mit dem Wort strafen, und auch lehren, dass ihr sollt fromm sein und euch bessern. Um dieser Ursache Willen habe ich zuvor meiner Propheten, Johannes und meine Apostel geschickt; ja, ich selbst bin aufgetreten, habe gepredigt, Wunderzeichen getan, und alles vorgenommenen, was euch zur Besserung dienen möchte. Nun sollten alle anderen Sünden, so groß und viel ihrer auch sind, euch nicht schaden, sondern vergebenen und in Ewigkeit nicht mehr gedacht werden; Jerusalem sollte wohl stehen und von den Feinden unangefochten bleiben: wenn ihr nur die Zeit teurer Heimsuchung erkennet. Denn ich komme zu euch nicht mit dem Schwert, nicht mit der Keule, sondern sanftmütig und ein Heiland. Ich predige und schreie: tut Buße, bessert euch und seid fromm. Hört doch und folgt, ehe der Zorn mit Macht kommt. Also suche ich euch heim.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Ja wohl, da wird nichts aus. Alle eure Sünden macht ihr damit größer, dass ihr auch die Heimsuchung nicht erkennt, annehmt und leiden wollt. Darum geht es, wie das Sprichwort lautet: wem nicht zur raten ist, dem ist auch nicht zu helfen. So gehen auch die Juden mit unseren Herrn und Gott um. Er lässt euch durch mich Vergebung der Sünden anbieten, will euer gnädiger Gott sein, alles gern vergessen und vergeben: nur, dass ihr noch aufhört von den Sündern und nehmt sein Wort an. Ihr aber macht weiter, lästert mich, sagt: Ich habe den Teufel, heißt meine Predigt eine Ketzerei, wollt mich dazu an das Kreuz schlagen, werdet auch nicht eher zufrieden sein, ihr habt es denn ausgerichtet. Das ist aber erst der Teufel, wenn Gott nicht allein Sünde vergeben und gnädig sein, sondern auch große, hohe Gaben schenken will, dass man ihm den Rücken Wende und seine Gnade noch auf das gräulichste lästert. Wenn es so weit kommt, kann ich nicht mehr halten, es muss die Strafe folgen. Denn wo man Vergebung der Sünden und Gottes Gnade nicht leiden kann, da ist weder Rat noch Hilfe.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Und das ist die Hauptursache, dass der Zorn Gottes so überaus groß und schrecklich ist. Denn weil die Juden sein Wort weder sehen noch hören wollten, also hat Gott danach ihr Schreien, Beten, Gottesdienst und anderes auch weder sehen noch hören wollen, und ist sein Zorn nicht eher gestillt, bis Jerusalem zugrunde getilgt ist, dass kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Das haben sie so gewollt. Das ist nun das schreckliche Beispiel, welches der Evangelist uns zur Besserung geschrieben hat, dass wir Gottes Wort nicht verachten und die Zeit unserer Heimsuchung nicht sollen ohne Frucht vorüber lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Das ist besonders zu merken, dass der Herr spricht: &#8221; Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen &#8220;. Denn so geht es oft, dass man nicht denkt, dass Gott strafen werde; sondern weil Gott aus Güte mit der Strafe verzieht und auf Besserung wartet, denkt die Welt, er werde immer still verschweigen. Aber hütet euch, spricht Christus; ob ihr die Strafe gleich nicht sehet, so haltet es doch für gewiss, wenn ihr euch nicht bessert, so wird die Strafe nicht außen bleiben. Denn wenn Gott auch eine Zeitlang verzieht, hat er gleich wohl überall so viel Netze und Stricke gelegt, so viel Mausefallen um der bösen Buben willen gerichtet, dass es unmöglich ist, dass du ihm entlaufen solltest.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Zu dem hat er Vater und Mutter, Herr und Frau im Haus das Regiment befohlen, dass sie sollen auf böse Kinder und Gesinde Achtung haben. Wer nun dieses alles nicht beachten will, dem befiehlt er der weltlichen Obrigkeit, die Obrigkeit ist aber ein grober Prediger, hat so eine harte Stimme, dass er dir den Kopf vom Hals wegnehmen kann. So ist der Teufel auch noch da, der kann (wo du dich nicht bessern willst) aus dem Verhängnis welches Gott über dich verhängt, dich strafen mit Pestilenz, Hunger, Wasser, Feuer. Darum niemand denken soll, er könne es führen und der Strafe entlaufen. Willst du nicht fromm sein und Gottes Wort dich nicht lassen weisen, so muss dich der Henker oder der Teufel ohne deinen Dank weisen und führen lassen; aber bestimmt mit deinem Schaden und Verderben.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Darum sollst du keinen Unterschied machen zwischen der Strafe, die verborgen ist und die gewiss ist. dass sie nun verborgen ist, dass betrügt die Leute. Wie Salomon auch sagt: Es sei nicht gut, dass die Leute nicht sofort bestraft werden und unser Herr Gott so lang still schweigt; denn sie werden nur desto mutwilliger.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Ein Dieb, der heute stiehlt, wenn es ihm gelingt, stiehlt er morgen wieder, und denkt, es werde immer so weiter gehen; solches bringt ihm zuletzt an den Galgen. dass er aber bedächte, beizeiten aufzuhören und nicht mehr zu stehlen, da wird nichts draus. Also tun Ehebrecher, Wucherer, und in der Summe alle Sünder: je besser es ihnen gelingt, je hitziger und fleißiger sie darauf werden. Denn sie sehen und kennen diese Worte nicht, obgleich die Strafe verborgen ist, dass sie dennoch gewiss ist. Wie es sich allewege findet, dass, dem Sprichwort nach, der Krug so lange zum Brunnen geht, bis er einmal zerbricht.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Darum hüte dich, und lass dich nicht betrügen. Ob die Strafe schon verborgen ist, bis sie doch gewiss und wird nicht außen bleiben. Wie die Heiden aus der Erfahrung gelehrt und darum gesagt haben: Wenn unser Herr Gott kommen und strafen wolle, so ziehe er wollene Socken an, dass er leise gehen und man ihn nicht hören kann. Das ferner, und sei darum nicht sicher, ob unser Herr Gott nicht schnell zuschmeißt; sondern fürchte dich und sieh dich vor. Denn er hat so viel Engel, so viel Knechte, so viel Plagen, Krieg, Hunger, Pestilenz, dass er dich wohl treffen kann. Er kann die Luft voll Feuer machen und dich verbrennen. Er kann dich im Wasser ersäufen, mit Gift, durch unreifes oder ungesundes Obst erwürgen. In der Summe, der Stricke und Netze sind tausend und aber tausend, die Gott den bösen Buben und unbußfertigen Sündern stellen lässt.</p>
<p style="text-align: justify;">20. Das ist nun die Ursache, dass unser lieber Herr Christus so treulich warnt, weint und spricht: Sieh dich vor, Jerusalem; weil die Strafe verborgen ist, meinst du, sie werde außen bleiben; aber du irrst dich. Denn die Strafe ist darum nicht verborgen, dass du frei sein sollst; sondern dass du nur desto gewisser getroffen werden sollst, wenn du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkennen willst. Willst du nun solches verziehens nicht missbrauchen, sondern recht gebrauchen, so höre beizeiten auf zu sündigen, halte dich hierher zum Wort, so wird dir Rat geschafft; wo nicht, so musst du verderben.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Auf solche Weise Predigt uns der Liebe Petrus 2. Petrus 3,15. &#8221; Die Geduld oder Langmütigkeit unseres Herrn &#8220;, spricht er, &#8221; achtet für eure Seligkeit &#8220;. Das ist, lasst euch dünken, es sei euer Heil, es geschehe euch zum Besten, dass ihr nicht verdammt werdet. Denn so Gott immer straft, wie und nach dem wir verdienen, so würde, wie ich oben gesagt, unser keiner über sieben Jahre kommen. Nun, er tut es nicht, sondern ist langmütig, hält an sich und verzieht mit er Strafe. Das, spricht Petrus, achtet dafür, es geschehe um eurer Seligkeit willen, dass ihr sagen sollte: Ach Herr! Ich habe leider viel und oft gesündigt, jetzt in dem, jetzt in einem anderen. Nun kommt die Strafe nicht, sondern verzieht. Was bedeutet es aber? gewiss anderes nicht, denn dass, ob die Strafe gleich verborgen ist, sie doch gewiss kommen wird. Darum, lieber Vater, vergib, ich will ablassen und mich bessern. Dieser Spruch vom Petrus ist sehr wohl zu merken, dass die Geduld Gottes unsere Seligkeit sei.. &#8221; Denn Gott &#8220;, spricht er kurz zuvor, &#8221; will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre &#8220;. Deswegen wo Gott die Strafe verzieht, geschieht es uns zum Besten. Wer aber nicht ablassen, sondern in Sünden fortfahren und solcher Geduld Gottes missbrauchen will, da muss der Krug letztlich brechen. Wie man sieht: weil der Dieb nicht beizeiten aufhören will zu stehlen, wird er zuletzt dem Henker zu Teil; ein unzüchtiges Weib, die von ihrer Büberei nicht ablassen will, wird endlich zu Schanden vor jedermann. Sonderlich aber hat es Gott mit der Stadt Jerusalem bewiesen, ob er wohl die Strafe verbirgt und aufhält, dass er doch endlich kommen will und den Ungehorsam uns nicht schenken.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Darum lerne jedermann Gott fürchten, jedermann, Groß und Klein, jung und alt, lerne, wenn er unrecht tut und davon nicht ablassen will, dass die Strafe nicht werde außen bleiben. Denn da steht Jerusalem zum ewigen Beispiel, die heilige, schöne Stadt, welcher auch die heidnischen Geschichten das Lob geben, dass sie die herrlichste, berühmteste Stadt in den Morgenländern gewesen; da die ist dahin und zu Grunde vertilgt, dass niemand weiß, wo ein Haus gestanden ist, darum, dass sie von Sünden nicht ablassen und sich an das Wort nicht hat kehren wollen. Dies Beispiel hält uns der Herr im heutigen Evangelium vor, dass wir es zu Herzen nehmen sollen und uns bessern; oder wissen, wenn wir von Sünden nicht ablassen, dem Wort nicht folgen und es mit Glauben annehmen wollen, dass Gott mit der Strafe nicht will außen bleiben, ob er gleich eine Zeitlang damit verzieht; welches uns, wie gesagt, zum Besten geschieht, dass wir der Zeit wohl brauchen und von Sünden ablassen sollen. So du aber dich nicht bessern, sondern nur darum desto frecher werden und deinen Mutwillen desto mehr nachkommen willst; so wisse, dass das böse Stündlein, ehe denn du dich versiehst, kommen wird, da dich unser Herr Gott auch schreien lassen wird, aber nicht hören.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Denn mit den Juden tat er auch also. Die Belagerung wehrte nur kurze Zeit, von Ostern bis auf den Herbstmond da hatten sie in der Stadt alle Tage so ein Opfern, so ein Singen und Beten, dass es wie ein Wunder war. Aber es war alles umsonst. Gott hatte seine Ohren zugestopft und wollte nicht hören. Aber es wollte bei dem verstockten Volk nicht sein. Darum, da er die Strafe offenbarte, verbarg er sich auch und wollte sich nicht finden lassen. Wie Hosea dem Königreich Israel auch droht am 5. Kapitel Vers 6: &#8221; sie werden kommen mit ihren Schafen und Rindern, den Herrn zu suchen, aber nicht finden; denn er hat sich von ihnen gewandt &#8220;; und Jesaja Kapitel 1,15: &#8221; Wenn ihr eurer Hände werdet aufrecken und beten, will ich es nicht hören &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">24. So lasst uns nun dies Beispiel mit Fleiß merken, auf das, weil doch Gott mit der Strafe endlich nicht außen bleibt, wir ihn fürchten; und weil er nicht sobald zuschlägt, sondern Frist gibt, bis wir uns bekehren, wir ihn auch als einen gnädigen Vater lieb haben, und sagen: oh lieber Vater, du lässt die Sünde gewiss nicht ungestraft; so verleihe mir deine Gnade und Heiligen Geist, dass ich mich möge bessern und der wohlverdienten Strafe entlaufen. Wer also sich zur Buße begibt, der soll Gnade finden.</p>
<p style="text-align: justify;">25. Jerusalem würde noch heute so stehen wie zuvor, wenn die Juden sich erkannt, gedemütigt, und gesagt hätten: Lieber Gott, wir haben ja Unrecht getan, dass wir so böse Buben gewesen und deine lieben Knechte, die Propheten, gewürget haben. Nun, du hast uns jetzt durch deinen lieben Sohn dass heilige Evangelium gegeben, gibt Gnade, dass wir uns bekehren und frömmer möchten werden. Wenn sie das getan hätten, hätten sie keine Not gehabt; die Römer hätten mit all ihrer Macht sie wohl müssen zufrieden lassen und daheim bleiben. Weil sie aber in Sünden fortfuhren, und sagten: O, es hat nicht Not; meinst du, dass Gott die Stadt so werde zu Boden lassen gehen, da er selbst wohnt und sonst keinen Gottesdienst haben will? O nein, da wird nichts aus. Da ging es ihnen so, dass kein Stein auf dem anderen blieb. Und steht nun das arme, zerstörte, verwüstete, Jerusalem zum Beispiel da aller, die mutwillig böse sind und sich nicht bessern wollen, dass sie die gleiche Strafe auch leiden werden.</p>
<p style="text-align: justify;">26. Den anderen aber, die Gottes Wort annehmen und sich bessern, wird diese Geschichte vorgehalten zum Trost und Unterricht, dass sie lernen: wenn Gott die Strafe verbirgt, dass es ihnen geschehe zu ihrem Frieden und Besten, Gott wolle ihnen ihre Sünden gnädiglich vergeben, wo sie davon aufhören und sich bessern. Denn dass wir sündigen, ist kein Wunder; aber Sünde verteidigen, und unbußfertig und verstockt darin verharren, das kann Gott nicht dulden, es muss eher alles zu scheitern gehen; sonderlich aber, wenn er mit der gnädigen Heimsuchung des Wortes kommt und uns gern zur Buße rufen will.</p>
<p style="text-align: justify;">27. Also ist das arme Jerusalem dahin, und hat nichts als den großen Titel, dass sie Gottes Stadt, sein eigen Haus und seine eigene Wohnung hieß. Das machte die Juden sicher, dass sie dachten: Sollte Jerusalem untergehen? Das könnte nicht sein, es ist Gott mehr daran gelegen; darum, wenngleich die ganze Welt käme würde sie uns nicht können anhaben, Gott wird seine Wohnung nicht lassen Wüste werden. Auf diesem Titel hin und auf die Gnade sündigten sie, fragten nach keiner Predigt. Das stieß dem Fass den Boden aus und brachte sie in alles Unglück.</p>
<p style="text-align: justify;">28. Weil nun Gott aus besonderen Gnaden uns heutigen Tages auch heimsucht mit seinem Wort, wir aber alle uns sehr übel dagegen stellen, die Bischöfe verfolgen es, wir missbrauchen es zu unserem Geiz, Hoffart und anderen Sünden: so habe ich die Sorge, Deutschland werde eigentlich eine große Schlappe leiden müssen, es geschehe gleich durch den Türken, oder sonst durch Krieg, Hunger und andere Plagen. Darum lasst uns dies Beispiel wohl zu Herzen nehmen, dass Jerusalem so jämmerlich ist verwüstet worden, weil es Gottes Wort nicht angenommen, sondern verachtet hat: auf das wir lernen Gottes Worten ehren, gern hören, und wir schon sündigen, dass wir doch umkehren und uns bessern. Das ist das erste Stück des heutigen Evangeliums.</p>
<p style="text-align: justify;">29. Danach meldet der Evangelist, wie Jesus in den Tempel gegangen und da angefangen habe, die auszutreiben, die darin kauften und verkauften, und gesagt: &#8221; Mein Haus ist ein Bethaus, aber ihr habt es gemacht zur Mördergrube &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">30. Dieses tut Christus aus einer besonderen Gewalt, und ist es zu achten gleich wie andere Wunderzeichen, die wir ihm nicht können nachtun. Sonst sollten so viele große und gewaltige Junker, die ihren Nutzen davon hatten, ihn abgehalten, und solches nicht gestattet, noch von ihm gewichen, der ohne Schwert, allein mit einer Geißel (wie die anderen Evangelisten melden) solches gewagt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">31. dass sie nun solche Gewalt und Schaden leiden und dazu still schweigen, das ist eine Anzeigung, dass der Herr ebenso ein Wort mit ihnen geredet hat wie er mit den Juden redete im Garten, da sie alle hinter sich zurückfielen auf die Erde. Darum soll niemand diese Geschichte dahin deuten, dass die Prediger Hand anlegen und dergleichen, wie Christus hier, Gewalt brauchen wollten. Denn wo Christus nicht mehr denn menschliche Gewalt hier brauchen hätte wollen, würde er allein, gegen so viele, wenig haben ausgerichtet.</p>
<p style="text-align: justify;">32. Wir sollen aber nicht allein auf das Werk, sondern auch auf die Ursache sehen. Die hängt der Herr mit den Worten dran, da er sagt: &#8221; Mein Haus ist ein Bethaus, aber ihr habt es zur Mördergrube gemacht &#8220;. Was mag den Herrn so zu einem harten Wort bewegen? Denn sie haben keinen Mord in Tempel begangen, sondern ihren Handel getan, nämlich, dass sie da ihre Wechselbank gehabt, mit dem Vieh groß und klein, wie man es zum Opfer bedurfte, Markt gehalten. Denn die Juden, die fern von Jerusalem wohnten, konnten nicht von zu Hause mitbringen was sie opfern wollten. Da waren der Hohenpriester Diener geschickt, dass immer Vieh vorhanden war und vielleicht auch Geld zum Opfer. Denn der Tempel hatte seine besondere Münze, wie man hin und wieder in den Historien findet.</p>
<p style="text-align: justify;">33. Dieses alles scheint mehr zu loben, denn zu tadeln. Denn weil Gott selbst solchen Gottesdienst geordnet und befohlen hatte, wer wollte es für Unrecht achten, dass man ihn so um fördert und treu dazu hilft, dass er wohl gehe. Aber es hatte eine andere Meinung. Die Pfaffen gaben es wohl also vor, dass sie es täten, den Gottesdienst damit zu fördern; aber am Gottesdienst wäre ihnen so viel nicht gelegen, wenn es nicht soviel Geld eingebracht hätte. Darum ist es ihnen um das Geld und nicht um unseren Herrn Gott zu tun gewesen. Solcher Geiz hat sie getrieben, dass sie nichts haben predigen können, denn von opfern; haben solchen Gottesdienst eben gerühmt, wie die Pfaffen und Mönche ihre Messopfer, dass man dadurch Sünde ablege und zu Gottes Gnaden komme. Das hat die Leute mit Haufen herbei gebracht und getrieben, dass sie den rechten Gottesdienst (der da heißt, Gott fürchten und auf seine Güte trauen, und fleißig sich zum Wort Gottes halten) vergessen haben; sind in Sünden mit aller Sicherheit fortgefahren; haben dabei gedacht, wenn sie nur Schlachten und opfern, soll es keine Not haben. Wie man in den Propheten sieht, dass sie um solcher Ursache Willen sehr heftig wieder ihr Opfer predigen.</p>
<p style="text-align: justify;">34. Das ist die rechte Sünde, die da heißt Morden, da nicht der Leib, sondern die Seelen in Ewigkeit ermordet werden, nämlich, wenn man die Leute auf ihre eigenen Werk lehrt und Vertrauen, und nicht auf Gottes Güte und Barmherzigkeit. Das konnte Christus nicht leiden. Wir sollen es auch nicht leiden, sondern wehren, soviel wir können, durch das Wort (denn sonst ist uns nichts befohlen): dass die Leute davon abtreten und auf ihre eigenen Werke und Verdienst Vertrauen, als wollten sie dadurch Sünde ablegen und selig werden; und sich von Herzen begeben und ihr Vertrauen setzen allein auf Gottes Barmherzigkeit, der um Christus Willen uns Sünde vergeben, gerecht und selig machen will. Danach soll man die Leute auch heißen Fromm sein, nicht ihren eigenen Gedanken, sondern dem Wort Gottes folgen, und sich nach denselben halten. Wer solches tut, der braucht des Tempels und seines Amtes recht. Wer es nicht tut, der missbraucht es und ist ein Seelenmörder.</p>
<p style="text-align: justify;">35. Eben diesen Titel gibt auch Hosea den Priestern dem Königreich Israel, und scheint fast, als habe der Herr auf solchen Spruch Hosea gesehen, denn so spricht er Kapitel 6,9.: &#8221; die Priester samt ihren Gesellen sind wie Strauchdiebe, so da lauern und würgen auf dem Wege, der hinab gen Sichem geht &#8220;. Will damit den Schaden anzeigen, den sie mit falscher Lehre anrichten. Denn da sie das Volk auf das Opfer Christi weisen sollten, weißen sie auf das Kühe und Ochsen Schlachten, als wäre es damit alles ausgerichtet und man bedürfte sonst nichts mehr zum ewigen Leben. Solches alles machte wohl eine volle Kirche und Keller, denn sie hatten ihren Teil dazu. Aber die Leute kamen nicht allein um das Geld dadurch, sondern auch um die Seelen und Seligkeit. Das kann Christus nicht leiden, stürzt deswegen alles über einen Haufen.</p>
<p style="text-align: justify;">36. Wie aber dazumal wunderbarlicher Weise getan hat, also sieht man, dass Gott in der Kirche immer solche Strafe wieder die Rottengeister und falschen Prediger noch gehen lässt. Darum wird es mit den gottlosen Bischöfen, Pfaffen und Mönchen, die um ihres Geizes Willen Messe und andere Abgötterei halten, sich auch eines Tages finden, dass sie Gott austreiben und ihnen ihren Jahrmarkt umstoßen wird, es tue der Türke oder jemand anders.</p>
<p style="text-align: justify;">37. Das sei vom heutigen Evangelium auf diesmal genug. Gott, der Vater aller Barmherzigkeit, wolle um Christus Willen, durch seinen Heiligen Geist, unsere Herzen zur einer Furcht erwecken, und uns bei dem Wort gnädig erhalten, und vor allem Jammer leiblich und ewig behüten, Amen.</p>
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		<title>Lukas 18, 31-43</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:13:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 18, 31-43
Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, dass geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet, und wird geschmähet, und verspeit werden; und sie werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 18, 31-43</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, dass geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet, und wird geschmähet, und verspeit werden; und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wussten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörte das Volk, dass durchging ging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Die aber vorne an gingen, bedrohten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein! Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, dass ich dir tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preiste Gott. Und alles Volk, dass solches sah, lobte Gott.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-308"></span>1. In dem heutigen Evangelium sind zwei Stücke. Das erste ist die Prophezeiung oder Weissagung, in welcher der Herr den zwölf Aposteln von seinem Leiden verkündigt. Und dies sind die Worte, welche die Engel am Ostertag den Frauen bei dem Grab vorhalten, da sie sprechen, Lukas 24, 6. 7.: &#8221; gedenket daran, wie er euch sagte, da er noch in Galiläa war, und sprach: Des Menschen Sohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder, und gekreuzigt werden, und am dritten Tage auferstehen &#8220;. Denn der Herr Jesus ist eben auf der Reise aus Galiläa nach Jerusalem, da ist er geblieben und gekreuzigt worden. Das andere ist das Wunderwerk an dem Blinden.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Von solcher Weissagung meldet der Evangelist wohl dreimal, dass die Jünger es nicht verstanden haben. Denn sie dachten, er redete ungewöhnliche Wörter, die einen besonderen Verstand hätten. Darum war ihnen eben, als würden sie eine fremde, unbekannte Sprache, deren sie kein Wort verstehen konnten. Und das darum; weil ihr Herz so stand, dass sie dachten: Der Mann tut so viel Wunderzeichen, er weckt Tote auf, macht die Blinden sehend, dass wir sehen und greifen müssen, Gott sei mit ihm. Darum muss er ein großer Herr mit der Zeit werden, und wir, seine Diener, werden auch Fürsten und große Herren sein. Denn wer wollte so einem mächtigen Mann, der den Tod und alle Plage mit einem Wort heilen und vertreiben kann, einen Schaden zu fügen? Darum stand ihr Herz so: Gott ist zu wohl an ihm, der wird ihn nichts leiden lassen; das aber seine Worte lauten, als rede er, wie er leiden und sterben solle, das wird eigentlich eine andere Deutung haben. Dieses ist der lieben Apostel Einfalt gewesen.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Damit ist nun angezeigt, dass alle Gottes Werke die Art haben, wenn man davon redet, ehe sie geschehen, so sind sie nicht zu begreifen; aber wenn sie geschehen sind, alsdann versteht man sie und sieht&#8217;s. Also meldet Johannes oft, dass die Jünger Christi erst später verstanden haben, was er mit ihnen geredet hat. Darum hören Gottes Wort und Glaube zusammen. Denn wenn Gott redet, so kann er nicht anders reden, denn von Sachen, die weit über die Vernunft, und wir natürlich nicht verstehen noch fassen können; darum soll man es glauben. Wenn man&#8217;s nun geglaubt hat, alsdann soll man&#8217;s auch erfahren, dass es wahr sei, und Recht verstehen.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Als, dass ich ein Beispiel gebe: Gottes Wort lehrt uns von der Auferstehung der Toten; das versteht die Vernunft nicht. Darum sieht man, das weltweise Leute, und vor allen die Gelehrten, uns verspotten und für Narren halten, dass wir es glauben, und uns bereden lassen, es sei ein Leben nach diesem Leben. Also, dass Gott Mensch geworden und von einer Jungfrau in die Welt geboren ist, dass versteht die Vernunft auch nicht; darum muss es geglaubt sein, bis wir dahin kommen und es sehen werden, und sagen: Nun verstehe ich es, ja, sehe es auch, dass es wahr ist, was ich zuvor geglaubt habe. Also, dass man durch die Wassertaufe Gottes Gunst und Gnade, ohne alles Verdienst erlangen, und Vergebung der Sünde durch die Absolution empfangen soll, lautet vor der Vernunft als eine Lüge; darum hält sie die Christen für toll und töricht, dass sie solches glauben. Denn die Vernunft denkt: Soll man Gott versöhnen, so hört etwas Höheres und Besseres dazu, nämlich gute Werke, die uns sauer werden und weh tun. Wie man bei dem Papst vor Augen hat, der die Leute durch seine Predigt auf eigene Verdienste weist.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Denn es will der Vernunft nicht einleuchten, dass sie glauben soll, dass allein durch die Taufe und den Glauben an Christum alles ausgerichtet ist, was zur Seligkeit gehört; denn sie sieht, dass das Wort ein geringes Ding ist; der es führt, ist auch ein armer, gebrechlicher Sünder. Das nun ein Mensch Leib und Leben in Ewigkeit auf solche Wort setzen soll, das ist lächerlich. Darum, ob man gleich Gottes Wort den Leuten so klar und deutlich sagt, es geht der Vernunft nicht ein, sie glaubt es doch nicht. Und muss darum das liebe Evangelium den Namen vor der Welt haben und behalten, es sei Ketzerei und eine Teufelslehre, damit man die Leute verführt, und lehrt sie, dass sie nichts Gutes tun sollen; anders kann die Vernunft darüber nicht urteilen.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Darum sollen wir lernen einfältig dem Worte Gottes zu glauben, und in unserem Herzen sprechen: nun, sehe, greife und fühle ich es nicht, dass es also sei, so höre ich es doch, dass es Gott sagt. Er ist aber so mächtig, dass er es wahr machen kann, dass ich es zu seiner Zeit und in jenem Leben fassen und verstehen, ja, sehen und greifen werde, ob Ichs gleich jetzt nicht verstehe.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Also sieht man auch in Beispielen. Ehe David den Goliath angreift, glaubt er, er wolle ihn schlagen und erwürgen, wie er zu Saul sagt: &#8221; Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, er wird mich auch erretten von diesem Philister &#8220;; also: &#8221; Dieser Philister, der Unbeschnittene, soll gleich sein, in wie der Löwe und der Bär; denn er hat geschändet den Zeug des lebendigen Gottes &#8220;, 1. Samuel 17, 36-37. Also, zum Philister selbst sagt er Vers 46.: &#8221; heutiges Tages wird dich der Herr in meine Hand überantworten, dass ich die schlage, und nehme dein Haupt von dir &#8220;. Diese Worte hat jedermann aus dem Munde Davids gehört, und wenn es nicht Gottes Wort gewesen wäre, so wäre es nichts. Aber es sind Gottes Worte, und David glaubt denselben, ehe er es erfährt. Darum geht es auch so aus, und liegt nichts daran, ob es anderen lächerlich war, und konnten nicht glauben, dass es so gehen sollte und wahr werden. Denn die Vernunft konnte es nicht glauben, dass David, der gegen den Goliath eine geringe Person war, sollte mit einem Stein einen so großen, starken Riesen niederwerfen. Aber David glaubt es und tut es. Da konnte man sehen, ja, greifen, dass es wahr und nicht erlogen war.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Aber vorhin, da allein das Wort da war, wo David sagt: &#8221; Der Herr wird dich heut mir in meine Hand geben &#8220;, da war es die größte Lüge, ja, ein unmögliches Ding. Denn die Vernunft macht ihre Rechnung, wie Saul 1. Samuel 17 also: David ist ein Knabe, ein Hirte, der noch nie in einem Krieg gewesen, und ganz bloß daher kommt mit einem Stock und einer Schleuder, als wollte er einen Hund jagen; wie ihm denn Goliath höhnisch vorwirft und spricht: &#8221; Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock zu mir kommst? &#8221; Aber der Riese kommt mit seinem Harnisch und großem Spieß. Ist solches nicht ein ungleiches Zeug und Rüstung, die lächerlich anzusehen ist, dass solches der kleine junge Schütze David tun soll, dass kein Mann im ganzen Lager sich unterstehen darf? Nun, David sah es selbst nicht, aber er glaubt es, dass Gott die Gotteslästerung an seinem Feinde strafen und ihm helfen würde; und so geschah es.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Also geht es durch und durch: Gottes Wort und Werk hält man immer für unmöglich, ehe es geschieht. Dennoch geschieht es, und geht über die Maßen leicht und gering zu, wenn es ins Werk kommt. Ehe es aber ins Werk kommt, solle man es nicht wissen, noch verstehen, sondern einfältig glauben. Denn wie durch die Taufe die Sünde abgewaschen, und wir am jüngsten Tag von den Toten auferstehen werden, dass wird die Vernunft nie verstehen; besonders weil man sieht, dass mancher heilige Mensch von Vögeln gefressen, von Hunden und Wölfen zerrissen wird; einige werden zu Asche verbrannt, und die Asche in das Wasser geworfen: wie der Papst mit dem Heiligen Johannes Hus getan hat. Da denkt die Vernunft so: Wo wird unser Herr Gott den Leib einmal wieder nehmen? Nun, sagt Gott, ich sag es, es ist mein Wort. Das ist mit der Vernunft nicht zu glauben, sondern auch unmöglich zu sehen. Aber glaubst du es, so soll es wahr werden; denn ich bin allmächtig, und kann aus nichts alle Dinge machen.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Was sind wir doch vor hundert Jahren gewesen? Ebenso wenig als das Kind, dass vor 20,30, 40 Jahren nach uns geboren werden sollte. Weil nun Gott die Kunst kann, aus nichts alle Dinge machen, so wird er ja auch das können, dass der aus dem, dass etwas gewesen, wieder etwas machen wird. Darum soll man nicht danach sehen, ob ein Ding möglich sei; sondern so soll man sagen: Gott hat es gesagt; darum wird es geschehen, wenn es auch sonst nicht möglich wäre. Denn wenn ich es gleich nicht sehen noch ergreifen kann, so ist er doch der Herr, der aus einem Unmöglichen ein Mögliches und aus nichts alles machen kann.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Darum sind es über die Maßen verdrießliche Narren, die unserm Herrn Gott sein Wort und Werk nach ihrer Vernunft messen wollen. Denn weil ich einen Toten nicht lebendig machen kann, soll es darum Gott auch nicht können? Darum hüte sich ein jeder davor, dass er Gottes Wort und Vermögen nicht nach seinem Sinn und Vermögen messe. Denn wo es unsere Vernunft alles fassen und begreifen könnte, so hätte unser Herr Gott seinen Mund wohl können zuhalten. Aber weil er redet, so ist das ein Zeichen, dass unsere Vernunft nicht alles weiß noch versteht, und das Gottes Wort über und wider alle Vernunft ist; wie man aus der Erfahrung lernt.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Ich verkündige die Vergebung der Sünden, und absolviere und entbinde dich aus dem Befehl Christi. Da hörst du das Wort, und wenn du es gehört und von Sünden entbunden bist, so fühlst du es doch nicht, dass Gott und seine Engel dich anlachen. Von solcher Freude weißt du gar nichts, davon der Herr sagt: &#8221; Die Engel im Himmel freuen sich über einen Sünder, der sich bekehrt &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Also, wenn du jetzt getauft bist, hast du dieselbe Haut und das Fleisch nach der Taufe, welches du vor der Taufe hattest. Soll es aber darum beides nicht sein, die Absolution und die Taufe? O nein. Darum lerne also sagen: Gott hat mich getauft. Gott hat durch sein Wort mich absolviert und von Sünden entbunden. Darum glaube ich fest, wenn ich es auch gleich nicht sehe noch fühle, dass Gott mich anlachen seinen Sohn heißt, und Christus, mein Herr heißt mich seinen Bruder; und die lieben Engel haben eine besonders große Freude an mir. Solches, sage ich, glaube ich, und habe ganz und gar keinen Zweifel daran. Will es der Papst nicht glauben, das schadet nicht; ich will es glauben; denn Gott wird mir in seinem Wort nicht lügen.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Die Jünger hier konnten diese Kunst nicht; sonst würden sie nicht lange davon diskutiert, oder sich verwundert haben; sie würden beschlossen haben: Eben wie er es redet, also wird es auch gehen; denn der Mann kann nicht lügen, es geschehe gleich, wann oder wie es wolle. Aber der Blinde, von dem der Evangelist meldet, der kann solche Kunst sehr wohl. Seine Augen sind starr und blind, dass er nicht ein Stück damit sieht; aber sobald da das Wort klingt: &#8221; sei sehend &#8220;, glaubt er es. Darum widerfährt ihm auch, wie er glaubt. Dieses Wort, da es noch allein ist, redet von einem Ding, dass nicht vorhanden ist. Denn die Augen sind dem Blinden noch zu; aber bald auf das Wort, da er es glaubt, folgt das Werk, wie er es geglaubt hat. Also sollten die Jünger auch getan haben. Ob sie gleich nicht sahen, wie es möglich war, sollten sie dennoch geglaubt haben, weil sie sein Wort hatten. Denn auf das Wort gehört nichts denn als allein der Glaube.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Das ist das erste Stück, dass wir aus dem heutigen Evangelium lernen sollen, nämlich dem Wort Gottes mit ganzem Herzen, ohne wanken, glauben. Von solchem Glauben weiß der Papst nichts, lehrt auch nichts davon. Ihr aber sollt es wissen und können, dass ein christliches Herz sei, dass da Gottes Wort von Vergebung der Sünden nicht allein hört, sondern auch fest glaubt, und daran nicht zweifelt, wenn es auch nichts davon sieht oder fühlt. Denn dasselbe soll sich erst später finden und folgen. Wenn wir es fest geglaubt haben, wird sich dann die Erfahrung auch finden, dass wir sagen werden: O wohl mir, dass ich geglaubt habe. Die anderen aber, als, Katholiken, Türken, Juden, die Gott nicht geglaubt haben, werden stehen und schreien: Zeter mordio, dass wir nicht geglaubt haben! Wer hätte das gedacht? Werden also dieses am Ende glauben. Aber es wird ihnen nichts nützen, und ihnen nicht mehr helfen, es ist zu lange gewartet.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Das ist das erste, dass wir uns nicht ärgern sollen an dem Wort Gottes, ob es gleich wunderbarlich, lügerlich und unmöglich lautet; sondern fest auf dem Bestehen: hat es Gott geredet, so wird es auch geschehen müssen. Denn niemand soll danach fragen, ob es möglich sei, sondern allein dahin sehen, ob es Gott geredet habe. Hat es Gott geredet, so ist er so mächtig und wahrhaftig, dass er es auch tun kann. Darum soll man es glauben; wer es aber nicht glauben will, der lästert Gott auf das höchste. Vor solcher Sünde sollen wir uns fleißig hüten, dass wir an Gottes Wort nicht zweifeln, Gott gebe, es laute so lügerlich als es immer kann. Denn was Gott redet, das wird gewiss wahr. Also haben wir Gottes Wort in der Taufe, im Abendmahl, in der Absolution und in der Predigt; da redet Gott selbst mit uns, spricht uns selbst von Sünden los. Solches sollen wir Glauben und für wahr halten, und ja nicht daran zweifeln. Das ist das erste Stück.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Im anderen Stück, von dem Blinden, lehrt uns der Evangelist eine rechte bettlerische Kunst, dass man vor Gott wohl geilen lernen, unverschämt sein, und immer anhalten soll. Denn der blöde ist, der lässt sich bald abweisen und taugt nicht zum Betteln. Man muss die Scham abtun, und denken, unser Herr Gott will es so haben, dass wir geilen und anhalten sollen. Denn es ist seine Lust und Ehre, dass er viel geben will, und gefällt ihm wohl, dass man sich viel Gutes von ihm erhofft. Darum soll man es ja so unverschämt tun, wie er es gern hat. Denn wer so lange warten will, bis er würdig werde, dass ihm Gott etwas gebe, der wird bestimmt nie etwas bitten. Darum ist es am besten, dass man die Scham abziehe, und den Mund schnell auftut, und sage: &#8221; Herr, ich stecke hier und da in großer Gefahr und Not meines Leibes und der Seele, bedarf darum deiner Hilfe und Trost; dies willst mir ja nicht versagen, sondern gewiss widerfahren lassen, nach deiner gnädigen Zusage.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Die Bettler auf der Straße und Gasse können diese Kunst wohl, aber die Leute haben es nicht gern, sind dessen überdrüssig, und weisen solche Bettler mit bösen Worten ab. Aber unser Herr Gott hat solche Bettler gern, die getrost anhalten und sich nicht abweisen lassen wollen. Wie wir hier an diesem Blinden sehen, der hätte gern gesunde Augen gehabt. Darum, da er das Geschrei hört von denen die vorüber gehen, fragt er, was das wäre. Da er von Jesu hört, fängt er an zu schreien: &#8221; Jesu, du Sohn David, erbarme dich mein &#8220;. Die nun vorne gehen, bedrohen ihn, er soll schweigen; aber er kümmert sich nicht darum; ja, je mehr man ihm wehrt, desto getroster schreit er.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Das ist ein rechter Geiler und feiner Bettler, wie ihn unser Gott gern hat. Darum sollen wir an diesem Beispiel merken, und auch vor den Herrn Christum treten, und ihn bitten: O Herr, ich bin ein armer Sünder, gib, dass dein Reich auch zu mir komme, und vergib mir meine Schuld. Hilf hier, hilf da. Wer so bettelt und unverschämt anhält, der tut recht, und unser Herr Gott hat es gern; denn er ist nicht so wie wir Menschen. Uns kann man mit dem Geilen müde, unlustig und unwillig machen; ihm aber ist es eine große Ehre, dass man ihn für einen großen Herren halte, und nicht ablasse, sondern sage: Herr, es ist deine Ehre, dadurch du gerühmt wirst, dass ich von dir bettle. Darum, lieber Herr, siehe nicht an, dass ich unwürdig bin, sondern das ich deiner Hilfe bedürftig bin, und du der rechte einzige Nothelfer für alle Sünder bist. Darum geschieht es dir zu Ehren, dass ich dich anrufe; so kann deine Hilfe auch nicht fehlen.</p>
<p style="text-align: justify;">20. So ein unverschämtes Gebet, dass fest anhält und sich nicht abschrecken lässt, gefällt Gott wohl. Wie wir hier an dem Blinden sehen, sobald er anfängt zu bitten, schnell fordert der Herr ihn zu sich, muss jedermann aus dem Wege weichen. Und er, der Blinde, schämt sich auch nicht, lässt sich zu ihm leiten. Da fragt der Herr ihn sofort: &#8221; was willst du, dass ich dir tun soll? &#8220;. Da muss man sehen, wie die Hände dem Herrn offen stehen. Als wollte er sagen: Bitte, was du willst, es soll dir widerfahren. Der Blinde wartet nicht lange, und spricht: Ich bitte, dass ich sehen möge. Da antwortet der Herr: Ja, du sollst sehen. Das heißt ja unverschämt gebeten, aber sehr gnädig erhört. Das sollen wir lernen von dem Blinden, also auch mit unserem Gebet nicht warten und Christus unsere Not bringen, und gewiss glauben, er werde uns erhören und geben.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Im Papsttum haben wir selbst unser Gebet verachtet und gedacht: Wo nicht andere für uns bitten, so werden wir nichts erlangen. Aber solches soll kein Christ tun; sondern, sobald die Not da ist, schnell in die Kammer gelaufen und auf die Knie gefallen, und gesagt: Herr, hier komme ich, muss das und jenes haben, ob ich wohl unwürdig bin. Aber siehe meine Not und meinen Jammer, und hilf um deiner Ehre willen. Also lerne unverschämt beten, und zweifle ja nicht, Gott werde dir um Christi willen geben, was dir nützlich und gut ist. Denn da steht die Verheißung klar und gewiss: &#8221; Was ihr im Namen Jesu bittet, dass soll euch widerfahren &#8220;. Allein, siehe darauf, dass du nicht müde werdest, sondern fest anhaltest.. Je mehr du es tust, je lieber hat es der Herr; er wird durch dein Geilen nicht müde. Ja, dein Gebet möchte so stark und ernst sein, der sollte dir in derselben Stunde geben, was du begehrst, dass er sonst noch nicht täte und noch lange verzöge; aber er erhört und gewährt dich um deines ängstlichen Betens willen. Wie ich hoffe, dass der jüngste Tag nicht so lange ausbleiben soll, sondern durch das ängstliche Seufzen der Christen eher kommen, denn wir es denken können. Wie der Herr in Lukas 18 von der Witwe ein Gleichnis gibt, die nicht nachlassen wollte, da der Richter, der da weder nach Gott noch den Menschen fragte, sagt: ich kann es nicht länger leiden, dass mich die Witwe so bedrängt; ich will ihr helfen, dass ich von ihr loskomme. &#8221; Sollte aber Gott &#8220;, spricht Christus, &#8221; nicht auch erretten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte Geduld darüber haben? Ich sage euch, er wird sie erretten in einer Kürze &#8220;. Das ist als wollte er sagen: Das Gebet macht, dass Gott eilt, wo er sonst nicht so eilen würde.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Darum dient das Gebet dazu, dass man ein Ding desto schneller erlange, welches sonst wohl länger dauern würde, ja, wohl überhaupt nichts daraus würde. Das also dies Beispiel dazu dient, dass wir sollen unverschämte Bettler sein und Geilen lernen, uns nicht lassen müde machen, sondern sagen: Herr, wahr ist es, ich bin ein armer, unwürdiger Sünder, das weiß ich wohl; aber nichtsdestoweniger muss ich dies oder jenes haben; gib mir es. Denn hier gilt kein diskutieren, ob ich fromm bin, das einzige Stück ist genug, dass ich eine Not habe und du gern geben willst, was mir zu Leib und Seele nützlich ist.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Wenn du so betest und fest anhälst, so wird er gewiss zu dir sagen, wie zu diesem Blinden: &#8221; Was willst du, dass ich tun soll? sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen &#8220;. Denn beten und nicht glauben, heißt unseren Herrn Gott spotten. Der Glaube aber steht allein auf dem, dass Gott um Christi, seines Sohnes und unseres Herrn, willen uns gnädig sein, erhören, schützen, retten und selig machen werde. Dazu helfe uns unser lieber Herr und Erlöser, Christus Jesus, Amen.</p>
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		<title>Lukas 18, 9-14</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:11:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 18, 9-14
Er sagte aber zur etlichen, die sich selbst vermaßen, dass sie fromm währen, und verachteten die anderen, ein solches Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 18, 9-14</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Er sagte aber zur etlichen, die sich selbst vermaßen, dass sie fromm währen, und verachteten die anderen, ein solches Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich fasste zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von allem, dass ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig. Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhen wird, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-303"></span>1. Im heutigen Evangelium lehrt uns unser lieber Herr Christus, wie wir rechtschaffene Christen und demütig sollen sein. Denn durch diese Tugend allein kommt man zu Gnaden. Wo aber diese Tugend, nämlich Demut, nicht ist, da kann Gott keinen Gefallen haben noch gnädig sein. Wie wir hier an diesen zwei Personen sehen, am Pharisäer und Zöllner.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Die Pharisäer waren bei den Juden, gleichwie im Papsttum die Mönche, hatten sonderliche Kleidung, sonderliche Tage zum fasten und beten, und trieben der Heiligkeit soviel, dass die anderen Menschen sich dagegen wie Sünder vorkamen. Daher hatten sie auch den Namen, dass sie Pharisäer hießen. &#8221; Pharisäus &#8221; aber heißt in hebräischer Sprache so viel als ein Sonderling, der sich ausgesondert aus dem allgemeinen Volk und will etwas besonderes sein.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Dagegen waren die Zöllner eben wie bei uns die Amtleute sind, welche den Leuten nur dann schnell helfen wenn sie dafür extra Geld bekommen. Darum sie jedermann für Geizhälse und öffentliche Sünder hielt, die ein solches Amt hätten, darin sie geizten und den Leuten viel Plage anlegten. Darum war es nicht zu vermuten, dass einer unter ihnen fromm wäre; gleichwie sich nicht vermuten ließ, dass unter den Pharisäern ein Schalk wäre.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Aber unser lieber Herr Christus macht hier gar ein anderes Urteil, sagt: Der Zöllner sei fromm und gerecht; der Pharisäer aber sei ein Sünder, dazu ein sehr großer, schändlicher Sünder. Denn also zeigt er das Gleichnis an: &#8221; Es waren etliche, die sich vermaßen, dass sie fromm während, und verachteten die anderen &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Das sind der zwei hässliche Untugenden der Pharisäer, dass sie nicht allein von sich selbst hoch hielten, welches Sünde genug wäre, denn Hoffart ist eine teuflisches Sünde: sondern verachteten auch die anderen. Da bedenke du, was soll einem solchen Heuchler helfen, wenn er sich gleich zu Tode betet und fastet, weil der Teufel ihm im Herzen sitzt mit einer solchen Hoffart, dass er sich selbst aufbläst und sagt: Wenn ich mich nicht selbst heilig machte, so müsste ich lang auf unseren Herrn Gott warten; aber da faßte ich soviel, der bete ich soviel, da tue ich dies, da dass, dass andere nicht tun: ich gebe meinen Zehnten treulich. Könnten die anderen den Priestern nichts denn Stroh und Stoppeln geben, sie täten es; aber ich bin nicht so, ich bin frömmer.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Also kommen die zwei greulichsten und Tugenden in dem Heiligen Mann zu Hauf, dass er so trefflich hoffärtig und vermessen ist, und andere so tief verachtet, und sagt: Sie sind nichts denn Räuber, Ungerechte und Ehebrecher; sonderlich aber malt er den Zöllner meisterlich aus. Der, spricht er, steht da, schindet und schabt jedermann, nimmt es, wo er kann. So ein böser Bube bin ich nicht, Gott Lob! Nicht: ich bin ein lebendiger Heiliger gegen den zu rechnen. Solcher Stolz und Hoffart ist auch vor der Welt ein sehr verdrießliches Laster, wie das gemeine Sprichwort sagt, da man sagt: Bist du etwas, so sei es; aber lass andere Leute auch etwas sein. Wie mag es denn vor unserem Herrn Gott sein? Dem muss es tausend und aber tausendmal mehr entgegen sein, wo man gegen ihn vermessen und hoffärtig sein will.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Das also dies Evangelium vornehmlich dahin geht, dass unser lieber Herr Christus uns vormalt, was da sei die rechte Gerechtigkeit, und wie man sie von der Heuchelgerechtigkeit unterscheiden und erkennen soll. Als sollte er sagen: Du sollst wohl einen Mann finden, der dahergeht als ein lebendiger Heiliger; er fastet, er gibt Almosen, er bricht die Ehe nicht, tut niemand Unrecht, geht gern zur Predigt. Wer kann dies alles anders deuten, denn dass er ein frommer Mann sei? Aber ich sage dir, willst du ihn recht erkennen, so muss du nicht auf solchen Schein sehen, welchen auch ein Schalk führen kann, sondern du musst darauf sehen, was da heiße, vor Gott gerecht sein. Denn des äußerlichen Lebens halben ist dieser Pharisäer fromm, dass man wünschen sollte, so viel den äußerlichen Wandel belangt, es wäre alle Welt, wie er ist. Aber das ist noch nicht genug, und hüte dich ja dass du dich darauf nicht verlässt. Denn hier siehst du, wie unter solchem Heiligen Leben eine so großer Teufels Hoffart steckt. Um solcher Hoffart Willen konnte der Teufel nicht im Himmel bleiben; Adam und Eva konnten nicht im Paradies bleiben; wie sollte denn dieser in der Kirche bleiben?</p>
<p style="text-align: justify;">8. Fasten ist recht, beten ist recht, Zehnten geben ist recht, die reine Ehe halten, nicht Rauben, niemand Unrecht tun, ist alles recht und gut. Aber der Pharisäer zieht es mit Hoffart an, dass lauter Teufelsdreck daraus wird. Denn so es in der Welt also geht, wer einem anderen darum Gutes tut, dass er ihn damit fangen und sich zur eigen machen will, der tut ihm mehr Schaden, denn Gutes. Wie das Sprichwort heißt: geschenktes Gut kommt am teuersten. Wie kann Gott einen Gefallen haben an der Heiligkeit, da man ihm mit pochen und wieder ihnen stolzieren will? Da wird aus der Heiligkeit eine zweifache Schalkheit.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Also tut der Heuchler hier auch: o Gott, spricht er, siehst du auch, dass du an mir einem frommen Mann hast? Die Welt ist doch nichts denn Räuber, Ungerechte und Ehebrecher; ich aber bin fromm. Er tue nun in solcher Hoffart, was er wolle, ja, wenn er auch Blut schwitzte und sich mit Feuer verbrennen ließe, so ist es vor Gott ein Greuel und die größte Sünde. Darum spricht Christus hier: Wenn ihr wollt fromm sein, so seid es recht, und hütet euch, dass ihr nicht hoffärtige Heilige seid. Denn ob ihr schon strauchelt, oder zuweilen gar in den Dreck fallet, so soll es mich nicht so verdrießen, als so ihr alle Heiligkeit hättet und wäret hoffärtig dabei.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Beschließt deswegen diese Lektion mit seinem, merklichen Spruch: &#8221; wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, der sich aber selbst erniedrigt, der wird erhöht &#8220;. Auf das jedermann lerne demütig sein und niemanden verachtet. Denn das heißt Demut, dass ich von mir nichts, aber von anderen viel halte. Wer aber von sich selbst viel hält, und denkt, wie er gelehrt, schön, reich, fromm sei, d. h. Hoffart. Wie der Pharisäer tut, der sieht sein fasten, Zehnten geben und anderes an, hält deshalb viel und hoch von sich. Das will der Herr verboten haben. Dagegen sieht man an dem Zöllner keine Hoffart, sondern eine rechte Demut. Denn er rühmt nichts, und bittet nur darum, dass Gott ihm wolle gnädig sein. Das, spricht der Herr, lernet ihr auch, dass ihr sagt: Ich kann mich nichts rühmen; denn ob ich schon mich wollte rühmen, ich wäre gelehrt, reich, mächtig; so kann unser Herr Gott sagen: Lieber, woher hast du es? Hast du es von dir selbst? Nein. Woher denn? Ist es nicht mein Geschenk? Ja, Herr, dein ist es. Warum rühmst du dich denn? Sollte jemand sich rühmen, so sollte ich es tun, der ich dir alles gebe. Du sollst es nicht tun, sondern solltest sagen: Ob ich schon reich bin, so weiß ich doch, dass du mich in einer Stunde arm machen kannst; ob ich weise und gelehrt bin, so kannst du mich mit einem Wort zum Narren machen. Das hieße demütig sein und sich nicht selbst brüsten und andere verachten, darum dass du schöner, frömmer, reicher bist denn andere.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Das wäre wohl fein, wenn wir solcher Hoffart wider den Teufel brauchten, und sprächen: Ich habe Gottes Wort, dass weiß ich; habe damit so viel Gutes ausgerichtet, da den, dort einen anderen unterrichtet, getröstet, vermahnt; ich habe da, dort mit Almosen geholfen; dass weiß ich, dass es ein gutes Werk ist; und trotz Teufel, dass du es lästern solltest! Gegen den Teufel, sage ich, geht solches hin, dass man es rühme; denn wir haben es nicht von ihm. Aber wieder Gott, da wir alles von haben, soll man nicht rühmen, sondern sich demütigen.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Danach soll man den Nächsten auch nicht verachten, sondern also denken: Weil alle Gaben unseres Herrn Gottes eigen sind und von ihm allein kommen: ob ich gleich derselben mehr denn mein Nächster habe, so weiß ich doch, dass unser Herr Gott ein Urteil sprechen kann zwischen dir und meinem Nächsten, der kaum den Zehnten Teil meiner Gaben hat, und ihm gleich so günstig sein, als mir. Warum wollte ich denn etwas mich rühmen oder überheben? Fürchten sollte ich mich, wenn ich viel habe, dass ich desselben nicht missbrauchen, und immerdar denken: Gott macht es nach seinem Gefallen; einem gibt er viel, dem anderen wenig. Aber wohl kann es kommen, dass er dem gnädiger sei, der wenig hat. Ursache: jener, der viel hat, muss desto mehr Rechenschaft geben; da er aber wenig hat, darf desto weniger Gefahr ausstehen.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Aber solche ist tut der Pharisäer hier nicht; er fährt auf das allergröbste heraus: Ich bin nicht wie andere Leute; bin auch nicht wie dieser Zöllner. Ich gebe den Zehnten; der Zöllner raubt allein. Ich betrüge niemand; so klagt er diese ganze Welt an. In der Summe; der Pharisäer denkt bei sich, er sei allein und habe alles; der Zöllner sei nichts und habe nichts. Aber, du Schalk, solltest du nicht sagen: Wahr ist es, ich gebe meinen Zehnten fleißig, ich fasste und tue, so viel ich kann; aber ich weiß darauf nicht zu bauen. Lieber Herr Gott, es ist deine Gabe und es steht wohl darauf, dass dir dieser Zöllner besser Gefallen, denn ich? So sollte er den Zöllner über sich gehoben, oder ja neben sich haben gehen lassen, und gesagt: Es ist daran nicht gelegen, ob mich viel oder wenig, sondern ob jemand einen gnädigen Gott habe. Was will ich denn trotzen und andere verachten, weil es alles an Gottes Barmherzigkeit liegt, und nicht an dem, was ein jeder für Gaben habe. Er aber tut es nicht, sondern trotzt auf seine Frömmigkeit, und eben, da er vor Gott steht und betet.</p>
<p style="text-align: justify;">14. So will nun der Herr uns verbieten, dass wir unserer Frömmigkeit halben nicht sollen vermessen sein. Wiederum auch will er, dass niemand darum zweifeln soll, ob er schon in Sünde Gefallen und vom Teufel ist betört worden. Denn wir haben alle einen Gott, der seine Barmherzigkeit über uns, wie einen Mantel, ausbreitet, über Fromme und Sünder, über Gelehrte und Ungelehrte, über Reiche und Arme; denn er ist unser aller Gott. Darum sollen wir uns nicht überheben, sondern demütig sein: nicht dahin sehen, ob wir viel und andere wenig haben. Denn Gott kann dem gnädiger und holder sein, dem er wenig gegeben hat, denn der viel hat; ja, er kann wohl dich wieder nackend ausziehen, und einen, der nackend und bloß ist, schöner kleiden und mit trefflicheren Gaben zieren, denn dich. Warum wolltest du denn andere verachten und dich hervorheben?</p>
<p style="text-align: justify;">15. In der Welt muss solche Ungleichheit der Personen, Stände und Gaben bleiben, dass einer mehr und höher, denn der andere, gehalten wird. Aber darum sind ihr vor unserem Herrn Gott nicht ungleich. Denn weil nichts denn Gnade bei ihm gilt, ist es unmöglich, dass jemand sich vor ihm rühmen und stolz sein könnte. Alle sollen sich demütigen, und wissen, obgleich wir unter einander ungleich sind, dass Gott darum nicht ungleich wird: er hat kein anderes Herz noch Auge auf den, der viel hat, denn auf dem, der wenig hat. Das also wir alle lernen sollen, uns an seine Gnade und Barmherzigkeit halten. Denn beide, Gerechte und Sünder, Reiche und Arme, Starke und Schwache, sind unseres Herrn Gottes. Was wir haben, dass haben wir alles von ihm; aber von uns selbst haben wir nichts als Sünde. Darum soll sich keiner über den anderen erheben, sondern sich demütigen und fürchten. Denn obgleich was Gutes da ist, so ist es doch alles unseres Herrn Gottes Gabe. Der soll davon rühmen, du nicht: sondern sollst desselben brauchen mit Danksagung und in der Furcht Gottes; denn er kann kein Stolzieren, kein Pochen noch trotzen Leiden.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Gleich aber wie niemand sich seiner Frömmigkeit oder anderer Gaben wegen überheben soll: also will Gott nicht, wenn du meinst, was für ein armer Sünder du bist, dass du nicht verzweifeln sollst, sondern dass du auf seine Güte trauen und dich sein trösten sollst, und sagen: Wohlan, habe ich nicht so viel als der oder jener, so habe ich doch eben denselben Gott, der will mir auch gnädig sein. Darum will ich zufrieden sein, hingehen, meines Standes und Amtes warten in dem Maß, den mir Gott beschert hat; will niemand verachten, mich über nichts überheben, will mich auch darum nicht bekümmern, dass andere mehr, denn ich, haben. Denn ich will zufrieden sein, dass ich eben den Gott habe, den sie haben; und dass Gott nicht darum ein ungleicher Gott ist, obschon wir Menschen unter einander ungleich sind. Das meint der Herr, da er dies Gleichnis beschließt, und spricht: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; aber wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht &#8220;. Als sollte er sagen: Wenn ich solche Heiligen finde, die mir es können heimgeben, je weniger dieselben von sich halten, je mehr will ich ihnen geben. Dagegen aber, der etwas hat und will darum hoffärtig und hoch gehalten sein, dem will ich eins nach dem anderen wieder nehmen, bis ich ihn endlich in Ungnaden in den Abgrund der Hölle stoße.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Wenn der Pharisäer nicht so hoffärtig gewesen, sondern in aller Demut Gott seine Gaben hätte heimgetragen, und gesagt: Herr, du hast mir viel Gnade getan, dass du mich vor dieser und anderen Sünden so gnädiglich behütet hast; solches ist deine Gabe, der freue ich mich, ich überhebe mich aber dessen nicht, verachte auch deswegen niemand; denn du kannst es wieder nehmen, wenn du willst. So hätte ihm Gott von Tag zu Tag der Gaben noch mehr gegeben und ihm nicht können feind sein. Weil er aber damit Hoffart treibt, und andere darüber richtet und verachtet, und spricht: Ich bin alles, der Zöllner ist nichts, da zieht ihn unser Herrn so rein aus, dass nichts mehr an ihm bleibt, dass noch zu loben wäre. Denn da steht unseres Herr Christi Urteil: &#8221; Der Zöllner ging gerechtfertigt hinab vor jenem &#8220;. Das ist, der Pharisäer ist ungerecht, verdammt und gehört in die Hölle zum Teufel. Was hat er nun von seinem Rühmen? Dagegen aber der Zöllner, der da spricht: &#8221; Gott, sei mir gnädig &#8220;, wird zum Heiligen in der Kirche, und hat einen gnädigen Gott, wie er betet.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Das will Christus uns alle lehren, dass wir sollen von Tag zu Tag erkennen, was wir sind und haben. Hast du Geld, gesunden Leid, Haus und Hof: brauche desselben, gönne dir es wohl, gebe es dir gern und will dir noch mehr geben, allein rühme dich nicht und verachte keinen lebendigen Menschen darum. Gedenke, wenn du einen siehst, der nicht hat, was du hast, dass er ebenso einen gnädigen Gott haben kann, als du. Darum verachte ihn nicht, lasse ihn eben dir gehen, so wird Gott gepriesen von beiden; da sonst die falschen Heiligen Gott schmähen, ob sie es gleich mit dem Munde und öffentlich nicht tun.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Darum wer bloß nach den Worten beurteilen wollte, der muss sagen, dass es nicht unrecht geredet ist, dass der Pharisäer hier sagt: Gott, ich danke dir. Denn solche Worte führen die rechten Heiligen in ihrem Gebet auch, aber mit einem anderen Herzen. Denn wo sie Gott für etwas danken, bekennen sie damit, es sei sein Werk und Gabe, sie haben es nicht von sich selbst. Aber das ist des Pharisäers Meinung nicht; sonst würde er gesagt haben: Das ich kein Ehebrecher, kein Räuber noch Ungerechter der bin, Herr, dass habe ich niemand denn dir zu danken. Meinetwegen, wo es außer deiner Gnade gewesen, würde ich eben haben hausgehalten, wie andere Leute. Denn wir sind alle gleich, einer darf sich nicht über den anderen rühmen. Aber so denkt dieser Pharisäer nicht, sondern er dreht es noch um, und spricht: &#8221; Ich danke dir, dass ich nicht bin, wie andere Leute &#8220;. Zieht also alle seine Tugend in sich selbst, als hätte er sie von sich selbst und nicht von Gott. Denn sonst würde er ihrer sagen: Du hast es gegeben. Das tut er nicht, stellt sich nicht anders, denn als sei er so reich und könne Gott geben; dankt also nicht Gott, sondern sich selbst, seiner Vernunft, seinem freien Willen und Kräften, dass er so viel habe tun können.</p>
<p style="text-align: justify;">20. Nun ist es wahr: wem Gott etwas besonderes gibt, der soll es erkennen und hoch achten. Denn was sollte das sein, dass du leugnen wolltest, du wärest nichts gelehrter oder besser denn ein Esel, oder ein anderes Tier? Also wem Gott Geld und Gut beschert, der soll nicht so unvernünftig sein, dass er wollte sprechen: Ich bin ein armer Bettler und haben nichts. Wer etwas Gutes getan, armen Leuten geholfen und geraten hat, soll solches auch nicht versprechen, dass er wollte sagen: Ich habe nichts Gutes getan. Nein, so soll es nicht sein; Gottes Gaben soll man erkennen, rühmen und hoch halten. Aber neben dem soll man sich demütigen und sagen: Mein Gott, es ist dein und nicht mein; du hast es gegeben, sonst müsste ich es wohl als andere sein, ich danke dir dafür. Das wäre recht getan, wo wir also uns demütigen. Aber unseres Herrn Gottes Güte soll man nicht klein noch gering achten, sondern erkennen und Achten; und doch nicht dabei stolz sein, noch andere verachten, sondern, wie nun oft gemeldet, sagen: Lieber Gott, es ist deine Gabe, die du mir gegeben hast; so ein anderer dies nicht hat, dass schadet nicht: denn er hat doch ebenso einen gnädigen Gott, als ich: warum wollte ich ihn denn verachten?</p>
<p style="text-align: justify;">21. Solche Demut will der Herr uns im heutigen Evangelium lehren und vor Hoffart und Stolz uns warnen. Denn es ist beschlossen: Wer sich selbst erhöht, der soll wieder herunter geworfen werden. Gott hat es seinem eigenen Volk nicht geschenkt, sondern hat es um der Hoffart willen zerstört. Andere große Königreiche sind auch solcher Sünde wegen zerstört worden. Luzifer musste darum aus dem Himmel, Adam und Eva aus dem Paradies.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Darum so lerne, dass du sagst: Herr was habe ich, das ist dein, du hast mir es gegeben, kannst mir es auch wieder nehmen. So wird die Hoffart draußen bleiben. Denn wer wollte auf so etwas Ungewisses pochen? Wer aber solches nicht tun und sich dafür halten will, als habe er es alles von sich selbst, der findet hier sein Urteil, dass Gott ihn so rein will ausziehen, dass er nichts behalten, und noch dazu ungerecht und des Teufels soll sein. Gott gebe seine Gnade, dass wir solche Lehre merken und uns danach halten, Amen.</p>
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		<title>Lukas 17, 11-19</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:06:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 17, 11-19

Und es begab sich, dar er reiste gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläum. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne, und erhobenen ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 17, 11-19<br />
</strong><br />
<em>Und es begab sich, dar er reiste gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläum. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne, und erhobenen ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, dar er sahe, dass er gesund geworden war, kehrte um, und preiste Gott mit lauter Stimme, und viel auf sein Angesicht zu seinen Füßen, und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin; deinem Glaube hat dir geholfen.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em><span id="more-299"></span></em>1. Im heutigen Evangelium hörete ihr am Ende, wie der Herr den Glauben preiset. Dein Glaube, spricht er zum Samariter, der aussätzig gewesen war, hat dir geholfen. Gibt also die Ehre, dass dieser gesund geworden ist, nicht sich selbst (sonst würde er sagen: Ich habe dir geholfen), sondern dem Glauben. Will uns damit reizen, dass wir auch solchem Beispiel nach mit ganzer Zuversicht Gott Glauben, und gewiss sein sollen, was wir glauben, dass wir es durch Christum haben sollen. Glauben wir durch Christum Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben, so soll es ja sein; Glauben wir, dass Gott um Christi Willen uns gnädig und barmherzig sei, so will er gnädig und barmherzig sein. dass es also alles aus dem Glauben soll zugeeignet werden, nicht Gott, der es doch allein tut. Auf das jedermann lerne, wo wir etwas nicht erlangen, dass wir doch gerne hätten und wohl bedürften, dass es nicht an Gott mangelt, sondern allein an unserem Unglauben; sonst, wo wir fest glaubten, würden wir es gewisslich haben.</p>
<p style="text-align: justify;">2. So ist nun dies die erste Lehre aus dem heutigen Evangelium, dass wir wissen sollen, es soll ja sein alles, was wir uns zu Gott versehen und trösten können. Wer aber Gott nicht glauben, und sich nichts Gutes zu ihm versehen will, der denke nur nicht, dass er etwas werde kriegen. Wie Jakobus in seiner Epistel sagt, Kapitel 1. denn wer mit Gott handeln und etwas von ihm mitten will, der muss nicht zweifeln noch wanken, und sagen: Wer weiß, ob mir es Gott geben will, oder auch ich es Wert bin? Nein, bei Leibe nicht; sondern also sollst du sagen: Ich weiß, was ich Gott bitte, dass er es um Christie Willen gern tun und geben will. Und ob er es schon jetzt und auf diese Weise nicht tut, wie ich es gerne hätte, so wird er es auf eine andere Zeit und Weise tun.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Denn ein Wankelherz, dass nicht glaubt, noch Gewissen dafür hält, dass es etwas erlangen werde, dass wird nimmermehr gewährt. Denn Gott kann es ihm nicht geben, wenn er gleicht gern wollte. Es ist eben wie ein Gefäß, dass man in Händen hält, und will es doch nicht still halten, sondern bewegt es immerhin und wieder, da wird man nichts eingießen können; und auch man schon gern hineingießen wollte, so läuft es doch daneben hin und kommt vergebens um. So ist es auch bei einem ungläubigen, wankenden Herzen. Gott wollte gern geben, was wir bedürfen; aber da stehen wir, wie ein toller Bettler, wir halten den Hut auf, dass er uns etwas hinein werfe, und wollen doch nicht still halten. So will unser Herr Gott seine Gaben auch nicht so vergebens hinschütten, dass sie daneben fallen und verloren sind. Eben als wenn du eine Flasche den Händen hättest, und begehrst, man sollte dir Wein hineingießen, und wolltest sie doch immer mit der Hand hin und her schleudern. Das würde einen Wirt böse machen, besonders wenn er dir den Wein noch schenken und kein Geld dafür nehmen wollte. Er würde sagen: Nun verschwinde, meinst du denn, ich will den Wein auf die Erde gießen? Eben so ein Ding ist es auch um ein wankend, ungläubig Herz, da kann Gott nichts hinein gießen, auch wenn er es gern wollte.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Wiederum, wo man nicht wanket, sondern fein still hält, da will er gern geben. Wie wir hier an den 10 Aussätzige sehen; die stehen und schreien: &#8221; Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser &#8220;. Sie halten fein still, und zweifeln gar nicht daran, er werde helfen. Darum, wie sie glauben, so geschieht es ihnen auch. Das sollen wir wohl merken, auf das wir auf Gottes Güte lernen fest trauen, und mit dem Herzen nicht wanken, sondern fein still halten und in allem, dass wir bitten, es sei um Gesundheit, Nahrung, Glück, Weisheit, Gerechtigkeit. Denn Gott will solches gern geben, sofern es zu seiner Ehre gereichen soll, und unserer Seligkeit nütz und gut ist. Ohne dass er es zuweilen verzieht, uns also zu versuchen, ob wir mit dem Gebet und Glauben auch anhalten wollen. Das ist das erste Stück aus dem heutigen Evangelium, dass wir im festen Glauben beten, und an Gottes gnädigen Willen durch Christum nicht verzweifeln sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Das andere Stück ist ein sehr schreckliches Beispiel, dass ihrer zehn am Anfang so einen festen Glauben haben und gesund werden, und doch die neun wieder abfallen, und dem Herrn Christus solcher Wohltat wegen keinen Dank sagen.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Es soll aber solches Beispiel uns dazu dienen, dass wir dankbar sind und vor dem schändlichen Laster der Undankbarkeit uns hüten sollen. Denn es will unser Herr Gott, und nicht billig, die Ehre haben, dass wir ihm wir alle seinen Wohltat danken sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Solche sollten wir auch gern und williglich tun. Denn es ist ein Ding, dass nicht viel Mühe macht. Denn was kann es dir doch Schaden, dass du dich zu Gott zu erste und sagst: Ach Herr, du hast mir gesunde Augen, gesunde Hände und Füße, dies und anderes gegeben; ich danke dir von Herzen dafür, denn es ist ja deine Gabe. Also, was kann es dir Schaden, dass du deinem Vater und Mutter, deinem Herrn und Frau, deinem Nachbar dankest, wenn dir eine Wohltat von ihnen widerfahren ist? Bricht ist dir doch kein Bein, und ist allein darum zu tun, dass man sehe, ob es wohl auch an dir angelegt sei, also tut der Samariter hier, kehrt um zum Herrn und dankt. Das hat ihn keinen Pfennig, sondern wenig Worte gekostet; und gefällt doch dem Herrn sowohl, dass es ein Wunder ist.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Den Leuten gefällt Dankbarkeit auch wohl, und tut ihnen sanft; werden auch dadurch gereizt, dass sie ein anderes mal mehr helfen. Die Heiden haben gesagt: der Undank sei das größte Laster. Darum, wenn man einen undankbar schimpft, so habe man ihn auf das höchste beschimpft. Den auch so erfahren wir, dass solche Untugend sehr gemein ist, und denen am meisten begegnet, die allen Dank an uns verdient haben; als da sind: Vater und Mutter, die an ihre Kinder Leid, leben, Ehre und gut, und was sie haben, wagen. Aber wie lohnen ihnen die Kinder? Was erleben sie an ihnen? Selten geschieht es, dass ein Kind dankbar ist. Das macht der leidige Teufel. In anderen Ständen geht es auch so zu.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Darum lerne dich hüten vor dem großen und schändlichen Laster, davon die Quelle versieget, da alle Treue und Wohltat unter den Menschen herfliegt. Denn wo man ein undankbares Herz findet, da vergeht Lust und Liebe, dass man ferner helfen und solchen Leuten etwas sollte zu gut tun. Denn wer anderen Leuten helfen soll, und soll keinen anderen Dank davon bekommen, denn dass man ihm dafür die Hand schmeiße, das ist ein sehr verdrießliches Ding. Das ist das erste Wort, dass man sagt: Es ist alles verloren mit dem heillose Menschen. Lasst ihn immerhin fahren, er wollte ihn nicht ansehen, dass ich ihm mit einem Heller helfe. Also werden die Leute unwillig. Das richtet der schändliche Undank an, und ist doch in der Welt ein sehr gemeines Laster.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Darum, wenn ihr fromme Christen sein wollt, soll lerne, dass ihr dankbar seid, erstlich Gott, unserem gnädigen Vater im Himmel, der Leib und Leben schenkt und erhält; gibt danach auch alles, was gehöret zum ewigen Leben. Danach seid auch dankbar gegen eure Eltern, Freunde, Nachbarn, und alle, die euch Gutes bewiesen haben, und erweiset ihnen wieder Gutes; auf das, wo ihr es gleich mit Werken nicht vergelten könnte, dennoch ihr mit Worten euch dankbar und freundlich erzeiget. Solches steht euch wohl an, und Gott will es von euch haben. Aber der wenigste Teil tut es. Denn weil man es bei der Welt nicht erheben kann, dass sie zum wenigste mit Worten sich dankbar erzeigen, ist es kein Wunder, dass man die Leute zum Danken nicht bringen kann; wie das Sprichwort heißt: Wohltat ist bald vergessen.</p>
<p style="text-align: justify;">11. In Klöstern gewöhnt man die jungen Mönche, wer ihnen nur eine geschnittene Feder schenkte, dass sie sich bücken und sagen mussten: Gott sei gelobt um alles dass, dass er uns schenket. Solches war nicht eine böse Weise; denn es geschah darum, dass das junge Volk sich gewöhnen sollte, alles mit Danksagung gegen Gott und die Menschen anzunehmen. Darum, ob es gleich nicht immer so im Herzen war, so war es doch fein, dass man die Worte sagte. Also steht im 116. Psalm Vers 12,13.: &#8221; wie soll ich den Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er mir tut? Ich will den heilsamen Kelch nehmen, und des Herrn Namen predigen &#8220;; das ist, ich will ihm darum loben, preisen und danken, und sagen, er habe mir gütlich getan. Gern, liebes Kind, spricht unser Herr Gott, da habe ich eben genug an.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Aber der gütige Vater kann es bei wenigen Leuten erlangen. Der meiste Teil verfolgt sein Wort, und lästert ihn, unangesehen dass alles, was wir haben, wir allein durch ihn und aus seinen Gnaden haben. Und ist an solchem noch nicht genug; seinen eingeborenen Sohn, den er uns zum Trost wieder Sünde und ewigen Tod geschenkt hat, hängen sie noch an den Galgen. Das mag je eine Welt sein, der Gott sollte billig feind sein und ihr nichts Gutes tun. Aber er lässt sich nicht erzürnen, er bleibt gütig und gnädig, und hilft überall.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Darum ist es an dem nicht genug, dass wir lernen dankbar zu sein, sondern wir müssen uns auch zu der Tugend gewöhnen, die den Undank leiden kann. Das ist alle ein Gottes und der rechten Christen Tugend. Denn da sind Beispiele genug vor Augen, die da zeugen, dass die Welt solches nicht kann. Die Griechen haben sehr feine Leute gehabt, die dem Vaterland treu beigestanden, und Leib und Leben gewagt haben. Aber sobald sie merken, dass der Dank außen bleibe und sie solcher Wohltat nicht genießen, sondern man ihnen noch zusetzen und sie drücken wollte, wurden sie ungeduldig darüber. Also das gleich wie sie zuvor das Vaterland wieder die Feinde geschützt hatten, sie danach den Feinden wieder das Vaterland halfen, und wurden die ärgsten Feinde. Das ist unserer Art und Natur, aber es ist eine böse Art, der wir uns absagen, und Gottes Art an uns nehmen sollten, der, ob er wohl dem Undank, als einem schändlichen, großen Laster, feind ist, dennoch lässt er sich dadurch nicht bewegen, dass er auch wollte böse sein, er bleibt immer gut und gnädig gegen jedermann, der seiner Hilfe bedarf.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Wer nun ein Christ sein will, der lerne, dass er sich dieses erzeiget, dass er mit all seiner Wohltat, Treue und Dienst nicht überall werde Dank verdienen, sondern müsse auch Undank leiden. Solches aber sollen wir uns nicht betrüben lassen, dass wir anderen nicht mehr dienen noch helfen wollten. Denn das ist eine christliche Tugend und eine rechte Frucht des Glaubens, dass wenn du dein Bestes getan hast und man dir dagegen die Hand verweigert, du Geduld habest, und sagst: Nein, damit sollst du mich nicht erzürnen noch unlustig machen; ich will es leiden, und dennoch helfen, wo ich kann. Willst du undankbar sein? Ich weiß einen über uns im Himmel, der wird mir an deiner statt danken; das soll mir lieber sein, denn so du mir dankest. Das heißt, christlich sich halten, und wie es Salomon nennt, brennende Kohlen auf des Undankbaren Haupt schütten.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Diese Kunst wirst du von der Welt nicht lernen. Sie tut das Gegenteil. Will man nicht dankbar sein, so denkt sie, was sie getan habe, dass sei hin und verloren. Sie will hinfort ihre Wohltat nicht mehr so schlecht anlegen. Aber unser Vater im Himmel ist es, da wir solche Kunst von lernen sollen, der lässt seine Sonne erscheinen, nicht allein über die Frommen, die ihm dafür danken, sondern auch über die Bösen, die ihm nicht danken, sondern aller Gaben missbrauchen. Er könnte des Rechtes wegen auch sagen: Ich habe die Sonne so viele Jahre scheinen lassen, Korn, Wein und allerlei Früchte und Wohltat gegeben; aber ich verdiene kleinen Dank; darum will ich sie nicht mehr scheinen, und die Undankbaren Welt des Hungers Sterben lassen. Aber er tut es nicht, der gnädige Vater. Nein, spricht er, so groß soll der Welt Undank nicht sein, dass sie mich damit sollte zornig machen. Will sie nicht dankbar sein, so will ich dennoch gnädig sein, und die Undankbaren zu seiner Zeit wohl finden.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Diese Kunst sollen wir auch lernen, wollen wir anders Christen sein. Denn das ist der christlichen Liebe Art, dass sie alles trägt und duldet, und lässt sich dennoch nicht bitter machen. Aber sehr wenige sind ihrer, die solche Liebe haben; darum sind auch sehr wenig rechte Christen. Sonst würden wir den Leuten gerne Gutes tun und helfen, und doch uns den Undank nicht verdrießen, noch seltsam denken lassen, wie die Welt: der tut es weh, und verdrießt sie sehr, wo die Wohltat nicht vergolten wird. Aber denke du und gewöhne dich daran, hast du einem heute Gutes getan und er gibt dir den Undank, lass dich durch solches nicht anfechten. Denn er wird es wohl finden, wie er solches Undankes genießen werde. Du Fahrer Forte, und spricht: Ist es an diesem verloren, schnell eine anderen her, und dem auch wohl getan. Will der dir auch nicht gut tun, wohl her mit dem Dritten, und so weiter, auf das du lernest sagen, wie unser Herr Christus hier sagt: Sind ihrer nicht 10 gesunden geworden, wo sind die neun?</p>
<p style="text-align: justify;">17. Der liebe Herr verdienet auch ein wenig Dankes; aber er lässt sich genügen, dass doch einer aus den 10 wieder kommt und ihm danket. Er würde auch nach den anderen nicht gefragt haben, wenn er es nicht darum getan hätte, dass er wollte damit zeigen, wie er dem Undank so feind ist. Als wollte er sagen: Harre, wollt ihr undankbar sein, ihr werdet mir nicht so entgehen; ich will einmal danach fragen, wo ihr geblieben seid, dass ihr mir noch nie dafür gedankt habt, dass ich euch Leib rund Leben gegeben, und alles erschaffen habe, was euch nötig ist. Da wird es sich dann finden, was für eine schändliche Untugend der Undank ist.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Darum müssen wir uns daran gewöhnen, und an dem Beispiel unseres Herrn lernen, dass wir den Undank verachten können. Denn die Erfahrung gibt es und jedermann sieht es vor Augen, da wo unser Herr Gott 10 gute Jahre gibt, wir ihm kaum für eines oder ein wenig danken; ja, dass noch mehr ist, der besten Jahre missbrauchen wir immer auf das schändlichste. Gibt Gott ein reiches Jahr mit Wein, kaum und anderem, da finden sich Geizhälse, die kaufen es auf und warten bis lässt teuer wird. Andere denken, weil viel gewachsen sei, müssen sie noch mehr umbringen, Schwelgen und Saufen; damit danken sie Gott für seinen Segen. Also wird kaum für den zehnten Teil seiner Gaben und Güter unseren Herrn Gott gedankt. Darin sollen wir uns auch gewöhnen, und uns es nicht weh sein lassen, sondern uns genügen lassen, wenn wir unter 10 einen finden, die er uns für unsere Wohltat dankt. Die anderen werden es zu seiner Zeit finden. Denn sie sollen es unseren Herrn Gott, der den Dank haben will, nicht also hinweg tragen.</p>
<p style="text-align: justify;">19. So hat nun eure Liebe aus dem heutigen Evangelium diese zwei Lehrern: die erste, vom Glauben, die andere, von den zwei schönsten Tugenden, dass wir sollen dankbar sein und daneben lernen den Undank zu leiden. Die Dankbarkeit sollen wir vom Samariter lernen, und uns seinem Beispiel nach halten, dass wir gegen Gott und die Menschen nicht undankbar erfunden werden. Von Christus aber sollen wir lernen, ob hier gleich jemand Gutes tun, und doch keinen Dank bekommen, dass wir uns darüber nicht ärgern, und doch Gutes weiter tun. Denn wie ich zuvor gesagt, in der Welt ist es ein sehr gemeines Laster, dass man durch Undank die Leute unwillig und verdrossen macht, und oft ihrer 10 eines Undankbaren Menschen entgelten müssen. Aber bist du ein Christ, so tue also nicht. Ob dich gleich neun betrügen, so lasse dich genügen, dass nur der zehnte gut undankbar ist. Denn Christus selbst findet die Leute nicht, die für so eine große Wohltat dankbar wären; wolltest du es denn besser haben als er? Darum lasse es auch bis auf die neun kommen, du wirst ebenso wenig Schaden davon haben, als Christus. Sie aber müssen Schaden haben, dass weder Glück noch Heil bei den Undankbaren Leuten sein wird.</p>
<p style="text-align: justify;">20. In der Summe, dann werden wir feine Christen sein, wenn wir zuerst einen festen Glauben und Vertrauen auf Gottes Güte haben; danach nicht allein dankbar sind, sondern auch den Undank leiden können. Denn wir werden es nicht besser haben, denn als Christus, unser Herr. Den Leuten sollen wir alles gute beweisen, dann neben doch warten, dass ihrer unter 10 kaum einer ist, der so gestellt ist und sich dankbar erzeigen wird. Und kann wohl kommen, dass es eben der sei, der danket und da es wohl angelegt ist, da man am wenigsten den Trauen und die Hoffnung zu hat; wie der Samariter hier ist. Unser lieber Herr Gott gebe seine Gnade, dass wir uns bessern, und den schändlichen Undank gegen Gott und die Menschen mit ernst meiden und fliehen, Amen.</p>
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		<title>Lukas 16, 1-9</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:05:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 16, 1-9

Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; der Haushalter sprach bei sich selbst: Was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 16, 1-9<br />
</strong><br />
<em>Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, dass sie mich in ihre Häusern nehmen. Und rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zudem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: hundert Tonnen Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreibe flugs fünfzig. Danach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und Schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klüglich getan hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf das, wenn ihr nun darbet, dass sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-295"></span>1. Das heutige Evangelium ist eine Predigt von guten Werken, und sonderlich wider den Geiz, dass man Geld und Gut nicht missbrauchen, sondern armen, dürftigen Leuten damit helfen soll. Wie der Herr am Ende mit klaren Worten sagt: &#8221; Machet euch Freunde von dem ungerechten Mammon &#8220;, das ist, helft armen Leuten mit eurem Geld und Gut. Denn das Wörtlein &#8221; Mammon &#8221; heißt auf Deutsch so viel, als Reichtum.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Solche Lehre fast der Herr in ein Gleichnis, wie er denn gern pflegt (denn man kanns desto besser merken), und sagt: Wir sollen uns drein schicken, wie dieser ungerechte Haushalter. Der sah, weil er vom Amt abgesetzt ward, dass er anderer Leute Hilfe würde bedürfen; gebraucht deswegen sein Amt, weil er es noch in den Händen hatte, also, dass er da einem Schuldner die Hälfte, dort einem anderen den vierten Teil nachließ, auf das sie an solche Freundschaft denken und ihm auch helfen sollten, wenn er ihrer bedürfte.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Nun ist aber des Herrn Meinung nicht, dass wir untereinander tun, und einer den anderen um das seine betrügen sollen und davon Almosen geben. Nein, sondern seine Meinung ist, dass wir in der Vorsichtigkeit, Schlauheit und Klugheit diesem Haushalter folgen sollen, Geld und Gut dahin wenden, dass wir es in einem anderen und besseren Leben genießen mögen; dass wir mit unserem Mammon uns Freunde machen, wie der Haushalter mit dem ungerechten Mammon sich Freunde machte.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Hier sollen wir zuerst lernen, warum doch der Herr dem Mammon den Namen gibt, dass er ihn einen ungerechten Mammon heißt. Denn unrecht Gut soll man wiedergeben, und nichts Gutes anderen damit tun oder Almosen stiften. Wie Jesaja am 61. Kapitel Vers 8 sagt: &#8221; ich &#8220;, spricht der Herr, &#8221; bin es, der das Recht liebet, und hasset räuberische Brandopfer &#8220;. Das ist so viel gesagt: Wer Opfern, Almosen geben und mit dem Geld Gott will einen Dienst tun, dass er mit Gott und guten Gewissen erworben hat, oder sei zufrieden. Denn mit fremden Gut soll man anders nichts tun, denn dass man es dem wieder gebe, dem man es abgenommen hat. Wie schickt es sich nun, dass der Herr hier sagt: vom ungerechten Mammon soll man Freunde machen, das ist, davon Almosen geben und den Armen helfen? Antwort: Denn Herr heißt den Mammon oder dass Gut nicht darum unrecht, dass es unrecht gewonnen ist (denn, wie gesagt, unrecht Gut soll man wiedergeben); sondern dass kein Mensch des Mammons recht braucht, ausgenommen die rechten, frommen Christen, die in Gottesfurcht und nach Gottes Geboten sich halten. Die anderen brauchen des Mammons dazu, nach dem Sprichwort: Gut macht Mut, prangen, bankettiren, Leben im Saus, und lassen daneben die Armen ledig vorübergehen, denen sie wohl könnten helfen. Darum muss das Gut und Reichtum den schändlichen Namen haben und tragen, dass es unrecht heißt.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Was aber Gott an solchem Missbrauch für Gefallen habe, kann man aus dem Spruch Hesekiels wohl abnehmen, da er spricht Kapitel 16,49.: &#8221; Siehe, dass war deiner Schwester Sodom Missetat: Hochmut und alles vollauf, und guter Friede, den sie und ihre Töchter hatten. Aber den Armen und dürftigen hätten sie ungern die Hand gereicht; sondern waren stolz und harten Greuel vor mir &#8220;. Da steht es beisammen, Friede und alle Genüge haben, dass man nicht weiß, was man vor großen Mutwillen damit tun soll, und dennoch armen Leuten nicht helfen. Das ist der Jammer, und der gemeine Brauch in der Welt, da dem Gut der schändliche Name von kommt, es sei gleich so recht gewonnen, als es immer kann, dass es sei unrechter Mammon, ein verdammlich ein gestohlen Gut heißt: nicht seiner Art und Natur halben (denn was kann der arme Pfennig, Gulden, Mark, Brot, Fleisch, Fisch, Wein, und anderes dazu?) sondern des Menschen wegen, der es nicht recht braucht.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Darum geht die Lehre des heutigen Evangeliums vornehmlich dahin, dass man nicht geizig sein, sondern das Gut recht brauchen, und sich Freunde damit machen soll, dass Gott bescheret hat: auf dass, wenn wir sterben und darben, das ist, wenn wir alles zurück lassen müssen, wir Freunde dort finden, die uns in die ewigen Hütten nehmen. Denn was wir hier armen Leuten Gutes tun, Freundschaft und Wohltat erzeigen, dieselben Werke werden am jüngsten Tag nicht allein Zeugen sein, dass wir uns brüderlich und christlich gehalten haben, sondern auch belohnt oder bezahlt werden. Da wird keiner kommen und rühmen: Herr, der hat mir einen Rock, einen Gulden, einen Leib Brot, einen Trunk Wassers in der Not gegeben. Ja, wie Christus sagt, Matthäus 25, er selbst, der Herr, wird hervortreten und sagen vor seinem himmlischen Vater, allen Engeln und Heiligen, was wir ihm Gutes getan, und wie wir dadurch unseren Glauben bewiesen haben. Diese Freunde werden es tun und uns in den Himmel helfen, wenn wir darben und alles, was wir haben, hier auf Erden lassen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Wer nun solcher Lehre folgte, Geld und Gut, dass ihm Gott bescheret, den Armen, so ihr Brot selbst nicht gewinnen mögen, zur Steuer und Hilfe wieder fahren ließe, der würde aus dem ungerechten einen rechten Mammon machen, vielmal er ihn aus dem Missbrauch zum rechten Brauch wendete. Denn das soll keineswegs bei den Christen sein, dass sie Geld und Gut allein für sich brauchen wollten, zu ihrer Pracht, Ehre, Wollust und Stolz. Wie man an den Bürgern und Bauern sieht, und das gemeine Sprichwort zeigt, dass solche Filze im Maul führen: Ich habe Korn und Brot für mich; willst du auch haben, so schaffe dir es selbst. dass heißt einen unrecht Korn und Brot, einem unrechter Mammon, den sie zu Sünden und ihren ewigen Verderben brauchen, da sie ihn könnten wohl und Gott zum Dienst und Gefallen brauchen, wenn sie ihrem Nächsten damit dienten.</p>
<p style="text-align: justify;">8. So nun aber die einen ungerechten Mammon haben, die anderen damit nicht helfen: Lieber, was werden wohl die für einen ungerechten Mammon haben, die noch dazu stehlen und anderen nehmen? Als da sind fast alle Handwerker und Händler, Knechte und Mägde, da immer eins das andere übersetzt, übervorteilt, betrügt und belügt. Die werden sich nicht allein nicht Freunde, sondern viel Feinde machen, welche alle am jüngsten Tage sie verklagen werden vor Gottes Gericht und Urteil, dass sie hier unrecht Leiden, dazu noch schweigen und solcher Feinde Christen heißen.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Aber an jenem Tage wirds anders zugehen; da werden sie den Mund auftun und sagen: Herr, da war eine teure Zeit, und dieser hatte viel Kasten voll Korn und Keller voll Wein; aber er hätte nicht ein Körnlein, nicht ein Tröpflein herausgegebenen, man hätte es ihm denn teuer bezahlt, wie er wollte. Jener ist mein Hausherr gewesen, habt mich von Jahr zu Jahr mit dem Zins betrogen. Von diesem habe ich mein Brot, Bier, Fleisch, Fisch genommen; aber da ist mir und anderen selten ein rechtes Gewicht und Maß widerfahren, noch sonst Gutes geschehen. Jahr, es werden an jenem Tage über Geizhälse, Wucherer und alle Gottlosen nicht allein die Heiligen, so hier Not und Mangel haben und Leiden müssen, und der Herr Christus selbst, sondern auch alle Kreaturen, die sie je gehabt und genossen, klagen, und über ihren Hals Zeter in Ewigkeit schreien, dass sie ihrer so übel missbraucht haben zu ihrem ewigen Schaden und Verdammnis. Wie, meinst du denn, du elender Götzen und Mammonsdiener, wenn dies Urteil über dich gehen wird, dass du dann bestehen werdest? Denn so die ohne Strafe nicht hindurch kommen, die andere nicht beschädigen mit steigern, übersetzen, sondern den Dürftigen nicht geben: wie, meinst du, werde denen zu Sinn sein, die nicht allein nicht geben, sondern als rechte Erzdiebe und Räuber mit ihrem Geizen, Wuchern, Stehlen Und Rauben Teuerung machen. Die große Armut noch erschweren, allein, dass sie viel Geld zusammen scharren und reich werden, und machen sich dennoch kein Gewissen darüber?</p>
<p style="text-align: justify;">10. Das ist nun die Predigt wieder den Geiz, dass wer ein Christ will sein, nicht immerdar seiner Hand soll auftun zum nehmen, und zum geben so hart zutun, sondern er soll gern, willig und mildiglich den Dürftigen helfen und geben, wo er kann. Das heißt Gott gedient; der wird endlich dir auch lohnen. Dagegen die Geizhälse und Wucherer die nichts können, denn alles zu sich scharen, niemand nichts, oder gar ganz wenig geben, dem leidigen Teufel dienen; der wird ihnen auch lohnen.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Sonderlich aber werden alle Heiligen an jenem Tage über sie schreien und sagen: Dieser Bauer, Bürger, Händler, Edelmann konnte nichts, denn scharren, kratzen, schinden und schaben; ich hätte seiner Hilfe oft bedurft, aber er hätte mir nicht mit einem Wort geholfen, will schweigen, dass er mir sollte mit Geld und Gut geholfen haben. Eine solche Geschichte macht der Herr hier, dass er es so vor die Augen bildet, wie die armen Heiligen vor dem Herrn Christus an jenem Tage stehen, und über die reichen, kargen Filze klagen werden.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Dagegen aber werden die Reichen, so mit ihrem Gut mild gewesen und anderen gern geholfen haben, in großen Ehren sein, viel Freunde (und vor allem dem Herrn Christum) finden, die ihre Wohltat rühmen werden. Daraus sollen wir lernen, mit rechten Ernst anzufangen, Fromm, mild, freundlich, wohltätig zu sein, dadurch also unseren Glauben beweisen, und (die, so wir Wohltat erzeigt haben,) dessen Zeugen vor Christus am jüngsten Tag mögen haben, dass wir uns dessen schändlichen Lasters enthalten haben, dass nicht mehr tut, denn zu sich kratzt, es gehe daneben anderen, wie es wolle.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Nun steht hier: Der Herr hat den ungerechten Haushalter gelobt. Das muss nicht dahin gedeutet werden, als sollte er es sich lassen gefallen, wo hier anderen Leuten unrecht tun; sondern allein die Geschwindigkeit und Vorsichtigkeit lobt er, und will, dass hier in einer guten Sache auch den Ernst und Fleiß brauchen, den dieser Haushalter in einer bösen Sache, sich Nutz und seinem Herrn zu Schaden, gebraucht hat.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Eben als wenn du ein unzüchtig Weib siehst, dass sich, ihre Buhlerei auszurichten, auf das schönste schmückt: da kann das arme Gold, Samt und Seide nichts dazu, dass sie es zur Unzucht missbraucht. Aber dennoch kann ich es nicht rühmen und zu dir sprechen: Siehst du auch, wie dies Weib sich zu ihr Unzucht weiß zu schicken? Warum brauchst du solchen Fleiß nicht auch dazu, dass du deinem Bräutigam, unseren lieben Herrn Christus, mögest gefallen? Mit diesen Worten lobe ich die Hurerei nicht, sondern den Fleiß, die Sorge und Vorsichtigkeit, dass wir derselben in guten, ehrbaren, redlichen Sachen brauchen sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Darauf ist wohl acht zu geben, dass Christus ihr redet ein sehr schreckliches Wort, da er sagt: &#8221; Die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlecht &#8220;. Das Bedarf nicht viel Deutens; wir sehen es vor Augen täglich, leider mehr, denn gut ist, wie die Welt so überaus genau sucht, wenn sie ihren Vorteil sieht, und sich keiner Mühe noch Arbeit verdrießen lässt. Wie viel Mühe, Sorge und Gefahr haben die Strauchdiebe, die sich in Hecken behelfen? Die haben weder Tag noch Nacht Ruhe, steht ihnen dazu die Gefahr, dass sie der Klinge oder Strang zuteil werden: noch lieben sie ihr teuflisches Leben. Also ein Dieb, ein Buhler, ein Ehebrecher, führen aller ein mühsames Leben, brauchen allerlei Liste und Tücke, Ränke und Vorteil, dass sie ihrer Arbeit und Unzucht ausrichten; und wird ihnen über die Maßen sauer, bis sie dem Teufel seinen Dienst ausrichten.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Dagegen aber sehen wir, wie die Kinder des Lichts, das ist, die rechten Christen, faul, verdrossen, unachtsam und unfleißig sind in Gottes Sachen, da sie wissen, dass Gott ein Wohlgefallen an hat und sie es in Ewigkeit genießen mögen. Also sauer kommt sie das Gute an. Geht also nach dem gemeinen Sprichwort, dass es die Gottlosen zweimal saurer ankommt, die Hölle zu verdienen, indem sie dem Teufel so fleißig dienen, und ihm zu liebe alles tun und Leiden, denn die Gottseligen den Himmel; und ist fein geredet, wenn man es recht versteht. Darum muss Gott seine Christen gleich mit den Haaren dazu ziehen und zwingen, dass sie tun, was sie sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Darum ist dieses ein sehr feines Gleichnis, dass der Herr hier uns vorhält. Wenn wir Christen sind, und tun wollen, was wir sollen, so dürfen wir nicht in die Bücher sehen, ein jeglicher sehe in sein eigenes Haus, wie böse Kinder, böse Knechte, Mägde auf Büberei, Schalkheit und alles, was der Teufel liebt, abgerichtet und fertig sind. Da wirst du so einen großen Fleiß spüren, dass die Leute auf die Schalkheit so versessen sind, dass sie nicht wissen, wie sie sich genug böse und mutwillig stellen sollen. Da lerne, dass du dergleichen gegen Gott und sein Wort, und deiner Seligkeit zu gut auch tust, und nimm dir eine nützliche Lehre und Beispiel von solchem argen Wesen. Gedenke: Ei, der Bauer, Bürger, Kaufmann, diese Frau, Magd dem Teufel mit solchem Fleiß dienen, und sich keiner Mühe verdrießen lassen: warum wollte ich doch meinem Herrn, des ich in Ewigkeit genießen soll, nicht auch also dienen? Sie laufen, als wären sie unsinnig, doch ihrem ewigen Schaden und verderben nach: wie bin ich denn so schläfrig und faul, wo es doch meiner Seelen Seligkeit betrifft, dass mich Gott noch mit den Haaren dazu ziehen muss? Sollte ich mich doch anspucken, dass ich nicht zum Himmel zu krieche, da jene zur Hölle also laufen und rennen!</p>
<p style="text-align: justify;">18. Sonderlich aber tragen die Kinder in der Welt den Kindern des Lichts ein feines Beispiel vor in dem Fall, da der Herr hier von sagt. Denn siehe auf einen, den der Geiz recht besessen hat, so wirst du finden, dass er weder Tag noch Nacht vor seinen eigenen Gedanken Ruhe hat, all sein Achten und Trachten ist auf Geld. Findet er einen freien Winkel im Haus, er macht eine Kammer daraus, dass er sie vermieten kann, nimmt jetzt diesen, bald einen anderen Handel vor, versucht, welcher am meisten Gewinn bringe. In der Summe, nicht einen Pfennig ließe er dahinter, und dauert ihn keiner Mühe noch Arbeit, wo er Geld sieht.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Da sollten wir lernen, wie ein Geiziger sich um das Geld kümmert, wir uns auch um das Ewige so mit Ernst kümmern. Aber wo findest du einen Christen, der es tut? Der sich so freut, wo er einen armen Menschen findet, dem er mit 10 Gulden, mehr oder weniger, nachdem sein Vermögen und jenes Notdurft erfordert, helfen kann; wie sich ein reicher Wucherer freut, wenn er mit seinem Geld großen Gewinn zu schaffen weiß? Hier läuft jedermann zu, und wollte gern das Hundert auf 10, 20 oder mehr Gulden bringen.</p>
<p style="text-align: justify;">20. Aber was ist das gegen den Wucher, den unser Geld gewiss tragen soll, wenn wir den Armen damit helfen? Denn so spricht Salomon: &#8221; Wer sich des Armen erbarmet, der leihet Gott auf Wucher &#8220;. O wie einen Gewissen Schuldner, o wie einen treulichen Bezahler hätten wir, wenn wir nur selbst wollten! Aber der Teufel will uns dazu nicht lassen kommen, dass wir solches glauben, und nach solchem reichen Wucher, der mehr denn die Hauptsumme bringt, mit Ernst trachteten. Darum geht es uns recht, weil wir mit den Menschen lieber denn mit Gott wuchern, dass nicht allein große, schreckliche Sünde, sondern auch großer Unfall und Unglück dabei ist, und wir Leib und Seele mit dem schändlichen Mammon einbüßen.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Darum beschließt Christus recht und spricht, dass die Welt Kinder auf das ihre viel fleißiger und klüger sind, denn seine Kinder. Denn also findet sich im Werk, dass der Teufel immer Hundert Dienste bei seinen hat, da Christus kaum einen hat. Was sollen wir dazu tun? Ändern können wir es nicht; denn die Welt lässt sich nichts sagen. Predigen mögen wir, und immer anhalten mit Strafen, Drohen, Vermahnen, ob wir etliche Weltkinder dem Teufel aus seinen Stricken reißen könnten; auch den faulen, lässigen Christen, ja, uns allen getrost zusprechen, dass wir von solchem Fleiß, welchen die Welt in des Teufels Diensten braucht, ein Beispiel nehmen, dass wir uns auch darin üben in dem Guten, wie die Adamskinder sich üben in dem Bösen, ob wir doch ein wenig von diesem Beispiel erlangen möchten, sonderlich, weil wir den Vorteil haben (es gehe gleich so schwer es will), dass wir Kinder des Lichtes sind.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Wenn wir bei diesem Namen bleiben, dass wir zu dem Licht gehören, ob wir gleich nicht so fleißig sind, nicht so klug anstellen , wie die Weltkinder, so hat es nicht Not: allein, dass wir etwas tun und also erfunden werden, dass wir zum wenigsten haben angefangen unter dem Häuflein zu sein, dass da heißt: &#8221; Kinder des Lichts &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Das nehme sich aber niemand vor, dass wir es dahin überhaupt bringen werden, da es die Weltkinder hin bringen in ihrem Geschlecht. Es sollte wohl also sein, dass wir es ihnen weit zuvor täten, weil wir die Verheißung haben, dass wir die ewige Krone empfangen; aber Hindernisse liegen uns zu viele im Wege. Trotzdem sollen wir uns mit rechten Ernst bemühen, dass wir von Tag zu Tag in Zucht, Geduld, Sanftmut, Barmherzigkeit und anderen christlichen Tugenden fortfahren. Denn so wir nur im anheben und auf dem rechten Weg sind und bleiben, so wird es der Schritt, er sei gleich so langsam und klein er wolle, sein geben, dass wir vorwärts kommen. Allein das wir nicht denken, wir hätten es getan.</p>
<p style="text-align: justify;">24. So ist nun unser Trost, dass wir also anfangen, Gott will uns nicht urteilen, wie die Weltkinder, die sicher zur Hölle rennen und lassen sich dieses nicht sauer werden; sondern er will in allen Gnaden zu uns sagen: Du solltest mir ja treuer gedient haben und fleißiger gewesen sein, weil du ein Kind des Lichtes bist; aber es ist nicht geschehen. Darum muss ich den Mantel darüber decken, der da heißt Gnade und Vergebung der Sünden. Die muss in unser Leben geworfen, dass wir darunter, als unter dem freien, weiten Himmel, wandeln. So werden wir dennoch ein Freund oder zwei dort oben finden; sonderlich aber den rechten Freund, der den Himmel geben und selig machen kann, unseren lieben Herrn Jesu Christum.</p>
<p style="text-align: justify;">25. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium, dass wir mit dem ungerechten Mammon sollen recht lernen umgehen und uns Freunde damit machen, das ist, den Leuten damit dienen; wie dieser Haushalter sich mit fremden Geld Freunde machte.</p>
<p style="text-align: justify;">26. Wir pflegt man zu fragen, wie solche Lehre sich reime mit der Lehre vom Glauben? Und sonderlich die Katholiken machen viel Geschrei davon, bedeuten es dahin, dass man mit Werken könne den Himmel verdienen, der Glaube tue es nicht allein; weil der Herr hier sagt: Die Freunde werden euch in die ewigen Hütten nehmen. Sie sind es aber nicht wert, dass man ihnen diese Frage beantwortet (denn sie nehmen es doch nicht an, sondern lästern), wollen deshalb um der Frommen willen, kurz auf diese Frage antworten.</p>
<p style="text-align: justify;">27. Die Katholiken müssen selbst bekennen, dass die Freunde, von denen der Herr hier sagt, sind Menschen, die bei und um uns wohnen. Denn wie könnten wir ihnen sonst geben? Zum anderen müssen sie auch dieses bekennen: Weil diese Freunde Menschen sind, wie wir, dass sie den Himmel uns nicht geben können. Denn Gott allein, als der rechte Hausherr, ist allein des Himmels mächtig. Warum sagt denn der Herr &#8221; machet euch Freunde von dem unrechten Mammon, auf das, wenn ihr darbet, sie euch in die ewigen Hütten nehmen &#8220;? Wie mag solches zu gehen? Die Auslegung sollen wir nehmen aus den Worten Christi Matthäus 25., da er sagt, er wolle am jüngsten Tag rühmen, was wir unseren Brüdern hier auf Erden Gutes getan haben, dass es ihm geschehen sei, und wolle uns das ewige Leben geben. Diese Worte zeigen dir, wer der rechte Freund ist, der den Himmel geben will, nämlich, Christus. Die armen Bettler, denen wir mit einem Gulden oder Groschen ihr auf Erden helfen, werden es nicht tun; ob sie wohl mit ihrer Fürbitte, Gebet und anderem uns wiederum dienen und nützen können.</p>
<p style="text-align: justify;">28. Darum ist es ferner auf das zu antworten. Ob wir (wie es sich lässt Ansehen) durch Almosen den Himmel und das ewige Leben erkaufen können? Darauf ist zur antworten. Paulus sagt: &#8221; Was nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde &#8220;, der Römer 14,23. Darum muss folgen, dass Gott an der ungläubigen Almosen keinen Gefallen habe, viel weniger den Himmel und das ewige Leben darum geben werde. Die aber an Christus glauben und ihren Glauben mit Werken beweisen, derselben Werke Gefallen Gott wohl um des Glaubens willen. Gott will auf solche Werke in jenem Leben bezahlen oder belohnen. Aber aus dem folgt nicht, dass das ewige Leben um der Werke willen gegeben werde, welches allein dem, der an Christus glaubt, verheißenen wird; wie Christus sehr oft bezeugt: &#8221; Wer an mich glaubt, wird den Tod nicht sehen ewiglich &#8220;. &#8221; Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben &#8220;. &#8221; Gott hat seinen Sohn gegeben, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">29. Dieser Bericht ist gewiss und gründlich. Denn da steht des Heiligen Paulus Urteil: &#8221; Was nicht aus dem Glauben geht, ist Sünde &#8220;. Deswegen, so dass Almosen Gott ein wohlgefälliges Werk sein soll, so muss der Glaube an Christus zuvor da sein. Derselbe Glaube bringt das ewige Leben mit sich, und empfängt Vergebung der Sünden, und macht, dass Gott all unser Tun und Lassen gefällt, ob es gleich an sich selbst gebrechlich und nicht vollkommen ist; und Gott will es in jenem Leben belohnen. Wie Christus sagt Matthäus 25, und wie Paulus sagt: dass der Christen Leiden und Trübsal in jenen Leben soll bezahlt und dafür ergötzt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">30. Das nun Christus spricht: &#8221; Machet euch Freunde von dem unrechten Mammon, auf das, wenn ihr darbet, sie euch in die ewigen Hütten nehmen &#8220;, Vermögen die Worten nicht mehr, denn, so wir Jünger Christi sind und gute Werke tun, dass Gott dieselben guten Werke bezahlen werde in jenem Leben. Was sagt aber Paulus? Sollen es gute Werke sein, so müssen sie aus dem Glauben kommen. Und Christus sagt, der Glaube sei es, dadurch wir zu Vergebung der Sünden und ewigen Leben kommen. Solche Sprüche musst du ja ebenso wohl glauben, als diesen hier, dass sie wahr und nicht erlogen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">31. Wie will man es aber zusammen reimen? Anders nicht, denn dass wir durch den Glauben an Christus Vergebung der Sünden und ewiges Leben haben; und dass Gott, um solches Glaubens willen, unser Almosen und andere gute Werke sich gefallen lassen, und dieselben in jenem Leben uns reichlich bezahlen und vergelten wolle; auf das, ob es uns gleich sauer ankommt, dass wir Gott dienen und gute Werke tun, wir doch desto billiger und lustiger dazu sein sollen, um der Hoffnung willen, die uns beigelegt ist im Himmel; wie Paulus redet zu den Kolossern Kapitel 1,5. Dieses ist der rechte und eigentliche Verstand dieses Spruchs, und richtige, gründliche Antwort auf die Frage von den guten Werken. Gott wolle seine Gnade uns mitteilen, um seines Sohnes Christi Jesu willen, und durch den Heiligen Geist unsere Herzen also erwecken, dass als solche treuliche, schöne Verheißung und Ermahnung bei uns auch Frucht schaffen, und wir unser Leben danach richten und endlich mögen selig werden, Armen.</p>
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		<title>Lukas 15, 1-10</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 21:03:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Lukas]]></category>

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		<description><![CDATA[Lukas 15, 1-10
Es nahten zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, dass sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verliert, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Lukas 15, 1-10</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Es nahten zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, dass sie ihn hörten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verliert, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlorenen, bis das er&#8217;s finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welch ein Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzündet und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis dass sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder der Buße tut.</em><span id="more-291"></span>1. Dieses ist eines der tröstlichen Evangelien, dass man im ganzen Jahr predigt, darin der Herr Jesus uns lehrt, dass sein Amt ein Hirtenamt ist, dass er den Sünder nachgehen, sie suchen und wieder zu recht bringen soll, dass sie dem Wolfe, dem Teufel, nicht zu Teil und ewig verdammt werden. Solche Predigt aber ist, dass allerlei Zöllner und Sünder den Herrn Christus nachliefen, dass sie seine Predigt hörten. Dieses sahen die Pharisäer und Schriftgelehrten, murrten darüber und legten ihm das sehr übel aus, als wäre es eine besondere Leichtfertigkeit. Denn einem Frommen Mann steht es zu, dass er sich zu Frommen Leuten halten und gesellen soll. Aber der Herr antwortet sehr wohl und sagt: Er tue eben das, dass sonst die Leute tun in anderen Sachen, an denen nicht einmal soviel gelegen ist. Will also von Pharisäern ungestraft sein und in seiner Sache recht erhalten.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Denn dieses ist die Frage worum es hier geht: Wie mit den Sünder umzugehen und was mit ihnen zu tun sei? Es ist genau mit zwei Menschen, die doch beide Gottes Wort studiert haben, zusammen kommen; so ist die Antwort auf diese Frage sehr unterschiedlich. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wissen von Gottes Worten nicht mehr, denn was Mose und das Gesetz gelehrt. Weil nun das Gesetz immer so predigt: Gott will denen gnädig sein, die fromm sind und seine Gebote halten; dagegen die Bösen, die seine Gebote nicht halten, strafen; daher kommt es, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten hier meinen, es wäre von den Menschen nicht recht, mit den Sündern umzugehen, denn wie Gott mit ihnen umgeht. Weil Gott über sie zornig ist, sich ihrer nicht annimmt, sollen sie die Leute auch nicht annehmen, sondern fahren lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Genauso urteilt unsere Vernunft auch. Sobald ein Mensch seine Sünden spürt und gewahr wird, denkt er, Gott zürne, es sei keine Gnade da, man müsse ein großes Unglück erwarten. Wie wir es an Adam und Eva auch sehen: als sie von dem verbotenen Baum gegessen, und das Gewissen ihnen schlug, sie hätten wieder Gott getan; da verkrochen sie sich und durften sich nirgends sehen lassen. An den jungen Kindern sehen wir es auch: wenn sie wissen, dass sie Unrecht getan haben, verstecken sie sich. Denn das ist die Art der Sünde, dass sie ein ängstliches Herz macht, dass sich um Ungnade und Strafe sorgt. Da aber, wo das Gewissen unschuldig ist, da bekommt der Mensch einen Mut, fragt nichts danach, ob jemand sich ungnädig stellt; denn dar steckt das Vertrauen immer im Herzen. Du weißt, dass unschuldig ist, es wird sich ein anderer finden, der schuldig ist, dass du frei ausgehen wirst.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Wenn nun ein Herz, dass weiß das es schuldig ist, natürlich nichts anderes kann als sich fürchten, und deswegen alle Gnade vergisst, und auf Ungnade wartet, also urteilen die Pharisäer hier von den Sündern auch. Sie sehen, dass Zöllner und Sünder in einem sündigen Stande bis er gelebt; schließen deswegen schnell darauf: Mit bösen Buben soll niemand umgehen, noch ihnen einige Gnade beweisen; denn Gott selbst ist ihnen ungnädig, will ihrer nicht, will nur fromme, gottesfürchtige Herzen haben, die mit solchen groben Sünder nicht geladen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Aber da denke du ihm nach, wenn solch ein Urteil wahr sein soll, dass Gott mit den Sündern keine Geduld tragen und immer mit der Keule zuschlagen will, wie wird es uns allen gehen? Wo wird er Leute und eine Kirche haben? Denn wenn wir auch in äußerlichen groben Sünden und Laster nicht liegen: es ist, Gott Lob! Mancher Ehemann, der seine Ehe nicht gebrochen, mancher, der mit der Hand nicht gemordet, nicht gestohlen, noch anderes getan hat, dass unehrlich und ungöttlich ist, so müssen wir uns alle vor Gott als Sünder bekennen. Denn wir sehen und erfahren, dass in unseren Herzen nichts Gutes ist, wenn auch an einem die Hände, der Mund und andere Glieder rein sind denn an einem anderen. Nun will aber Gott nach dem Herzen sein Urteil stellen. So nun Gott allen Sündern gnädig sein soll, sie wegwerfen und ihrer sich nicht annehmen, wie die Pharisäer hier das Urteil nach dem Gesetz fällen: so müsste ja folgen, dass kein Mensch kann selig werden. Aber die Pharisäer selbst müssen bekennen, diese Meinung ist falsch und unrecht.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Darum fällt unser lieber Herr Jesus Christus ein anderes Urteil und will solche Antwort der Pharisäer ganz und gar nicht gelten lassen, und macht das Widerspiel, nämlich, dass Gott den Sündern nicht feind ist, und auch nicht Lust an ihrem Tode hat; deswegen könne er, der Herr Christus, ihnen auch nicht feind sein, er ist deswegen in diese Welt gekommen, dass er die verirrten Schafe suchen und wieder zu recht bringen will. Und alle Menschen, besonders aber die Prediger, sollen diesem Beispiel folgen, dass sie, genau wie man ein Haus pflegt, wo etwas verloren ist, allen Fleiß dahin wenden soll, dass das verlorene wieder gefunden werde.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Dieses ist eine andere Lehre und Predigt denn als sie Mose und die Gesetzes Predigt, die nicht in unseren Herzen gewachsen, sondern durch den Sohn Gottes vom Himmel herab zu uns gebracht ist. Wie Johannes der Täufer sagt: &#8221; Gott hat niemand jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat es uns verkündigt &#8220;. Denn solchen Willen Gottes, dass er mit den Sündern nicht zürnen, sie wegen der Sünden nicht verdammen, sondern viel lieber zu Gnade annehmen und sie selig machen will, weiß kein Mensch. Das Widerspiel wissen und fühlen wir. Deswegen wo die Sünde ist, da folgt, wie zuvor gemeldet, dass man sich vor Gott fürchtet. Aber da lehrt uns unser lieber Herr Christus durch sein Evangelium, dass es eine andere Meinung mit den Sündern vor Gottes Gericht habe, dass er nicht über sie zürnen, sondern sie zu Gnaden annehmen will, und dass die Engel in Himmel oben alle Freude und Lust daran haben, wo die Sünder zur Buße kommen und sich bekehren.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Diese Lehre soll man darum fleißig merken, weil unsere Vernunft das Widerspiel schließt, dass wir uns gegen unser Böses Gewissen und Sünde lernen sollen trösten. Denn wer ein solche Anfechtung irriges Gewissens seinem eigenen Herzen, Vernunft und Verstand folgen will, der geht dahin, und ist die weder zur raten noch zu helfen, er muss verzweifeln. Darum liegt alle Macht an denen, dass hier, gegen unser eigenes Herz und Gewissen, mit Christus dahin kommen, und sagen: Ich bin ein armer Sünder, das kann, ja, will ich nicht leugnen; ich will aber darum nicht verzweifeln, und mein Gott wollte mich nicht. Ursache, meinte Jesus Christus sagt, es ist ein Sünder gleich wie ein Schaf, das seinen Hirten verloren und in die Irre geraten ist. Solche ein irriges Schaf will er nicht in der Irre lassen, sondern suchen, und zu den anderen Schafe tragen. Das ist ja ein Zeichen, dass er uns wegen der Sünde nicht wegwerfen, sondern allen Fleiß dahin wenden will, wir uns von Sünden und wieder zur Gnade bringen kann.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Nun zeigt aber das Evangelium an anderen Orten genug Ursache an, warum Gott die Sünder nicht will wegwerfen. Nämlich, wie Johannes im dritten Kapitel steht, dass er ein solcher Gott sei, der der Welt nicht feind ist, sondern sie lieb habe, und so lieb, dass er seinen eingeborene Sohn ihr geschenkt, und zur Versöhnung gegeben hat, auf das die Welt solches Opfers sich trösten soll, und wegen der Sünden nicht verzagen soll. Denn obgleich Gott auch andere Wege hätte um uns Menschen zu helfen, so ist doch diese Hilfe deswegen von ihm gut vorgenommen, weil sein eingeborener Sohn selbst unsere Sünden auf sich nimmt und dafür bezahlt, dass wir keinen Grund haben, an solcher Bezahlung zu zweifeln. Denn das muss folgen, dass Gott mehr gefallen und seinen Sohn und an seinen Tod und Sterben hat, denn an unseren Sünden.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Neben diesen Ursachen zeigte Jesus im heutigen Evangelium einen besonderen Gedanken an, welchen er in dieser Sache hat, dass er uns nicht lassen kann, er muss um die Sünder sein, sie suchen, und alles machen, was zu ihrer Seligkeit dienlich ist, und sagt: Es gehe ihm eben, wie es uns Menschen geht. Ein reicher Mann, der 10000 Gulden besitzt, wenn ihm tausend gestohlen oder verloren werden, so ist dies nichts anderes, denn als wenn er alles verloren hätte. Denn dass er noch etwas übrig hat, dass Freude und tröstet ihn nicht so viel, alles wie er sich um das verlorene bekümmert. Das ist unsere Art, und heißt billig, wenn es nur das zeitliche antrifft, eine Unart. Denn da sieht man, dass Gott immer mehr lässt, als der Teufel nimmt. Deswegen sollte man sich des Zeitlichen Unfalls nicht soviel bekümmern lassen, sondern sich mit dem trösten, dass wir noch etwas und das meiste behalten, und Gott uns täglich mehr bescheren und das unseren mehren kann.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Diese Art nun, spricht unser lieber Herr Christus, habe ich auch. Die Sünder sind mein erkauftes, teuer erworbenes Gut und Eigentum; denn ich habe sie mir erkauft durch mein Leiden und Sterben. Sollte es mir nun nicht weh tun, und sollte ich nicht darum nicht heftig bekümmern und annehmen, dass sie aus den Wege und mir wieder aus den Händen gehen, dieses ist doch wohl unmöglich; denn sie kosten mich zuviel, und sind mir zu sauer geworden, und ich bin traurig, dass sie dem Teufel gehören sollten. Deswegen kann ich es nicht lassen, so bald mir eines meiner Schäflein verlässt, so muss ich mich stellen, als würden mich die anderen gar nicht kümmern, und nur dem verlorenen nachgehen, es suchen, dass es den bösen Wölfen nicht zur Beute werde. Eben wie eine Mutter, die viel Kinder hat, die sind ihr alle lieb, und wollte nicht gern eines unter ihnen geraten. Wenn es nun aber geschieht, dass eines fällt oder krank wird, so macht die Krankheit einen Unterschied zwischen den anderen Kindern allen, dass das Kranke das liebste ist, und die Mutter sich keines mehr annehmen, und sich um keines fleißiger kümmert. Wer nun über diese Liebe urteilen will, der müsste sagen: Die Mutter hat nur das Kranke Kind lieb, die gesunden nicht. Also, spricht der Herr hier, ist es mir auch mit den Sündern zu tun.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Dieses ist doch das Herz unseres Heilandes auf das freundlichste und lieblichste abgemalt, dass es unmöglich ist, dass man es könnte besser und freundlicher machen, weil er einen solchen großen Kummer, Sorge, Mühe und Arbeit darüber hat, wie er die armen Sünder wieder zu recht bringen kann; und führt uns auf unser eigenes Herz, dass wir doch denken sollen, wie wir gestellt sind, wenn hier etwas verlieren, dass und lieb ist. Also, spricht er, steht mein Herz, also ist es unruhig und bebt, wenn ich sehe, dass der Teufel einen armen Menschen in die Sünde und Irre gebracht hat.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Dazu dient auch, dass er das Gleichnis von den Schäflein und Hirten erzählt. Es ist eine böse Sache, wo ein Schäflein von der Weide und von seinem Hirten in die Irre gerät; denn es kann sich selbst nicht helfen, und ist alle Augenblicke in Gefahr, dass der Wolf, der dem Schäflein nachschleicht, es gereift und frisst. In solch einer Gefahr hätte es keine Hilfe, kann sich auch weder schützen noch helfen. Denn es ist kein Tier unter allen Tieren, dass von Natur so bloß und wehrlos erschaffen ist. So ist es auch um einen Sünder, welchen der Teufel von Gott und seinem Wort abgeführt und in die Sünde gebracht hat. Denn da ist er keinen Augenblick sicher, vielmals unser Feind, der Teufel, wie Petrus sagt, umher schleicht wie ein Löwe, und sieht, ob er uns fressen kann. In solch einer Gefahr ist nun dieses der einzige Trost, dass wir einen Hirten haben, unseren lieben Herrn Christus, der sich unser annimmt und sucht uns: nicht darum, dass er uns wegen der Sünden strafen und in die Hölle werfen will, nein, dies ist des Teufels Gedanke und Meinung, sondern wenn er uns findet, dass er uns auf seine Achseln mit Freuden legt und nach Hause tragen will, wo wir vor dem Wolfe sicher sind und unsere beste Weide haben.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Wie aber solch ein Suchen zugeht, wisst ihr, nämlich, dass er sein Wort überall öffentlich predigen und klingen lässt. Zugleich hören wir, was für ein schrecklicher Jammer und Last die Sünde ist, die uns in die ewige Verdammnis hinunter wirft. Aber da ist Gott aus väterlicher Liebe gegen uns ungehorsamen Kinder bewegt worden, und hat durch seinen Sohn von diesen Jammer uns Hilfe geschafft, begehrt dafür nichts anderes, denn dass wir mit Danksagung dieses annehmen, an den Herrn Christus glauben, und uns an Gottes Wort halten, und ihm willig und Gehorsam sein sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Wenn nun die irrige Schafe, die armen Sünder, solches hören, und fassen eine Zuversicht zu Gott aus dieser Predigt, schlagen in sich selbst, und denken: Ei, was hast du denn gewollt, du unseliger Mensch, weil du so einen gnädigen Gott hast, dass du dich nicht nach seinem Willen gehalten, und durch den Teufel in Ungehorsam führen lassen hast? Was hilft dir das schändliche Geld, nach dem du so geizt? Wäre es nicht besser, einen geringen Gewinn mit Gott und Ehre, denn das du vor Gott und den Leuten ein großer Wucherer genannt wirst, und deswegen weder Glück noch Heil bei diesem schändlichen Gewinn haben wirst? Was hilft dir das unehrliche, unzüchtige Leben? Wäre es nicht besser, ehelich sein und ein gutes Gewissen haben, denn außer der Ehe in Sünden und Schanden leben, und jeden Augenblick darauf warten, dass Gott mit seinem schrecklichen Urteil straft? Was hilft dir das Schwelgen, Fressen und Saufen, dadurch du nur deines Leibes krank wirst und plötzlich Sterben kannst? Bald, bald umgekehrt und davon lassen, ehe Gottes Zorn dich trifft, der dir doch gerne gnädig sein will, wenn du es nur selbst wolltest und nicht durch mutwillige Sünde nicht tiefer in die Ungnade treibst. Wo solches nun geschieht, nämlich, dass die Herzen in sich schlagen und durch Christus einen Trost fassen, findet der Hirten Jesus seine irrigen Schäflein, die sich nach des Hirten Stimme wenden und in aller Zuversicht zu ihm laufen, und nimmt sie auf seine Achseln, das ist, er vergibt ihnen ihre Sünde und nimmt sie in seinen Schutz und Schirm, dass sie vor dem Wolf und anderen wilden Tieren sicher sein sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Hier sieht man aber, was für ein Unterschied zwischen den Sündern ist. In diesem sind alle Sünder gleich, dass sie dem Teufel zu Dienste gegen Gottes Gehorsam sind. Danach aber werden sie ungleich und. Denn etliche unter meiste Teil, man predige und sage Ihnen, was man will, bleiben sie nach wie vor in ihren Sünden, und bessern sich auch nicht, trösten sich selber, und denken: Ei, es hat nicht Not, Gott ist ledig, er wird immer über dich froh sein, du kommst und begehrst Gnade, wenn du es willst; ich will mich vorher aber noch zu der Welt halten, will vorher noch ein wenig der Früchte genießen, danach will ich auch zur Kirche gehen, Predigt hören und Fromm werden. Diese Schafe hören des Hirten Stimme wohl, aber sie wollen sich nicht finden lassen. Was geschieht dann? Nichts anderes, denn dass sie von Tag zu Tag, je länger je mehr in die Irre geraten, und in des Teufels Stricke kommen, dass sie allein nicht mehr daraus kommen können. Wie man sieht, dass es in der Welt geht, und die Leute im Geiz, Unzucht, Schwelgerei und anderen Sünden ganz ersaufen, dass ihre Natur so wird, dass sie denken, sie können gar nicht anders leben wie sie tun. Davor sollen wir uns hüten, und wenn wir des Hirten Stimme hören, sollen wir bald zu ihm finden, das ist, wir sollen tun, nicht in den Sünden bleiben und fortfahren, sondern umkehren, uns bessern, und glauben, unser Hirte Jesus Christus wird uns nicht in der ihre lassen, sondern in allen Gnaden wieder annehmen und uns mit seinem Vater versöhnen.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Denn Buße heißt nicht allein, des äußerlichen Lebens wegen frömmer werden; sondern durch Cristum auf Gottes Güte trauen und Vergebung der Sünden glauben. Solche Sünder will Christus annehmen. Die andern nähme er auch wohl gerne an, sie wollen aber Christus nicht: so muss er sie auch fahren lassen. Denn weil sie sich nicht finden lassen wollen, bleiben sie in der Irre, solange sie wollen, und sehen, wie es ihnen endlich gehen wird.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Also tröstet nicht allein dies Evangelium die armen Sünder, dass ihr Hirte, Christus, sie, als die irrenden Schäflein, suchen und annehmen will; sondern lehrt auch, wie wir uns gegen diesen Hirten schicken sollen, nämlich, dass wir seine Stimme hören und derselben nachlaufen sollen. Wie uns die Geschichte des Evangeliums auch meldet, dass diese Leute Zöllner und Sünder gewesen, aber doch dem Herrn Christus darum nachgelaufen sind, als sie ihn hörten. Was hört man aber von Christus? Anderes nicht, denn das Gott den Sündern durch Christus gnädig sein will und sie selig machen; allein das sich locken lassen und nicht ferner in die Irre laufen, sondern wenn sie des Hirten Stimme hören, umkehren, und sich von dem Herrn Christus tragen lassen, der schon ist für ihre Sünde bezahlt und genug getan, und sie mit Gott versöhnt hat. Denn es ist nicht gut, weil Gott so viel an uns gewendet und seine Gnade so reichlich uns bewiesen hat, dass wir seinen Befehl verachten, und uns an seinen Wort nicht halten wollten und ihm auch etwas zu gefallen tun.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Deswegen lasst uns auf diese Lehrer merken, auf das wir wieder den Teufel und unser eigenes Herz uns wehren, etwas gegen die Verzweiflung haben, als wäre Gott ein solcher Gott, der mit Sündern keine Geduld hat und sie verdammen will. Denn dieser Gedanke steckt in aller Menschen Herzen. Dagegen muss man mit Gottes Wort gefasst sein, und dies Bild, dass der Herr Christus selbst uns vorgestellt, in das Herz drücken, dass er ein Hirte sei, und sein Wort darum lasse in die ganze Welt schallen, dass die verirrten Schäflein es hören und zu ihm finden sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">20. Deswegen erkennst du dich auch, dass du auch irrig Schäflein bist, welches der Teufel weit vom Wege getrieben und abgeführt hat, so nimm nun diese Predigt von Christus an. Denn um deinetwillen wird es gepredigt, dass du also zur Buße kommst, das ist, dass du dich des Herrn Jesus Christus und seiner Gnade tröstest, und aus des Teufels Stricke kommst und frömmer werdest. Und hüte dich davor, als vor dem Teufel selbst, dass du solche Stimme nicht vorüber lässt, sondern bald umkehrst und dem Hirten nachläufst: so bist du genesen, und hast den Engeln im Himmel eine sonderliche großer Freude angerichtet, die der Nacht gerne um dich sind und dich vor aller Gefahr des Teufels, behüten und schützen werden. Dagegen aber die unbußfertigen Sünder nur Leid, Unmut und Ärger machen, sind sie in ewiger Gefahr jeden Augenblick.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Aber unser Heiland Jesus Christus setzt diesem Gleichnis vom Hirten und dem Schäflein noch dazu, von einem Weibe, das einen Groschen verloren hat: dieses geschieht darum, dass er will, dass seinem Beispiel auch andere folgen, und die Sünder nicht verwerfen, sondern sie auch suchen und zur Buße bringen soll. Denn das erste Gleichnis geht allein auf unseren lieben Herrn und Erlöser Jesus Christus; der ist der einzige und richtige Hirte, der den Schäflein nicht feind ist, sondern lässt sein Leben für sie, dass sie beschützt und vor dem Teufel Frieden haben. Das andere Gleichnis aber von dem Weibe geht auf die christliche Kirche, die darum das Predigtamt führt, auf das die armen Sünder zur Buße gelockt, vom ewigen Tode und von Verdammnis gerettet und selig werden sollen. Da freut sich auch, gleich wie der Hirte, wenn sie den Groschen findet, zündet ein Licht an, dass Wort Gottes, und kehrt das Haus, das ist, sie lehrt, wie man Fromm sein und sich der Gnade Gottes durch Cristum vor Gott und seinem Gericht trösten soll. Mit dieser Predigt findet sie den verlorenen Groschen.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Dieses heißt Gottes Wort hoch rühmen und preisen, als den einzigen Schatz, der die Sünde und allen Jammer, welches aus der Sünder folgt, als da ist, Tod, Verdammnis, Teufel und die Hölle, wegnimmt, dass wir nicht mehr Sünder und Feinde Gottes, sondern den lieben Engeln im Himmel rund allen Heiligen auf Erden eine besondere Freude sind. Deswegen sollten wir es in allen Ehren und Würden halten, es gern und mit Herzen hören, die es so predigen, lieb und Wert halten; auf das wir zu solcher seligen Frucht auch kommen, aus der Irre und aller Gefahr des leidigen Teufels ledig und los, könnten ewig selig werden. Das verleihe uns allen der Liebe und Treue Hirte unserer Seelen, unser lieber Herr Christus, durch den Heiligen Geist, Amen.</p>
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