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	<title>Christus-Weg &#187; Martin Luther &#8211; Sonstige</title>
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		<title>Paulus an die Römer</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 12:23:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Sonstige]]></category>
		<category><![CDATA[Paulus]]></category>
		<category><![CDATA[Römer]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorrede auf die Epistel S. Paulus an die Römer
Diese Epistel ist das rechte Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium Welche wohl würdig und wert ist dass sie ein Christenmensch nicht allein von Wort zu Wort auswendig weiß sondern täglich damit umgeht wie mit täglichem Brot der Seelen denn sie kann nie zu viel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Vorrede auf die Epistel S. Paulus an die Römer</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Diese Epistel ist das rechte Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium Welche wohl würdig und wert ist dass sie ein Christenmensch nicht allein von Wort zu Wort auswendig weiß sondern täglich damit umgeht wie mit täglichem Brot der Seelen denn sie kann nie zu viel und zu sehr gelesen oder betrachtet werden und je mehr sie gehandelt wird desto köstlicher wird sie und besser schmeckt sie.</p>
<p style="text-align: justify;">Darum will ich auch meinen Dienst dazu tun und durch diese Vorrede einen Eingang dazu bereiten soviel mir Gott verliehen hat damit sie desto besser von jedermann verstanden wird Denn sie ist bisher mit Glossen und mancherlei Geschwätz übel verfinstert wo doch an ihr selbst ein helles Licht ist fast genügend die ganze Schrift zu erleuchten.</p>
<p style="text-align: justify;">Aufs erste müssen wir der Sprache kundig werden und wissen, was S. Paulus meint durch diese Worte Gesetz Sünde Gnade Glaube Gerechtigkeit Fleisch Geist und dergleichen sonst ist kein Lesen daran von Nutzen.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-119"></span>Das Wörtlein Gesetz darfst du hier nicht verstehen in menschlicher Weise dass es eine Lehre sei was für Werke zu tun oder zu lassen sind Wie es mit Menschen Gesetzen zugehet da man dem Gesetz mit Werken genüge tut wenn schon das Herz nicht da ist. Gott richtet nach des Herzens Grund Darum fordert auch sein Gesetz des Herzens Grund und lässt sich mit Werken nicht begnügen Sondern straft vielmehr die Werke, die ohne Herzens Grund getan als Heuchelei und LüGen Daher heißen alle Menschen Lügner Ps 66. darum weil keiner aus Herzens Grund Gottes Gesetz hält noch halten kann Denn jedermann findet bei sich selbst Unlust zum Guten und Lust zum Bösen. Wo nun nicht freie Lust zum Guten ist da ist des Herzens Grund nicht am Gesetz Gottes Da ist dann gewisslich auch Sünde und Zorn verdient bei Gott obgleich äußerlich viele gute Werke und ehrbares Leben scheinen.</p>
<p style="text-align: justify;">Daher schließt S. Paulus im II. Kap. Dass die Juden alle Sünder sind und spricht Dass alleine die Täter des Gesetzes gerecht sind bei Gott. Will damit dass niemand mit Werken des Gesetzes Täter ist Sondern sagt vielmehr zu ihnen also Du lehrest man solle nicht ehebrechen und du brichst die Ehe. Item worin du einen andern richtest darin verdammst du dich selbst weil du eben das selbe tust das du richtest.</p>
<p style="text-align: justify;">Als sollte er sagen Du lebst äußerlich fein in des Gesetzes Werken und richtest, die nicht genauso leben und weißt jedermann zu lehren Den Splitter siehst in der anderen Auge Aber des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr.</p>
<p style="text-align: justify;">Denn ob du wohl auswendig das Gesetz mit Werken hieltest aus Furcht der Strafe oder Liebe des Lohns So tust du doch alles ohne freie Lust und Liebe zum Gesetz sondern mit Unlust und Zwang wolltest lieber anders tun wenn das Gesetze nicht wäre. Daraus denn schließt sich dass du von Herzens Grund dem Gesetz feind bist. Was ist denn dass du andere lehrst nicht zu stehlen wo du im Herzen selbst ein Dieb bist und äußerlich gerne wärst wenn du danach Durst hast ? Wiewohl auch das äußerliche Werk auf Dauer nicht ausbleibt bei solchen Heuchlern. So lehrst du andere Aber dich selbst nicht weißt auch selbst nicht was du lehrst hast auch das Gesetz noch nie recht verstanden. Ja dazu mehrt das Gesetz die Sünde wie er sagt im V. Kap. Darum dass ihm der Mensch nur feindlicher wird je mehr es fordert was er nicht kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Darum spricht er im VII. Kap. Das Gesetz ist geistlich. Was ist das? Wenn das Gesetz leiblich wäre so geschähe ihm mit Werken genug nun es aber geistlich ist tut ihm niemand genug es gehe denn von Herzens Grund alles was du tust. Aber ein solches Herz gibt niemand außer Gottes Geist der macht den Menschen dem Gesetz gleich dass er Lust zum Gesetz gewinnt von Herzen und hinfort nicht aus Furcht oder Zwang sondern aus freiem Herzen alles tut. Also ist das Gesetz geistlich das mit solchem geistlichen Herzen geliebt und erfüllt sein will und fordert einen solchen Geist. Wo der nicht im Herzen ist da bleibt Sünde Unlust Feindschaft wider das Gesetz das doch gut gerecht und heilig ist.</p>
<p style="text-align: justify;">So gewöhne dich nun der Rede Dass es ein ganz anderes Ding ist Des Gesetzes Werke tun und das Gesetz erfüllen. Des Gesetzes Werke ist alles das der Mensch tut oder tun kann am Gesetz aus seinem freien Willen und eigenen Kräften. Weil aber unter und neben solchen Werken im Herzen Unlust und Zwang zum Gesetz bleibt sind solche Werke alle verloren und nichts nütze. Das meint S. Paulus im 3. Kap. da er spricht Durch Gesetzes Werke wird vor Gott kein Mensch gerecht. Daher siehst du nun dass die Schulzänker und Sophisten Verführer sind wenn sie lehren, mit Werken sich zur Gnade zu bereiten. Wie kann sich mit Werken zum Guten bereiten der kein gutes Werk ohne Unlust und Unwillen im Herzen tut ? Wie soll das Werk Gott erfreuen das aus einem unfreudigen und widerwilligen Herzen kommt.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber das Gesetz erfüllen ist mit Lust und Liebe seine Werke tun und frei ohne des Gesetzes Zwang göttlich und wohl leben als wäre kein Gesetze oder Strafe. Solche Lust freier Liebe aber gibt der heilige Geist ins Herz wie er spricht im 5. Kap. Der Geist aber wird nicht anders, als allein in mit und durch den Glauben an Jesus Christus gegeben wie er in der Vorrede sagt. So kommt der Glaube nicht als alleine durch Gottes Wort oder Evangelium das Christum predigt wie er Gottes Sohn und Mensch ist gestorben und auferstanden um unsertwillen wie er im 3., 4. und 10. Kap. sagt.</p>
<p style="text-align: justify;">Daher kommt es Dass allein der Glaube gerecht macht und das Gesetz erfüllt Denn er bringt den Geist aus Christi Verdienst. Der Geist aber macht ein frohes und freies Herz wie das Gesetz fordert So kommen denn die guten Werke aus dem Glauben selber. Das meint er im 3. Kap. nachdem er des Gesetzes Werke verworfen hatte dass es lautet als wollte er das Gesetz aufheben durch den Glauben Nein (spricht er) wir richten das Gesetz an durch den Glauben das ist wir erfüllen es durch den Glauben.</p>
<p style="text-align: justify;">Sünde heißt in der Schrift nicht allein das äußerliche Werk am Leibe Sondern all das Geschäft das sich mit regt und bewegt zum äußerlichen Werk nämlich des Herzens Grund mit allen Kräften. Also dass das Wörtlein Tun heißen soll wenn der Mensch ganz dahin fällt und fährt in die Sünde. Denn es geschieht auch kein äußerliches Werk der Sünde es sei denn, der Mensch fahre ganz mit Leib und Seele dahin. Und insbesondere sieht die Schrift ins Herz und auf die Wurzel und Hauptquelle aller Sünde welche der Unglaube im Grunde des Herzens ist. Also dass wie der Glaube allein gerecht macht und den Geist und Lust bringt zu guten äußerlichen Werken Also sündigt alleine der Unglaube und bringt das Fleisch auf und Lust zu bösen äußerlichen Werken wie Adam und Eva geschah im Paradies Gen im 3. Kap. Daher nennt Christus alleine den Unglauben Sünde da er spricht Johan. 16: Der Geist wird die Welt strafen um die Sünde dass sie nicht glauben an mich. Darum auch ehe denn gute oder böse Werke geschehen als die guten oder bösen Früchte muss zuvor im Herzen da sein Glaube oder Unglaube als die Wurzel Saft und Hauptkraft aller Sünde. Welches in der Schrift auch darum Kopf der Schlange und Haupt des alten Drachen heißt den des Weibes Same, Christus, zertreten muss wie Adam verheißen wurde Genesis im 3.</p>
<p style="text-align: justify;">Gnade und Gabe sind des Unterschieds dass Gnade eigentlich heißt Gottes Huld oder Gunst die er zu uns trägt bei sich selbst aus welcher er geneigt wird Christus und den Geist mit seinen Gaben in uns zu gießen wie das aus dem 5. Kap. klar wird da er spricht Gnade und Gabe in Christus etc. Ob nun wohl die Gaben und der Geist in uns täglich zunehmen und noch nicht vollkommen sind dass also noch böse Lüste und Sünde in uns übrigbleiben welche gegen den Geist streiten wie er sagte in Röm 7 und Gal 5. Und wie Gen 3 verkündigt ist der Streit zwischen des Weibes Samen und der Schlange Samen So bewirkt doch die Gnade so viel dass wir ganz und für voll gerecht vor Gott gerechnet werden. Denn seine Gnade teilt und stückt sich nicht wie es die Gaben tun sondern nimmt uns ganz und gar auf in die Huld um Christus unseres Fürsprechers und Mittlers willen und um dass in uns die Gaben angefangen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Also verstehst du denn das 7. Kap. da sich S. Paulus noch einen Sünder schilt. Und doch im 8. spricht Es sei nichts Verdammliches an denen die in Christus sind der unvollkommenen Gaben und des Geistes halben. Um des ungetöteten Fleisches willen sind wir noch Sünder Aber weil wir an Christus glauben und des Geistes Anfang haben ist uns Gott so günstig und gnädig dass er solche Sünde nicht achten noch richten will Sondern nach dem Glauben in Christus mit uns fahren bis die Sünde getötet werde.</p>
<p style="text-align: justify;">Glaube ist nicht der menschliche Wahn und Traum den etliche für Glauben halten. Und wenn sie sehen dass keine Besserung des Lebens noch gute Werke folgen und doch vom Glauben viel hören und reden können fallen sie in den Irrtum und sprechen Der Glaube sei nicht genug Man müsse Werke tun soll man fromm und selig werden. Das macht, wenn sie das Evangelium hören so fallen sie daher und machen sich aus eigenen Kräften einen Gedanken im Herzen der spricht Ich glaube das halten sie denn für einen rechten Glauben. Aber wie es ein menschliches Gedicht und Gedanke ist den des Herzens Grund nimmer erfährt So bewirkt er auch nichts und es folgt keine Besserung nach.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber Glaube ist ein göttliches Werk in uns das uns umwandelt und neu gebärt aus Gott Joha.1. Und tötet den alten Adam macht uns zu ganz anderen Menschen von Herzen Mut Sinn und allen Kräften und bringt den heiligen Geist mit sich. O es ist ein lebendiges geschäftiges tätiges mächtiges Ding um den Glauben Dass es unmöglich ist dass er nicht ohne Unterlass Gutes wirken sollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Er fragt auch nicht ob gute Werke zu tun sind sondern ehe man fragt hat er sie getan und ist immer im Tun. Wer aber nicht solche Werke tut der ist ein glaubloser Mensch tappt und sieht um sich nach dem Glauben und guten Werken und weiß weder, was Glaube noch gute Werke sind doch wäscht und schwätzt viele Worte vom Glauben und guten Werken.</p>
<p style="text-align: justify;">Glaube ist eine lebendige erwogene Zuversicht auf Gottes Gnade so gewiss, dass er tausend Mal drüber stürbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich trotzig und freudig gegen Gott und alle Kreaturen welches der heilige Geist tut im Glauben. Daher wird jedermann ohne Zwang willig und freudig, Gutes zu tun jedermann zu dienen allerlei zu leiden Gott zu Liebe und zu Lob der ihm solche Gnade erzeigt hat. Also dass unmöglich ist Werk vom Glauben scheiden Ja genauso unmöglich wie Brennen und Leuchten vom Feuer geschieden werden mag. Darum siehe dich vor vor deinen eigenen falschen Gedanken und unnützen Schwätzern die vom Glauben und guten Werken klug sein wollen zu urteilen und sind die größten Narren. Bitte Gott dass er den Glauben in dir wirke sonst bleibst du wohl ewiglich ohne Glauben du dichtest und tust was du willst oder kannst.</p>
<p style="text-align: justify;">Gerechtigkeit ist nun solcher Glaube Und heißt Gottes Gerechtigkeit oder die vor Gott gilt darum dass sie Gott gibt und rechnet für Gerechtigkeit um Christi willen unseres Mittlers und macht den Menschen dass er jedermann gibt was er schuldig ist. Denn durch den Glauben wird der Mensch ohne Sünde und gewinnt Lust zu Gottes Geboten Damit gibt er Gott seine Ehre und bezahlt ihn was er ihm schuldig ist. Aber den Menschen dient er williglich womit er kann und bezahlt damit auch jedermann. Solche Gerechtigkeit können weder Natur freier Wille noch unsere Kräfte zuwege bringen Denn wie niemand ihm selber den Glauben geben kann So kann er auch den Unglauben nicht wegnehmen Wie will er denn auch nur die kleinste Sünde wegnehmen? Darum ist es alles Falsch Heuchelei und Sünde was außerhalb des Glaubens oder in Unglauben geschieht Röm 14. es glänze wie gut es mag.</p>
<p style="text-align: justify;">Fleisch und Geist darfst du hier nicht so verstehen Dass Fleisch allein das sei was die Unkeuschheit betrifft und Geist, was das Innere im Herzen betrifft. Sondern Fleisch nennt Paulus wie Christus Joh 3: alles was aus Fleisch geboren ist den ganzen Menschen mit Leib und Seele mit Vernunft und allen Sinnen Darum dass alles an ihm nach dem Fleisch trachtet. Also dass du auch denjenigen fleischlich zu nennen weißt der ohne Gnade von hohen geistlichen Sachen viel dichtet lehrt und schwätzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie du das aus den Werken des Fleisches Gal 5. wohl lernen kannst da er auch Ketzerei und Hass Fleisches Werke nennt. Und in Röm 8 spricht er Dass durch das Fleisch das Gesetz geschwächt wird welches nicht von Unkeuschheit sondern von allen Sünden hauptsächlich aber vom Unglauben gesagt ist der das allergeistlichste Laster ist. Wiederum auch denjenigen geistlich nennt der mit den aller äußerlichsten Werken umgeht wie Christus als er der Jünger Füße wusch und Petrus als er das Schiff führte und fischte. Also dass Fleisch sei ein Mensch der inwendig und auswendig lebt und wirkt was zu des Fleisches Nutzen und zeitlichem Leben dient. Geist sei, der inwendig und auswendig lebt und wirkt was zu dem Geist und zukünftigem Leben dient.</p>
<p style="text-align: justify;">Ohne solchen Verstand dieser Worte wirst du diese Epistel S. Pauli noch kein Buch der Heiligen Schrift je verstehen. Darum hüte dich vor allen Lehrern die anders diese Worte gebrauchen sie seien auch wer sie wollen obgleich Hieronymus Augustinus Ambrosius Origenes und ihres gleichen und noch höher wären. Nun wollen wir zur Epistel greifen.</p>
<p style="text-align: justify;">Dieweil einem evangelischen Prediger Gebührt am ersten durch Offenbarung des Gesetzes und der Sünden alles zu strafen und zu Sünden zu machen was nicht aus dem Geist und Glauben an Christo gelebt wird damit die Menschen zu ihrer eigenen Erkenntnis und Jammer geführt werden dass sie demütig werden und Hilfe begehren.</p>
<p style="text-align: justify;">So tut S. Paulus auch und fängt an im I. Kap. und straft die groben Sünde und Unglauben die öffentlich sind am Tage als der Heiden Sünde waren und noch sind die ohne Gottes Gnade leben und spricht Es werde offenbart durchs Evangelium Gottes Zorn vom Himmel über alle Menschen um ihres gottlosen Wesens und Ungerechtigkeit willen. Denn obgleich sie wissen und täglich erkennen dass ein Gott sei so ist doch die Natur an ihr selbst außer der Gnade so böse dass sie ihm weder dankt noch ihn ehrt. Sondern verblendet sich selbst und fällt ohne Unterlaß in ärgeres Wesen Bis dass sie noch Abgöttereien auch die schändlichsten Sünden mit allen Lastern wirkt unverschämt und dazu ungestraft lässt an den andern.</p>
<p style="text-align: justify;">Im II. Kap. streckt er solche Strafe weiter auch auf die die äußerlich fromm scheinen oder heimlich sündigen wie die Juden waren und noch alle Heuchler sind die ohne Lust und Liebe wohl leben und im Herzen Gottes Gesetzen feind sind und doch über andere Leute gerne urteilen. Wie es aller Blender Art ist dass sie sich selbst rein achten und doch voll Geizes Hasses Hoffahrt und allen Unflats stecken Mt 23. Die sind es eben die Gottes Gütigkeit verachten und nach ihrer Härtigkeit den Zorn über sich häufen. Also dass S. Paulus als ein rechter Gesetzverklärer niemand ohne Sünde bleiben lässt sondern allen den Zorn Gottes verkündigt die aus Natur oder freiem Willen wohl leben wollen und sie nichts besser sein lässt als die öffentlichen Sünder ja er spricht sie seien Hartmütige und Unbußfertige.</p>
<p style="text-align: justify;">Im III. wirft er sie alle beide auf einen Haufen und spricht Einer sei wie der andere allzumal Sünder vor Gott. Ohne dass die Juden Gottes Wort gehabt wiewohl nicht viel daran geglaubt haben Doch damit Gottes Glaube und Wahrheit nicht aus ist. Und führt zufällig den Spruch ein aus dem 2. Ps Dass Gott gerecht bleibt in seinen Worten. Danach kommt er wieder darauf und beweist auch durch Schrift dass sie alle Sünder sind und durch Gesetzes Werke niemand gerecht werde Sondern das Gesetz nur gegeben sei, die Sünde zu erkennen.</p>
<p style="text-align: justify;">Danach fängt er an und lehrt den rechten Weg wie man fromm und selig werden muss und spricht Sie sind alle Sünder und ohne Gottes Ruhm Müssen aber ohne Verdienst gerecht werden durch den Glauben an Christus der uns solches verdient hat durch sein Blut und uns ein Gnadenthron geworden ist von Gott der uns alle vorige Sünde vergibt. Damit er beweist dass seine Gerechtigkeit die er gibt im Glauben alleine uns hilft die zu der Zeit durchs Evangelium geoffenbart und zuvor durchs Gesetz und die Propheten bezeugt ist. Also wird das Gesetz durch den Glauben aufgerichtet obwohl des Gesetzes Werke damit niedergelegt werden samt ihrem Ruhm.</p>
<p style="text-align: justify;">Im IV. Als nun durch die ersten drei Kap. die Sünde offenbart und der Weg des Glaubens zur Gerechtigkeit gelehrt ist Fängt er an zu begegnen etlichen Einreden und Ansprüchen. Und nimmt am ersten den vor den gemeiniglich tun alle die vom Glauben hören wie er ohne Werke gerecht macht und sprechen Soll man denn nun keine guten Werke tun ? Also hält er hier ihm selbst vor den Abraham und spricht Was hat denn Abraham mit seinen Werken getan? Ist es alles umsonst gewesen? Waren seine Werke nichts nutze ? Und schließt Dass Abraham ohne alle Werke allein durch den Glauben gerecht worden sei So gar dass er auch vor dem Werk seiner Beschneidung durch die Schrift allein seines Glaubens halben gerecht gepriesen werde Gen XV. Hat aber das Werk der Beschneidung zu seiner Gerechtigkeit nichts getan das doch Gott ihm gebot und ein gutes Werk des Gehorsams war So wird gewiss auch kein anderes gutes Werk zur Gerechtigkeit etwas tun.</p>
<p style="text-align: justify;">Sondern wie die Beschneidung Abrahams ein äußerliches Zeichen war damit er seine Gerechtigkeit im Glauben bewies also sind alle gute Werke nur äußerliche Zeichen die aus dem Glauben folgen und beweisen als die guten Früchte dass der Mensch schon vor Gott inwendig gerecht sei.</p>
<p style="text-align: justify;">Damit bestätigt nun S. Paulus als mit einem kräftigen Exempel aus der Schrift seine vorige Lehre im III. Kap. vom Glauben. Und führt dazu noch einen Zeugen David aus dem 32. Psalm der auch sagt Dass der Mensch ohne Werke gerecht werde Wiewohl er nicht ohne Werke bleibt wenn er gerecht worden ist. Danach breitet er das Exempel aus wider alle anderen Werke des Gesetzes und schließt, dass die Juden nicht mögen Abrahams Erben sein alleine des Geblüts halben viel weniger des Gesetzes Werk halben Sondern müssen Abrahams Glauben erben wollen sie rechte Erben sein. Sintemal Abraham vor dem Gesetze beide, Mosi und der Beschneidung durch den Glauben gerecht geworden ist und ein Vater genannt aller Gläubigen Dazu auch das Gesetz viel mehr Zorn wirke denn Gnade dieweil es niemand mit Liebe und Lust tut Dass viel mehr Ungnade als Gnade durch des Gesetzes Werke kommt. Darum muss allein der Glaube die Gnade Abrahams verheißen erlangen Denn auch solche Exempel um unseretwillen geschrieben sind dass wir auch sollen glauben.</p>
<p style="text-align: justify;">Im V. kommt er auf die Früchte und Werke des Glaubens als da sind Friede Freude Liebe gegen Gott und jedermann dazu Sicherheit Vertrauen Zuversicht Mut und Hoffnung in Trübsal und Leiden. Denn solches alles folgt wo der Glaube recht ist um des überschwänglichen Gutes willen das uns Gott in Christus erzeigt dass er ihn für uns hat sterben lassen ehe wir ihn darum bitten konnten ja da wir noch Feinde waren. Also haben wir denn dass der Glaube ohne alle Werke gerecht macht Und doch nicht daraus folgt dass man darum kein gutes Werk tun solle Sondern dass die rechtschaffene Werke nicht außen bleiben Von welchen die Werkheiligen nichts wissen und dichten sich selbst eigene Werke darinnen weder Friede Freude Sicherheit Liebe Hoffnung Vertrauen noch keines rechten christlichen Werks und Glaubens Art ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Danach tut er einen lustigen Ausbruch und Spaziergang und erzählt wo beide, Sünde und Gerechtigkeit Tod und Leben herkommen. Und hält die zwei fein gegeneinander Adam und Christum. Will also sagen Darum musste Christus kommen ein anderer Adam der seine Gerechtigkeit auf uns erbete durch ein neue geistliche Geburt im Glauben Gleich wie jener Adam auf uns geerbt hat die Sünde durch die alte fleischliche Geburt.</p>
<p style="text-align: justify;">Damit wird aber kund und bestätigt Dass ihm niemand kann selbst aus Sünden zur Gerechtigkeit mit Werken helfen so wenig er wehren kann dass er leiblich geboren wird. Das wird auch damit bewiesen dass das göttliche Gesetz das doch billig helfen sollte so etwas helfen sollte zur Gerechtigkeit nicht allein ohne Hilfe gekommen ist sondern hat auch die Sünde gemehrt darum dass die böse Natur ihm desto feindlicher wird und ihre Lust desto lieber büßen will je mehr ihr das Gesetz wehrt. Dass also das Gesetz Christum noch nötiger macht und mehr Gnade fordert die der Natur hilft.</p>
<p style="text-align: justify;">Im VI. nimmt er das sonderliche Werk des Glaubens vor sich den Streit des Geistes mit dem Fleisch vollends zu töten die übrige Sünde und Lüste die nach der Gerechtigkeit übrigblieben. Und lehrt uns Dass wir durch den Glauben nicht also befreit sind von Sünden dass wir müßig faul und sicher sein sollen als wäre keine Sünde mehr da. Es ist Sünde da. Aber sie wird nicht zur Verdammnis gerechnet um Glaubens willen der mit ihr streitet. Darum haben wir mit uns selbst genug zu schaffen unser Leben lang dass wir unsern Leib zähmen seine Lüste töten und seine Gliedmaße zwingen dass sie dem Geist gehorsam sind und nicht den Lüsten. Damit wir dem Tod und Auferstehen Christi gleich sind und unsere Taufe vollbringen (die auch den Tod der Sünden und neu. Leben der Gnade bedeutet) Bis dass wir gar rein von Sünden auch leiblich mit Christus auferstehen und ewiglich leben.</p>
<p style="text-align: justify;">Und das können wir tun spricht er weil wir in der Gnade und nicht in dem Gesetz sind. Welches er selbst auslegt dass ohne Gesetz sein sei nicht so viel gesagt dass man keine Gesetze habe und tun möge was jedermann gelüstet Sondern unter dem Gesetz sein ist wenn wir ohne Gnade mit Gesetzes Werken umgehen Als denn herrscht gewisslich die Sünde durchs Gesetz sintemal niemand dem Gesetz hold ist von Natur Dasselbige ist aber große Sünde. Die Gnade macht uns aber das Gesetz lieblich So ist denn keine Sünde mehr da und das Gesetz nicht mehr wider uns sondern eines mit uns.</p>
<p style="text-align: justify;">Dasselbige aber ist die rechte Freiheit von der Sünde und vom Gesetz von welcher er bis ans Ende dieses Kap. schreibt Dass es sei eine Freiheit nur Gutes zu tun mit Lust und wohl leben ohne Zwang des Gesetzes. Darum ist die Freiheit eine geistliche Freiheit die nicht das Gesetz aufhebt sondern darreicht was vom Gesetz gefordert wird nämlich Lust und Liebe damit das Gesetz gestillt wird und nicht mehr zu treiben und zu fordern hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Gleich als wenn du einem Lehenherrn schuldig wärest und könntest nicht bezahlen. Von dem möchtest du zweierlei Weise loswerden Einmal dass er nichts von dir nähme und sein Register zerreiße. Das andere Mal dass ein frommer Mann für dich bezahlte und gäbe dir damit du seinem Register genugtätest. Auf diese Weise hat uns Christus vom Gesetz freigemacht Darum ist es nicht eine wilde fleischliche Freiheit die nichts tun solle Sondern die viel und allerlei tut und von des Gesetzes Forderung und Schuld ledig ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Im VII. bestätigt er solches mit einem Gleichnis des ehelichen Lebens. Als wenn ein Mann stirbt so ist die Frau auch ledig und ist also eins des andern los und frei. Nicht also dass die Frau nicht möge oder solle einen anderen Mann nehmen Sondern vielmehr dass sie nun aller erst recht frei ist einen andern zu nehmen Das sie vorher nicht konnte tun ehe sie jenes Mannes frei war.</p>
<p style="text-align: justify;">Also ist unser Gewissen verbunden dem Gesetz unter dem sündlichen alten Menschen Wenn der getötet wird durch den Geist so ist das Gewissen frei und eines des andern los. Nicht dass das Gewissen nichts tun soll sondern nun aller erst recht an Christus dem anderen Manne hangen und Frucht bringen des Lebens.</p>
<p style="text-align: justify;">Danach streicht er weiter aus die Art der Sünde und des Gesetzes wie durch das Gesetz die Sünde sich nun recht regt und gewaltig wird. Denn der alte Mensch wird dem Gesetz nur desto mehr Feind weil er nicht bezahlen kann das vom Gesetz gefordert wird. Denn Sünde ist seine Natur und kann von ihm selbst nicht anders darum ist das Gesetz sein Tod und alle seine Marter.</p>
<p style="text-align: justify;">Nicht dass das Gesetz böse sei sondern dass die böse Natur nicht leiden kann das Gute dass es Gutes von ihm fordere. Gleich wie ein Kranker nicht leiden kann dass man von ihn fordere Laufen und Springen und andere Werke eines Gesunden.</p>
<p style="text-align: justify;">Darum schließt S. Paulus hier dass wo das Gesetz recht erkannt und aufs Beste gefasst wird da tut es nicht mehr denn es erinnert uns unserer Sünde und tötet uns durch die selbige und macht uns schuldig des ewigen Zorns. Wie das alles fein sich lehrt und erfährt im Gewissen wenn es mit dem Gesetz recht getroffen wird. Also dass man etwas anders haben muss und mehr denn das Gesetz den Menschen fromm und selig machen. Welche aber das Gesetz nicht recht erkennen die sind blind gehen mit Vermessenheit dahin meinen ihm mit Werken genug zu tun Denn sie wissen nicht wie viel das Gesetz fordert nämlich ein freies williges lustiges Herz. Darum sehen sie Moses nicht recht unter Augen das Tuch ist ihnen davor gelegt und zugedeckt.</p>
<p style="text-align: justify;">Danach zeigt er wie Geist und Fleisch miteinander streiten in einem Menschen. Und setzt sich selbst zu einem Exempel Dass wir lernen das Werk (die Sünde in uns selbst zu töten) recht zu erkennen. Er nennt aber beide, den Geist und das Fleisch ein Gesetz darum dass gleich wie des göttlichen Gesetzes Art ist dass es antreibt und fordert Also treibt und fordert und wütet auch das Fleisch wider den Geist und will seine Lust haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Wiederum treibt und fordert der Geist wider das Fleisch und will seine Lust haben. Dieser Zank währt in uns solange wir leben In einem mehr im andern weniger danach der Geist oder Fleisch stärker wird. Und ist doch der ganze Mensch selbst alles beide Geist und Fleisch, der mit ihm selbst streitet bis er ganz geistlich werde.</p>
<p style="text-align: justify;">Im VIII. tröstet er solche Streiter dass sie solches Fleisch nicht verdammen. Und zeigt weiter an was Fleisches und Geistes Art sei und wie der Geist kommt aus Christus der uns seinen heiligen Geist gegeben hat der uns geistlich macht und das Fleisch dämpft. Und uns versichert dass wir dennoch Gottes Kinder sind wie hart auch die Sünde in uns wütet Solange wir dem Geiste folgen und der Sünde widerstreben sie zu töten. Weil aber nichts so gut ist das Fleisch zu betäuben als Kreuz und Leiden tröstet er uns im Leiden durch Beistand des Geistes der Liebe und aller Kreaturen nämlich dass beide, der Geist in uns seufzt und die Kreatur sich mit uns sehnt dass wir des Fleisches und der Sünde los werden. Also sehen wir dass diese drei Kap. 6.7.8. auf das einige Werke des Glaubens treiben das da heißt den alten Adam töten und das Fleisch zwingen</p>
<p style="text-align: justify;">Im IX. X. und XI. Kap. lehrt er von der ewigen Vorsehung Gottes Daher es ursprünglich fließt wer glauben oder nicht glauben soll von Sünden los oder nicht los werden kann Damit es je gar aus unsern Händen genommen und alleine in Gottes Hand gestellt sei dass wir fromm werden. Und das ist auch aufs allerhöchste Not. Denn wir sind so schwach und ungewiss dass wenn es bei uns stünde würde freilich nicht ein Mensch selig der Teufel würde sie gewisslich alle überwältigen Aber nun Gott gewiss ist dass seine Vorsehung nicht fehlt noch jemand ihm wehren kann haben wir noch Hoffnung wider die Sünde.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber hier ist den Frevlern und hochfahrenden Geistern ein Mal zu stecken die ihren Verstand am ersten hierher führen und oben anheben zuvor den Abgrund göttlicher Versehung zu erforschen und vergeblich damit sich bekümmern ob sie versehen sind. Die müssen sich denn selbst stürzen dass sie entweder verzagen oder sich in die freie Schanz schlagen.</p>
<p style="text-align: justify;">Du aber folge dieser Epistel in ihrer Ordnung Bekümmere dich zuvor mit Christo und dem Evangelio dass du deine Sünde und seine Gnade erkennst. Danach mit der Sünden streitest Wie hier das I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. Kap. gelehrt haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Danach wenn du in das VIII. gekommen bist unter das Kreuz und Leiden das wird dich recht lehren die Vorsehung im IX. X.</p>
<p style="text-align: justify;">XI. Kap. wie tröstlich sie sei. Denn ohne Leiden Kreuz und Todesnöte kann man die Vorsehung nicht ohne Schaden und heimlichen Zorn wider Gott handeln. Darum muss Adam zuvor wohl Tod sein ehe er dieses Ding leidet und den starken Wein trinken. Darum siehe dich vor dass du nicht Wein trinkest wenn du noch ein Säugling bist Eine jegliche Lehre hat ihre Maße Zeit und Alter.</p>
<p style="text-align: justify;">Im XII. lehrt er den rechten Gottesdienst und macht alle Christen zu Pfaffen dass sie opfern sollen Nicht Geld noch Vieh wie im Gesetz sondern ihren eigenen Leib mit Tötung der Lüste. Danach beschreibt er den äußerlichen Wandel der Christen im geistlichen Regiment wie sie lehren predigen regieren dienen geben leiden lieben leben und tun sollen gegen Freund Feind und jedermann. Das sind die Werke die ein Christ tut Denn wie gesagt ist Glaube ist nicht untätig.</p>
<p style="text-align: justify;">Im XIII. lehrt er das weltlich Regiment ehren und gehorsam sein Welches darum eingesetzt ist obwohl es die Leute nicht fromm macht vor Gott so schafft es doch so viel dass die Frommen äußerlich Friede und Schutz haben und die Bösen ohne Furcht oder mit Friede und Ruhe nicht frei Übles tun können.</p>
<p style="text-align: justify;">Darum es zu ehren ist auch den Frommen ob sie wohl sein nicht dürfen. Endlich aber faßt er alles in die Liebe und beschließt es in das Exempel Christi wie der uns getan hat dass wir auch genauso tun und ihm nachfolgen</p>
<p style="text-align: justify;">Im XIV. lehrt er die schwachen Gewissen im Glauben säuberlich führen und sie schonen. Dass man der Christen Freiheit nicht brauche zu Schaden sondern zur Förderung der Schwachen.</p>
<p style="text-align: justify;">Denn wo man das nicht tut da folgt Zwietracht und Verachtung des Evangeliums daran doch alle Not liegt. Dass es besser ist den Schwachgläubigen ein wenig weichen bis sie stärker werden als dass in allen Dingen die Lehre des Evangeliums untergehen sollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Und ist solches Werk ein sonderlich Werk der Liebe das wohl auch jetzt von Nöten ist da man mit Fleisch essen und anderer Freiheit frech und roh ohne alle Not die schwachen Gewissen zerrüttelt ehe sie die Wahrheit erkennen.</p>
<p style="text-align: justify;">Im XV. setzt er Christum zum Exempel dass wir auch die andern Schwachen dulden als die sonst gebrechlich sind in öffentlichen Sünden oder von unlustigen Sitten welche man nicht hinwerfen muss sondern tragen bis sie auch besser werden. Denn also hat Christus mit uns getan und tut noch täglich dass er gar viel Untugend und böser Sitten neben aller Unvollkommenheit an uns trägt und hilft ohne Unterlaß. Danach zum Beschluß bittet er für sie lobt sie und befiehlt sie Gott. Und zeigt sein Amt und Predigt an. Und bittet sie gar säuberlich um Beisteuer an die Armen zu Jerusalem. Und ist eitel Liebe davon er redet und damit er umgehet.</p>
<p style="text-align: justify;">Das letzte Kap. ist ein Grußkapitel. Aber darunter vermischt er gar eine edle Warnung vor Menschenlehren die da neben der evangelischen Lehre einfallen und Ärgernis anrichten. Gerade als hätte er gewisslich ersehen dass aus Rom und durch die Römer kommen sollten die verführerischen ärgerlichen Canones und Decretales und das ganze Geschwür und Gewürm menschlicher Gesetze und Gebote die jetzt alle Welt ersäuft Und diese Epistel und alle heilige Schrift samt dem Geist und Glauben vertilgt haben dass nichts mehr dageblieben ist als der Abgott Bauch dessen Diener sie hier S. Paulus schilt. Gott erlöse uns von ihnen. Amen.</p>
<p style="text-align: justify;">Also finden wir in dieser Epistel aufs allerreichlichste was ein Christ wissen soll nämlich was Gesetz Evangelium Sünde Strafe Gnade Glaube Gerechtigkeit Christus Gott gute Werke Liebe Hoffnung Kreuz sei. Und wie wir uns gegen jedermann er sei fromm oder Sünder stark oder schwach Freund oder Feind und gegen uns selber halten sollen. Dazu das alles mit Schriften trefflich gegründet mit Exempeln seiner selbst und der Propheten bewiesen dass nichts mehr hier zu wünschen ist. Darum scheint es auch als habe S. Paulus in dieser Epistel einmal in aller Kürze verfassen wollen die ganze christliche und evangelische Lehre und einen Eingang bereiten in das ganze Alte Testament. Denn ohne Zweifel wer diese Epistel wohl im Herzen hat der hat des Alten Testaments Licht und Kraft bei sich. Darum lasse sie ein jeglicher Christ ihm gemein und stetig in Übung sein. Da gebe Gott Seine Gnade zu.</p>
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		<title>Bereitung zum Sterben</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 12:16:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Sonstige]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Sermon von der Bereitung zum Sterben
Martin Luther, 1519
Erstens. Weil der Tod ein Abschied ist von dieser Welt und von allen ihren Geschäften, ist es nötig, dass der Mensch sein zeitliches Gut in Ordnung bringe, wie es sich gehört oder er es zu regeln gedenkt, damit nach seinem Tode kein Anlass zu Zank, Hader oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Ein Sermon von der Bereitung zum Sterben<br />
</strong>Martin Luther, 1519</p>
<p style="text-align: justify;">Erstens. Weil der Tod ein Abschied ist von dieser Welt und von allen ihren Geschäften, ist es nötig, dass der Mensch sein zeitliches Gut in Ordnung bringe, wie es sich gehört oder er es zu regeln gedenkt, damit nach seinem Tode kein Anlass zu Zank, Hader oder sonst einem Zweifel unter seinen hinterbliebenen Verwandten zurückbleibt. Das ist ein leiblicher oder äußerlicher Abschied von dieser Welt; hier wird Hab und Gut entlassen und verabschiedet.</p>
<p style="text-align: justify;">Zweitens soll man auch geistlich Abschied nehmen, das heißt man soll freundlich, rein nur um Gottes willen, allen Menschen vergeben, so sehr sie uns auch Leid zugefügt haben mögen. Umgekehrt soll man auch, rein um Gottes willen, von allen Menschen Vergebung begehren; denn zweifellos haben wir vielen von ihnen Leid zugefügt, zum mindesten mit bösen Beispiel oder mit zu wenig Wohltaten, wie wir nach dem Gebot brüderlicher, christlicher Liebe schuldig gewesen wären. Das sollen wir tun, damit die Seele nicht mit irgendwelchen Händeln auf Erden behaftet bleibe.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-115"></span>Drittens. Wenn man so jedermann auf Erden Abschied gegeben hat, dann soll man sich allein auf Gott richten. Denn dorthin wendet sich und führt uns auch der Weg des Sterbens. Und zwar fängt hier die enge Pforte an, der schmale Pfad zum Leben; darauf muss sich jeder fröhlich wagen. Denn er ist wohl sehr enge, aber er ist nicht lang; es geht hier zu, wie wenn ein Kind aus der kleinen Wohnung in seiner Mutter Leib mit Gefahr und Ängsten hineingeboren wird in diesen weiten Raum von Himmel und Erde, das heißt auf diese Welt: ebenso geht der Mensch durch die enge Pforte des Todes aus diesem Leben, und obwohl der Himmel und die Welt, worin wir jetzt leben, für groß und weit angesehen wird, so ist es doch alles gegenüber dem zukünftigen Himmel viel engere und kleiner als es der Mutter Leib gegenüber diesem Himmel ist. Darum heißt der lieben Heiligen Sterben eine neue Geburt, und ihren Festtag nennt man auf Lateinisch „natale“, ihren Geburtstag. Aber der enge Gang des Todes bewirkt, dass uns dieses Leben weit und jenes eng vorkommt. Darum muss man es glauben und an der leiblichen Geburt eines Kindes es lernen. So sagt ja Christus: „Ein Weib, wenn es gebiert, so leidet es Angst; wenn sie aber genesen ist, so denkt sie nimmer an die Angst, weil ein Mensch von ihr in die Welt geboren ist.“ Ebenso muss man sich auch beim Sterben der Angst entschlagen und wissen, dass nachher ein großer Raum und Freude da sein wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Viertens: Ein solches sich Richten und Vorbereiten auf diese Fahrt besteht vor allem darin: man beichte aufrichtig, besonders die hauptsächlichsten Punkte, die sich zur Zeit bei möglichster Bemühung im Gedächtnis finden, und sorge für die heiligen christlichen Sakramente des heiligen wahren Leibes Christi und der Ölung, begehre sie andächtig und empfange sie mit großer Zuversicht, wenn man sie bekommen kann. Ist das aber nicht der Fall, so soll einem nichtsdestoweniger auch schon das Verlangen und Begehren nach ihnen zum Troste gereichen, und man soll nicht zu sehr darüber erschrecken. Christus spricht: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“; dann sind auch die Sakramente nichts anderes als Zeichen, die zum Glauben dienen und reizen, wie wir sehen werden, und ohne diesen Glauben sind sie nichts nütze.</p>
<p style="text-align: justify;">Fünftens soll man jedenfalls mit allem Ernst und Fleiß drauf sehen, dass man die heiligen Sakramente groß achte und die in Ehren halte; man verlasse sich frei und fröhlich darauf und wäge sie gegenüber Sünde, Tode und Hölle so ab, dass sie bei weitem das Übergewicht haben. Auch soll man sich viel mehr mit den Sakramenten und ihren Kräften beschäftigen als mit den Sünden. Wie aber das Ehren recht geschieht und worin diese Kräfte bestehen, das muss man wissen. Das Ehren besteht darin, dass ich glaube, das, was die Sakramente bedeuten, und alles, was Gott darin sagt und anzeigt, wahr ist und mir zuteil wird; man soll also mit Maria, der Gottesmutter, in festem Glauben sprechen: „Mir geschehe nach deinen Worten und Zeichen.“ Denn weil hier durch den Priester Gott redet und Zeichen gibt, könnte man Gott an seinem Wort und Werk keine größere Unehre antun, als indem man daran zweifelt, ob es wahr ist, und keine größere Ehre antun, als indem man glaubt, dass es wahr ist, und sich frei darauf verlässt.</p>
<p style="text-align: justify;">Sechstens. Um die Kräfte der Sakramente zu erkennen, muss man vorher die Schädigungen wissen, gegen die sie kämpfen und wogegen sie uns gegeben sind. Es sind drei: die erste ist das erschreckende Bild des Todes, die zweite das grauenerregende, mannigfaltige Bild der Sünde, die dritte das unerträgliche und unentrinnbare Bild der Hölle und der ewigen Verdammnis. Nun wächst jedes von diesen dreien und wird groß und stark dadurch, dass etwas Zusätzliches hinzukommt.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Tod wird groß und schrecklich, weil die furchtsame, verzagte Natur dieses Bild sich zu tief einprägt, zu sehr sich vor Augen stellt. Dazu steuert nun der Teufel das Seine bei, damit der Mensch in das grässliche Aussehen und Bild des Todes sich vertiefe und dadurch bedrückt, weich und zaghaft werde. Da wird einem nämlich der Teufel wohl alle die schrecklichen, jähen, bösen Todesfälle vorhalten, die ein Mensch je gesehen, gehört oder gelesen hat; daneben wird er mit hineinflechten, wie der Zorn Gottes einst da und dort die Sünder heimgesucht und verderbt hat. So will er die ängstliche Natur dahin treiben, dass sie den Tod fürchte und das Leben liebe und darum sorge; dadurch soll der Mensch, mit solchen Gedanken zu viel belastet, Gott vergessen, den Tod fliehen und hassen und so am letzten Ende Gott ungehorsam sich zeigen und bleiben. Denn je tiefer der Tod betrachtet, angesehen und erkannt wird, desto schwerer und bedenklicher ist das Sterben. Im Leben sollte man sich mit dem Gedanken an den Tod beschäftigen und ihn vor uns treten heißen, solange er noch ferne ist und uns noch nicht bedrängt; im Sterben dagegen, wenn er schon von selbst nur allzu stark da ist, ist es gefährlich und nichts nütze. Da muss man sich sein Bild aus dem Sinne schlagen und es nicht sehen wollen, wie wir hören werden. So hat der Tod seine Kraft und Stärke in der Furchtsamkeit unserer Natur und darin, dass man zur Unzeit ihn zuviel ansieht oder betrachtet.</p>
<p style="text-align: justify;">Siebtens. Die Sünde wächst und vergrößert sich ebenfalls dadurch, dass man sie zu viel ansieht und ihr zu tief nachdenkt; dazu trägt die Furchtsamkeit unseres Gewissens bei, das sich selbst vor Gott schämt und sich schreckliche Vorwürfe macht. Damit hat dann der Teufel ein Schwitzbad gefunden, wie er es gesucht hat: da bedrängt er einen; da macht er die Sünden so viel und groß; da wird er einem alle die vor Augen führen, die gesündigt haben und wie viele mit weniger Sünden doch verdammt worden sind. So muss der Mensch abermals verzagen oder widerwillig werden zum Sterben, und muss somit Gott vergessen und sich bleibend ungehorsam zeigen bis in den Tod. Das ist vor allem die Folge davon, dass der Mensch meint, er müsse jetzt die Sünde betrachten und tue wohl recht und nützlich daran, dass er damit umgeht; da findet er sich dann so sehr unvorbereitet und untüchtig, dass auch alle seine guten Werke zu Sünden geworden sind. Daraus muss dann ein widerwilliges Sterben folgen, Ungehorsam gegen Gottes Willen und ewige Verdammnis. Denn zum Betrachten der Sünde ist da kein Recht und keine Zeit; das soll man zu Lebzeiten tun. So verkehrt uns der böse Geist alle Dinge: im Leben, wo wir des Todes, der Sünde und der Hölle Bild stetig vor Augen haben sollten (wie Psalm 51, 5 steht: „Meine Sünden sind mir allzeit vor Augen“), da tut er uns die Augen zu und verbirgt uns jene Bilder; im Sterben, wo wir nur das Leben, Gnade und Seligkeit vor Augen haben sollten, tut er uns dann erst die Augen dafür auf und ängstigt uns mit den zur Unzeit kommenden Bildern, damit wird die rechten Bilder nicht sehen sollen.</p>
<p style="text-align: justify;">Achtens. Die Hölle wird groß und wächst gleichfalls dadurch, dass man sie zu viel ansieht und zur Unzeit streng bedenkt. Dazu trägt außerordentlich viel bei, dass man Gottes Urteil nicht weiß und dass der böse Geist die Seele dahin treibt, dass sie sich mit überflüssigem, unnützem Vorwitz, ja mit dem allergefährlichsten Unterfangen belastet; sie soll das Geheimnis des göttlichen Ratschlusses erforschen, ob sie zu den Erwählten gehöre oder nicht. Hier betätigt der Teufel sein letztes, größtes, listigstes Können und Vermögen. Denn damit führt er den Menschen, wenn er sich nicht in acht nimmt, über Gott hinaus, dass er Zeichen für den göttlichen Willen sucht und es nicht ertragen will, dass er nicht wissen soll, ob er zu den Erwählten gehört; er macht ihm seinen Gott verdächtig, dass er sich beinahe nach einem andern Gott sehnt; kurzum, hier beabsichtigt er, die Liebe zu Gott mit einem Sturmwind auszulöschen und Hass gegen Gott zu erwecken. Je mehr der Mensch dem Teufel folgt und solche Gedanken duldet, desto gefährdeter steht er da und kann zuletzt nicht mehr durchhalten; er fällt in Hass und Lästerung gegen Gott. Denn wenn ich es wissen will, ob ich erwählt bin, was ist das anders, als dass ich alles wissen will, was Gott weiß, und dass ich ihm gleich sein will? Er soll nichts weiter wissen als ich, und Gott soll somit nicht mehr Gott sein, wenn er nichts über mich hinaus wissen darf. Da hält einem der Teufel vor, wie viel Heiden, Juden und Christenkinder verloren gehen und treibt es mit solchen gefährlichen und vergeblichen Gedanken so weit, dass der Mensch, auch wenn er sonst gerne stürbe, doch in diesem Stück einen Widerwillen fasst. Das heißt mit der Hölle angefochten werden, wenn der Mensch mit dem Gedanken an seine Vorherbestimmung angefochten wird; darüber herrscht im Psalter gar viel Klagen. Wer hier gewinnt, der hat die Hölle, die Sünde und den Tod auf einmal überwunden.</p>
<p style="text-align: justify;">Neuntens. Nun muss man in diesem Streit allen Fleiß darauf verwenden, dass man keines dieser drei Bilder in s Haus lade und den Teufel nicht über die Türe male. Sie werden schon von selbst nur allzu stark eindringen und das Herz mit ihrem Anblick, ihrem Disputieren und Beweisen ganz und gar innehaben wollen. Wenn das geschieht, so ist der Mensch verloren und Gott ganz vergessen; denn in diese Zeit [wo es sich um Bereitung zum Sterben handelt] gehören diese Bilder in gar keiner andern Weise herein, als um mit ihnen zu kämpfen und sie auszutreiben. Ja, wenn sie allein da sind, ohne dass man durch sie hindurch auf andere Bilder sieht, so gehören sie nirgends anders hin als in die Hölle unter die Teufel.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer nun erfolgreich mit ihnen kämpfen und sie austreiben will, dem wird es nicht genügen, sich mit ihnen hin- und herzuzerren und herumzuschlagen oder zu ringen; denn sie werden ihm zu stark sein, und es wird schlimmer und schlimmer werden. Der Kunstgriff ist, sie ganz und gar fallen zu lassen und nichts mit ihnen zu tun zu haben. Wie geht das aber vor sich? Es geht so vor sich: Du musst den Tod in Verbindung mit dem Leben, die Sünde in Verbindung mit der Gnade, die Hölle in Verbindung mit dem Himmel ansehen und darfst dich von dieser Art des Ansehens oder Blickes nicht wegtreiben lassen, auch wenn alle Engel, alle Kreaturen, ja sogar (wie es dir vielleicht vorkommt) Gott selbst dir es anders nahe legen wollen (was sie doch nicht tun; vielmehr verursacht der böse Geist einen solchen Anschein). Wie soll das angreifen?</p>
<p style="text-align: justify;">Zehntens. Du darfst den Tod nicht an und für sich ansehen oder betrachten, auch nicht in dir oder deiner Natur, auch nicht in denen, die durch Gottes Zorn getötet worden sind und die der Tod überwunden hat. Sonst bist du verloren und wirst mit ihnen überwunden. Vielmehr musst du deine Augen, deines Herzens Gedanken und alle deine Sinne gewaltsam von seinem Bild abkehren und den Tod stark und emsig nur in denen ansehen, die in Gottes Gnade gestorben sind und den Tod überwunden haben, vor allem in Christus, sodann in allen seinen Heiligen. Sieh, an diesen Bildern wird dir der Tod nicht zum Schrecken oder Grauen, vielmehr verachtet und getötet und durch das Leben erwürgt und überwunden. Denn Christus ist nichts als lauter Leben und seine Heiligen auch. Je tiefer und fester du dir dieses Bild einprägst und ansiehst, desto mehr fällt des Todes Bild dahin und verschwindet von selbst, ohne alles Hin- und Herzerren und Streiten; und so hat dein Herz Frieden und kann mit Christus und in Christus gelassen sterben, wie es Offenbarung 14, 13 steht: „Selig sind, die in dem Herrn Christus sterben.“ Darauf ist 4. Mose 21, 9 hingewiesen: Als die Kinder Israel von den feurigen Schlangen gebissen waren, durften sie sich nicht mit diesen Schlangen hin- und herzerren, sondern mussten die tote, eherne Schlange ansehen; da fielen die lebendigen von selbst ab und gingen zugrunde. Ebenso darfst du dich auch nur um den Tod Christi kümmern; dann wirst du das Leben finden. Wenn du aber den Tod anderswo ansiehst, tötet er dich durch große Unruhe und Pein. Darum sagt Christus: „In der Welt werdet ihr Unruhe haben, in mir aber den Frieden.“</p>
<p style="text-align: justify;">Elftens. Ebenso darfst du die Sünde nicht ansehen in den Sündern und auch nicht in deinem Gewissen; auch nicht in denen, die endgültig in den Sünden geblieben und verdammt worden sind; sonst kommst du gewiss ins Hintertreffen und wirst überwunden. Vielmehr musst du deine Gedanken davon abkehren und die Sünde nur noch im Bilde der Gnade ansehen; du musst dieses Bild mit aller Kraft dir einprägen und vor Augen haben. Das Bild der Gnade ist nichts anderes als Christus am Kreuz, und alle seine lieben Heiligen. Wie ist das zu verstehen? Das ist Gnade und Barmherzigkeit, dass Christus am Kreuze deine Sünden von dir nimmt, sie für dich trägt und sie erwürgt. Und das fest glauben und vor Augen haben und nicht daran zweifeln: das heißt das Gnadenbild ansehen und sich einprägen. Ebenso tragen auch alle Heiligen in ihrem Leiden und Sterben deine Sünde auf sich und leiden und mühen sich für dich, wie geschrieben steht: „Einer trage des andern Last, so erfüllet ihr Christi Gebot.“ Ebenso spricht er selbst: „Kommet her zu mir alle, die ihr beladen seid und euch mühet, ich will euch helfen.“ Sieh, so kannst du deine Sünden ohne Gefahr außerhalb deines Gewissens ansehen; sieh, da sind Sünden nicht mehr Sünden; da sind sie überwunden und in Christus verschlungen. Das entspricht sich: er nimmt deinen Tod auf sich und erwürgt ihn, dass er dir nicht schaden kann, wenn anders du glaubst, dass er dir das tut, und deinen Tod in ihm, nicht an dir ansiehst; ebenso nimmt er auch deine Sünden auf sich und überwindet sie für dich aus lauter Gnade in seiner Gerechtigkeit. Wenn du das glaubst, so tun sie dir keinen Schaden mehr. So ist Christus, des Lebens und der Gnade Bild, unser Trost gegenüber dem Bild des Todes und der Sünde. Das sagt Paulus: „Gott sei Lob und Dank, dass er uns in Christus Überwindung der Sünde und des Todes gegeben hat.“</p>
<p style="text-align: justify;">Zwölftens darfst du die Hölle und die Ewigkeit der Pein samt der Frage deiner Vorherbestimmung nicht in denen, die verdammt sind, ansehen; du darfst dir auch keine Sorge machen um so viele Menschen in der ganzen Welt, die nicht [zur Seligkeit] vorherbestimmt sind. Denn siehst du dich nicht vor, so wird dich dieses Bild schnell stürzen und zu Boden stoßen. Darum musst du hier Gewalt anwenden und die Augen fest zuhalten vor diesem Anblick. Denn er ist gar nichts nütze, auch wenn du tausend Jahre lang damit umgingest, und auf einmal bringt er dich ins Verderben. Du musst doch Gott darin Gott sein lassen, dass er mehr von dir weiß als du selbst. Darum sieht das himmlische Bild, Christus, an: er ist um deinetwillen in die Hölle gefahren und ist von Gott verlassen gewesen, als wäre er einer, der ewig verdammt ist, als er am Kreuze sprach: „Eli, eli, lama asabthani“ „O mein Gott, o mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Sieh, in diesem Bild ist deine Hölle überwunden und deine ungewisse Erwählung ist gewiss gemacht; denn wenn du dich nur darum kümmerst und das als für dich geschehen glaubst, so wirst du in diesem Glauben gewiss errettet. Drum lass dir´s nur nicht aus den Augen nehmen und suche dich nur in Christus und nicht in dir, so wirst du dich ewig in ihm finden. In solcher Weise musst du Christus und alle seine Heiligen ansehen und dir die Gnade Gottes, der sie so erwählt hat, wohlgefallen lassen und nur fest in diesem Wohlgefallen bleiben: dann bist du auch schon erwählt. Sagt er doch 1. Mose 12, 3: „Alle, die dich segnen, sollen gesegnet sein.“ Bleibst du aber nicht hieran allein haften, sondern fällst auf dich zurück, so wird eine Unlust gegen Gott und seine Heiligen in dir erwachen, und du wirst so in dir nichts Gutes finden. Davor hüte dich; denn dahin wird dich der böse Geist mit viel Listen treiben.</p>
<p style="text-align: justify;">Dreizehntens. Auf diese drei Bilder oder Kampfweisen deutet Richter 7 hin. Da griff Gideon die Midianiter in der Nacht mit dreihundert Mann an drei Stellen an; er tat jedoch nicht mehr, als dass er Trompeten blasen und Tonkrüge mit Fackeln drin zusammenschlagen ließ, so dass die Feinde flohen und sich selbst erwürgten. Ebenso flieht Tod, Sünde und Hölle mit allen ihren Kräften, wenn wir nur Christi und seiner Heiligen leuchtende Bilder in der Nacht uns einüben und uns dazu mit Gottes Wort wie mit Trompeten aufmuntern und stärken. So wendet Jesaja eben dieses bildhafte Geschehen sehr fein gegen dieselben drei Bilder an, indem er von Christus spricht: „Die Last seiner Bürde, die Rute auf seinem Rücken, den Stecken seines Treibers hast du überwunden wie zu den Zeiten der Midianiter, die Gideon überwand.“ Das ist, als wollte er sagen: „Deines Volkes Sünde (das ist ja eine schwere „Last seiner Bürde“ in seinem Gewissen) und den Tod (der ist eine „Rute“ oder Strafe, die „seinen Rücken“ schlägt) und die Hölle (die ist ein „Stecken“ und Gewaltmittel des „Treibers“, womit ewige Bezahlung für die Sünde gefordert wird) &#8211; das hast du alles überwunden, wie es damals geschehen ist zu den Zeiten Midians, das heißt durch den Glauben, mit dem Gideon die Feinde ohne einen Schwertstreich verjagte.“</p>
<p style="text-align: justify;">Wann hat er das getan? Am Kreuze. Denn dort hat er sich selbst zu einem dreifachen Bild für uns bereitet; das sollen wir unserem Glauben gegen die drei Bilder vorhalten, mit denen der böse Geist und unsre Natur uns anficht, um uns aus dem Glauben zu reißen. Er ist das lebendige und unsterbliche Bild wider den Tod; denn er hat ihn erlitten und hat ihn doch durch seine Auferstehung von den Toten in seinem Leben überwunden. Er ist das Bild der Gnade Gottes wieder die Sünde; denn er hat sie auf sich genommen und durch seinen unüberwindlichen Gehorsam überwunden. Er ist das Bild des Himmels; denn indem er wie ein Verdammter von Gott verlassen war und durch seine allermächtigste Liebe die Hölle überwunden hat, bezeugt er, dass er der liebste Sohn ist, und dass uns allen dasselbe zu eigen gegeben ist, wenn wir so glauben.</p>
<p style="text-align: justify;">Vierzehntens. Zu allem Überfluss hat er nicht nur an sich selbst die Sünde, den Tod und die Hölle überwunden und uns das zum Glauben vorgehalten, sondern zu noch größerem Trost hat er auch selber die Anfechtung erlitten und überwunden, die wir an diesen Bildern haben. Er ist ebenso sehr mit dem Bild des Todes, der Sünde und der Hölle angefochten worden als wir. Des Todes Bild hielten sie ihm vor, als die Juden sagten: „Er steige nun herab vom Kreuz! Andre hat er gesund gemacht; er helfe nun sich selbst!“ Das war, als sagten sie: „Da, da, siehst du den Tod? Du musst sterben; da hilft nichts dagegen“; in solcher Weise rückt der Teufel des Todes Bild vor einen sterbenden Menschen hin und erschüttert die furchtsame Natur mit dem erschreckenden Bild.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Sünde Bild hielten sie ihm vor: „Er hat andere gesund gemacht; ist er Gottes Sohn, so steige er herab.“ Das war, als sagten sie: „Seine Werke sind falsch und lauter Betrügerei gewesen; er ist des Teufels Sohn und nicht Gottes Sohn; er ist sein mit Leib und Seele. Er hat nie etwas Gutes getan, nur lauter Böses.“</p>
<p style="text-align: justify;">Der Hölle Bild ließen sie auf ihn los, als sie sagten: „Er vertraut Gott; lasst sehen, ob er ihn erlöst; er sagt ja, er sei Gottes Sohn.“ Das war, als sagten sie: „Er gehört in die Hölle; Gott hat ihn nicht zur Seligkeit bestimmt; er ist ewig verworfen. Hier hilft kein Vertrauen noch Hoffen; es ist alles umsonst.“</p>
<p style="text-align: justify;">Und wie die Juden diese drei Bilder untereinander ohne Ordnung auf Christus losließen, ebenso wird der Mensch von ihnen zugleich auf einmal ohne Ordnung bestürmt, damit er in Verwirrung gerate und nur recht bald verzweifle. In diesem Sinn beschreibt der Herr die Zerstörung Jerusalems: Ihre Feinde umgeben sie mit einem Wall, damit sie nicht herauskommen können; das ist der Tod. Sie ängstigen und bedrängen sie an allen Enden, so dass sie nirgends bleiben können; das sind die Sünden. Sie machen sie drittens dem Erdboden gleich und lassen keinen Stein auf dem andern; das ist die Hölle und die Verzweiflung.</p>
<p style="text-align: justify;">Nun sehen wir, dass Christus zu all diesen Worten und erschreckenden Bildern stillschweigt; er kämpft nicht mit ihnen; er tut, als höre oder sehe er sie nicht, und gibt auf nichts Antwort. Vielmehr hat er allein auf den liebsten Willen seines Vaters acht, so ganz und gar, dass er seinen Tod, seine Sünde, seine Hölle, die auf ihn losgelassen wurden, vergisst und für sie bittet, für ihren Tod, ihre Sünde und Hölle.</p>
<p style="text-align: justify;">Ebenso sollen auch wir diese Bilder über uns herfallen und von uns abfallen lassen, wie sie wollen oder können, und nur darauf bedacht sein, dass wir am Willen Gottes haben, das heißt dass wir an Christus haften und fest glauben, unser Tod, unsre Sünde und Hölle sei für uns in ihm überwunden und könne uns nicht schaden. So soll allein das Bild Christi in uns sein und wir sollen nur mit ihm uns besprechen und verhandeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Fünfzehntens. Nun kommen wir zurück auf die heiligen Sakramente und ihre Kräfte, damit wir lernen, wozu sie gut und wofür sie zu brauchen sind. Wem nun die Gnade und die Zeit verliehen ist, dass er Beichte und Absolution, Kommunion und letzte Ölung empfängt, der hat wohl großen Anlass, Gott zu lieben, zu loben und zu danken und dann fröhlich zu sterben, wenn anders er sich getrost auf die Sakramente verlässt und an sie glaubt, wie oben gesagt wurde. Denn in den Sakramenten handelt, redet, wirkt durch den Priester dein Gott, Christus selbst, mit dir; da geschehen nicht Menschenwerke oder -worte, da verspricht dir Gott selbst alle Dinge, die soeben von Christus gesagt wurden. Er will, dass die Sakramente ein Wahrzeichen und eine Urkunde dafür sind: Christi Leben soll deinen Tod, sein Gehorsam soll deine Sünde, seine Liebe deine Hölle auf sich genommen und überwunden haben. Dazu wirst du durch diese Sakramente mit allen Heiligen einem Leibe eingefügt und vereinigt und kommst in die rechte Gemeinschaft der Heiligen, so dass sie mit dir in Christus sterben, die Sünde tragen und die Hölle überwinden. Daraus folgt, dass die Sakramente ein ganz großer Trost sind und gleichsam ein sichtbares Zeichen der Gesinnung Gottes. Daran soll man sich mit einem festen Glauben halten als an einen guten Stab, wie der Patriarch Jakob mit einem solchen durch den Jordan ging, oder als an eine Laterne, nach der man sich richten und auf die man mit allem Fleiß ein Auge haben soll auf dem finstern Weg des Todes, der Sünde und der Hölle, wie der Prophet sagt: „Dein Wort, Herr, ist ein Licht für meine Füße“, und S. Petrus: „Wir haben ein gewisses Wort Gottes, und ihr tut wohl daran, wenn ihr darauf achtet [als auf ein Licht].“ Es kann sonst nichts helfen in Todesnot, und nur mit diesem Zeichen werden alle gerettet, die gerettet werden. Es weist hin auf Christus und sein Bild, damit du gegen des Todes, der Sünde und der Hölle Bild sagen kannst: „Gott hat mir seine Zusage gemacht und ein gewisses Zeichen für seine Gnade in den Sakramenten gegeben: Christi Leben soll meinen Tod in seinem Tod überwunden haben, sein Gehorsam soll meine Sünden in seinem Leiden vertilgt, seine Liebe meine Hölle in seiner Verlassenheit zerstört haben. Dieses Zeichen (die Zusage, dass ich selig werde) wird mich nicht belügen noch betrügen. Gott hat es gesagt; Gott kann nicht lügen, weder mit Worten noch mit Werken.“ Wer so darauf pocht und sich auf die Sakramente stützt, dessen Erwählung und Vorherbestimmung zur Seligkeit wird sich von selbst ohne Sorge und Bemühung wohl finden.</p>
<p style="text-align: justify;">Sechzehntens. Hier kommt es nun am allermeisten darauf an, dass man die heiligen Sakramente, in welchen lauter Gottesworte, Gotteszusagen, Gotteszeichen geschehen, hoch achte, in Ehren halte, sich darauf verlasse. Das heißt: man darf weder an den Sakramenten noch an den Dingen, für die sie gewisse Zeichen sind, zweifeln. Wenn nämlich daran gezweifelt wird, so ist alles verloren. Denn wie wir glauben, so wird uns geschehen, wie Christus sagt. Was hülfe es, dass du dir vorstellst und glaubst, der Tod, die Sünde, die Hölle der andern sei in Christus überwunden? Wenn du nicht auch glaubst, dass dein Tod, deine Sünde, deine Hölle für dich dort überwunden und vertilgt ist und du somit erlöst bist, so wäre das Sakrament ganz umsonst, weil du die Dinge nicht glaubst, die dir dort gezeigt, gegeben und versprochen werden. Das ist aber die schrecklichste Sünde, die geschehen kann; denn durch sie wird Gott selber in seinem Wort, Zeichen und Werk für einen Lügner gehalten, als wäre er einer, der etwas redet, zeigt und zusagt, was er nicht meint und nicht halten will. Deshalb ist mit den Sakramenten nicht zu scherzen; es muss der Glaube da sein, der sich darauf verlässt und es fröhlich auf dieses Zeichen und Versprechen Gottes hin wagt. Was wäre das für ein Seligmacher oder Gott, der uns nicht vom Tode, von der Sünde, von der Hölle selig machen könnte oder wollte! Es muss etwas Grosses sein, was der rechte Gott zusagt und wirkt.</p>
<p style="text-align: justify;">Nun kommt dann der Teufel und flüstert dir ein: „Ja wie, wenn ich dann die Sakramente unwürdig empfangen und mich durch meine Unwürdigkeit dieser Gnade beraubt hätte?“ Hier mache das Kreuz davor, lass dich Würdigkeit oder Unwürdigkeit nichts anfechten. Schau nur zu, dass du glaubst, es seien gewisse Zeichen, wahre Worte Gottes; dann bist du und bleibst du wohl würdig. Glaube macht würdig, Zweifel macht unwürdig. Darum will der böse Geist dir eine andere Würdigkeit und Unwürdigkeit vorspiegeln, um bei dir einen Zweifel hervorzurufen und dadurch die Sakramente mit ihren Wirkungen zunichte und Gott in seinen Worten zu einem Lügner zu machen.</p>
<p style="text-align: justify;">Gott gibt dir um deiner Würdigkeit willen nichts. Er baut auch sein Wort und Sakrament nicht auf deine Würdigkeit, sondern aus lauter Gnade baut er dich Unwürdigen auf sein Wort und Zeichen. Daran halte nur fest und sprich: „Der mir sein Zeichen und Wort darauf gibt und gegeben hat, dass Christi Leben, Gnade und Himmel meinen Tod, meine Sünde und Hölle für mich unschädlich gemacht habe, der ist Gott; der wird mir das Versprochene wohl halten. Hat mich der Priester absolviert, so verlasse ich mich darauf als auf Gottes Wort selbst. Sind es denn Gottes Worte, so wird es wahr sein; darauf bleibt ich, darauf sterbe ich.“ Denn du sollst auf des Priesters Absolution ebenso fest vertrauen, als wenn dir Gott einen besonderen Engel oder Apostel sendete, ja als ob dich Christus selbst absolvieren würde.</p>
<p style="text-align: justify;">Siebzehntens. Sieh, einen solchen Vorzug hat der, der die Sakramente bekommt: er bekommt ein Zeichen und eine Zusage Gottes, woran er seinen Glauben üben und stärken kann, dass er zu Christi Bild und Gütern berufen sei. Die anderen dagegen müssen sich ohne solche Zeichen allein mit dem Glauben mühen und sie nur mit dem Begehren ihres Herzens bekommen; doch werden auch sie gerettet, wenn sie in diesem Glauben feststehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ebenso sollst du auch vom Altarsakrament sagen: „Der Priester hat mir den heiligen Leib Christi gegeben; das ist ein Zeichen und eine Zusage der Gemeinschaft mit allen Engeln und Heiligen, dass sie mich lieb haben, für mich sorgen, bitten und mit mir leiden, sterben, die Sünde tragen und die Hölle überwinden; dann wird und muss es auch so sein. Das göttliche Zeichen betrügt mich nicht, und ich lasse mir´s nicht nehmen. Ich wollte eher alle Welt und mich selber verleugnen, ehe ich dran zweifelte, dass mein Gott mir in diesem seinem Zeichen und Versprechen gewiss und wahrhaftig ist. Mag ich seiner würdig sein oder nicht, &#8211; jedenfalls bin ich ein Glied der Christenheit nach dem Wortlaut und dem Zeichen dieses Sakraments. Es ist besser, ich bin unwürdig, als dass Gott nicht für wahrhaftig gehalten wird. Hebe dich weg, Teufel, wenn du mir etwas anderes sagst.“</p>
<p style="text-align: justify;">Nun sieh, man findet viele Leute, die wollten gerne dessen gewiss sein oder ein Zeichen vom Himmel dafür haben, wie sie mit Gott dran sind, und wollten gerne ihre Vorherbestimmung zur Seligkeit wissen. Aber wenn sie schon ein solches Zeichen bekämen, und sie doch nicht glaubten, &#8211; was hülfe es sie? Was hülfen alle Zeichen ohne Glauben? Was halfen den Juden die Zeichen Christi und der Apostel? Was helfen noch heute die hochwürdigen Zeichen der Sakramente und Worte Gottes? Warum halten sie sich nicht an die Sakramente, welches gewisse und eingesetzte Zeichen sind? Von allen Heiligen sind sie erprobt und versucht und bei allen denen als zuverlässig befunden worden, die geglaubt und alles das bekommen haben, was sie anzeigen. In dieser Weise sollten wir die Sakramente erkennen lernen: was sie sind, wozu sie dienen und wie man sie gebrauchen soll; dann finden wir, dass es nichts Größeres auf Erden gibt, was betrübte Herzen und böse Gewissen freundlicher trösten kann. Denn in den Sakramenten sind Worte Gottes enthalten; die dienen dazu, uns Christus mit allem seinem Gut (das er selber ist) zu zeigen und zuzusagen wider den Tod, die Sünde und die Hölle. Nun kann man nichts Freundlicheres, Begehrenswerteres hören als von der Vertilgung des Todes, der Sünde und der Hölle; das aber geschieht durch Christus in uns, wenn wir das Sakrament recht gebrauchen. Dieser rechte Gebrauch besteht in nichts anderem als in dem Glauben, dass es so ist, wie die Sakramente es durch Gottes Wort zusagen und geloben. Darum ist es nötig, dass man nicht allein die drei Bilder in Christus ansehe und die Gegenbilder damit austreibe und fallen lasse, sondern dass man ein gewisses Zeichen habe, das uns versichert, es sei uns so gegeben: das sind die Sakramente.</p>
<p style="text-align: justify;">Achtzehntens soll kein Christenmensch an seinem Ende daran zweifeln, dass er nicht allein ist in seinem Sterben, sondern er soll dessen gewiss sein, dass, wie das Sakrament es anzeigt, gar viele Augen auf ihn sehen. Erstens die Augen Gottes selber und Christi, weil er seinem Wort glaubt und seinem Sakrament anhängt; sodann die lieben Engel, die Heiligen und alle Christen. Denn daran ist, wie das Altarsakrament ausweist, kein Zweifel, dass diese allesamt herzueilen, ihm den Tod, die Sünde, die Hölle überwinden helfen und alle mit ihm tragen. Da ist das Werk der Liebe und Gemeinschaft der Heiligen ernsthaft und gewaltig im Gange, und ein Christenmensch soll es sich auch vor Augen stellen, und keinen Zweifel daran haben. Daraus wird er dann beherzt werden zum Sterben. Denn wer daran zweifelt, der glaubt wieder nicht an das hochwürdige Sakrament des Leibes Christi, in dem doch Gemeinschaft, Hilfe, Liebe, Trost und Beistand aller Heiligen in allen Nöten gezeigt, zugesagt und gelobt wird. Denn wenn du an die Zeichen und Worte Gottes glaubst, so hat Gott ein Auge auf dich, wie er Psalm 32, 8 sagt: „Ich will meine Augen stetig auf dich richten, dass du nicht untergehest.“ Wenn aber Gott auf dich sieht, so sehen ihm nach alle Engel, alle heiligen, alle Kreaturen, und wenn du in diesem Glauben bleibst, so halten sie alle die Hände unter. Geht deine Seele von dir, so sind sie da und nehmen sie in Empfang; du kannst nicht untergehen. Das ist bezeugt bei Elisa, der zu seinem Knecht sprach: „Fürchte dich nicht; es sind mehr mit uns als mit ihnen.“ Und doch hatten die Feinde sie umringt, und sie sahen sonst niemand. Aber Gott tat dem Knechte die Augen auf; da war um sie ein großer Haufe von feurigen Pferden und Wagen. Ebenso ist es auch gewiss um jeden herum, der Gott glaubt. Hierher gehören dann die Sprüche Psalm 34, 8: „Der Engel Gottes wird sich niederlassen rings um die, die Gott fürchten, und wird sie erlösen.“ Psalm 125, 1 „Welche Gott vertrauen, die werden unbeweglich sein wie der Berg Zion; der wird ewiglich bleiben. hohe Berge (das heißt Engel) sind in seinem Umkreis, und Gott selber umringt sein Volk von nun an bis in Ewigkeit.“ Psalm 91, 11f: „Er hat dich seinen Engeln anbefohlen; auf den Händen sollen sie dich tragen und dich bewahren, wo du auch hingehst, dass du deinen Fuß nicht an irgendeinen Stein stößest. Auf der Schlange und dem Basilisken sollst du gehen und auf den Löwen und Drachen sollst du treten (das heißt alle Stärke und List des Teufels werden dir nichts tun); denn er hat auf mich vertraut. Ich will ihn erlösen, ich will bei ihm sein in allen seinen Anfechtungen, ich will ihm heraushelfen und ihn zu Ehren bringen, ich will ihn erfüllen mit Ewigkeit, ich will ihm offenbaren meine ewige Gnade.“ Ebenso sagt auch der Apostel, dass die Engel, deren es unzählig viele gibt, allzumal dienstbar sind und ausgeschickt werden um derer willen, die da selig werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Dies sind alles große Dinge. Wer kann es glauben? Darum soll man wissen, dass es Gottes Werke sind. Die sind größer als jemand denken kann, und doch wirkt er sie in einem so kleinen Zeichen, in den Sakramenten, um uns zu lehren, was für ein großes Ding es um einen rechten Glauben an Gott ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Neunzehntens sollte sich aber niemand anmaßen, diese Dinge aus seinen eigenen Kräften fertig zu bringen, sondern man soll Gott demütig bitten, dass er solchen Glauben und solches Verständnis seiner heiligen Sakramente in uns schaffe und erhalte, damit es so mit Furcht und Demut zugehe und wir nicht uns dieses Werk zuschreiben, sondern Gott die Ehre lassen. Dazu soll der Mensch alle heiligen Engel, besonders seinen Schutzengel, die Mutter Gottes, alle Apostel und lieben Heiligen anrufen, besonders diejenigen, zu welchem ihm Gott besondere Andacht gegeben hat. Er soll aber so bitten, dass er nicht zweifle, sein Gebet werde erhört. Dafür hat er zwei Gründe. Erstens hat er soeben aus der Schrift gehört, wie Gott ihnen befohlen hat und wie es das Sakrament mit sich bringt, dass sie alle, die glauben, lieben und ihnen helfen müssen. Das soll man ihnen vorhalten und vorrücken; nicht als ob sie es nicht wüssten oder sonst nicht täten, sondern damit der Glaube und das Zutrauen zu ihnen und durch sie zu Gott desto stärker und fröhlicher werde, um so dem Tod unter die Augen zu gehen. Zweitens hat Gott geboten, wenn wir beten wollen, sollen wir gewiss fest glauben, dass das geschehe, was wir bitten, und es solle ein wahrhaftiges „Amen“ geben. Dieses Gebot muss man Gott gleichfalls vorrücken und sagen: „Mein Gott, du hast geboten, zu bitten und zu glauben, die Bitte werde erhört. Daraufhin bitte ich und verlasse mich darauf, du werdest mich nicht verlassen und mir einen rechten Glauben geben.“</p>
<p style="text-align: justify;">Dazu sollte man das ganze Leben lang Gott und seine Heiligen um einen rechten Glauben für die letzte Stunde bitten, wie das ja sehr fein am Pfingsttag gesungen wird: „Nun bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist, wenn wir heimfahren aus diesem Elende.“ Und wenn die Stunde des Sterbens gekommen ist, soll man Gott außer an sein Gebot und seine Zusage an dieses Gebet erinnern, ohne irgend daran zu zweifeln, dass es erhört sei. Denn wenn er geboten hat, zu bitten und beim Beten Vertrauen zu haben, und wenn er außerdem Gnade zum Bitten gegeben hat: was sollte man daran zweifeln, dass er das alles darum getan hat, weil er es erhören und erfüllen will?</p>
<p style="text-align: justify;">Zwanzigstens. Nun sieh, was soll dir dein Gott mehr tun, damit du den Tod willig annimmst, nicht fürchtest und überwindest? Er zeigt und gibt dir in Christus das Bild des Lebens, der Gnade und der Seligkeit, damit du dich nicht vor dem Bild des Todes, der Sünde und der Hölle entsetzest. Er legt weiter deinen Tod, deine Sünde und der Hölle auf seinen liebsten Sohn, überwindet sie für dich und macht sie unschädlich für dich. Er lässt obendrein deine Anfechtung durch den Tod, die Sünde und die Hölle auch über seinen Sohn gehen und lehrt dich, dich darin aufrechtzuerhalten und macht sie unschädlich und auch erträglich. Er gibt dir für das alles ein zuverlässiges Wahrzeichen, damit du ja nicht daran zweifelst: nämlich die heiligen Sakramente. Er befiehlt seinen Engeln, allen Heiligen und allen Kreaturen, dass sie mit ihm zusammen auf dich sehen, auf deine Seele Acht geben und sie in Empfang nehmen. Er gebietet, du sollst das von ihm erbitten und der Erhörung gewiss sein. Was kann oder soll er mehr tun? Darum siehst du, dass er ein wahrer Gott ist und rechte, große, göttliche Werke mit dir wirkt. Warum sollte er dir nicht etwas Großes, wie es das Sterben ist, auferlegen, wenn er so großes Vorrecht, Hilfe und Stärkung hinzufügt, um zu erproben, was seine Gnade vermag, wie Psalm 111, 2 geschrieben steht: „Die Werke Gottes sind groß und auserwählt nach all seinem Wohlgefallen.“?</p>
<p style="text-align: justify;">Deshalb muss man darauf sehen, dass man ja mit großer Freude des Herzens seinem göttlichen Willen danke, weil er an uns wider den Tod, die Sünde und die Hölle so wunderbar, reichlich und unermesslich Gnade und Barmherzigkeit übt. Man darf sich nicht so sehr vor dem Tode fürchten: man muss allein seine Gnade preisen und lieben. Denn die Liebe und das Loben erleichtern das Sterben gar sehr; so sagt Gott durch Jesaja: „Ich will deinen Mund mit meinem Lobe zäumen, dass du nicht untergehst.“ Dazu helfe uns Gott! Amen.</p>
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		<title>Von den guten Werken</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 12:03:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Sonstige]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Luther]]></category>
		<category><![CDATA[Werke]]></category>

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		<description><![CDATA[Von den guten Werken 29. März 1520
Jesus
Dem durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Johann, Herzog zu Sachsen, Landgraf zu Thüringen, Markgraf zu Meißen, meinem gnädigen Herrn und Patron!
Durchlauchter, hochgeborener Fürst, gnädiger Herr! Eure Fürstlichen Gnaden seien allezeit meines untertänigen Dienstes und armen Gebetes im voraus versichert.
Gnädiger Fürst und Herr! Ich hätte längst gern meine untertänige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Von den guten Werken 29. März 1520</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Jesus</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dem durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Johann, Herzog zu Sachsen, Landgraf zu Thüringen, Markgraf zu Meißen, meinem gnädigen Herrn und Patron!<br />
Durchlauchter, hochgeborener Fürst, gnädiger Herr! Eure Fürstlichen Gnaden seien allezeit meines untertänigen Dienstes und armen Gebetes im voraus versichert.<br />
Gnädiger Fürst und Herr! Ich hätte längst gern meine untertänige Dienstpflicht gegen E.F.G. mit einer geistlichen Gabe1, wie es mir zukommt, erzeigt. Doch habe ich, auf mein Vermögen gesehen, mich immer für zu gering befunden, etwas vorzunehmen, das würdig wäre, E.F.G. zugeeignet zu werden. Weil aber mein gnädigster Herr, Herr Friedrich, des Heiligen Römischen Reiches Erzmarschall, Kurfürst und Vicarius usw., E.F.G. Bruder, mein unzureichendes, S.K.F.G. gewidmetes Büchlein2 nicht verschmäht, sondern gnädig aufgenommen hat, das nun auch im Druck, woran ich nicht dachte, herausgekommen ist, habe ich Mut geschöpft aus solch gnädigem Exempel und mich erkühnt zu hoffen, wie das fürstliche Geblüt und so auch das fürstliche Gemüt zuvor in gnädiger Nachsicht und guter Meinung eines gleichen Sinnes sei, so werde E.F.G. ihrer Art nach auch dies mein armes, untertäniges Anerbieten nicht verschmähen. Denn dies herauszubringen ist mir viel nötiger gewesen als sonst kaum eine von meinen Predigten oder Büchlein, weil die größte Streitfrage sich erhoben hat über die guten Werke, in denen unzählig mehr List und Betrug vorfällt als in irgendeiner anderen Kreatur, und in denen der einfältige Mensch nur zu leicht verführt wird, so dass auch unser Herr Christus uns geboten hat, wir sollten mit Fleiß achtgeben auf die Schafskleider, unter denen sich Wölfe verbergen. Es hat weder Silber, Gold, Edelgestein noch sonst ein kostbares Ding so mannigfache Zusätze und Abbruche erfahren wie die guten Werke, welche allesamt eine einzige, einfältige Güte haben müssen, ohne die sie lauter Schönfärberei, Blendwerk und Betrug sind.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-110"></span>Obwohl ich von vielen weiß und täglich höre, die meine Armut gering achten und sprechen, ich mache nur kleine Traktätchen und deutsche Predigten für die ungelehrten Laien, lass ich mich davon nicht bewegen. Wollte Gott, ich hätte einem einzigen Laien mein Leben lang mit all meinem Vermögen zur Besserung gedient: Ich wollte mir&#8217;s genügen lassen, Gott danken und danach gar willig alle meine Büchlein umkommen lassen! Ob große und viele Bücher zu machen eine Kunst und der Christenheit förderlich sei, lass ich andere richten. Ich meine aber, wenn ich Lust hätte, nach ihrer Kunst große Bücher zu machen, es sollte mir mit Gottes Hilfe vielleicht schleuniger gelingen, als ihnen, nach meiner Art einen kleinen Sermon zu machen. Wenn ihnen Erfolge so leicht wie Verfolgungen fielen, wäre Christus längst wieder vom Himmel geworfen und selbst Gottes Stuhl umgestoßen. Können wir nicht alle dichten, so wollen wir doch alle richten. Ich will einem jeden die Ehre großer Dinge herzlich gern lassen und mich gar nicht schämen, deutsch den ungelehrten Laien zu predigen und zu schreiben, obwohl ich auch dies wenig kann. Doch dünkt mich&#8217;s, wenn wir bisher und fortan uns mehr dessen beflissen hätten oder dies wollten, sollte der Christenheit daraus kein kleiner Vorteil und mehr an Besserung erwachsen sein als aus den hohen, großen Büchern und Quaestionen, die man an hohen Schulen bloß unter den Gelehrten verhandelt. Überdies habe ich noch nie jemanden gezwungen oder gebeten, mich zu hören oder meine Predigten zu lesen. Ich habe frei der Allgemeinheit gedient mit dem, was mir Gott gab und wie ich es schuldig bin; wer das nicht mag, der lese und höre andere. Auch ist nicht groß dran gelegen, wenn sie meiner nicht wollen bedürfen. Mir ist&#8217;s gerade genug und mehr als zuviel, dass etliche Laien, und diese vornehmlich, sich herbeilassen, meine Predigten zu lesen.<br />
Und wenn keine andere Sache mich triebe, soll mir doch die schon übergenug sein, dass ich erfahren habe, wie sehr E.F.G. solche deutschen Büchlein gefielen und sie ganz begierig seien nach Erkenntnis guter Werke und Unterrichtung im Glauben. Es geziemt mir billig, ihr mit möglichstem Fleiß untertänig zu dienen. Deshalb bitte ich in demütiger Untertänigkeit, E.F.G. wollten dies Zeichen meiner Ergebenheit in gnädiger Meinung annehmen, solange, bis ich, wenn mir Gott dazu die Zeit geben will, das ganze Glaubensbekenntnis mit einer deutschen Auslegung erkläre. Denn für diesmal habe ich nur zeigen wollen, wie wir den Glauben sollen in allen guten Werken üben, gebrauchen und das vornehmste Werk sein lassen. Gibt Gott mir die Zeit, will ich ein andermal das Glaubensbekenntnis für sich selber behandeln, so wie wir es täglich beten oder nachsprechen sollen. Will mich hiermit E.F.G. untertänigst befohlen haben. Zu Wittenberg, am 29. Tag im März nach Christi Geburt im tausendfünfhundertzwanzigsten Jahr.</p>
<p style="text-align: justify;">E.F.G. untertäniger Kaplan D. Martinus Luther, Augustiner zu Wittenberg.</p>
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		<title>Apostelgeschichte</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 11:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Sonstige]]></category>
		<category><![CDATA[Apostelgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Luther]]></category>

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		<description><![CDATA[Apostelgeschichte 2, 1-14
Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilt, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Apostelgeschichte 2, 1-14</p>
<p style="text-align: justify;">Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilt, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des Heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden bestürzt; denn es hörte ein jeglicher, dass sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht dieser alle, wider reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther, und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesobethanien, und in Judäa und Cappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten, und an den Enden der Lybien bei Kyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber; wir hören sie mit unseren Zungen die großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem anderen: Was will das werden? Die andern aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßes Weins.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-105"></span>1. Das Wort &#8221; Pfingsten &#8221; ist nicht deutsch, sondern aus dem Griechischem genommen, die heißen Pfingsten den 50. Tag. Denn der Pfingsttag ist der 50. Tag nach Ostern, und ist bei den Juden ein besonderes Fest gewesen, darum, dass sie am 50. Tag, nachdem sie das Osterlamm in Ägypten gegessen und aus Ägypten gezogen waren, am Berge Sinai die Zehn Gebote empfangen haben. Weil aber solches eine große Wohltat ist, dass Gott selbst seinen Willen vom Himmel herab ihnen eröffnet hat, dass sie wissen konnten, woran doch Gott ein Gefallen oder Ungefallen geschehe, was er haben oder nicht haben wollte: darum hat Gott geboten, diesen 50. Tag nach Ostern für heilig zu halten, dass solcher Wohltat gedacht würde, und sie sich fleißiger nach Gottes Wort und Willen schicken lernten, wenn sie hörten und daran dächten, mit welchem Ernst Gott seinen Willen eröffnet, und sie sich dagegen verpflichtet hätten, solchem Willen mit Fleiß zu halten, wie die Geschichte im Buch Mose im 19. Und 20. Kapitel schreibt.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Nun sieht man aber in den Geschichten des Alten Testaments, wie Paulus sagt, 1 Korinther 10,6., was den Juden widerfahren ist, dass es alles ein Vorbild gewesen ist der Geschichten, so im neuen Testament in der Zeit der Gnade geschehen sollten. Darum gleichwie wir im neuen Testament ein anderes und besseres Osterlamm zu essen haben (denn dort in Ägypten half das Blut des Lammes, damit sie die Pfosten bestrichen, nur dazu, dass der Engel, der Verderben, dem Leib nicht Schaden täte und die erstgeborenen Früchte nicht tötete: dagegen unser Osterlamm Christi Jesu Blut dazu dient, dass wir aus dem rechten Ägypten, nämlich, aus des Teufels Tyrannerei, von der Sünde und dem ewigen Tod erlöst werden): also haben wir im neuen Testament auch ein anderes und ein besseres Pfingsten, denn jenes im Alten Testament gewesen ist.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Jene empfingen am Berge Sinai die Zehn Gebote. Das ist an sich selbst eine gute, nötige, köstliche Predigt, da man Gott für danken soll. Aber mit solcher Predigt ist uns nichts geholfen wider des Teufels Reich, die Sünde und den Tod; sondern das Gesetz hilft allein dazu, das wir noch größere Sünder werden, und unser eigen Gewissen uns gegen Gott verklagt und beschuldigt; besonders weil wir das nicht vollkommen tun, dass uns zu tun aufgelegt ist.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Darum wie es ein schreckliches Ansehen hatte am Berge Sinai, da Gott redete, und Blitze und Donner durch einander gingen, dass der ganze Berg rauchte und bebte; also tut das Gesetz heute noch: wo es die Herzen recht trifft, da schreckt es und macht blöde und zaghaft, dass man nicht weiß, wo man vor Angst bleiben soll. Denn wissen, was Gott haben will, und daneben fühlen, dass man es nicht gehalten hat, solches ist unmöglich, dass es einen Menschen nicht anfechten noch Angst machen sollte. Denn was Gott den Übertretern seines Wortes droht, das ist vor Augen, nämlich, den ewigen Tod und alles Unglück. Darum ist solch Juden Pfingsten und Pfingstpredigt ein schreckliches, unfreundliches Pfingsten und Predigt, da nicht viel Freude bei sein kann. Denn es hat über die Massen ein schreckliches Ansehen gehabt, dass die Juden selbst sagen mussten und bitten: Ach, rede du mit uns; denn soll der Herr mit uns reden, so müssen wir sterben.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Was haben wir aber dagegen für ein Pfingsten im neuen Testament? Ein über aus herrliches und freundliches, wo kein Schrecken sondern nur lauter Freude, Mut und Wonne bei ist. Denn also sagte Evangelist, wie wir im Text gehört, dass am Pfingsttag, da die Juden mit der Danksagung für die Zehn Gebote umgegangen und die Geschichte am Berg Sinai gerühmt haben, sind die Apostel und andere Christen bei einander in einem Haus gewesen. Da habe sich plötzlich ein Brausen vom Himmel herunter, als eines gewaltigen Windes, erhoben, und das ganze Haus erfüllt, dass es alles wieder einander getönt hat. Und neben solchem Weben und Brausen habe man zerteilte feurige Flammen gesehen, wie die Flammen vom Feuer über sich lodern, dass also der Heilige Geist sich da hat öffentlich hören und sehen lassen. Denn in dem Brausen hat man ihn gehört und in den Feuerflamen gesehen; wie denn Christus zuvor gesagt und Johannes der Täufer auch geweissagt hatte, sie sollten mit Geist und Feuer getauft werden.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Es hat aber solches seine besondere Deutung und Ursache, denn die Zungen bedeuten das Predigtamt, dass soll nicht vergebens sein; es soll die Herzen anwehen und ein neues Licht oder Feuer darin anzünden, wie wir noch später davon sagen werden. Bald nun auf solches Brausen und Feuerflammen setzt sich der Heilige Geist auf einen jeden unter ihnen, und zündeten ihre Herzen so an, er durchweht sie also, dass sie in einem Augenblick Gott und seinen Sohn Christum Jesum recht erkennen, und die ganze Schrift verstehen, und einen solchen Mut haben, das sie solchen Verstand nicht bei sich behalten, sondern frei öffentlich bekennen dürfen. Und kam noch das herrliche Wunderwerk dazu, dass sie allerlei Sprachen reden können, so sie doch nur ihre Muttersprache vor diesem Augenblick konnten. Denn zu Jerusalem musste es anfangen, aber da nicht bleiben; sondern, wie die Propheten zuvor geweissagt, sollte das Evangelium in allen Sprachen bald im ersten Anfang gehen und klingen. Dieses zum Zeugnis, dass es im jüdischen Lande nicht bleiben, sondern in alle Welt und allen Sprachen sollte gepredigt werden, lehrt der Heilige Geist die Apostel alle Sprachen. Das ist unser Pfingsten im neuen Testament, da man Gott recht erkennt, da man vor Gott nicht erschrickt, sondern fröhlich wird und ein gutes Gewissen bekommt, mit einem solchen Mut, der sich vor nichts entsetzt, und alles um Christi Willen gern leidet, wie man an den Aposteln sieht.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Von solchem Pfingsten hat nicht allein Christus in seiner letzten Predigt, sondern auch die Propheten David, Jesaja, Jeremia, Joel, Sacharja ja, und andere geweissagt. Darum wollen wir heut diesen Tag auch so zubringen und vom Heiligen Geist predigen, was er sei, was sein Werk und Amt sei, und wie wir uns dazu schicken sollen, wenn wir zu solchen seligen Pfingsten auch kommen und den Heiligen Geist empfangen wollen.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Für das erste sollen wir nicht denken, als sei der Heilige Geist nicht zuvor in der Kirche und unter den Leuten gewesen. Denn er ist ewiger, allmächtiger Gott, wie Christus sagt: Er gehe vom Vater aus. Darum muss er eben der Natur und des Wesens sein, des der Vater ist. So haben wir gewisse Zeugnisse, dass er, der Heilige Geist, je und je seine Wirkung in den Menschen gehabt, sie nach Gottes Willen regierte und geführt habe. Denn Christus selbst sagt, wie auch Petrus, dass der Heilige Geist durch die Propheten geredet habe. So zeugen die Evangelisten von dem alten Simeon, von der Hanna, von Zacharia, Elisabeth und Johannes, dass der Heilige Geist in ihnen gewohnt habe.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Darum müssen wir hier von dem Heiligen Geist eben denken und Glauben, wie von Christus, dem Sohn Gottes: der ist von Ewigkeit gewesen, und hat bald nach der ersten Verheißung im Paradies sein Werk angefangen, dass er wieder den Teufel sich zu Felde gelegt und ihm auf den Kopf getreten hat. Dieses von Anfang angefangene und stets geübte Werk hat der Sohn Gottes dann öffentlich vollendet, da er Mensch geworden, am Kreuz gestorben und am dritten Tage wieder auferstanden ist. Also ist es Heiligen Geistes Werk für und für in der Welt gewesen, dass er der Menschen Herzen durch das Wort Gottes zum Glauben geführt, sie erleuchtet, gestärkt, getröstet und in alle Wahrheit geleitet hat.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Aber dieses Werk hatte er an diesem Heiligen Pfingsttag zum ersten vollkommen und öffentlich geführt, dass es nicht mehr so heimlich zugegangen ist, wie zuvor; sondern jedermann, der es gesehen, der hat den Heiligen Geist und seine Wunder spüren und bekennen müssen. Denn, dass hier etliche sind, die es für keine Wirkung des Heiligen Geistes halten, sondern sagen: Die Apostel sind voll Wein, solches ist eine mutwillige Lüge. Ihr Herz beweist sie, dass man fremde, unbekannte Sprachen beim Saufen nicht lernen kann.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Was mag es aber für eine Ursache sein, dass solche Offenbarung des Heiligen Geistes bis auf diesen Pfingsttag verzogen wird? Keine andere, denn dass wir lernen sollen, wie wir solchen Schatz allein durch unseren Herrn Christum haben: der hat uns solche Gaben erworben, und durch ihn allein werden sie uns gegeben; wie wir am Tage seiner Himmelfahrt gehört haben, aus dem 68. Psalm Vers 19., dass der sei in die Höhe gefahren, und habe Gaben empfangen für die Menschen. Denn also legt Petrus selbst diesen Spruch in der heutigen Predigt aus, da er spricht: &#8221; Nun aber Christus durch die Rechte Gottes erhöht ist, und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hatte er ausgegossen dies, dass ihr jetzt sehet und höret &#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Das ist das erste Stück, dass wir lernen sollen, dass der Heilige Geist nicht erst am Pfingsttag sein Werk und Amt angefangen hat. Er hat es je und je in seiner Kirche geübt, aber erstlich am Heiligen Pfingsttag öffentlich geübt und sich mit besonderer Gewalt sehen lassen; auf das wir aus dieser Offenbarung lernen, was für einen herrlichen Schatz unser lieber Herr Christus Jesus uns durch sein Sterben und Auferstehung erworben und verdient habe.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Zum anderen müssen wir auch das lernen: gleichwie die Schrift dem Herrn Christus einen besonderen Namen gibt und heißt ihn das Wort Gottes; also gibt sie dem Geist Gottes auch seinen besonderen Namen und heißt ihn den Heiligen Geist, der die Herzen mit seiner Gnade anweht, und heiligt sie, da sie zuvor unheilig und in Sünden sind. Solcher Name ist den Christen sehr tröstlich; denn sie sehen wohl, dass sie dem Teufel zu schwach sind und seinem Eingeben nicht immer widerstehen können. Gleich nun wie solches sie schreckt, dass sie den bösen Geist wieder sich haben; also tröstet sie wiederum, dass sie durch Christum haben den Heiligen Geist, der die Sünde ihnen vergeben und sie zum rechten Gehorsam gegen Gott treiben soll.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Wie aber der Heilige Geist solches ausgerichtet, steht bei Johannes dem 16. Kapitel Vers 8.: Das er die Welt durch das Evangelium strafen werde um die Sünde, um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Denn also werden die Werke der Heiligen Dreifaltigkeit in unserem Glauben unterschieden, zum Unterricht der Jugend und Einfältigen, dass Gott Vater uns Leib und Leben gegeben und zu seinem Reich erschaffen habe. Als aber unsere Eltern durch die Sünde in den Tod gefallen sind und solche Strafe auf uns geerbt hat, ist der Sohn Gottes Mensch geworden, und hat durch sein Sterben solchen Fall wieder hergestellt und uns von Sünden und ewigen Tode erlöst. Solche Erlösung trägt der Heilige Geist in aller Welt vor durch das Heilige Evangelium, und richtet die Herzen so zu, dass sie es annehmen und glauben; das ist, sie trösten sich, dass Christus Jesus für sie gestorben ist, und zweifeln nicht daran, dass sie dadurch mit Gott versöhnt sind, dass er an ihrer Sünden nicht mehr gedenken, sondern dieselben um Christi willen ihnen vergeben und schenken wolle. Das heißt die Herzen heiligen, oder wie es Petrus in den Geschichten (Apostel Geschichte 15,9.) nennt: durch den Glauben reinigen.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Wo nun also Vergebung der Sünden durch den Glauben ist, das, ob man schon Sünde hat, dennoch wir darum nicht Verzweifeln, sondern uns trösten des Sterbens und Auferstehens Christi; da folgt eine andere Heiligung des Heiligen Geistes, dass er auch unsere Leiber heiligt, dass wir nicht mehr in Sünden liegen, noch Lust und Liebe daran haben wie zuvor, sondern enthalten uns davon, und befleißigen uns dagegen, dass wir tun, was Gott wohlgefällig ist. Wie Paulus lehrt, Epheser 4,28: &#8221; Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Redliches, auf das er habe zu geben den Dürftigen &#8220;. Solches ist es Heiligen Geistes Amt und Werk, dass er in uns einen neuen, rechten und herzlichen Gehorsam gegen Gott anhebt, und wir der Sünde widerstreben, und den alten Adam töten, und durch den Glauben Vergebung aller Sünden bekommen.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Aber solche Heiligung ist nicht so vollkommen, als die erste, welche, wo sie nicht da wäre, könnten wir mit dieser nicht vorankommen. Denn Fleisch und Blut ist zu schwach; so ist uns der Teufel zu stark, auch haben wir nur die Erstlinge des Heiligen Geistes empfangen: darum kann dieser Gehorsam nicht vollkommen sein. Was aber solchem und vollkommenen Gehorsam und Heiligung mangelt, das wird erstattet durch die erste Heiligung des Glaubens, dass wir Vergebung der Sünden glauben, und dadurch gerecht und vollkommen geheiligt werden; denn was noch für Sünde und Unflat an uns ist, das wird vergeben, als wäre es nie da gewesen. Also sehen wir, warum der Heilige Geist solchen Namen führt, nämlich, dass er die Gläubigen Heiligen soll und will, das ist, durch das Wort den Glauben an Christum in uns erwecken, dass wir durch ihn sollen Vergebung der Sünden erlangen.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Über dieses Werk der Heiligung hat der Heilige Geist noch andere mehr Werke, wie er auch sonst mehr Namen hat. Denn Sacharja heißt ihnen einen Geist des Betens, darum er die Herzen erregt, dass sie alles Gute sich von Gott erhoffen und in allen Nöten um Hilfe zu ihm schreien. Also, Christus nennt ihn einen Tröster, der den Herzen zuspricht, dass sie gern und willig alles leiden und vor keinem Unglück sich entsetzen. Also, er heißt ihn einen Geist der Wahrheit, dieser Trost ist nicht allein wahr und gewiss, sondern der behütet uns auch vor Lügen und Ketzerei, und in reinem Wort und rechtem Glauben erhalten; weil sonst der Teufel durch unsere Vernunft und falsche Lehre uns in Irrtum führen und in Lügen stecken würde. Solches sind des Heiligen Geistes eigene Werke, neben dem, dass er mit allerlei Tugenden und Gaben die Gläubigen ziert, und ein solcher Tröster ist, wie Christus sagt, der ewiglich bei uns bleibt, da sonst aller Welt Trost nur ein zeitlicher Trost ist, der keinen Bestand hat.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Darum weil der Heilige Geist solche herrliche und große Ding in uns wirken soll, liegt es an dem, dass wir auch lernen, wie wir zu solcher Gabe kommen und den Heiligen Geist erlangen können, dass er solches auch in uns anrichtet, und wir durch ihn geheiligt und selig werden. Davon lehrt uns unser lieber Herr Jesus Christus selbst, Lukas 11, da er spricht in Vers 13: &#8221; So denn ihr, die ihr arg seid, könnt euren Kindern gute Gaben geben; viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten &#8220;. Diesen Spruch merke gut, das erstlich Gott allein den Heiligen Geist gibt, und gibt ihn denen, die ihn darum bitten, und nach solch einer Gabe zeufzen und wollten sie gern haben. Darum, so dein Herz sich auftut, dass du denkst: Ach Gott, gib mir auch den Heiligen Geist, mit solchen Gedanken und Gebet fahre fort, und zweifle nicht, das ist der nächste und beste Weg, da du zum Heiligen Geist kommen kannst. Denn Christus selbst lehrt, dass du so tun sollst und den himmlischen Vater bitten.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Nun muss aber solches Gebet, eben wie andere, gehen allein in dem Namen Jesu: dass wir bitten, Gott wolle um Christi, seines Sohnes und unseres Erlösers, willen solche Gabe und schenken. Da haben wir einen besonderen großen Vorteil zu, wie wir am Himmelfahrtstag gehört haben, nämlich, dass Christus darum zum Vater gegangen und gen Himmel aufgefahren ist, dass er solche Gabe vom Vater empfinge uns sie uns herunter sende. Darum brauchen wir nicht zweifeln. Denn da ist nicht allein der Befehl und die Verheißung, dass wir sollen um den Heiligen Geist bitten; sondern es ist auch der Wille da, dass Christus darum zur Rechten Gottes sitzt, dass er solche Gabe uns zukommen lassen will; denn er hat sie auch vom Vater empfangen, wie im 68. Psalm Vers 19 steht, nicht für seine Person, sondern für die Menschen, dass er sie ihnen geben und schenken will.</p>
<p style="text-align: justify;">20. Nun ist aber auch das Gebet nicht allein genug, denn wo du dich in den Winkel setzen, um den Heiligen Geist bitten, und daneben dich nicht fleißig wolltest zum Wort und den Heiligen Sakramenten halten, so würde das Gebet langsam Frucht schaffen. Ursache, der Heilige Geist will allein durch das Wort und die Heiligen Sakramente seine Wirkung haben. Wer sich nun von solchem abhalten will, zu dem würde der Heilige Geist nicht kommen. Darum lassen wir uns taufen, wir gehen zum Abendmahl des Herrn, wir hören Gottes Wort, begehren die Absolution; denn wir wissen, dass solches alles das Werkzeug ist, dadurch der Heilige Geist sein Werk in uns ausrichtet. Wie die Beispiele zeigen. Die 3000 Seelen, so Petrus mit der ersten Predigt auf den heutigen Tag bekehrt, würden Ihr Lebtag nicht bekehrt sein, wo sie nicht zuvor das Wort gehört hätten. Da sie aber das Wort hören und ihre Herzen dadurch getroffen werden, dann lassen sie sich auch taufen. Denn also hat es Christus befohlen. Also der Kämmerer der Königin aus dem Mohrenland konnte den Heiligen Geist nicht erlangen, Philippus musste ihm predigen und die Schrift auslegen. Da nun das Herz durch solche Predigt vom Heiligen Geist getroffen ward, dann wollte der Heilige Geist sein Amt nicht vollführen, Philippus musste den Kämmerer auch taufen mit Wasser.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Darum, willst du zur Gabe des Heiligen Geistes kommen, so muss vor allen Dingen das da sein, dass du um solche Gabe im Namen Jesu den Vater bittest, und dich danach fleißig zum Wort halten, an deine Taufe mit Ernst denken, was Gott dir dazu gesagt und welch einen Bund er mit dir durch die Taufe gemacht hat, und auf zum Abendmahl des Herrn gehen, die Absolution suchen. Denn durch das Wort und Sakrament will der Heilige Geist unsere Herzen mit dem neuen Licht des Glaubens anzünden, dass wir das Wort nicht allein hören, wie es die verstockten Juden hörten, sondern es auch verstehen, und dadurch andere Menschen werden und neue Herzen bekommen.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Neben dem muss zum dritten auch das da sein, dass wir durch wildes und wüstes Leben, und durch mutwillige Sünden den Heiligen Geist an seinem Werk nicht hindern noch von uns treiben. Denn der Heilige Geist kann nicht wohnen, wo der Teufel wohnt. Darum wenn der Teufel dich anficht mit Geiz, mit Zorn, mit Unzucht und anderen Sünden, da gehe dann schnell an das Gebet, dass dich Gott davor behüten und in seinem Gehorsam erhalten wolle. Denn soll der Heilige Geist zu dir kommen oder bei dir bleiben, so musst du vor solchen äußerlichen Sünden dich hüten; oder wo du aus Schwachheit hinein gefallen, musst du dich wieder aufraffen und aufstehen, und in solchen Sünden nicht liegen bleiben. Da will dann der Heilige Geist zu uns treten, und, wie wir bitten, uns helfen wider den Teufel und das Fleisch samt der Sünde kämpfen. Die aber dagegen sich mutwillig mit Sünden beladen, je länger je mehr mit dem Teufel besessen werden, und außerhalb der Busse nicht zum Heiligen Geist kommen können, dieses ist sein Werk, wie ich oben gesagt, dass er erstlich durch den Glauben und Vergebung der Sünden uns Heiligen, und danach uns helfen soll, dass wir der Sünde widerstreben sollen und in Gottes Gehorsam leben.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Aber oben haben wir auch gehört, dass wir nur die Erstlinge des Heiligen Geistes empfangen, und dagegen Fleisch und Blut bleibt und lebt, solange wir leben. Daher kommt es, dass auch die, so den Heiligen Geist haben, dennoch schwach sind und sehr oft fallen; auf das niemand sich ärgere, und denkt wie die Widertäufer: Wer den Heiligen Geist habe, der können nicht fallen. Wahr ist`s, wenn wir den Heiligen Geist immer folgen würden, so würden wir nicht fallen; aber solches ist unmöglich: der Teufel ist uns so stark, die Welt zu böse, und unser Fleisch und Blut zu schwach. Darum heißt es immer bitten, dass Gott seinen Heiligen Geist nicht von uns nehmen, uns in seiner Gnade gnädiglich erhalten, und alle Tage solche Gabe des Heiligen Geistes mehren, und, wie wir im Vater Unser beten, uns unsere Schuld vergeben wolle. Denn ohne solche Schuld können auch die Heiligen nicht leben. Aber durch den Glauben an Christum werden sie vergeben und sollen nicht schaden.</p>
<p style="text-align: justify;">24. Also ihr lieben Leute, so haben wir gehört was das rechte Pfingsten ist, das wir Christen uns von Herzen freuen sollen, weil es weit größer und herrlicher ist, denn der Juden Pfingsten; besonders der Heilige Geist durch Christum über alles Fleisch ist ausgegossen worden, dass wir durch das Evangelium Gott erkennen, und durch den Heiligen Geist heilig und fromm werden an Seele und Leib, so wir uns recht christlich mit Beten, Predigt hören und einem ordentlichen Wandel dazu schicken wollen. Dazu helfe uns durch Christum der Heilige Geist, Amen.</p>
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		<title>Ein kleiner Unterricht</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 11:45:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Sonstige]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein kleiner Unterricht, was man in den Evangelien suchen und erwarten solle (1522)
Es ist eine verbreitete Gewohnheit, dass man die Evangelien nach den Büchern zählet und nennet und sagt: Es gibt vier Evangelien. Daher ist’s gekommen, dass man nicht weiß, was Paulus und Petrus in ihren Briefen sagen und ihre Lehre gleichsam als Zusatz zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Ein kleiner Unterricht, was man in den Evangelien suchen und erwarten solle (1522)</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist eine verbreitete Gewohnheit, dass man die Evangelien nach den Büchern zählet und nennet und sagt: Es gibt vier Evangelien. Daher ist’s gekommen, dass man nicht weiß, was Paulus und Petrus in ihren Briefen sagen und ihre Lehre gleichsam als Zusatz zur Lehre der Evangelien geachtet wird, wie auch eine Vorrede des Hieronymus sich hören lässt. Danach ist es eine noch ärgere Gewohnheit, dass man die Evangelien und Briefe gleichsam wie Gesetzbücher ansieht, darinnen man lehren soll, was wir tun sollen, und darin die Werke Christi uns nicht anders als ein Vorbild vor Augen gestellt werden. Wo nun diese zwei irrigen Meinungen im Herzen bleiben, da kann weder Evangelium noch Brief mit Nutzen und christlich gelesen werden, wir bleiben eitel Heiden wie vorher.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-102"></span>Darum soll man wissen, dass es nur ein Evangelium gibt, aber durch viele Apostel beschrieben. Ein jeglicher Brief des Paulus und Petrus, dazu die Apostelgeschichte des Lukas ist ein Evangelium, wenn sie auch nicht alle Werke und Worte Christi erzählen, sondern das eine sie kürzer und weniger als das andere enthält. Ist doch auch der großen vier Evangelien keines, das alle Worte und Werke Christi enthält. Das ist auch nicht notwendig. »Evangelium« ist und soll nichts anderes sein als eine Rede von Christus. Gleichwie unter den Menschen (auch) geschieht, wenn man ein Buch von einem König oder Fürsten schreibt, was er getan und geredet und erlitten hat zu seiner Zeit: das kann man auf mancherlei Weise beschreiben, der eine in der Länge, der andere in der Kürze. So soll das Evangelium sein und es ist nichts anderes als eine Chronik, Geschichte, Erzählung von Christus, wer der sei, was er getan, geredet und erlitten habe, was der eine kurz, der andere lang, der eine so, der andere so beschrieben hat. Denn aufs kürzeste umschrieben ist das Evangelium eine Rede von Christus, dass er Gottes Sohn und Mensch für uns geworden, gestorben und auferstanden, ein Herr über alle Dinge gesetzt sei. So viel nimmt Paulus in seinen Briefen vor sich und führt das aus, lässt alle die Wunder und das Leben Christi, die in den vier Evangelien beschrieben sind, hinten anstehen und umfasst damit doch genügend und reichlich das ganze volle Evangelium, wie das im Gruß an die Römer (Römer 1, 1-4) klar und fein zu sehen ist, da er sagt, was das Evangelium sei, und spricht: »Paulus, ein Knecht Jesu Christi, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, welches er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der heiligen Schrift, von seinem Sohn, der ihm geboren ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch und verklärt ist als ein Sohn Gottes in der Kraft nach dem Geist der Heiligung aus der Auferstehung von den Toten, der da ist Jesus Christus, unser Herr« usw.</p>
<p style="text-align: justify;">Da siehst du, dass das Evangelium eine Erzählung von Christus ist, Gottes und Davids Sohn, gestorben und auferstanden und zum Herren gesetzt, was die ganze Summe des Evangeliums ist. Wie nun nicht mehr als ein Christus ist, so ist und kann nicht mehr als ein Evangelium sein. Weil auch Paulus und Petrus nichts anderes als Christus auf vorgesagte Weise lehren, so können ihre Briefe nichts anderes als das Evangelium sein. Ja, auch die Propheten, dieweil sie das Evangelium verkündigt und von Christus geredet haben, wie Paulus hier (Römer 1, 2) vermeldet und jedermann wohl weiß, so ist ihre Lehre da, wo sie von Christus reden, nichts anderes als das wahre, lautere, rechte Evangelium, als hätten es Lukas oder Matthäus beschrieben. Wenn z.B. Jesaja 53, 2 ff. sagt, wie er für uns sterben und unsere Sünde tragen sollte, hat er das lautere Evangelium geschrieben. Und ich sage fürwahr: wenn jemand nicht diese Meinung vom Evangelium fasset, der wird nimmer in der Schrift erleuchtet werden noch den rechten Grund erfassen können.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum andern (ist zu beachten): dass du nicht aus Christus einen Mose machest, als tue er nicht mehr, als dass er Lehre und Beispiel gebe, wie die andern Heiligen tun, so als sei das Evangelium ein Lehr- oder Gesetzbuch. Darum sollst du Christi Wort, Werk und Leiden auf zweierlei Weise auffassen: einmal als ein Vorbild, dir vor Augen gestellt, dem du folgen und auch so tun sollst, wie 1. Petrus 2, 21 sagt: »Christus hat für uns gelitten und uns ein Vorbild gelassen«. So wie du siehst, dass er betet, fastet, den Leuten hilft und Liebe erzeiget, so sollst du auch dir und deinem Nächsten tun. Aber das ist das Geringste am Evangelium, wodurch es auch noch nicht »Evangelium« heißen kann. Denn damit ist dir Christus nicht mehr nütze als ein anderer Heiliger. Sein Leben bleibt bei ihm und hilft dir noch nichts, und in Kürze: die Weise macht keinen Christen, es macht nur Heuchler. Es muss noch sehr viel weiter mit dir kommen, obwohl das jetzt lange Zeit hindurch die allerbeste Weise zu predigen gewesen ist (wenn sie auch selten genug war).</p>
<p style="text-align: justify;">Das Hauptstück und der Grund des Evangeliums ist, dass du Christus zuvor, ehe du ihn dir zum Vorbild fassest, aufnehmest und erkennest als eine Gabe und Geschenk, das dir von Gott gegeben und dein eigen sei. So dass du, wenn du ihm zu siehest oder &#8211; hörest, dass er etwas tut oder leidet, nicht zweifelst, er selbst, Christus, sei mit solchem Tun und Leiden dein, worauf du dich nicht weniger verlassen kannst, als hättest d u es getan, ja als wärest du derselbe Christus. Siehe, das heißt das Evangelium recht erkannt, das ist die überschwängliche Güte Gottes, die kein Prophet, kein Apostel, kein Engel je hat voll beschreiben, kein Herz je genugsam bewundern und begreifen können. Das ist das große Feuer der Liebe Gottes zu uns, davon wird das Herz und Gewissen froh, sicher und zufrieden, das heißt den christlichen Glauben predigen. Davon heißt solche Predigt »Evangelium«, das besagt auf Deutsch so viel wie eine »fröhliche, gute, tröstliche Botschaft«, von welcher Botschaft die Apostel die zwölf Boten genannt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Davon sagt Jesaja 9, 6: »Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben«. Ist er uns gegeben, so muss er unser sein, so müssen wir uns auch seiner als des Unseren annehmen. Und Römer 8, 32: »Wie sollte er uns nicht alle Dinge mit seinem Sohn schenken?« Siehe, wenn du Christus so auffassest, als eine Gabe, dir zu eigen gegeben, und nicht daran zweifelst, so bist du ein Christ. Der Glaube erlöst dich von Sünden, Tod und Hölle, macht, dass du alle Dinge überwindest. Ach, da kann niemand genug von reden, da ist die Klage, dass solche Predigt in der Welt verschwiegen wird, obwohl das Evangelium doch alle Tage gerühmt ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn du nun Christus so zum Grund und Hauptgut deiner Seligkeit hast, dann folget das andere Stück, dass du ihn auch dir zum Vorbild fassest, und dich auch so deinem Nächsten zu dienen ergebest, wie du siehst, dass er sich dir ergeben hat. Siehe, da gehet dann Glaube und Liebe im Schwang, ist Gottes Gebot erfüllet, der Mensch fröhlich und unerschrocken, alle Dinge zu tun und zu leiden. Darum siehe eben darauf: Christus als eine Gabe nähret deinen Glauben und macht dich zum Christen. Aber Christus als ein Vorbild übt deine Werke. Die machen dich nicht zum Christen, sondern sie gehen von dir aus, der du schon vorher zum Christen gemacht bist. Wie sehr nun Gabe und Vorbild sich voneinander unterscheiden, so sehr unterscheiden sich auch Glaube und Werke. Der Glaube hat nichts eigenes, sondern nur Christi Werk und Leben. Die Werke haben etwas Eigenes von dir, sollen aber auch nicht dein eigen, sondern des Nächsten sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Darum siehst du: »Evangelium« ist nicht eigentlich ein Buch der Gesetze und Gebote, das von uns unser Tun fordere, sondern ein Buch der göttlichen Verheißungen, darin er uns alle seine Güter und Wohltat in Christus verheißet, anbietet und gibt. Dass aber Christus und die Apostel uns viel guter Lehre geben und das Gesetz auslegen, ist unter die Wohltat zu rechnen, wie ein anderes Werk Christi (auch), denn recht Lehren ist nicht die geringste Wohltat. Darum sehen wir auch, dass er nicht gräulich dringt und antreibt, wie Mose in seinem Buch tut und wie des Gebots Art ist, sondern lieblich und freundlich lehret, nur sagt, was zu tun und zu lassen sei, was den Übeltätern und Wohltätern begegnen wird. Er treibt und zwingt niemand, ja, er lehret auch so sanft, dass er mehr aufmuntert als gebietet, er fängt an und sagt: »Selig sind die Armen«, »selig sind die Sanftmütigen« (Lukas 6, 20; Matthäus 5, 5) usw. Und die Apostel gebrauchen auch allgemein die Worte: Ich vermahne, ich bitte, ich flehe usw. Aber Mose, der spricht: Ich gebiete, ich verbiete, drohet und schrecket daneben mit gräulichem Strafen und Bußen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dieser Unterrichtung kannst du die Evangelien mit Nutzen lesen und hören.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn du nun das Evangelienbuch auftust, liest oder hörst, wie Christus hier und dahin kommt oder jemand zu ihm gebracht wird, sollst du darin die Predigt oder das Evangelium vernehmen, durch welches er zu dir kommt oder du zu ihm gebracht wirst. Denn das Evangelium predigen ist nichts anderes, als dass Christus zu u n s kommt, oder wir zu ihm gebracht werden. Wenn du aber siehst, wie er wirkt und jedermann hilft, zu dem er kommt und die zu ihm gebracht werden, sollst du wissen, dass solches der Glaube in dir wirke, und er deiner Seele eben dieselbe Hilfe und Güte durchs Evangelium anbietet. Hältst du hier stille und lässt dir Gutes tun (d.h., wenn du es glaubest, dass er dir wohl tue und helfe), so hast du es gewiss, so ist Christus dein und dir zur Gabe geschenkt. Danach ist’s not, dass du dir ein Vorbild daraus machest und deinem Nächsten auch so helfest und tust, damit du auch ihm zur Gabe und zum Vorbild gegeben seiest. Davon sagt Jesaja 40, 1-2; »Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott; redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Dienstbarkeit ein Ende hat, denn ihre Missetat ist vergeben; denn sie hat Zwiefältiges empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden« usw. Diese zwiefachen Güter sind die zwei Stücke in Christus: Gabe und Vorbild, welche auch durch das doppelte Stück des Erbteils, welches das Gesetz dem ersten Sohn Mose zueignet (vgl. 5. Mose 21, 17), und durch viele andere Bildreden angedeutet sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotzdem ist es Sünde und Schande, dass es mit uns Christen dahin gekommen ist, und dass wir so unfleißig im Evangelium gewesen sind, dass wir’s nicht allein nicht verstehen, sondern auch überhaupt erst bedürfen, dass man uns mit anderen Büchern und Auslegungen zeige, was drinnen zu suchen und zu erwarten sei, sintemal die Evangelien und Briefe der Apostel darum geschrieben sind, dass sie selbst solche Wegweiser sein und uns in die Schrift des Alten Testaments, der Propheten und des Mose weisen wollen, dass wir allda selbst lesen und sehen sollen, wie Christus in die Windeltücher und in die Krippe gelegt sei, das ist: wie er in der Schrift der Propheten enthalten sei. Da soll unser Studieren und Lesen sich üben und sehen, was Christus sei, wozu er gegeben sei, wie er versprochen sei, und wie sich alle Schrift auf ihn beziehe, wie er selbst Johannes 5, 46 sagt: »Wenn ihr Mose glaubet, so glaubet ihr auch mir, denn von mir hat er geschrieben«, ebenso Johannes 5, 39: »Suchet in der Schrift, denn sie ist’s, die von mir Zeugnis gibt«. Das meint Paulus im ersten Kapitel des Römerbriefs, wo er gleich zu Anfang im Gruß sagt (Vers 2), das Evangelium sei von Gott durch die Propheten in der heiligen Schrift verheißen. Daher geschieht’s, dass die Evangelisten und Apostel uns immerdar in die Schrift (hinein) verweisen und sprechen: »so steht’s geschrieben «, ebenso: »das ist geschehen, dass die Schriften der Propheten erfüllet würden« usw. Und Apostelgeschichte 17, 11, da die Thessalonicher das Evangelium mit allem Verlangen hörten, sagt Lukas, dass sie Tag und Nacht in der Schrift studiert und geforscht hätten, ob’s so wahr wäre. Mitten in der Einleitung seines Briefes (1. Petrus 1, 10-12) sagt Petrus ebenso: »Nach dieser eurer Seligkeit haben die Propheten geforscht, die von dieser Gnade in euch geweissagt und gesucht haben, auf welche und welcherlei Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war, und durch sie die Leiden, die in Christus sind, zuvor bezeuget hat, und die Herrlichkeit danach, welchen es offenbaret ist. Denn nicht ihnen selbst, sondern uns haben sie solche Dinge dargetan, welche jetzt unter euch durch den heiligen Geist gepredigt sind, der vom Himmel gesandt ist; welche Dinge auch die Engel zu schauen begehren«. Was will Petrus hiermit, als uns in die Schrift (hinein) führen? Als wollte er sagen: Wir predigen und öffnen euch die Schrift durch den heiligen Geist, dass ihr selbst lesen und sehen könnt, was drinnen ist, und von welcher Zeit die Propheten geschrieben haben, wie er auch Apostelgeschichte 3, 24 sagt: »Von diesen Tagen haben alle Propheten geredet, von Samuel an, die da jemals geweissagt haben«. Darum sagt auch Lukas 24, 45, dass Christus den Aposteln das Verständnis aufgetan habe, dass sie die Schrift verstanden. Und Christus sagt Johannes 10, 2 ff.: Er sei die Tür, durch ihn müsse man hineingehen, und wer durch ihn hineingeht, dem tut der Türhüter (der heilige Geist) auf, dass er Weide und Seligkeit findet. So dass (schließlich und) endlich wahr ist, dass das Evangelium selbst Wegweiser und Erklärer in der Schrift ist; gleichwie ich mit dieser Vorrede gern das Evangelium zeigen und Unterricht (darin) geben wollte. Aber siehe zu, wie feine, zarte, fromme Kinder wir sind! Auf dass wir nicht in der Schrift zu studieren und Christus allda zu lernen brauchten, halten wir das ganze Alte Testament für nichts, als das nun zu Ende sei und nichts mehr gelte; obwohl es doch allein den Namen hat, dass es »heilige Schrift« heißt, und Evangelium eigentlich nicht »Schrift«, sondern »mündlich Wort« sein sollte, das die Schrift vortrüge, wie Christus und die Apostel getan haben. Darum hat auch Christus selbst nichts geschrieben, sondern nur geredet, und seine Lehre nicht »Schrift«, sondern »Evangelium«, das ist: eine »gute Botschaft« oder »Verkündigung« genannt, das nicht mit der Feder, sondern mit dem Munde betrieben werden sollte. So sind wir schnell bereit und machen aus dem Evangelium ein Gesetzbuch, eine Gebotslehre, aus Christus einen Mose, aus dem Helfer nur einen Lehrer. Was sollte nicht Gott über solch dummes, verkehrtes Volk verhängen? Es ist billig, dass er uns in des Papstes Lehre und Menschenlügen hat kommen lassen, weil wir seine Schrift fahren ließen, und anstatt heiliger Schrift eines lügenhaftigen Narren und bösen Betrügers Dekretalen lernen mussten. O wollte Gott, dass bei den Christen doch das lautere Evangelium bekannt wäre, und diese meine Arbeit nur möglichst bald nutzlos und überflüssig würde, so wäre gewiss Hoffnung, dass auch die heilige Schrift in ihrer Würdigkeit wieder hervorkäme.</p>
<p style="text-align: justify;">Das sei zur Vorrede und zum Unterricht aufs kürzeste genug gesagt, in der Auslegung wollen wir mehr davon reden. Amen.</p>
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		<title>Die 95 Thesen</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 11:42:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
				<category><![CDATA[Martin Luther - Sonstige]]></category>
		<category><![CDATA[95 Thesen]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Luther]]></category>

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		<description><![CDATA[Die 95 Thesen des Dr. Martin Luther
Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien Künste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, über die folgenden Sätze disputiert werden. Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Die 95 Thesen des Dr. Martin Luther</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien Künste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, über die folgenden Sätze disputiert werden. Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein und mündlich mit uns debattieren können, dieses in Abwesenheit schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, Amen.</p>
<p style="text-align: justify;"><span id="more-97"></span>1. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht &#8220;Tut Buße&#8221; usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Dieses Wort kann nicht von der Buße als Sakrament &#8211; d. h. von der Beichte und Genugtuung -, die durch das priesterliche Amt verwaltet wird, verstanden werden.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Es bezieht sich nicht nur auf eine innere Buße, ja eine solche wäre gar keine, wenn sie nicht nach außen mancherlei Werke zur Abtötung des Fleisches bewirkte.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Daher bleibt die Strafe, solange der Haß gegen sich selbst &#8211; das ist die wahre Herzensbuße &#8211; bestehen bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Der Papst will und kann keine Strafen erlassen, außer solchen, die er auf Grund seiner eigenen Entscheidung oder der der kirchlichen Satzungen auferlegt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Der Papst kann eine Schuld nur dadurch erlassen, daß er sie als von Gott erlassen erklärt und bezeugt, natürlich kann er sie in den ihm vorbehaltenen Fällen erlassen; wollte man das geringachten, bliebe die Schuld ganz und gar bestehen.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Gott erläßt überhaupt keinem die Schuld, ohne ihn zugleich demütig in allem dem Priester, seinem Stellvertreter, zu unterwerfen.</p>
<p style="text-align: justify;">8. Die kirchlichen Bestimmungen über die Buße sind nur für die Lebenden verbindlich, den Sterbenden darf demgemäß nichts auferlegt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Daher handelt der Heilige Geist, der durch den Papst wirkt, uns gegenüber gut, wenn er in seinen Erlassen immer den Fall des Todes und der höchsten Not ausnimmt.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Unwissend und schlecht handeln diejenigen Priester, die den Sterbenden kirchliche Bußen für das Fegefeuer aufsparen.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Die Meinung, daß eine kirchliche Bußstrafe in eine Fegefeuerstrafe umgewandelt werden könne, ist ein Unkraut, das offenbar gesät worden ist, während die Bischöfe schliefen.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Früher wurden die kirchlichen Bußstrafen nicht nach, sondern vor der Absolution auferlegt, gleichsam als Prüfstein für die Aufrichtigkeit der Reue.</p>
<p style="text-align: justify;">13. Die Sterbenden werden durch den Tod von allem gelöst, und für die kirchlichen Satzungen sind sie schon tot, weil sie von Rechts wegen davon befreit sind.</p>
<p style="text-align: justify;">14. Ist die Haltung eines Sterbenden und die Liebe (Gott gegenüber) unvollkommen, so bringt ihm das notwendig große Furcht, und diese ist um so größer, je geringer jene ist.</p>
<p style="text-align: justify;">15. Diese Furcht und dieser Schrecken genügen für sich allein &#8211; um von anderem zu schweigen -, die Pein des Fegefeuers auszumachen; denn sie kommen dem Grauen der Verzweiflung ganz nahe.</p>
<p style="text-align: justify;">16. Es scheinen sich demnach Hölle, Fegefeuer und Himmel in der gleichen Weise zu unterscheiden wie Verzweiflung, annähernde Verzweiflung und Sicherheit.</p>
<p style="text-align: justify;">17. Offenbar haben die Seelen im Fegefeuer die Mehrung der Liebe genauso nötig wie eine Minderung des Grauens.</p>
<p style="text-align: justify;">18. Offenbar ist es auch weder durch Vernunft- noch Schriftgründe erwiesen, daß sie sich außerhalb des Zustandes befinden, in dem sie Verdienste erwerben können oder in dem die Liebe zunehmen kann.</p>
<p style="text-align: justify;">19. Offenbar ist auch dieses nicht erwiesen, daß sie &#8211; wenigstens nicht alle &#8211; ihrer Seligkeit sicher und gewiß sind, wenngleich wir ihrer völlig sicher sind.</p>
<p style="text-align: justify;">20. Daher meint der Papst mit dem vollkommenen Erlaß aller Strafen nicht einfach den Erlaß sämtlicher Strafen, sondern nur derjenigen, die er selbst auferlegt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">21. Deshalb irren jene Ablaßprediger, die sagen, daß durch die Ablässe des Papstes der Mensch von jeder Strafe frei und los werde.</p>
<p style="text-align: justify;">22. Vielmehr erläßt er den Seelen im Fegefeuer keine einzige Strafe, die sie nach den kirchlichen Satzungen in diesem Leben hätten abbüßen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">23. Wenn überhaupt irgendwem irgendein Erlaß aller Strafen gewährt werden kann, dann gewiß allein den Vollkommensten, das heißt aber, ganz wenigen.</p>
<p style="text-align: justify;">24. Deswegen wird zwangsläufig ein Großteil des Volkes durch jenes in Bausch und Bogen und großsprecherisch gegebene Versprechen des Straferlasses getäuscht.</p>
<p style="text-align: justify;">25. Die gleiche Macht, die der Papst bezüglich des Fegefeuers im allgemeinen hat, besitzt jeder Bischof und jeder Seelsorger in seinem Bistum bzw. seinem Pfarrbezirk im besonderen.</p>
<p style="text-align: justify;">26. Der Papst handelt sehr richtig, den Seelen (im Fegefeuer) die Vergebung nicht auf Grund seiner &#8211; ihm dafür nicht zur Verfügung stehenden &#8211; Schlüsselgewalt, sondern auf dem Wege der Fürbitte zuzuwenden.</p>
<p style="text-align: justify;">27. Menschenlehre verkündigen die, die sagen, daß die Seele (aus dem Fegefeuer) emporfliege, sobald das Geld im Kasten klingt.</p>
<p style="text-align: justify;">28. Gewiß, sobald das Geld im Kasten klingt, können Gewinn und Habgier wachsen, aber die Fürbitte der Kirche steht allein auf dem Willen Gottes.</p>
<p style="text-align: justify;">29. Wer weiß denn, ob alle Seelen im Fegefeuer losgekauft werden wollen, wie es beispielsweise beim heiligen Severin und Paschalis nicht der Fall gewesen sein soll.</p>
<p style="text-align: justify;">30. Keiner ist der Echtheit seiner Reue gewiß, viel weniger, ob er völligen Erlaß (der Sündenstrafe) erlangt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">31. So selten einer in rechter Weise Buße tut, so selten kauft einer in der rechten Weise Ablaß, nämlich außerordentlich selten.</p>
<p style="text-align: justify;">32. Wer glaubt, durch einen Ablaßbrief seines Heils gewiß sein zu können, wird auf ewig mit seinen Lehrmeistern verdammt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">33. Nicht genug kann man sich vor denen hüten, die den Ablaß des Papstes jene unschätzbare Gabe Gottes nennen, durch die der Mensch mit Gott versöhnt werde.</p>
<p style="text-align: justify;">34. Jene Ablaßgnaden beziehen sich nämlich nur auf die von Menschen festgesetzten Strafen der sakramentalen Genugtuung.</p>
<p style="text-align: justify;">35. Nicht christlich predigen die, die lehren, daß für die, die Seelen (aus dem Fegefeuer) loskaufen oder Beichtbriefe erwerben, Reue nicht nötig sei.</p>
<p style="text-align: justify;">36. Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlaß von Strafe und Schuld, auch ohne Ablaßbrief.</p>
<p style="text-align: justify;">37. Jeder wahre Christ, sei er lebendig oder tot, hat Anteil an allen Gütern Christi und der Kirche, von Gott ihm auch ohne Ablaßbrief gegeben.</p>
<p style="text-align: justify;">38. Doch dürfen der Erlaß und der Anteil (an den genannten Gütern), die der Papst vermittelt, keineswegs geringgeachtet werden, weil sie &#8211; wie ich schon sagte &#8211; die Erklärung der göttlichen Vergebung darstellen.</p>
<p style="text-align: justify;">39. Auch den gelehrtesten Theologen dürfte es sehr schwerfallen, vor dem Volk zugleich die Fülle der Ablässe und die Aufrichtigkeit der Reue zu rühmen.</p>
<p style="text-align: justify;">40. Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die Fülle der Ablässe aber macht gleichgültig und lehrt sie hassen, wenigstens legt sie das nahe.</p>
<p style="text-align: justify;">41. Nur mit Vorsicht darf der apostolische Ablaß gepredigt werden, damit das Volk nicht fälschlicherweise meint, er sei anderen guten Werken der Liebe vorzuziehen.</p>
<p style="text-align: justify;">42. Man soll die Christen lehren: Die Meinung des Papstes ist es nicht, daß der Erwerb von Ablaß in irgendeiner Weise mit Werken der Barmherzigkeit zu vergleichen sei.</p>
<p style="text-align: justify;">43. Man soll den Christen lehren: Dem Armen zu geben oder dem Bedürftigen zu leihen ist besser, als Ablaß zu kaufen.</p>
<p style="text-align: justify;">44. Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe und wird der Mensch besser, aber durch Ablaß wird er nicht besser, sondern nur teilweise von der Strafe befreit.</p>
<p style="text-align: justify;">45. Man soll die Christen lehren: Wer einen Bedürftigen sieht, ihn übergeht und statt dessen für den Ablaß gibt, kauft nicht den Ablaß des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein.</p>
<p style="text-align: justify;">46. Man soll die Christen lehren: Die, die nicht im Überfluß leben, sollen das Lebensnotwendige für ihr Hauswesen behalten und keinesfalls für den Ablaß verschwenden.</p>
<p style="text-align: justify;">47. Man soll die Christen lehren: Der Kauf von Ablaß ist eine freiwillige Angelegenheit, nicht geboten.</p>
<p style="text-align: justify;">48. Man soll die Christen lehren: Der Papst hat bei der Erteilung von Ablaß ein für ihn dargebrachtes Gebet nötiger und wünscht es deshalb auch mehr als zur Verfügung gestelltes Geld.</p>
<p style="text-align: justify;">49. Man soll die Christen lehren: Der Ablaß des Papstes ist nützlich, wenn man nicht sein Vertrauen darauf setzt, aber sehr schädlich, falls man darüber die Furcht Gottes fahrenläßt.</p>
<p style="text-align: justify;">50. Man soll die Christen lehren: Wenn der Papst die Erpressungsmethoden der Ablaßprediger wüßte, sähe er lieber die Peterskirche in Asche sinken, als daß sie mit Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe erbaut würde.</p>
<p style="text-align: justify;">51. Man soll die Christen lehren: Der Papst wäre, wie es seine Pflicht ist, bereit &#8211; wenn nötig -, die Peterskirche zu verkaufen, um von seinem Gelde einem großen Teil jener zu geben, denen gewisse Ablaßprediger das Geld aus der Tasche holen.</p>
<p style="text-align: justify;">52. Auf Grund eines Ablaßbriefes das Heil zu erwarten ist eitel, auch wenn der (Ablaß-)Kommissar, ja der Papst selbst ihre Seelen dafür verpfändeten.</p>
<p style="text-align: justify;">53. Die anordnen, daß um der Ablaßpredigt willen das Wort Gottes in den umliegenden Kirchen völlig zum Schweigen komme, sind Feinde Christi und des Papstes.</p>
<p style="text-align: justify;">54. Dem Wort Gottes geschieht Unrecht, wenn in ein und derselben Predigt auf den Ablaß die gleiche oder längere Zeit verwendet wird als für jenes.</p>
<p style="text-align: justify;">55. Die Meinung des Papstes ist unbedingt die: Wenn der Ablaß &#8211; als das Geringste &#8211; mit einer Glocke, einer Prozession und einem Gottesdienst gefeiert wird, sollte das Evangelium &#8211; als das Höchste &#8211; mit hundert Glocken, hundert Prozessionen und hundert Gottesdiensten gepredigt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">56. Der Schatz der Kirche, aus dem der Papst den Ablaß austeilt, ist bei dem Volke Christi weder genügend genannt noch bekannt.</p>
<p style="text-align: justify;">57. Offenbar besteht er nicht in zeitlichen Gütern, denn die würden viele von den Predigern nicht so leicht mit vollen Händen austeilen, sondern bloß sammeln.</p>
<p style="text-align: justify;">58. Er besteht aber auch nicht aus den Verdiensten Christi und der Heiligen, weil diese dauernd ohne den Papst Gnade für den inwendigen Menschen sowie Kreuz, Tod und Hölle für den äußeren bewirken.</p>
<p style="text-align: justify;">59. Der heilige Laurentius hat gesagt, daß der Schatz der Kirche ihre Armen seien, aber die Verwendung dieses Begriffes entsprach der Auffassung seiner Zeit.</p>
<p style="text-align: justify;">60. Wohlbegründet sagen wir, daß die Schlüssel der Kirche &#8211; die ihr durch das Verdienst Christi geschenkt sind &#8211; jenen Schatz darstellen.</p>
<p style="text-align: justify;">61. Selbstverständlich genügt die Gewalt des Papstes allein zum Erlaß von Strafen und zur Vergebung in besondern, ihm vorbehaltenen Fällen.</p>
<p style="text-align: justify;">62. Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.</p>
<p style="text-align: justify;">63. Dieser ist zu Recht allgemein verhaßt, weil er aus Ersten Letzte macht.</p>
<p style="text-align: justify;">64. Der Schatz des Ablasses jedoch ist zu Recht außerordentlich beliebt, weil er aus Letzten Erste macht.</p>
<p style="text-align: justify;">65. Also ist der Schatz des Evangeliums das Netz, mit dem man einst die Besitzer von Reichtum fing.</p>
<p style="text-align: justify;">66. Der Schatz des Ablasses ist das Netz, mit dem man jetzt den Reichtum von Besitzenden fängt.</p>
<p style="text-align: justify;">67. Der Ablaß, den die Ablaßprediger lautstark als außerordentliche Gnaden anpreisen, kann tatsächlich dafür gelten, was das gute Geschäft anbelangt.</p>
<p style="text-align: justify;">68. Doch sind sie, verglichen mit der Gnade Gottes und der Verehrung des Kreuzes, in der Tat ganz geringfügig.</p>
<p style="text-align: justify;">69. Die Bischöfe und Pfarrer sind gehalten, die Kommissare des apostolischen Ablasses mit aller Ehrerbietung zuzulassen.</p>
<p style="text-align: justify;">70. Aber noch mehr sind sie gehalten, Augen und Ohren anzustrengen, daß jene nicht anstelle des päpstlichen Auftrags ihre eigenen Phantastereien predigen.</p>
<p style="text-align: justify;">71. Wer gegen die Wahrheit des apostolischen Ablasses spricht, der sei verworfen und verflucht.</p>
<p style="text-align: justify;">72. Aber wer gegen die Zügellosigkeit und Frechheit der Worte der Ablaßprediger auftritt, der sei gesegnet.</p>
<p style="text-align: justify;">73. Wie der Papst zu Recht seinen Bannstrahl gegen diejenigen schleudert, die hinsichtlich des Ablaßgeschäftes auf mannigfache Weise Betrug ersinnen,</p>
<p style="text-align: justify;">74. So will er viel mehr den Bannstrahl gegen diejenigen schleudern, die unter dem Vorwand des Ablasses auf Betrug hinsichtlich der heiligen Liebe und Wahrheit sinnen.</p>
<p style="text-align: justify;">75. Es ist irrsinnig zu meinen, daß der päpstliche Ablaß mächtig genug sei, einen Menschen loszusprechen, auch wenn er &#8211; was ja unmöglich ist &#8211; der Gottesgebärerin Gewalt angetan hätte.</p>
<p style="text-align: justify;">76. Wir behaupten dagegen, daß der päpstliche Ablaß auch nicht die geringste läßliche Sünde wegnehmen kann, was deren Schuld betrifft.</p>
<p style="text-align: justify;">77. Wenn es heißt, auch der heilige Petrus könnte, wenn er jetzt Papst wäre, keine größeren Gnaden austeilen, so ist das eine Lästerung des heiligen Petrus und des Papstes.</p>
<p style="text-align: justify;">78. Wir behaupten dagegen, daß dieser wie jeder beliebige Papst größere hat, nämlich das Evangelium, &#8220;Geisteskräfte und Gaben, gesund zu machen&#8221; usw., wie es 1. Kor. 12 heißt.</p>
<p style="text-align: justify;">79. Es ist Gotteslästerung zu sagen, daß das (in den Kirchen) an hervorragender Stelle errichtete (Ablaß-) Kreuz, das mit dem päpstlichen Wappen versehen ist, dem Kreuz Christi gleichkäme.</p>
<p style="text-align: justify;">80. Bischöfe, Pfarrer und Theologen, die dulden, daß man dem Volk solche Predigt bietet, werden dafür Rechenschaft ablegen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">81. Diese freche Ablaßpredigt macht es auch gelehrten Männern nicht leicht, das Ansehen des Papstes vor böswilliger Kritik oder sogar vor spitzfindigen Fragen der Laien zu schützen.</p>
<p style="text-align: justify;">82. Zum Beispiel: Warum räumt der Papst nicht das Fegefeuer aus um der heiligsten Liebe und höchsten Not der Seelen willen &#8211; als aus einem wirklich triftigen Grund -, da er doch unzählige Seelen loskauft um des unheilvollen Geldes zum Bau einer Kirche willen &#8211; als aus einem sehr fadenscheinigen Grund -?</p>
<p style="text-align: justify;">83. Oder: Warum bleiben die Totenmessen sowie Jahrfeiern für die Verstorbenen bestehen, und warum gibt er (der Papst) nicht die Stiftungen, die dafür gemacht worden sind, zurück oder gestattet ihre Rückgabe,wenn es schon ein Unrecht ist, für die Losgekauften zu beten?</p>
<p style="text-align: justify;">84. Oder: Was ist das für eine neue Frömmigkeit vor Gott und dem Papst, daß sie einem Gottlosen und Feinde erlauben, für sein Geld eine fromme und von Gott geliebte Seele loszukaufen; doch um der eigenen Not dieser frommen und geliebten Seele willen erlösen sie diese nicht aus freigeschenkter Liebe?</p>
<p style="text-align: justify;">85. Oder: Warum werden die kirchlichen Bußsatzungen, die &#8220;tatsächlich und durch Nichtgebrauch&#8221; an sich längst abgeschafft und tot sind, doch noch immer durch die Gewährung von Ablaß mit Geld abgelöst, als wären sie höchst lebendig?</p>
<p style="text-align: justify;">86. Oder: Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gläubigen?</p>
<p style="text-align: justify;">87. Oder: Was erläßt der Papst oder woran gibt er denen Anteil, die durch vollkommene Reue ein Anrecht haben auf völligen Erlaß und völlige Teilhabe?</p>
<p style="text-align: justify;">88. Oder: Was könnte der Kirche Besseres geschehen, als wenn der Papst, wie er es (jetzt) einmal tut, hundertmal am Tage jedem Gläubigen diesen Erlaß und diese Teilhabe zukommen ließe?</p>
<p style="text-align: justify;">89. Wieso sucht der Papst durch den Ablaß das Heil der Seelen mehr als das Geld; warum hebt er früher gewährte Briefe und Ablässe jetzt auf, die doch ebenso wirksam sind?</p>
<p style="text-align: justify;">90. Diese äußerst peinlichen Einwände der Laien nur mit Gewalt zu unterdrücken und nicht durch vernünftige Gegenargumente zu beseitigen heißt, die Kirche und den Papst dem Gelächter der Feinde auszusetzen und die Christenheit unglücklich zu machen.</p>
<p style="text-align: justify;">91. Wenn daher der Ablaß dem Geiste und der Auffassung des Papstes gemäß gepredigt würde, lösten sich diese (Einwände) alle ohne weiteres auf, ja es gäbe sie überhaupt nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">92. Darum weg mit allen jenen Propheten, die den Christen predigen: &#8220;Friede, Friede&#8221;, und ist doch kein Friede.</p>
<p style="text-align: justify;">93. Wohl möge es gehen allen den Propheten, die den Christen predigen: &#8220;Kreuz, Kreuz&#8221;, und ist doch kein Kreuz.</p>
<p style="text-align: justify;">94. Man soll die Christen ermutigen, daß sie ihrem Haupt Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen trachten</p>
<p style="text-align: justify;">95. und daß die lieber darauf trauen, durch viele Trübsale ins Himmelreich einzugehen, als sich in falscher geistlicher Sicherheit zu beruhigen.</p>
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		<title>Luthers Predigten</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 10:58:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Santos</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Luthers Predigten und Schriften waren in einer kräftigen und volksnahen Sprache verfasst, wobei er vulgäre Ausdrücke nicht verschmähte. Bekannt wurden viele deftige Zitate wie: Aus einem glücklichen Arsch kommt ein fröhlicher Furz.
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			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Luthers Predigten und Schriften waren in einer kräftigen und volksnahen Sprache verfasst, wobei er vulgäre Ausdrücke nicht verschmähte. Bekannt wurden viele deftige Zitate wie: Aus einem glücklichen Arsch kommt ein fröhlicher Furz.</p>
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