An Pergamon (2,12-17)

2,12 »Pergamon« bedeutet soviel wie hoher Turm oder gründlich verheiratet. Dieser Brief stellt den Herrn als den Einen vor, »der das zweischneidige, scharfe Schwert« hat. Dieses Schwert ist das Wort Gottes (Hebr 4,12), mit dem er die Missetäter in der Gemeinde richten wird (s. V. 16).

2,13 Pergamon war die asiatische Hauptstadt des Kaiserkultes: von daher wird der Ort »Thron des Satans« genannt. Trotz des sie umgebenden Heidentums war die Gemeinde Christus treu geblieben, sogar als eines ihrer Glieder, »Antipas« um seines Zeugnisses für Christus willen zum Märtyrer geworden war. Er war der erste bekannte Kleinasiate, der starb, weil er sich weigerte, den Kaiser anzubeten.

2,14.15 »Aber« der Herr muß die Gemeinde tadeln, weil sie es erlaubte, daß Männer mit bösen Lehren in ihr geduldet wurden. Es gab auch Menschen, »welche die Lehre Bileams« und »der Nikolaiten festhalten«. Die Lehre Bileams gestattete es, »Götzenopfer« zu essen und »Unzucht« zu »treiben«. Diese Bezeichnung steht auch für die Praxis des Predigens um des Gewinnes willen (4. Mose 22-25;31). »Die Lehre der Nikolaiten« ist uns unbekannt. Viele Ausleger sind der Ansicht, daß dies Liberale waren, die lehrten, daß diejenigen, die unter der Gnade lebten, frei waren, Götzendienst zu tun und sich an sexuellen Ausschweifungen zu beteiligen. Dr. C. I. Scofield jedoch verbindet diese Lehre mit dem Aufkommen des Klerikalismus: Es geht hier um die Lehre, daß Gott einen »Klerus« eingesetzt hat, Priester, die sich von den »Laien« unterscheiden. Das Wort besteht aus zwei griechischen Worten, niko, Eroberer oder Überwinder, und laos, das Volk. Das Neue Testament kennt keine »Geistlichen« und noch weniger »Priester«, außer, daß alle Kinder Gottes in diesem Zeitalter ein »königliches Priestertum« innehaben. In den apostolischen Gemeinden gab es Ämter: Älteste (oder Bischöfe) und Diakone; außerdem hatten Menschen bestimmte Gaben: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer (Eph 4,11). Diese konnten Älteste oder Diakone sein oder auch nicht. Doch gegen Ende der Apostelzeit gab es die Tendenz, den Ältesten alleinige Autorität über die Verwaltung der Sakramente zu geben und ganz allgemein aus ihnen ein Klasse zu machen, die zwischen Gott und dem Volk stand – dies waren die Nikolaiten. Man wird beobachten, daß das, was in Ephesus (in der späten Apostelzeit) »Werke« waren, nun zweihundert Jahre später in Pergamon (oder der konstantinischen Zeit) zur »Lehre« geworden ist.

2,16 Echte Gläubige werden aufgerufen, »Buße« zu tun. Wenn sie es täten, dann würden sie wahrscheinlich die Irrlehrer aus ihrer Mitte ausschließen. Andernfalls würde der Herr selbst gegen diese Missetäter »Krieg … führen«.

2,17 Gehorsame Heilige sollten hören, »was der Geist den Gemeinden sagt«. Dem Überwinder sollte »verborgenes Manna« und ein »weißer Stein« gegeben werden. Der Überwinder in Pergamon könnte das Kind Gottes sein, das sich weigert, Irrlehren in der Ortsgemeinde zu tolerieren. Doch was bedeutet das »verborgene Manna« und der »weiße Stein«? »Manna« ist ein Bild für Christus selbst. Es kann für himmlische Speise stehen im Gegensatz zu den Speisen, die den Götzen geopfert waren (V. 14). »Verborgenes Manna« könnte »eine süße geheime Gemeinschaft mit Christus sein, der in der Herrlichkeit als der Leidende bekannt ist«. Der »weiße Stein« ist auf vielerlei Weise erklärt worden. Er war z. B. ein Zeichen der Anerkennung in einem Gerichtsverfahren. Er war ein Symbol des Sieges in einem athletischen Wettbewerb. Er war ein Ausdruck des Willkommens, den ein Gastgeber seinem Gast gab. Es scheint klar zu sein, daß es sich um eine Belohnung handelt, die der Herr dem Überwinder gibt, und die persönliche Anerkennung dieses Überwinders bedeutet. Alford sagt, daß der »neue Name« anzeigt, daß man von Gott angenommen und für die Herrlichkeit bestimmt ist. Historisch gesehen stellt diese Gemeinde die Zeit kurz nach Konstantin dar, als die Gemeinde mit dem Staat »gründlich verheiratet« war. Tausende wurden zu Namenschristen, und die Gemeinde tolerierte heidnische Gebräuche in ihren Reihen.

Auszug aus dem Buch “Kommentar zum neuen Testament” von William MacDonald.  Weiterlesen bei CLV .  Mit freundlicher Genehmigung, Christliche Literatur-Verbreitung e.V.

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