|
Martin Luther - Predigten
Matthäus 6, 24-34
Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder er wird
einen hassen und den anderen lieben, oder wird einem
anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott
dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für
euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für
euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben
mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung?
Sehet die Vögel unter den Himmel an: sie säen nicht, sie
ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheune; und euer
Himmlische Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel
mehr, denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine
Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum
sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem
Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie
nicht. Ich sage euch, dass auch Salomon in aller seiner
Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselbigen
eins. So denn Gott das Gras auf den Felde also kleidet, dass
doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird;
sollte er das nicht viel mehr euch tun, o ihr
Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sagen : Was werden wir
essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer
himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles bedürfet.
Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner
Gerechtigkeit; so wird euch solches alles zufallen. Darum
sorget nicht für den anderen Morgen; denn der morgende Tag
wird dass seine Sorgen. Es ist genug, dass ein jeglicher Tag
seine eigene Plage habe.
1. Das ist ein reiches Evangelium und lange Predigt wieder
den Geiz; dem ist unser Herr Gott darum besonders feind,
dass sonst kein Laster ist, welches das Evangelium mehr
hindert und den Christen mehr Schaden tut. Und dennoch sehen
wir, dass die ganze Welt darin ersoffen ist. Denn jeder Mann
besorgt Tag und Nacht, wie er wolle ernähret werden. Und
fördert das den Geiz besonders, dass keiner sich an dem
genügen lässt, dass ihm Gott gönnt und gegeben hat; alle
wollen sie mehr haben. Wenn Gott ein schönes Haus beschert
hat, der wollte gern ein Schloss haben; hat er ein Schloss,
so wollte er gern ein Dorf haben, und sofort an: niemand
lässt sich genügen, jeder Mann wollte gern noch höher kommen
und mehr haben. Sonst, wo der Geiz und Stolz nicht wäre,
hätten wir alle genug, und würde kein solch Sorgen, scharren
und kratzen unter den Leuten sein. Solchem unchristlichen
Wesen wollte der Herr gern wehren mit dieser Predigt, macht
es deswegen sehr heftig. " Niemand ", spricht er, " kann
zwei Herren dienen; er wird entweder einen hassen, und den
anderen lieben; oder einem anhangen, und den anderen
verachten ". Da sieht man, dass der Herr Sorge hat, der
Mammon hindere seinen Dienst.
2. Darum ist es nicht ein Evangelium für das junge Volk.
Denn dasselbe hat die Gnade, Gott habe Lob, dass sie lieber
Kirschen essen, denn Geld zählen, ihnen ist auch mehr an
einem schönen Apfel, denn an einem Geldstück gelegen, fragen
nicht danach, was das Korn kostet, denn sie sind in ihrem
Herzen sicher und gewiss, sie werden zu essen finden.
3. Es geht aber diese Predigt besonders auf die Hausväter
und die in den Ämtern sitzen; und am allermeisten auf die
Prediger, denen es in der Welt übel geht, deren etliche
durch Armut gezwungen werden, dass sie denken müssen, wie
sie sich und ihr Weib und Kinder ernähren wollen. Diese
tröstet der Herr hier, will ihnen solche Sorge nehmen, und
sagt: Sie sollen doch die Vögel ansehen: weil Gott dieselben
so reichlich versorgt, so werde ihnen ja auch ihr Lohn
werden, dass sie nicht des Hungers Sterben müssen.
4. Das also diese Predigt die Jugend nicht angeht, denn
dieselbe geht in den Gedanken daher, dass Küche und Keller
bereits voll sind, und lassen andere Sorgen. Aber wir alten
Narren haben das Unglück besonderen an uns, dass wir für den
Bauch Sorgen und immerdar fürchten, wir müssen Hungers
Sterben.
5. Weil es aber unser lieber Herr Christus so knapp
abschlägt, man könne nicht zugleich Gott und dem Mammon
dienen, will es vonnöten sein, dass wir wohl lernen, was da
heiße, Gott dienen.
6. Dem gemeinen Gebrauch nach in der Welt heißt " dienen "
anderes nichts, denn tun, was man befohlen hat. dass es
gleich so viel gesagt ist: Ich diene meinem Herrn, als wenn
man spräche: Ich tue, was mir mein Herr befiehlt. In das
also der Dienst nicht auf die bloße Person, sondern auf das
Wort und Befehl geordnet ist. Denn Herren und Frauen im Haus
dürfen das Gesinde nicht dazu halten, dass sie essen und
trinken; sie können es wohl. Da aber mögen sie zusehen, wie
sie das tun und ausrichten, dass sie ihnen befohlen haben.
Wo nun ein Knecht ein Schalk ist, und lässt seines Herrn
Wort und Befehl anstehen, und richtet aus, was ihn andere
sagen, dass heißt dem rechten Herrn nicht dienen.
7. Auf diese Weise müssen wir hier vom Gottesdienst auch
reden: dass Gott dienen anderes nicht heißt, denn hören, was
er sagt, und dasselbige gern und mit Fleiß tun. Was heißt
aber Gott? Vor allen Dingen heißt er, man soll Christum
hören und das liebe Evangelium annehmen. Das ist der einige,
rechte, wohlgefällige Dienst, den wir Gott können tun; denn
da steht sein Befehl vor Augen.
8. Nach demselben befiehlt Gott, dass die Kinder Vater und
Mutter ehren, die Eltern ihre Kindern nähren, ziehen und
lehren sollen; dass ein Weib ihren Mann lieb haben und den
Haushalt warten, und dagegen der Mann sie nähren und
schützen soll. Wo nun die Kinder ihren Vater und Mutter
ehren, mit demselben dienen sie Gott. Denn da steht Gottes
Befehl, dass sie es tun sollen. Also Knechte und Mägde im
Hause, wenn sie mit Fleiß tun, was ihnen befohlen ist,
dienen sie in dem nicht allein ihrer Herrschaft, sondern
Gott im Himmel; denn da steht sein Wort, das fordert solches
von ihnen.
9. Also fortan in anderen Ständen auch, könnte ein jeglicher
in Gottes Befehl und Dienst gehen, wenn wir es nur lernen
wollten, was da heiße, Gott dienen. Denn wie gesagt, der
Gottesdienst steht nicht am Werk, sondern im Wort und Befehl
Gottes. Es hat ein großes Ansehen vor der Welt, dass sich
ein Mönch allem enthält und geht in ein Kloster, führt da
ein strenges und hartes Leben, fastet, wacht, betet. Da
mangelt es am Werk nicht; es mangelt aber am Befehl, dass
Gott solches ihn nicht geheißen hat; darum kann es für
keinen Gottesdienst gerühmt werden. Wiederum ist es ein sehr
geringes Ding anzusehen, dass eine Magd im Haus kocht,
spült, kehrt und andere Hausarbeit tut. Aber weil Gottes
Befehl da ist, so kann solch geringes Werk anders nicht denn
ein Gottesdienst gerühmt werden, und übertrifft weit aller
Menschen und Nonnen Heiligkeit und hartes Leben. Denn dort
ist kein Befehl Gottes; hier aber ist Gottes Befehl, dass
man Vater und Mutter ehren und zur Haushaltung helfen soll.
10. Also heißt es durchaus Gott gedient, wo man tut, was
Gott befohlen hat, und lässt, was Gott verboten hat. Und
möchte also die ganze Welt voll Gottesdienstes sein: nicht
allein in der Kirche, sondern auch im Hause, in der Küche,
im Keller, in der Werkstatt, auf dem Felde, bei Bürgern und
Bauern, wenn wir uns nur recht wollten dahin schicken. Denn
gewiss ist es, dass Gott nicht allein das Kirchen -und
Weltregiment, sondern auch das Hausregiment geordnet und
erhalten haben will. Darum wer dazu dient, Vater und Mutter
erstlich, danach die Kinder, und letztlich das Gesinde und
Nachbarn, alle miteinander dienen sie Gott; denn es ist sein
Wille und Befehl.
11. Da könnte als dann eine arme Dienstmagd erstlich die
Freude im Herzen haben, und sagen: ich koche jetzt, ich
mache das Bett, ich kehre das Haus, wer hat es mich
geheißen? Es hat mich mein Herr und meine Frau geheißen. Wer
hat nun ihnen solche Macht über mich gegeben? Es hat Gott
getan. Ei, so muss es wahr sein, dass ich nicht allein
ihnen, sondern auch Gott im Himmel diene, und dass Gott
einen Gefallen daran habe. Wie kann ich denn seliger sein?
Ist doch genau so viel, als wenn ich Gott im Himmel selbst
sollte kochen.
12. Also könnte ein Mensch bei aller seiner Mühe und Arbeit
fröhlich und guter Dinge sein, und würde ihm nichts sauer
werden, wenn er sich also in seinem Dienst und Beruf
schickte. Aber da wehrt der Teufel mit Händen und Füßen,
dass man zu der Freude nicht komme, sondern jedermann einen
Unwillen habe an dem, dass er tun soll und ihm befohlen ist;
dass nur den Leuten keine Liebe dazu geschehe, und Gott kein
Dienst.
13. Wenn es um Geld zu kaufen wäre, dass einer könnte in den
Stand kommen, da er gewiss wüsste, dass er Gott darinnen
diente; meinst du nicht, wir würden alles darum geben, dass
wir es haben? Was hat allein das tolle Mönchs -und
Nonnenvolk getan, um der Hoffnung Willen, dass sie dachten,
sie wollten Gott dienen? Aber wie ich oben auch gesagt habe,
es hat ihnen daran gefehlt, da alles an liegt. Denn so du
fragt, wer sie habe geheißen in das Kloster laufen, ist es
ihnen unmöglich, dass sie es sagen könnten, Gott habe es
ihnen befohlen; sondern wenn sie die Wahrheit bekennen
wollen, so müssen sie sagen, sie haben es dafür gehalten,
man könne Gott so dienen. Aber das danke Ihnen der leidige
Teufel. Denn das ist ebenso ein Ding, als wenn ich meine
Magd hieße ein Feuer machen, und sie wollte dafür die Stube
kehren. Mit solchen Dienst würde sie mir keinen Gefallen
tun, ich würde es ihr nicht danken; besonders wenn sie
solches noch verteidigen und rühmen wollte: Ei, Herr, es
kommt mich das Stube kehren auch sauer an. Ich würde wohl
sagen, wer hat dich so etwas geheißen? Du solltest mir jetzt
die Stube gewärmt haben; dieses habe ich dir gesagt, und
nicht die Stube kehren.
14. So eine Meinung haben die Mönche und Nonnen: die rühmen
Gottesdienst, und Gott hat sie es doch nicht geheißen.
Darum, willst du Gott recht dienen, so bleibe in deinem
Beruf und Stand, er sei so gering er ist; und höre zuerst
auf Gottes Wort in der Kirche, danach auf deiner Obrigkeit,
Herrschaft oder Eltern Wort, und folge. Das heißt Gott recht
gedient.
15. Darum soll ein jeglicher für seine Person, in was für
einen Stand er ist, fleißig lernen und wohl merken, was da
heiße, Gott dienen, nämlich, tun, was Gott befiehlt durch
Prediger, durch Vater und Mutter, durch Herren und Frauen im
Haus. Tust du dass, so kann dein Herz gegen Gott sicher
sein, und wird deine Arbeit oder Dienst dir nicht sauer noch
schwer werden; denn du weißt, dass Gott einen Gefallen daran
hat und dass es ihm gedient heißt. Und es ist eben soviel,
was du in deinem Hause tust, als wenn du es unseren Herrn
Gott oben im Himmel getan hättest.
16. Das ist denn der schönste und beste Schmuck, da ein
Mensch mit geschmückt ist, über aller anderen Kreaturen, die
doch auch im Gehorsam Gottes daher gehen. Denn da sehen wir,
dass Sonne und Mond, die Erde und alle Kreaturen in Gottes
Ordnung und Gehorsam einher gehen, und das ausrichten, dass
sie Gott geheißen hat. Die Sonne gibt aller Welt Licht des
Tages, der Mond des Nachts, das Erdreich bringt jährlich
allerlei Früchte. Also das Wasser auch. Was hat das für
einen Befehl? Was soll es tun? Es soll Fische bringen, sagt
Gott im ersten Buch Mose. Das tut es auch überall, wo nur
die Leute durch ihre Sünde nicht selbst Gottes Segen
aufhalten und seinen Befehl hindern. Also alle andere
Kreaturen gehen daher in dem schönsten Schmuck, das ist, im
Dienst Gottes. Christus spricht hier, dass auch Salomon
nicht so schön geschmückt sei gewesen in all seiner
Herrlichkeit, als ein Blümlein auf dem Felde. Was ist sein
Befehl? Anderes nicht, denn das es soll da stehen, lieblich
sehen, wohl riechen, und sich ansehen und brauchen lassen.
So nun Gott solches an einem Blümlein so hoch lobt, was
meinst du wohl, dass es an einem Menschen für ein Schmuck
ist, wenn er erfunden wird im Befehl und Gehorsam Gottes?
17. Eine Magd, die sich zum Tanz schmückt, das ist
Weltschmuck. Wer es aber recht urteilen will, der muss
sagen: Es ist ein Dreck gegen den Schmuck, wenn sie in ihrem
Amt und Beruf geht, wartet der Kinder, der Küche, des
Hauses, und tut, was ihr zu tun befohlen ist. Denn also
rühmt der 45. Psalm die Christen, und spricht in Vers 10.: "
in deinem Schmuck gehen daher der Könige Töchter ". Was kann
das für ein Schmuck sein, weil wir wissen, dass die Christen
auf Erden Arm, Elend und verachtet sind? Es ist ein
geistlicher Schmuck, und heißt nicht Silber, Perlen, Samt
oder goldene Stücke, sondern der Befehl unseres Herrn
Gottes. Solcher Schmuck leuchtet schöner denn die Sonne;
denn es ist Gottes Schmuck. Also wer in unseres Herrn Gottes
Befehl recht geht, der geht in unseres Herrn Gottes eigenem
Schmuck.
18. Wenn ich des Kaisers Schmuck anhätte oder eine junge
schöne Frau im Schmuck der Königin von Frankreich
einherginge, das wär ein herrlich und köstliches Ding vor
der Welt, da jedermann das Maul darüber aufsperret. Aber in
der Wahrheit ist es nichts gegen diesen geistlichen Schmuck,
wenn ein Weib daher geht im Gehorsam gegen Gott, hat ihren
Ehemann lieb und wert, und zieht ihre Kindlein fein und
wohl, und ist im Haushalten ordentlich und fleißig gegen
solchen Schmuck sind Perlen, Samt und goldene Stücke wie ein
alter, zerrissener, geflickter Bettlersmantel. Denn es ist
ein Schmuck, der Gottes Wort und Befehl hat und in Gottes
Gehorsam geht.
19. Das ist nun die rechte Krone und schöne goldene Kette,
wie Salomon redet Sprüche 1, und spricht Vers 8 und 9: "
Mein Sohn, gehorche der Zucht deines Vaters, und verlassen
nicht das Gebot danach Mutter; denn solches ist ein schöner
Schmuck deinem Haupt, und eine Kette an deinem Halse ".
20. Hier auf Erden scheint dieser Gehorsam nichts besonderes
zu sein. Aber in jenem Leben, da wird es scheinen, wenn Gott
sagen wird und rühmen: Mein Kind, kommt her, du bist ein
gehorsames Kind, eine treue Magd, ein frommer Knecht
gewesen. Da wird man sehen, dass der Gehorsam gegen Gott und
sein Wort, auch in solchen geringen Ständen, mehr zieret,
denn aller Welt Schmuck.
21. Das sei von dem ersten Stück gesagt, dass ihr lernet,
was da heiße, Gott dienen, und euch des Mammons Dienst an
solchem nicht hindern lasset. Nun wollen wir den Trost
besehen, und lernen, wie wir uns des Geizes erwehren sollen.
22. Erstlich spricht der Herr: " Niemand kann zwei Herren
dienen ". Nennt zwei Herren; der eine heißt Gott, das ist
der rechte Herr, dem wir zu dienen schuldig sind. Der andere
Herr heißt Mammon, das ist nicht der rechte Herr; darum will
Christus, dass wir ihm nicht dienen sollen. Wie man aber
Gott diene, haben wir gehört.
23. Was aber heiße, dem Mammon dienen, deutet der Herr hier
selbst, nämlich, für das Leben sorgen, was man essen und
trinken wolle, und für den Leib sorgen, wie man sich kleiden
wolle. Und stellt die ganze Predigt dahin, dass wir solche
Sorge sollen gar fallen lassen; denn es ist nicht allein
eine vergebliche Sorge, der wir nicht bedürfen und nichts
damit ausrichten können, sondern es hindert auch solche
Sorge den rechten Gottesdienst. Darum soll man sich davor
hüten, und sich dahin gewöhnen, dass man Gott diene, und
wissen, dass er weiß, was wir bedürfen, will uns auch
schaffen und gern geben, wenn wir es nur bei ihm suchen.
24. Zu solchem Vertrauen haben wir einen großen Vorteil,
dass wir sehen, dass Gott bereits, ohne unsere Vorsorge, uns
gegeben hat Leib und Leben. Da lasse nun alle Welt über
urteilen. Ist es nicht wahr, wenn alles Essen auf einem
Haufen da wäre, es wäre dir nicht so lieb als dein Leben?
Also ist dein Leib dir lieber denn alle Kleidung. Sind wir
denn nicht heillose, undankbare Leute, da Gott billig sollte
über zürnen? Bekennen müssen wir, dass er uns das meiste und
größte bereits von sich selbst und ungebeten gegeben hat,
und wollen ihm doch nicht trauen, dass er uns werde das
Geringere auch geben. Es sollte ja einem reichen Mann weh
tun, wenn er dir tausend Gulden geschenkt hätte, dass du
nicht so viel wolltest von ihm denken, dass er dir auch ein
paar Schuhe schenken würde. Eben also tun wir in der
Wahrheit gegen unseren Herrn Gott im Himmel, wenn wir für
Essen und Trinken sorgen; obwohl er bereits das größte und
meiste geschenkt hat. Wie aber solches Misstrauen ihm nicht
gefällt, da mögen wir drüber nachdenken.
25. Gleich nun wie wir an und selbst, an unserem Leib und
Leben, an Augen, Ohren, Händen, Füßen und allen unseren
Gliedmaßen lernen und bekennen müssen, Gott sei gnädig, er
habe uns viel die geben und gütlich getan: also stellt der
Herr uns auch anderer Kreaturen Beispiel vor, dass wir daran
lernen sollen, Gott trauen und nicht sorgen.
26. Denn da fliegen die Vögel vor unseren Augen, uns zu
kleinen Ehren, dass wir wohl möchten unseren Hut gegen sie
heben, und sagen: Mein lieber Herr Dr., ich muss bekennen,
dass ich die Kunst nicht kann, die du kannst. Du schläfst
die Nacht über in deinem Nest ohne alle Sorge; am Morgen
stehst du wieder auf, bist fröhlich und guter Dinge, setzt
dich auf eine Blume, und singst, lobst und dankst Gott;
danach suchst du deine Nahrung und findest sie. Pfui, was
habe ich alter Narr gelernt, dass sich es nicht so tue, der
ich doch so viel Grund dazu hätte. Kann der Vogel sein
Sorgen lassen, und hält sich in solchem Fall, wie ein
lebendiger Heiliger, und hat dennoch weder Acker noch
Scheune, weder Kasten noch Keller, er singt, lobt Gott, ist
fröhlich und guter Dinge; denn er weiß, dass er einen hat,
der für alles sorgt; dieser heißt unser Vater im Himmel:
warum tun wir es denn nicht auch, die wir den Vorteil haben,
dass wir können arbeiten, das Feld bauen, die Früchte
sammeln, und wenn eine Not kommt behalten? Dennoch können
wir das schändliche Sorgen nicht lassen.
27. Darum sollten wir dieses Beispiel von den Vögeln nicht
vergessen. Sie sind ohne alle Sorge, fröhlich und guter
Dinge. Und warum wollten sie auch sorgen? Sie haben einen
reichen Küchenmeister und Kellner, der heißt der Vater im
Himmel, der hat eine Küche, die so groß als die ganze Welt
ist. Darum, sie fliegen hin, wo sie wollen, so finden Sie
die Küche wohl bestellt. Dieser himmlische Vater, sagte
Christus hier, will unser Küchenmeister und Kellner auch
gerne sein, wenn wir es nur glauben könnten.
28. Aber wir erfahren leider, dass die ganze Welt ist ein
Haufe verzweifelter Geizhälse, die Gott nicht trauen, Gott
nicht dienen, sondern dem Mammon; und gehen nur damit um,
wie sie viel Geld sammeln mögen. Gelingt es ihnen, dass sie
es bekommen, so sind sie guter Dinge. Gelingt es ihnen
nicht, so sind sie traurig und bekümmert und sorgen Tag und
Nacht. Ist es aber nicht wahr, wenn du schon das Haus voll
Geld hättest, und das Haus wäre auch noch golden, und die
Elbe oder der Rhein Flüsse mit Gold und wäre dein eigenen:
was könnte solches dir helfen, wenn sonst nichts, kein Korn,
kein Bier, kein Wein, kein Wasser da wäre? Du wirst ja das
Gold nicht fressen.
29. Das mag doch ein schändlicher Mammonsdienst heißen,
dessen auch die Heiden verspottet haben, und eine Geschichte
gemacht von einem reichen König, der war so geizig, dass er
wünschte, dass alles, was er anrührte, zu Gold würde. Dieser
Wunsch wurde ihm erfüllt, wie er begehrt hatte: Griff er
seinen Rock, Tisch, Bänke, Bett, Türe an, wurde alles sobald
zu Gold, das Messer über dem Tisch, das Brot und Trinken
auch. Aber er musste zuletzt des Hungers dabei Sterben, der
Geizhals, da er hatte wohl gewünscht. Darum fluche dem Geiz,
und fliehe ihn, wer da kann; denn man wird ja weder Silber
noch Gold essen. Dennoch ist die Welt so blind und toll,
wenn sie essen und Trinken hat, dass sie noch Gold und Geld
haben will. Gerade als bedürfte sie dessen nicht, dass Gott
gibt, und müsste das haben, dass er nicht gibt.
30. Wer nun ein Christ ist, der bedenke besser, und lasse
sich den Geiz nicht überkommenen; sondern lerne Gott trauen,
der an uns und der ganzen Kreatur sich schon mehr als
bewiesen hat, dass er für uns sorgen und uns keinen Mangel
leiden lassen will. Wie denn der Psalter auch besonders
rühmt von den jungen Raben, dass Gott ihnen ihre Speise und
Nahrung schaffe, obwohl die alten Raben sie im Nest
verlassen und nicht mehr zu ihnen kommen. Denn das ist
Gottes Ordnung für und für, wo er das Leben gibt, dass er
auch schafft, dass man es erhalten können. Und so er solches
dem Vieh tut, wie viel mehr will er es den Menschen, und
besonders seinen Christen tun! Welchen er nicht allein Leib
und Leben, sondern auch seinen eingeborenen Sohn gegeben
hat, dass sie nicht allein zeitlich, sondern in Ewigkeit
Leben sollen. Das wollte der Herr gerne, dass wir es lernen,
und den schändlichen Unglauben, welchen der Geiz erregt,
fallen lassen.
31. Denn was richten wir damit aus, wenn wir uns schon zu
Tode sorgen? Ein sehr närrisches Ding wäre es, wenn ein
kleines Männlein sich in einen Winkel setzen, und da sein
Lebtag sorgen und gedenken wollte, wie es könnte größer
werden. Meinst du nicht, alle Welt würde darüber Spotten und
ihn für einen großen Narren halten? Eben so, spricht
Christus, tut die Welt, wenn sie sorgt, wie sie Geld und Gut
könne zu Wege bringen; es wird sich keiner reich sorgen. Es
liegt ganz und gar an dem, ob Gott seinen Segen gebe, und
nicht am Sorgen. Ist der Segen Gottes da, so hat mans; ist
er nicht da, ob man es schon hat, so wird man es doch nicht
genießen noch erhalten können, wie die Beispiele vor Augen
sind.
32. Das sollte ja auch eine Ursache sein, die uns zum
Glauben reizen und bewegen sollte: dass die Sorge nicht
allein den Glauben hinderte und wieder Gott ist; sondern sie
tut uns wehe und plagt uns, und wir richten dennoch nichts
damit aus. Das heißt den Geiz, die Sorge und dem Missglauben
(denn wo eins ist, der ist auch das andere) redlich gelobt;
das so wir nur unserer Vernunft gebrauchen wollten, wenn wir
solchen Untugenden feind werden und uns davor hüten sollten.
33. Aber der Herr will es bei dem nicht bleiben lassen, und
heißt uns, wir sollen doch die Augen auftun, wenn wir auf
dem Feld oder in einem Garten sind, und die Blumen ansehen;
da werden wir auch einen trefflichen Dr. finden, der uns
gern die höchste Kunst lehren wollte, dass wir Gott trauen
und uns alles Gute zu ihm versehen könnten. Denn da stehen
Blumen in vielen Farben, auf das schönste geschmückt, dass
kein Kaiser noch König ihnen im Schmuck gleich ist. Denn
solcher Schmuck aller ist ein totes Ding. Eine Blume aber
hat seine Farbe und Schöne, dass es ein natürlich, lebendig
Ding ist. Und hat diese Meinung nicht, dass es ohne Grund so
wachse. Hier steht es, dass Christus sagt: Gott kleidet das
Gras auf dem Felde also.
34. Eben wie er oben sagt: Die Vögel finden ihre Nahrung
nicht ohne Grund, sondern Gott der Vater im Himmel schafft
sie ihnen, und ordnete es, dass ein jeder Vogel seine Pfunde
habe und ernähret werde. Also geht es mit dem Blumen auch,
wie man sieht. Denn wo es nicht Gottes besondere Ordnung und
Schöpfung wäre, würde das nie sein können, dass eines dem
anderen so gleich wäre, gleiche Farbe, Blätter, Anzahl der
Blätter, und vieles mehr. So nun Gott solchen Fleiß auf das
Gras legt, dass nur darum steht, dass man es sehen und das
Vieh sein genießen soll: ist es nicht Sünde und Schande,
dass wir noch zweifeln, ob auch Gott uns Kleidung schaffen
wolle?
35. Denn eben wie wir einen Vorteil haben vor den Vögeln,
wir bauen dass Feld, wir ernten, wir füllen die Scheune und
Keller, und können uns einen Vorrat, zum wenigsten auf einen
Tag, schaffen; da die Vögel solches nicht haben, und dennoch
ernähret werden: also, spricht der Herr, haben wir auch
einen Vorteil der Kleidung wegen. Da baut man so viel
Leinen, Flachs, Hanf; man zieht so viel Schafe; es ist
überall in allen Häusern so viel Vorrat: wie kann denn ein
Mensch so ohne Glauben sein, dass er nicht hoffen will, ihm
sollte auch ein Teil daraus werden, besonders wenn er mit
der Arbeit weiter anhält?
36. Denn wir müssen hier einen Unterschied machen. Die
Arbeit ist nicht allein nicht verboten, sondern auch zum
höchsten geboten; und also geboten, dass man allen Fleiß und
Sorge darauf legen, und nicht unfleißig, faul noch unachtsam
damit sein soll. Aber sorgen, wie wir Essen, Trinken,
Kleidung und anderes bekommen müssen, das ist zum höchsten
verboten. Denn solcher Sorge ist ein Zeichen, dass wir das
Vertrauen zu Gott nicht haben, dass er uns erhalten will.
Darum wird Gott am höchsten damit gelästert.
37. dass es also beides bei einander sein und bleiben muss.
Das erste, dass du mit allem Fleiß deiner Arbeit nachgehst.
Denn solches hat Gott den Menschen im Paradies befohlen:
wollte er Essen, dass er auch arbeiten soll. Das andere,
dass du auch ein Christ bist und glaubst. Glauben aber heißt
Gott trauen, der sei unser Vater, er wisse, was wir
bedürfen, und er werde uns dasselbe gern widerfahren lassen.
Mit solchem Glauben kann sich die Sorge nicht vertragen;
sondern sobald das Sorgen angeht, so wankt der Glaube, ja,
es ist aus mit ihm.
38. Darum verbietet es der Herr, und sagt kurz: Sorget
nicht: arbeiten sollt ihr, das ist euer Befehl; und lasst
mich sorgen; denn solches ist mein Amt, dass ich euer Vater
bin, und ich kann mit meiner Fürsorge etwas ausrichten; ihr
könnt nichts damit ausrichten. Darum lasst es bleiben; oder
wo ihr es nicht wollt bleiben lassen, so wisset, dass ihr
meine Diener nicht seid; ihr seid des Mammons Diener; den
liebt ihr, mich aber hasset ihr; dem hängt ihr an, mich aber
verachtet ihr. Wie man denn öffentlich an der Welt Beispiel
sieht. Ja wohl, wenn mancher diese Stunde zehn oder 20
Gulden zu gewinnen wüsste, dass er solchen Gewinn vergesse,
oder ein wenig verzöge, und ginge zuvor zur Predigt? Geld
gewinnen ist ihm aber wichtiger, und denkt, die Predigt
hören könne er wohl zur anderen Zeit bekommen. Nun ist es
aber wahr, was man Gottes Wort tut, dass hat man Gott getan.
Wer es verachtet und Geld lieber hat, der hat Gott verachtet
und hasst Gott. Da mache nur niemand keine Glosse, der Text
ist zu rein, dass man nicht vorüber kann.
39. Darum ist das eine Christenpredigt, dass dieselben nicht
sorgen noch sagen sollen: " Was werden wir Essen? Was werden
wir Trinken? Womit wollen wir uns kleiden? ". Die Heiden,
spricht der Herr, trachten nach solchem, die es nicht wissen
noch glauben, dass sie im Himmel einen Vater haben. Ihr aber
habt einen Vater im Himmel, der euch Leib und leben, ja,
auch seinen Sohn gegeben hat, der weiß, was ihr bedürfet.
Wie könnt ihr ihn aber so für unbarmherzig und hart halten,
dass er es euch nicht geben, und des Hungers Sterben und
verderben wollte? Darum tut, wie ihr es seht, dass eure
Kinder gegen euch tun: sie legen sich des Nachts nieder, und
schlafen ohne alle Sorge; sie kümmern sich um nichts, wenn
sie morgens ein Stück Brot oder Suppe nehmen wollen; denn
sie wissen, dass Vater und Mutter für dasselbe sorgt. Also
tut ihr auch, lieben Kindlein, spricht Christus hier, gegen
euren Vater im Himmel, so soll es keine Not haben. Allein,
sorget nicht; denn das wäre ein Zeichen, dass ihr euch eures
Vaters im Himmel nicht tröstet; sonst würde ihr alle Sorge
fallen lassen und alles Gute hoffen
40. Deswegen beschließt der Herr dieser Predigt also, und
spricht: " Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes, und
nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das andere alles
zufallen ". Das ist eine nötige Lehre und treffliche
Verheißung. Die Welt fragt und trachtet nach ihrem Reich, da
muss man Geld und Gut haben, welches alles ungewiss und
unbeständig ist. Dagegen hat Gott ein anderes Reich, das ist
ein ewiges Reich, dem sollen wir Christen nach trachten.
Solches Reich, sagt Christus, sei inwendig in uns. Und heißt
anderes nicht, denn das Wort hören und glauben, das ist,
Gott von Herzen vertrauen und für einen Vater halten. Wo
solcher Glauben ist, da wohnt Gott, und folgt sobald die
Gerechtigkeit, das ist, Vergebung der Sünden. Das, spricht
Christus, lasst euer erstes sein, haltet euch zum Wort, hört
es mit Fleiß, übt euch damit und glaubt.
41. Wenn ihr also Gottes Reich und Gerechtigkeit am ersten
gesucht habt, so seid zufrieden, und tue ein jeder in seinem
Stande, was er soll; denn Christen sollen nicht müßig gehen,
sondern arbeiten: alsdann sollen es euch alles zufallen.
Dann kann Gott so fromm und gnädig sein, dass er den bösen
Buben alles genug gibt, die nicht allein ihm nicht dienen,
sondern auch sein Wort noch verfolgen und lästern, und ihm
alle Schande und Unehre tun, wie könnte es möglich sein,
dass er euch lassen sollte, die hier ihn lieb habt, sein
Wort gern hört und fördert, und alle euer Vertrauen auf ihn
setzt? Also lehrt der Herr, dass wir und sollen an das Wort
halten, glauben und fromm sein, und alle Sorge fallen
lassen; so will Gott uns alles genug geben.
42. Aber was geschieht? Der meiste Teil geht hin, und achtet
Gottes Wort nicht, geht lieber dem Saufen und Spiel nach und
zum Tanz, denn in die Kirche zur Predigt. Solche Unart
bringt allerlei Sünde mit. Das nun Glück dabei sollte sein,
und Gott nicht mit Krankheit, Armut und allerlei Unrat
solches strafen sollte, das ist nicht möglich. Danach ist
eine andere Unart dabei , dass der meiste Teil auch mit der
Arbeit sehr nachlässig, faul und unachtsam ist; oder wo sie
arbeiten sie es sich sauer werden lassen. Es ist kein Maß
mit dem Schlemmen, Spielen und anderem, dass man auf einen
Feiertag alles durchbringt, was man die ganze Woche
erarbeitet hat. Beides will unser Herr Gott verboten haben,
dass man nicht müßig gehen soll und auch nicht verschwenden,
sondern was man erarbeitet, fein zu Rat halten soll.
43. Daher spricht der Herr: " die Vögel ernten nicht, und
sammeln nicht in ihre Scheunen ". Als sollte er sagen: Ihr
tut beides, und sollt auch beides tun, dass ihr arbeitet,
und danach den Gewinn hinter euch legt und auf die Not
behaltet. Wer es aber nicht tun will, was kann Gott dazu,
dass weder Glück noch Heil da ist? Du magst deinem
ruchlosen, und unchristlichen Leben, deinem Faulenzen und
deinem Verschwenden die Schuld geben, und Gott nicht, der
gern geben wollte, wenn du nur ein Christ sein, dass Wort
hören, glauben, die Sorge fallen lassen und arbeiten
wolltest. Wie er hier sagt: Euch soll es alles zufallen.
Aber du willst nicht. Wenn du solltest zur Predigt gehen, so
liegst du im Bette und faulenzt, oder gehst spazieren, oder
dem Saufen nach. Wenn du arbeiten sollst, tust du auch so.
muss doch ein Vogel arbeiten und nach seiner Weide
ausfliegen. Unser Herr Gott, der es nähren will, der will
ihm die Speise nicht ins Nest werfen. Also tue du ihm auch,
sei gottesfürchtig, und mit deiner Arbeit fleißig, und lasse
Gott für das übrige sorgen, wie er dir deine Nahrung
schaffen werde. Doch, wie oben gemeldet, dass du auch nicht
geizig bist, und dich genügen lässt; denn dasselbe will Gott
auch nicht leiden.
44. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium. Unser
lieber Herr Gott gebe durch Christum seinen Heiligen Geist,
dass wir uns daraus bessern und frömmer werden, Amen.
|